#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 06.06.2024 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 06.06.2024 um 10.30 UTC
Unbeständig mit Schauern, Gewittern und Regenfällen vor allem im Süden sowie im
Norden und Nordwesten. Mäßig warm bis kühl.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 13.06.2024
Die gute Nachricht der heutigen Mittelfristbetrachtung gleich mal vorweg: Von
Hitze oder gar von einer ersten Hitzewelle bleiben wir hier in Deutschland mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiterhin verschont. Okay, okay, ich
weiß, dass das jetzt nicht jeder gerne liest und für manche sogar eine
ausgesprochen schlechte Nachricht ist. Aber nun, auch von Amts wegen zur
Neutralität verpflichtete Vorhersagemeteorologen haben – man magŽs kaum glauben
- menschliche Züge und der Hoffmann gehört nun mal zu denen, die Hitze nicht so
mögen. Muss ja auch mal gesagt werden (dürfen).
Kommen wir zum eigentlichen Kern dieses Bulletins, der mittelfristigen
Entwicklung der Großwetterlage. Dabei starten wir in den Sonntag am Rande eines
schon in der Kurzfrist zur Verfügung stehenden Höhentrogs, der sein Drehzentrum
vom Nordmeer nach Südskandinavien verlagert. Dort befindet sich am Sonntagmittag
auch das korrespondierende Bodentief, das dem äußersten Norden neben kühler Luft
(T850 bei 2°C) auch ein paar Schauer serviert. Südlich davon schließt sich in
gradientschwachem Umfeld eine breite Zone „ohne besondere Vorkommnisse“ an, in
der sich wettermäßig nichts tut (trocken, Sonne, einige Wolken, nach Norden hin
eher kühl, zur Mitte hin mäßig warm). Die Zone reicht bis irgendwo zwischen Main
und Donau, bevor es in den neuralgischen Süden geht. Dort lauert noch immer eine
Luftmassengrenze (LMG), die schon jetzt auf den Wetterkarten zu bewundern ist.
Mit Annäherung eines Randtrogs von Frankreich gen Westalpen wird die LMG
aktiviert. Außerdem dreht die Höhenströmung etwas zurück und im Bereich der
östlichen Alpen bildet sich ein flaches Tief. Kurzum, die bis dato eher aus
Schauern und Gewittern zusammengesetzten Niederschläge bekommen durch WLA
respektive eine zunehmende Gegenstromkomponente einen skaligen Anteil, wobei
sich insbesondere in der Nacht zum Montag eine Intensivierung andeutet.
Akkumuliert über 24 Stunden simuliert IFS 10 bis 30, in konvektiven Hotspots bis
zu 50 l/m², wobei der Schwerpunkt südlich der Donau liegt. Es ist aber gut
möglich, dass der Regen – wenn auch mit schwächerer Intensität – bis hoch zur
Hohenloher Ebene und Mittel-, evtl. sogar bis nach Oberfranken ausgreift.
Zu Beginn der neuen Woche zieht der o.e. Randtrog rasch über die Alpen hinweg
nach Osten durch. Derweil erreicht ein weiterer, deutlich markanter ausgeprägter
Randtrog von Benelux und der Nordsee her den Westen und Nordwesten des
Vorhersageraums. Vorderseitig dreht die relativ flotte Höhenströmung knapp
östlich von uns noch etwas weiter zurück, wodurch das flache Tief recht zügig
via Polen zum Baltikum gesteuert wird. Bei uns beginnen die Höhenwinde zu
zonalisieren, so dass die Gegenstromlage wieder beendet wird und sich die
Regenfälle im Süden mehr und mehr in die Alpen sowie nach Österreich
zurückziehen.
Anders die Situation im Norden, wo ein kleines, aus einem Bodentrog
hervorgegangenes Tief über die Kimbrische Halbinsel zu den dänischen Inseln
zieht. Die zugehörige Kaltfront schwenkt landeinwärts und bringt weiten Teilen
Nord- und Westdeutschlands zeitweiligen Regen sowie eine auffrischenden, an der
Nordsee möglicherweise sogar stürmischen West-Nordwestwind. Außerdem gelangt auf
direktem Wege ein Schwall maritimer Polarluft (mP) zu uns, in der T850 bis
Tagesende auf rund 0°C im Emsland und 6°C im Berchtesgadener Land zurückgeht.
Am Dienstag sorgt ein weiterer, über UK/Irland südwärts schwenkender Randtrog
für eine Regeneration des inzwischen nach Südwesten gerichteten Gesamttroges.
Derweil schiebt sich bei uns, genau genommen in der breiten Mitte der etwas
schwächlich daherkommende Keil eines umfangreichen Hochs über dem Ostatlantik
rein. Er sorgt für leichten Zwischenhocheinfluss, der aber auf tönernden Füßen
steht, weil uns der Trog bis Donnerstag von Westeuropa her immer dichter auf die
Pelle rückt. Die Randbereiche im Norden und Nordwesten sowie im äußersten Süden
bleiben ohnehin zyklonal gefärbt mit Schauern und Gewittern inkl.
Starkregengefahr vornehmlich an den Alpen sowie im angrenzenden Vorland. Es ist
nicht ausgeschlossen, dass die latent noch immer vorhandene LMG zum Ende hin
noch mal dahingehend aktiviert wird, irgendwo im Südosten skaligen Regen zu
generieren. Das ist aber noch sehr unsicher.
In der erweiterten Mittelfrist deutet sich weiterhin zyklonaler Einfluss mit
wechselhaften Bedingungen auf mäßig warmem Temperaturniveau an (10°C oder mehr
auf 850 hPa wenn überhaupt nur im äußersten Süden).
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Summa summarum kann dem IFS-Modell (ECMF) eine solide Konsistenz attestiert
werden. So ist die Großwetterlage der nächsten Woche eigentlich unstrittig. Der
Teufel liegt wie so oft eher im Detail, was für eine Mittelfristprognose aber
keine große Überraschung ist. Im Kern lässt sich Folgendes festhalten:
Von einer (ersten) Hitzewelle bleiben wir sehr wahrscheinlich noch verschont.
Der Süden, schwerpunktmäßig die Regionen südlich der Donau, bekommen immer
wieder Regenfälle ab (teils Schauer und Gewitter mit Starkregengefahr,
vorübergehend aber auch mal länger andauernd).
Dem Norden und Nordwesten stehen wechselhaftes, kühles und zeitweise windiges
Schauerwetter bevor.
Dazwischen etabliert sich ein breiter Streifen der „Glückseeligen“, in dem das
Wetter vergleichsweise unspektakulär verläuft.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen etablierten Globalmodelle wie ICON, GFS, GEM oder UK10 tischen
uns keine substanziell von der IFS-Version abweichenden Szenarien auf. Alle
haben den sich nach Südwesten ausweitenden Nordmeertrog auf der Karte.
Unterschiede ergeben sich hinsichtlich der Geometrie sowie möglicher
Abtropfprozesse. Beides wird von Lauf zu Lauf immer mal wieder etwas anders
simuliert, so dass sich eine „favorisierte“ Lösung auf rein deterministischer
Basis nicht extrahieren lässt. Der Trend, den Trog zum Ende dichter an den
Vorhersageraum herankommen zu lassen, ist eigentlich überall gegeben, am
wenigsten bei ICON.
Kurz noch ein Satz zum Niederschlag. In der Gesamtakkumulation bis nächsten
Donnerstag zeigen die genannten Modelle übereinstimmend ein deutliches Maximum
südlich der Donau mit Schwerpunkt dicht an den Alpen (40-80, lokal um 100 l/m²).
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen einen
vergleichsweise gut gebündelten Verlauf mit geringer, im Laufe der nächsten
Woche moderater Streuung. Selbst das ganz große Delta, das gerne mal am Ende der
Zeitleiste in der erweiterten Mittelfrist beobachtet wird, hält sich heute in
Grenzen. Nur einige wenige Ausreißer scheren in der ansonsten überwiegend
seitwärts gerichteten Kurvenschar (zu Wochenbeginn leichte Delle nach unten)
nach oben hin aus. Dabei scheint wenigstens ein Ensemblemitglied ein Herz für
Hitzefans zu haben, indem es T850 am übernächsten Wochenende in München auf
satte 25°C!! und in der Mitte (Offenbach) auf rund 20°C hochbrennt. Das
deterministische RR-Maximum Sonntag/Montag im Süden spiegelt sich ebenso in den
Ensembles wider wie das Niederschlagsminimum im breiten Mittelstreifen.
CLUSTER
T+72…96h (Sonntag/Montag): Fünf Stück mit sehr ähnlichem Aussehen im
Vorhersageraum.
T+120…168h (Dienstag-Donnerstag): Vier Stück alle mit TrW (Trog Westeuropa),
Tendenz Richtung Mitteleuropa ziehend. Geometrie und Progression leicht
unterschiedlich.
T+192…240h (Freitag-Sonntag): Ein Stück mit anfangs TrM (Trog Mitteleuropa),
danach retrograd (=> TrW).
FAZIT
Die Ensembles stützen weitgehend die von den deterministischen Modellen
geschriebene Geschichte. Demnach steht uns eine wechselhafte und moderat
temperierte, im Norden vielfach kühle Wetterphase bevor, im Süden mit häufigen,
überwiegend (aber nicht ausschließlich) konvektiven Niederschlägen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Wie den Ausführungen weiter oben zu entnehmen, gibt es einiges zu holen auf dem
Sektor signifikanter Wettererscheinungen. Fangen wir mit der kleineren Baustelle
im Norden und Nordwesten an, wo neben wiederholten Schauern auch kurze
Graupelgewitter mit stürmischen Böen 8 Bft wahrscheinlich sind. Hinzu kommt
gerade zu Wochenbeginn eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für stürmischen
Wind um West an den Küsten, vor allem an der Nordsee.
Die größere Baustelle liegt aber eindeutig im Süden, wo es immer wieder zu
schauerartigen Regenfällen und teils kräftigen Gewittern kommt. Dabei ist der
Fokus eindeutig auf Starkregen gerichtet, auch wenn andere Parameter wie Hagel
und Sturm nicht gänzlich unter den Tisch fallen. Im Laufe des Sonntags bis in
den Montag hinein deutet sich hervorgerufen durch einen skaligen Input eine
Intensivierung der Niederschläge vor allem in der Fläche an. Vornehmlich von der
deutsch-schweizer Grenze bis hinüber zum Alpenrand sowie ins angrenzende
Alpenvorland gibt es erhöhte EPS-Wahrscheinlichkeiten für Mengen > 30 l/m² in 24
h. Für mehr als 50 l/m² sind die Signale allerdings nur schwach, was aber nichts
heißen muss. Problematisch können gerade vor der dem Hintergrund der jüngsten
Hochwasserlage sowohl die kurzzeitigen oder auch mehrstündigen Starkregenfälle
als auch die Gesamtmenge der über mehrere Tage aufakkumulierten Regenmengen
werden, auch wenn das vergangene Ereignis gerade in der Fläche sicherlich
intensiver war.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS mit MOS-Mix und Modell-Mix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann