#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Freitag, den 06.11.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 06.11.2026 um 10.30 UTC
Schlagzeile:
Ab Dienstag unbeständig und mild. In Staulagen Dauerregen möglich, ansonsten
aber kaum markante Wetterereignisse.
Entwicklung der Großwetterlage:
Zunächst Übergang von SEa zu SWa, ab Donnerstag/Freitag größere Unsicherheiten,
insgesamt aber vorübergehend zyklonaler.
Synoptische Entwicklung und Warnkriterien bis Freitag, den 13.11.2026
- Folgetag (Montag, den 09.11.2026)
Synoptische Entwicklung:
Zu Beginn kommender Woche hat sich das bisher blockierende Hochdruckgebiet
„KLAUS“ weit nach Südosteuropa zurückgezogen, der korrespondierende breite
Höhenrücken erweist sich aber nach wie vor als robust und reicht vom Schwarzen
Meer bis zur mittleren Ostsee bzw. nach Südskandinavien. Auch im Bodenfeld
befinden sich noch weite Teile des Vorhersagegebietes im Einflussbereich einer
schwächelnden Hochdruckbrücke bzw. an deren Südwestflanke.
Ein kleiner „Störenfried“ in Form eines Höhentiefs bzw. Kaltlufttropfens hat
aber inzwischen die mittlere Nordsee erreicht und zieht bis Dienstagfrüh langsam
zur südwestlichen Ostsee. Bei bodennaher Zufuhr trockener Festlandsluft
beschränken sich dessen Auswirkungen aber auf dichtere Wolkenfelder über dem
Norden und Nordosten des Landes, aus denen es kaum regnet.
Ansonsten gilt es aber, den Blick Richtung Westen/Südwesten zu richten. Über dem
Ostatlantik, westsüdwestlich von Irland, hat sich inzwischen ein hochreihendes
und zentralsteuerndes Sturmtief eingenistet. Es erweist sich zunächst als
quasistationär, allerdings passieren auf dessen Vorderseite recht markante und
kurzwellige Randtröge den Nordwesten der Iberischen Halbinsel und die Biskaya
nordost- bzw. nordwärts. Kräftige WLA stützt einen Höhenkeil über Frankreich und
den Britischen Inseln, der kaum nach Osten vorankommt und blockierend wirkt. Die
WLA überläuft den Keil und macht sich auch im Südwesten Deutschlands bereits am
Montag mit dichterer Bewölkung bemerkbar. Nach Lesart des IFS setzen im
Südwesten und Süden bereits am Montagnachmittag leichte Regenfälle ein, nach den
anderen Modellen erst in der Nacht zum Dienstag.
Im Rest des Landes dominiert ruhiges Hochdruckwetter; gebietsweise halten sich
ganztägig Nebel bzw. Hochnebel und es bleibt mit unter 5 Grad recht kühl, vor
allem im Lee einiger Mittelgebirge scheint aber auch länger die Sonne, dann bei
knapp zweistelligen Höchstwerten.
Potentielle Warnelemente:
Außer Frost und Nebel in den Regionen mit nächtlichem Aufklaren stehen keine
Warnelemente auf der Agenda.
Modellvergleich:
Die großräumige Wetterentwicklung wird von allen Modellen sehr ähnlich
simuliert. Im Detail gibt es noch Differenzen, die Auswirkungen der WLA im
Südwesten/Süden betreffend. IFS simuliert bereits ab Montagnachmittag vom
Schwarzwald bis zum Alpenrand leichte Regenfälle, die anderen Modelle folgen
erst in der Nacht zum Dienstag. ICON hat dabei die geringsten Mengen auf der
Agenda (1 bis 5 l/m²), ansonsten werden vor allem von Südbaden bis ins Allgäu
recht flächig 10 bis 20 l/m² simuliert.
Konsistenz:
Die Modelle erweisen sich als relativ konsistent. Die gestrigen IFS-Läufe, vor
allem der von 12 UTC, ließen die Regenfälle in der Nacht etwas weiter nach
Norden, nämlich schon bis zum Main, vorankommen.
Entwicklung von Dienstag, 10.11.2026 bis Freitag,13.11.2026
Synoptische Entwicklung:
Am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch wird an der Süd- und Ostflanke des
weiterhin quasistationären Zentraltiefs ein markanter Randtrog unter
Amplifizierung zunächst nordost-, später nordwärts über die Biskaya nach Irland
gesteuert, so dass der vorgelagerte Höhenkeil nach Osten abgedrängt wird und
nachts auf das Vorhersagegebiet übergreift. Mit dessen Annäherung setzt
Druckanstieg ein und es etabliert sich eine eigenständige Hochdruckparzelle in
etwa über der Mitte des Landes, die sich in der Nacht zum Mittwoch langsam
Richtung Tschechien verlagert.
Die WLA-induzierten Regenfälle über Süddeutschland weiten sich dort noch nach
Osten aus, kommen aber nicht über den Main hinaus nach Norden voran und klingen
nachmittags/abends von Nordwesten her rasch wieder ab, in der Nacht zum Mittwoch
regnet es anfangs nur noch an den Alpen etwas. Aufsummiert von Montag- bis
Dienstagnachmittag können im Schwarzwaldstau nach Lesart des IFS eventuell
warnrelevante Mengen über 30 l/m² zusammenkommen.
Im Rest des Landes bleibt es meist trocken, lediglich im Nordosten und Osten
muss im Einflussbereich des nach Polen abziehenden Höhentiefs anfangs noch mit
einzelnen Schauern gerechnet werden.
Mit Annäherung eines Bodentroges setzt in der Nacht von Westen her bereits
wieder Druckfall ein und eine weitere Warmfront nähert sich dem Vorhersagegebiet
an. Die Wolken werden dichter und eventuell fällt später ganz im Westen auch
etwas Regen.
Am Mittwoch schwenkt die Warmfront rasch über das Vorhersagegebiet hinweg
ostnordostwärts. Dabei entwickelt sich über der nördlichen Nordsee eine flache
Frontalwelle und zieht bis Donnerstagfrüh als kleinräumiges Tiefdruckgebiet zum
Skagerrak, während das zentralsteuernde Tief südwestlich von Irland langsam nach
Osten vorankommt und sich dabei beginnt aufzufüllen. Somit bleiben wir im
Warmsektor unterhalb einer leicht antizyklonal konturierten westsüdwestlichen
Höhenströmung.
Mit Passage der Warmfront überqueren Regenfälle meist leichter Intensität den
Norden und die Mitte sowie den Südwesten des Landes ostnordostwärts, während es
im Südosten, zumindest südlich der Donau meist trocken bleibt, an den Alpen wird
es föhnig, eventuell mit Sturmböen in Gipfellagen.
Auch nach Osten zu kommen nicht mehr allzu viel Niederschläge an, während es in
den Staulagen einiger westlicher und zentraler Mittelgebirge durchaus Mengen
über 10 l/m² bis Donnerstagfrüh geben kann.
Die Sonne zeigt sich am ehesten an den Alpen und im Vorland, aber auch im Lee
einiger, vor allem der östlichen Mittelgebirge. Insgesamt bleibt es im
Warmsektor mild mit Maxima zwischen 7 Grad im Nordosten und 15 Grad am Oberrhein
bzw. am Alpenrand. Dort mit Föhn eventuell sogar mehr.
Am Donnerstag kommt es über dem Nordmeer zu einem markanten Kaltluft- und
Trogvorstoß, der in der Nacht zum Freitag auch noch die Nordsee und Skandinavien
erfasst. Das zentralsteuernde Tief westlich der Biskaya wird dadurch etwas nach
Süden abgedrängt und füllt sich weiter auf, während sich rückseitig des Troges
eine Hochdruckzone von den Azoren bis zu den Britischen Inseln ausweitet.
Bereits am Mittwoch kommt es mit dem Trogvorstoß über dem Nordmeer zu einer
kräftigen Zyklogenese, im Laufe des Donnerstags zieht das Sturmtief zu den
Lofoten und erreicht bereits tagsüber den Höhepunkt seiner Entwicklung, ehe es
sich in der Nacht zum Freitag wieder langsam auffüllt. Die flache Frontalwelle
über dem Skagerrak wird in das Zirkulationssystem um das Tief eingebunden und
zieht ohne weiteres Entwicklungspotenzial bis zur Nacht zum Freitag nach
Südfinnland. Die Kaltfront überquert tagsüber mangels Schubkomponente nur
langsam die Nordsee und die westliche Ostsee südwärts und greift erst in der
Nacht zum Freitag auf Norddeutschland über. Präfrontal regnet es im Warmsektor
im Vorhersagegebiet tagsüber zunächst nur wenig, erst mit Annäherung der
wellenden Kaltfront setzten am Nachmittag im Nordwesten flächendeckende
Regenfälle ein, die in der Nacht zum Freitag langsam südostwärts vorankommen und
Freitagfrüh postfrontal mit Annäherung eines Bodenhochkeils rasch wieder
nachlassen.
Bis dahin kommen – außer im Osten und Südosten sowie in einigen Leelagen – recht
flächendeckend Regenmengen zwischen 5 und 15 l/m², in einigen Staulagen über 20
l/m² zusammen.
Insgesamt bleibt es mild bis sehr mild mit 8 bis 13 Grad, an den Alpen föhnig
mit Maxima wohl teils über 15 Grad. Dort kann es in Gipfellagen eventuell
Sturmböen geben.
Am Freitag überquert der Höhentrog Skandinavien ostwärts. Das Bodentief zieht
zur Barentssee und dessen Kaltfront kommt zunächst rasch nach Süden voran, wird
aber durch Zyklogenesen über dem westlichen Mittelmeerraum bzw. Norditalien (das
ehemals zentralsteuernde Tief verlagert sich als Randtrog nach Frankreich bzw.
zur Iberischen Halbinsel) über Süddeutschland eingebremst und gerät dort erneut
ins Schleifen.
Mit Frontpassage gibt es weitere Regenfälle, während es im Norden und später
auch in der Mitte postfrontal im Einflussbereich eines vorstoßenden Hochkeils
rasch abtrocknet und sich die Sonne durchsetzt. In Süddeutschland dauern die
Regenfälle dagegen bis Samstag an.
Der Front folgt ein schwall maritim erwärmter Polarluft, insgesamt bleibt es
also relativ mild. Bei nächtlichem Aufklaren kann es aber insbesondere über
Norddeutschland leichten Frost geben.
Potentielle Warnelemente:
Viel steht nicht auf der Agenda. Auch, wenn die Prognosen noch sehr unsicher
sind, insbesondere, was die räumliche Verteilung und Intensität der
Niederschläge angeht, reicht es wohl, wenn überhaupt, maximal in einigen
Weststaulagen für warnrelevante Mengen über 30 l/m² in 24 Stunden.
Auch windtechnisch ist nicht viel zu holen. Eventuell gibt es mit dem leichten
Föhn am Alpenrand auf exponierten Gipfeln einzelne Sturmböen.
Modellvergleich:
Bereits am Dienstag zeigen die Modelle zumindest im Detail voneinander
abweichende Entwicklungen. GFS und ICON haben das kleinräumige Bodenhoch
deutlich schwächer auf der Agenda, so dass die Niederschläge im Süden nicht erst
einmal nachlassen bzw. komplett abklingen, sondern bereits tagsüber (ICON, UK10)
bzw. in der Nacht zum Mittwoch (wieder nach Norden, bis etwa zur Landesmitte
vorankommen, sämtliche Modelle aber ohne warnrelevante Mengen.
Danach werden die Unterschiede substanzieller. Zünglein an der Waage ist
insbesondere der Richtung Nordmeer und Skandinavien gerichtete Trogvorstoß, der
nach Lesart des ICON und noch mehr des GFS progressiver simuliert wird als nach
IFS bzw. UK10. Somit setzt die Entwicklung der Frontalwelle weiter südlich an;
nach ICON über der mittleren Nordsee, wobei sie sich bereits in der Nacht zum
Donnerstag über Norddeutschland hinweg ohne weiteres Entwicklungspotenzial rasch
ostwärts verlagert, GFS simuliert sie bei ähnlichem Timing sogar über der
Landesmitte. Rückseitig greift die Kaltfront somit bereits deutlich früher,
nämlich am Donnerstag bzw. in der Nacht zum Freitag auf das Vorhersagegebiet
über. In einem deutlich antizyklonaleren Umfeld kommt sie nach GFS nicht so weit
nach Süden voran wie nach Lesart des IFS, sondern löst sich bereits in der Nacht
zum Freitag über der Landesmitte mehr oder weniger auf.
Die Südhälfte bleibt dann auch bis in die erweiterte Mittelfrist, also bis zum
übernächsten Wochenende, im Einflussbereich milderer und etwas feuchterer
Luftmassen, so dass es dort zeitweilig zu Niederschlägen kommen kann, während
die Nordhälfte in den Einflussbereich eines Hochs über Nordwesteuropa bzw.
dessen bis nach Norddeutschland reichenden Keils gelangt.
Nach Lesart des IFS verlagert das Hoch dagegen am Wochenende seinen Schwerpunkt
über Norddeutschland hinweg ostwärts und drängt die feuchtere Luftmasse weiter
nach Süden ab.
Konsistenz:
Das IFS erweist sich bis Freitag als recht konsistent. In der erweiterten
Mittelfrist lässt der gestrige 00 UTC-Lauf den Höhentrog über Skandinavien
deutlich weiter nach Süden, nämlich bis nach Mitteleuropa amplifizieren, so dass
sich nach dessen Lesart eine zunächst zyklonale, dann aber rasch antizyklonale
Nordwestlage einstellt und die Kaltfront rasch die Alpen überquert, statt über
Süddeutschland ins Schleifen zu geraten.
Clusteranalyse:
Die Mittelfrist beginnt mit einem ausgeprägten Blocking (3 Cluster im Zeitraum
72 bis 96 Stunden, die alle diesem Großwetterlagenregime zugeordnet sind) mit
deutlich zu hohem Geopotenzial über Nordwesteuropa, aber auch noch über
Osteuropa (unser Betonhoch „KLAUS“). Für Mitteleuropa unterscheiden sich die
Cluster aber nicht grundsätzlich, sondern lediglich bzgl. des kleinräumigen
Höhentiefs über Norddeutschland. Auswirkungen auf die Wetterentwicklung
hierzulande haben diese Differenzen aber kaum.
Im Zeitraum 120 bis 168 Stunden verteilen sich die 51 EPS-Member auf drei
Cluster. Unterschiede ergeben sich insbesondere bzgl. des auf das Nordmeer und
in weiterer Folge auf Skandinavien übergreifenden Troges bzw. des nachfolgenden
Höhenrückens. CL 1 (23 Member) und CL 3 (12 Member) lassen den Trog weiter nach
Süden ausgreifen, wobei CL 1 progressiver aufgestellt ist als CL 3, nach dessen
Lesart die Kaltfront auch am kommenden Freitag noch weit nordwestlich des
Vorhersagegebietes bleiben würde.
Nach Lesart des CL 2 (16 Member) bleibt das Muster über Mitteleuropa insgesamt
etwas anizyklonaler aufgestellt, im Bodenfeld wird die Kaltfront ähnlich
progressiv simuliert wie in CL 1, aber wohl deutlich weniger wetterwirksam. Der
Hauptlauf lässt sich wohl irgendwo zwischen CL 1 und CL 2 einsortieren. Die
progressiveren Lösungen des GFS und ICON lassen sich dagegen keinem der Cluster
so wirklich zuordnen.
In der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 Stunden) tauchen dann ebenfalls drei
Cluster auf. CL 1 (26 Member) hat die zyklonalste Variante auf der Agenda und
ist durchgehend dem Großwetterlagenregime NAO positiv zugeordnet. Dabei zeigen
sich zunächst Ähnlichkeiten zum gestrigen 00 UTC-Lauf mit einer Nordwestlage am
Wochenende und zunehmendem Hochdruckeinfluss danach.
CL 2 (13 Member) und CL 3 (12 Member) sind insgesamt antizyklonaler aufgestellt.
Vor allem CL 3 tendiert Richtung massiven Blocking über West- bzw. Mitteleuropa
und der Großwetterlage „Hoch Mitteleuropa“, CL 2 dagegen zum Ende hin Richtung
Südwest antizyklonal.
Anhand der Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der ENS-Member innerhalb der
Rauchfahnen verschiedener über das Vorhersagegebiet verteilter Gitterpunkte
lässt sich der Vorstoß milder Meeresluftmassen aus Südwesteuropa im Zeitraum
Dienstag bis Donnerstag gut ausmachen, wobei der Spread für die norddeutschen
Gitterpunkte größer ausfällt als weiter südlich. Zahlreiche Member simulieren in
diesem Zeitraum nahezu flächendeckend Niederschläge, allerdings ohne wirklich
große Mengen.
Ab Freitag kommt es dann nach Lesart der meisten Member zumindest in der
Nordhälfte zu einem markanten Temperaturrückgang, wobei der Spread deutlich
größer wird. In der Südhälfte haben nur wenige Member einen Vorstoß maritimer
Polarluft auf der Agenda. Der Median bewegt sich dort sogar um oder knapp über 5
Grad. Die Niederschlagssignale nehmen am kommenden Wochenende insgesamt ab.
Fazit:
Nach noch ruhigem Montag gibt es von Dienstag bis Donnerstag im Zuge des
Vorstoßes feuchtmilder Atlantikluft verbreitet Niederschläge, die aber – mal
abgesehen von wirklich exponierten Staulagen – keine Warnrelevanz aufweisen.
Am Freitag folgt von Nordwesten her eine Kaltfront, die wohl bei wieder
zunehmend antizyklonalen Einfluss nach Lesart aller vorliegenden
deterministischen Modellläufe und auch der meisten IFS-Member kaum über die
Landesmitte hinaus nach Süden vorankommt. Insgesamt bleibt es eher mild,
Winterwetter ist weit und breit nicht in Sicht, auch nicht für das Bergland.
Basis für Mittelfristvorhersage:
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff