S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 03.11.2026 um 10.30 UTC

Schlagzeile:
Nach ruhigem Hochdruckwetter kommende Woche zunehmend Tiefdruckeinfluss
wahrscheinlich.

Entwicklung der Großwetterlage:
Ensemblebetrachtung: Zunächst herrschen Hochdruckwetterlagen mit einer östlichen
Bodenströmung. Im Laufe der Mittelfrist nehmen zyklonale Großwetterlagen an
Häufigkeit zu und erreichen am Mittwoch kommender Woche etwa 50 %. Ein
beachtlicher Anteil der Ensemblemitglieder zeigt weiterhin antizyklonale Süd-
bis Südostlagen.

Synoptische Entwicklung und Warnkriterien bis Dienstag, den 10.11.2026

  1. Folgetag (Freitag, den 06.11.2026)

Synoptische Entwicklung:
Am Freitag liegt Deutschland unter einem Höhenrücken und an der Südwestflanke
einer Hochdruckzone, die sich von der Nordsee nach Südosteuropa erstreckt. Aus
dem Hoch fließt mit einer östlichen Strömung kühle Festlandsluft nach
Deutschland. In 850 hPa werden zwar meist mehr als 5 Grad erreicht, aufgrund
fehlender Durchmischung spielt die Luftmasse dort aber kaum eine Rolle für die
bodennahen Temperaturen. Ein Höhentief über der Bretagne zieht langsam
nordostwärts. Ein kleiner Teil des Höhentiefs tropft nach Norditalien ab.

In der Nacht zum Samstag bleibt der Himmel vor allem in den mittleren
Landesteilen gebietsweise gering bewölkt. Dann gibt es leichten Frost und später
teils dichten Nebel. Im äußersten Südwesten zieht am Nordrand des Höhentiefs
mehrschichtige Bewölkung eines Tiefausläufers auf; für ein paar Tropfen reicht
es wohl allenfalls an der Grenze zur Schweiz.

Potentielle Warnelemente:
Leichter Nachtfrost und Nebel.

Modellvergleich:
Die anderen Modelle simulieren die Entwicklung sehr ähnlich.

Konsistenz:
Der Tiefausläufer wurden in den Vorläufen des IFS etwas weiter in den Südwesten
hereingeführt.

Entwicklung von Samstag, 07.11.2026 bis Dienstag,10.11.2026

Synoptische Entwicklung:
Am Samstag verlagern sich Höhenrücken und Bodenhoch etwas weiter nach Osten,
bleiben aber weitgehend wetterbestimmend für Deutschland. Das Höhentief hat die
Britischen Inseln erreicht, am Boden bildet sich dort ebenfalls ein Tief. Ein
kleinerer Anteil des Höhentiefs ist nach Norditalien abgetropft und spielt für
das Wetter in Deutschland keine Rolle mehr. Mit einer schwachen Strömung meist
aus Ost bis Südost wird bodennah weiterhin kühle Luft herangeführt. Die
Verteilung von Nebel, Hochnebel und wolkenarmen Regionen ist diffizil. Das gilt
auch für die Nacht zum Sonntag, wenn als Warnparameter wieder leichter Frost und
Nebel auf der Agenda stehen.

Am Sonntag verlagert sich das Tief langsam von den Britischen Inseln zum
Westteil der Nordsee. Der Rücken und das Bodenhoch als Gegenspieler im Osten
wandern nach Ost- und Südosteuropa, bleiben aber wetterwirksam für Deutschland.
Die wohl verbreitet anzutreffende Hochnebeldecke wird gebietsweise etwas gehoben
und führt zu etwas Nieselregen.
Vorderseitig eines umfangreichen Tiefs nordwestlich von Portugal schwenkt eine
Warmfront nach Frankreich, an ihr spaltet sich eine Warmfrontwelle ab, die
ostwärts abläuft. Im Südwesten und Westen Deutschlands setzt somit im Laufe der
Nacht zum Montag Regen ein. Möglicher Frost bei Auflockerungen sollte sich auf
den äußersten Osten beschränken.

Am Montag verliert das Bodentief über der Nordsee an Kontur, in der Höhe bleibt
es aber gut ausgeprägt und zieht bis zum Abend nach Schleswig-Holstein. Die von
Frankreich hereinziehende Welle liegt entwicklungsgünstig dazu und kann sich im
Bereich recht großer Temperaturunterschiede von Nord nach Süd (850 hPa: -3 Grad
an der Ostsee und knapp 10 Grad am Alpenrand) verstärken. Dienstagfrüh erreicht
sie Nordpolen. Verbreitet kommt es zu leichten bis mäßigen Regenfällen. Im
Nordosten fällt die Schneefallgrenze zwar am Abend auf rund 500 Meter, aber dort
fehlen die Gebirge für nasse Flocken. In der Nacht zum Dienstag gelangt
Deutschland unter Zwischenhocheinfluss.

Am Dienstag erreicht die eigentliche Warmfront des ostatlantischen Tiefs
Deutschland. Bis zum späten Abend steigt die Temperatur in 850 hPa verbreitet
auf 6 bis 11 Grad. Im Zuge der Warmfront kommt verbreitet leichter bis mäßiger
Regen auf, der von Südwesten her in Schauer übergeht.

Blick über den Tellerrand: Am Ende der Mittelfrist nimmt die großräumige
Struktur der Wetterlage über Nordwest- und Mitteleuropa zunehmend Strukturen
eines Viererdruckfelds an. Während subtropische Warmluft (10 bis 15 Grad in 850
hPa) nach Frankreich geführt wird, erreicht Polarluft (um -5 Grad in 850 hPa)
Schottland.

In der erweiterten Mittelfrist sorgen diese Gegensätze für reichlich Treibstoff
für Tiefdruckentwicklungen im Grenzbereich, wobei in diesem Lauf die Kaltluft am
Ende gewinnt und ab Donnerstag Deutschland flutet (Donnerstagabend: -4 Grad in
850 hPa über Sylt und +13 Grad über Passau). Solch eine Wetterlage bringt per se
schon viele Unsicherheiten mit sich, wenn sie bereits entstanden ist. In dem
Fall ist das aber längst nicht sicher.

Potentielle Warnelemente:
Anfangs, mit abnehmender Wahrscheinlich gebietsweise Nachtfrost.
Montag und Dienstag in Weststaulagen Dauerregen nicht völlig ausgeschlossen.

Modellvergleich:
Die anderen Modelle zeigen recht einheitlich die Zugbahn des Höhentiefs über
Großbritannien zur Nordsee und dann mehrheitlich zur Ostsee bzw. nach Polen. GFS
weicht stärker ab und belässt das Höhentief, dann als Trog, noch am Dienstag
über der Nordsee. GFS und UK10 lassen nur geringe Anteile nach Norditalien
abtropfen. Frontale Strukturen erreichen Deutschland allgemein bereits etwas
früher am Sonntag/Montag. In der Nacht zum Dienstag zeigen alle Modelle eine
markante Warmfront über Frankreich auf der Vorderseite eines umfangreichen Tiefs
westlich der Biskaya.

Konsistenz:
Die Unterschiede nehmen ab Samstag rasch zu. Das Höhentief spaltet sich auf. Ein
kleinerer Teil zieht bis Sonntagfrüh zum Nordteil der Adria, der größere Teil
nach England. Dort bildet sich ein Bodentief. Boden- und Höhentief ziehen bis
Dienstagfrüh über die Nordsee nach Nordpolen. Gestern zog das Höhentief noch
über Süddeutschland nach Tschechien. Auch der gestrige Abendlauf zeigte noch die
südliche Lösung. Erst am Montag erreicht Deutschland mit dem aktuellen Lauf
zyklonales Wetter, dann auch im Norden und Osten. Am Dienstag überquert eine
markante Warmfront Deutschland nordostwärts. Die Entwicklung läuft schneller ab
als im gestrigen 00-UTC-Lauf. Der gestrige 12-UTC-Lauf zeigte eine Fortführung
der Blockierung und damit eine ganz andere Lösung. Die Konsistenz ist bereits am
Wochenende allenfalls noch mäßig und zu Beginn der Woche schlecht.

EFI & EPS:

EFI und EPS zeigen keine Hinweise auf ungewöhnliche bzw. markante
Wettererscheinungen.
Der EFI zeigt vor allem für den Samstag noch Hinweise auf unterdurchschnittliche
Temperaturen im Norden und Osten Deutschlands.

Clusteranalyse:
ür Freitag und Samstag gibt es beim IFS drei Cluster, die alle dem Regime
„Blocking“ zugeordnet sind und deren Unterschiede für Mitteleuropa marginal
sind.

Für Sonntag bis Dienstag gibt es einen Cluster. Weiterhin wird die großräumige
Wetterlage dem Regime „Blocking“ zugeordnet.

Ab Mittwoch gibt es drei Cluster, die mehrheitlich den Regimen „Blocking“ und
„NAO positiv“ zugeordnet sind. Das blockierende Zentrum sitzt dabei auf dem
nördlichen Nordatlantik, die Frontalzone verläuft recht weit südlich. Inwieweit
diese nachhaltig bis nach Mitteleuropa vordringt, ist unklar. Die Unterschiede
am Ende des Zeitraums sind enorm.

PLUMES:

Das Geopotenzial in 500 hPa zeigt bei allgemein sinkender Tendenz bereits ab
Samstag eine deutlich zunehmende Streuung der Lösungen. Der Rücken am Dienstag
findet sich bei den meisten Ensemblemitgliedern wieder, danach wird die Streuung
sehr groß.

Die Temperatur in 850 hPa zeigt im Süden am Wochenende und im Norden am Montag
ein Minimum, wobei das Niveau im Norden allgemein niedriger ist.

Niederschlagssignale gibt es bis einschließlich Sonntag kaum. Dann nehmen sie im
Süden und ab Dienstag auch im Norden deutlich zu, wobei der Hauptlauf im Norden
ein „nasser Geselle“ ist.

Fazit:
Nach einem zunächst von Hochdruckeinfluss geprägten Witterungsabschnitt, in dem
das Wetter in der Grenzschicht bestimmt wird und von Nebel/Hochnebel oder Sonne
und Nachtfrost geprägt ist, ändern sich die Vorzeichen wahrscheinlich mit dem
Wochenwechsel. Von Westen her setzen sich Tiefdruckeinfluss und vor allem im
Südwesten auch milde bis sehr milde Luft durch. Vorübergehend sind recht große
Temperaturgegensätze von Nord nach Süd möglich.

Basis für Mittelfristvorhersage:
IFS, IFS-ENS, MOSMIX

VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen