S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 21.10.2026 um 10.30 UTC

Unbeständig mit wiederholten Regenfällen und zeitweise stürmischem Wind.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 28.10.2026

Im mittelfristigen Vorhersagezeitraum erwartet uns ein unbeständiger
Witterungsabschnitt mit wiederholten Regenfällen und zeitweise stürmischem Wind.
Wie die Entwicklung im Detail aussieht, ist allerdings auch aus heutiger Sicht
weiterhin noch unsicher.
Am Samstag befindet sich ein umfangreiches Sturmtief, das vom Vortag aus dem
Südengland bzw. Südwestliche Nordsee herangezogen war, über den Niederlanden
oder dem Südteil der Deutschen Bucht. Ein südwärts gerichteter Trog schwenkt vom
westlichen Mittelmeer nach Süditalien und in einer Zyklogenese entsteht dort
neues Höhentief. Ausgehend von einem Hoch westlich von Portugal erstreckt sich
ein Rücken bis nach Irland. Dieser schwenkt im Tagesverlauf ostwärts zur
Deutschen Bucht und wölbt sich etwas auf. Vom Seegebiet südwestlich von Island
nähert sich das nächste Sturmtief, es rückt bis in den Raum Färöer (nach ICON)
oder sogar bis Schottland (nach IFS) vor. Bis diese Drucksysteme in Deutschland
wirksam werden, dominiert das Windfeld des erstgenannten Sturmtiefs die
Bundesrepublik. Je nach genauer Position des Tiefkerns wird sich die
Windsituation noch ändern, aus heutiger Sicht es wahrscheinlich, dass die West-
und Nordwesthälfte verbreitet Böen der Stärke Bft 7 und Bft 8 auftreten, an der
Nordsee und in Höhenlagen der Mittelgebirge Sturmböen Bft 9 und in exponierten
Lagen Bft 10. Mit geringerer Wahrscheinlichkeit bei südlicher verlaufender
Zugbahn wären auch tiefere Lagen Süddeutschlands mit Böen Bft 7 und 8 betroffen.
Der Bodentrog hat Deutschland schon am Vortag überquert, nachfolgend bringt ein
Kurzwellentrog dem Durchzug eines Regengebietes, wobei die Niederschlagsmengen
in der Nordhälfte stärker ausgeprägt sind als im Süden. Dauerregenpotential
zeigt sich hierbei in Staulagen der Mittelgebirge. Der Wind wird im Tagesverlauf
abseits der See nachlassen.
Am Sonntag verliert das zu einem normalen Tief abgeschwächte System über den
dänischen Inseln seine Identität. Ein Höhenrücken, der von Südwesteuropa in die
Mitte Deutschlands geführt wird, schwenkt südostwärts. Deutschland gerät damit
auf die Vorderseite des nächsten Troges. Dieser befindet sich an einem Tief das
vom färöisch-schottischen Raum in den Südteil der Norwegischen See zieht. Der
Trog schwenkt vom Nordwestteil der Nordsee ostwärts und reicht am Tagesende von
Südnorwegen zu den Ostalpen. Am Boden liegt zu Tagesbeginn eine Warmfront im
Bereich Südwestteil Nordsee bis Benelux. Über der Nordsee baut sich damit ein
veritables Sturmfeld auf mit schweren Sturmböen Bft 10 aus Süd. Landeinwärts
setzt sich dies in der Westhälfte mit Böen Bft 7 und Bft 8, in Gipfellagen auch
Sturmböen Bft 9 um Süd fort. Dazu verdichten sich die Wolken und von Westen her
setzt Regen ein. Im Tagesverlauf schwenkt die Warmfront ostwärts und die
nachfolgende Kaltfront erreicht ab etwa Mittag den Nordwesten. Während sich der
Regen ostwärts ausbreitet, erfolgt von Nordwesten her ein Übergang in Schauer,
an der See auch Gewitter. Auch in der Nordosthälfte und der Mitte lebt der Wind
spürbar auf mit Böen Bft 7 bis 8, in Hochlagen Sturmböen. Der Wind dreht mit
Trogpassage auf West und nimmt nachfolgend ab. In Staulagen der Mittelgebirge
zeigen sich höhere Wahrscheinlichkeiten für das Überschreiten der Warnschwelle
für Dauerregen.
Am Montag verlagert sich das Sturmtief über der Norwegischen See etwas
nordostwärts. Der Trog schwenkt über Polen zum Baltikum. Der nächste
Höhenrücken, ausgehend von einem Hoch bei Portugal, schwenkt von den Britischen
Inseln bis in den Ostteil der Deutschen Bucht und Nordwestdeutschland. Er stützt
am Boden ein Hoch, das sich über Frankreich aufbaut und nach Süddeutschland
wandert. Allerdings erreichen Störungen in Form von kurzwelligen Trögen
besonders die Nordhälfte Deutschlands, so dass dieser Tag wechselhaft mit
gelegentlichen leichten Niederschlägen, besonders in der Nordhälfte, bleibt.
Besonders an der Nordsee muss auch mit stürmischen Böen Bft 8 um West gerechnet
werden.
Am Dienstag liegt Deutschland unter einem Höhenrücken. Dieser schwenkt nur wenig
südostwärts. Der Nordwesten gerät zur zweiten Tageshälfte auf die Vorderseite
des nächsten Troges. Am Boden verlagert das Hoch seinen Schwerpunkt von Polen
nach Osteuropa. Auf der Vorderseite eines Troges über dem Nordwestteil der
Nordsee gelangt mit einer südwestlichen Strömung milde Luft in den Nordseeraum.
Eine Absinkinversion hält dichte Stratusbewölkung in tieferen Luftschichten, aus
der ein paar Tröpfchen niedergehen. Nach Südosten hin ist es freundlich.
Am Mittwoch zeigt sich ein ähnliches Bild. Aus dem Höhenrücken spaltet sich ein
kleinräumiges Höhenhoch über Deutschland ab. Der Bodentrog eines Nordmeertiefs
schwenkt in den Südostteil der Nordsee. Aus tiefer Stratusbewölkung gehen einige
Tropfen nieder. Auch im Nordwesten ist es bewölkt mit Niederschlag mit nicht
signifikanten Mengen.
Das Temperaturniveau liegt insgesamt in dem für die Jahreszeit normal üblichen
Bereich.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des EZMW-Modells lässt bereits zu Beginn der Mittelfrist nach. So
wird die Zugbahn des Sturmtiefs am Samstag auf etwas anderem Kurs
gerechnet als im gestrigen 00 UTC Lauf, ähnlich zum gestrigen 12 UTC Lauf.
Allerdings ist die Verlagerungsgeschwindigkeit noch etwas langsamer geworden als
im gestrigen 12 UTC Lauf. Entsprechend findet auch die Frontpassage etwas später
statt. Auch die nachfolgende (Sturm-) Tiefentwicklung am Sonntag/Montag wird,
wenn auch nicht mehr so signifikant, anders prognostiziert. Das Tief wird nun
aus dem nördlichen westeuropäischen Raum in den Südteil der Norwegischen See
ziehen. Im gestrigen 00 UTC war noch eine Verlagerung in die mittlere Nordsee
angedacht. Entsprechend hat sich auch hier die Niederschlags- und
Windentwicklung geändert. Nach Passage der Sturmtiefs gleichen sich die
Modellläufe hingegen wieder an.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch im Vergleich zu anderen Modellen zeigt die Entwicklung beider Sturmtiefs
noch größere Unsicherheiten mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wind- und
Niederschlagsentwicklung. IFS zeigt ähnlich wie GFS eine Zugbahn entlang der
niederländischen Nordseeküste über die Deutsche Bucht hinweg, ICON liegt
zeitlich etwas zurück und UK10 rechnet das Ganze etwas südlicher. Entsprechend
beeinflusst das Wind-/Sturmfeld vor allem den Nordwesten Deutschlands und nicht
auch den Westen und Südwesten. Zudem schwächt es sich bei IFS und UK10 rascher
ab als bei GFS und ICON. Bei dem nachfolgenden Sturmtief wird die Zugbahn
zumindest von ICON ähnlich zu
IFS gezeigt. GFS zeigt eine etwas nördlichere Zugbahn mit einem späterem Ablauf.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für ausgewählte Stationen in Deutschland zeigen für Temperatur,
Niederschlag und Geopotential bis einschließlich Sonntag einen relativ geringen
Spread. Erst danach nimmt der Spread deutlich zu. Dann steigt der Median der 850
hPa-Temperatur und des Geopotentials nach Durchschwenken der Tröge zu Beginn
kommender Woche vorderseitig des neuen Tiefausläufers rascher an als bei dem
Kontrolllauf.
Vor allem am Wochenende zeigen die Rauchfahnen deutliche Niederschlagssignale
für mehr oder weniger alle vorliegenden Gitterpunkte. Zu Wochenbeginn lassen die
Niederschlagssignale deutlich nach.

Die Clusterung des EZMW für den Zeitraum von t+72 bis 96 Stunden zeigt drei
Cluster. Der Kontrolllauf befindet sich in Cluster 1, der insgesamt 30 Member
enthält. Cluster 2 wird mit 14, Cluster 3 mit 7 Membern gerechnet. Mit Ausnahme
des ersten Zeitschritt in Cluster 2, dem das Blocking-Regime zugeordnet wird,
werden alle anderen dem Regime positive NAO simuliert.
Die Position des Sturmtiefs unterliegt auch hier unterschiedlichen Positionen,
obschon die Grobstruktur in allen Clustern ähnlich simuliert wird.
Im Zeitraum t+120 bis t+168 Stunden werden drei Cluster geboten. Der
Kontrolllauf befindet sich in Cluster 1, der insgesamt 25 Member enthält.
Cluster 2 und 3 werden mit jeweils 13 Membern gerechnet. Alle Cluster werden zu
allen Zeitschritten dem Regime positive NAO zugeordnet. In Cluster 2 und 3
beeinflussen die aus dem nordöstlichen Atlantik stammenden Tröge das
Wettergeschehen, während in Cluster 1 am Dienstag und Mittwoch ein Rücken aus
dem Südwesten simuliert wird. Damit besteht auch in diesem Zeitabschnitt eine
gewisse Unsicherheit über die Entwicklung.
In der erweiterten Mittelfrist für den Zeitraum von t+192 bis 240 Stunden werden
drei Cluster geboten. Der Kontrolllauf befindet sich in Cluster 2, der insgesamt
17 Member enthält. Cluster 1 wird mit 19, Cluster 3 mit 15 Membern gerechnet.
Cluster 1 führt das Regime positive NAO fort, während Cluster 2 und 3 auf das
Blocking-Regime umschwenken. Damit würde sich nach Cluster 2 und 3 ein
Höhenrücken über Deutschland aufwölben. Das passiert in abgeschwächter Variante
auch bei Cluster 1, dort sind jedoch Durchstöße nördlicher Kurzwellentröge
möglich, vor allem nach dem letzten Zeitschritt. Insgesamt zeigt sich auch hier
eine Prognose-Unsicherheit.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im Vorhersagezeitraum ist vor allem die Windentwicklung in Teilen Deutschlands
signifikant. Am Samstag sind an den Küsten und in einigen Gipfellagen Sturmböen
Bft 8 bis 9 aus Südwest bis Süd wahrscheinlich, in exponierten Höhenlagen
schwere Sturmböen Bft 10.

Am Sonntag sind an den Küsten Sturmböen Bft 8 bis 9, auf einigen Nordseeinseln
auch schwere Sturmböen Bft 10 aus Süd bis Südwest wahrscheinlich, im
Tagesverlauf Drehung auf West. Auch im
Nordwesten und Westen sind stürmische Böen Bft 8 nicht ausgeschlossen, ebenso im
Schwarzwald und im Tagesverlauf von der Mitte in den Nordosten. In exponierten
Höhenlagen schwere Sturmböen Bft 10 oder sogar orkanartige Böen Bft 11.
Im Nordwesten im Tagesverlauf geringe Wahrscheinlichkeit für einzelne starke
Gewitter. Im Schwarzwald, in der Eifel und im Rothaargebirge höhere
Wahrscheinlichkeit für ein Überschreiten der Warnschwelle für Dauerregen.

Am Montag ist es an der Nordseeküste weiterhin stürmisch mit Böen Bft 8 aus um
Südwest, auf Berggipfeln der Mittelgebirge muss mit stürmischen bis schweren
Sturmböen gerechnet werden. Am Dienstag weiterhin in Hochlagen stürmische Böen
bis schwere Sturmböen.

Fazit:
Zu Beginn der Mittelfrist dominiert ein wechselhafter Witterungsabschnitt, der
durch zwei Sturmtiefs charakterisiert wird. Die Positionen und damit die genaue
Ausprägung des Windfelds unterliegen weiterhin räumlichen und zeitlichen
Unsicherheiten. Selbiges gilt in abgeschwächter Variante auch für die
Niederschlagsprognose. Zu Beginn der neuen Woche deutet sich eine Stabilisierung
des Wettergeschehens an, besonders die Nordhälfte bleibt leicht wechselhaft
geprägt. Das Temperaturniveau liegt im durchschnittlichen Bereich, zu
Wochenbeginn wird vorübergehend etwas mildere Luft herantransportiert.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, ICON, MOS-Mix, UK10, GFS

VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Markus Eifried