#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Montag, den 12.10.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 12.10.2026 um 10.30 UTC
Am Samstag mit einer Frontpassage meist trüb und wechselhaft. Sonst nachts
häufig Nebel, tagsüber teils bewölkt, teils freundlich und überwiegend trocken.
Anfangs (sehr) mild, zum Wochenende leichte Abkühlung.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 19.10.2026
Die nun anstehende Mittelfrist bei uns gestaltet sich recht überschaubar und
ohne signifikanten Wettererscheinungen. Daher wollen wir kurz einen Blick auf
die treibenden Kräfte werfen, wobei dieser Abschnitt gerne bis zur „AKTUELLEN
MITTELFRIST“ übersprungen werden darf.
Im tropischen Sektor dominiert weiterhin der sehr starke El Nino, der nach der
jüngsten Einschätzung des Klimavorhersagezentrums der NOAA für den Zeitraum
Oktober bis Dezember 2026 mit einer Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent einen
Rekordwert bezüglich der Intensität erreichen soll. Diese niederfrequente
Variabilität interferiert weiterhin destruktiv mit der Madden-Julian
Oszillation, wobei sich jedoch eine Entwicklung mit geringer Amplitude im Sektor
1 zu 2 abzeichnet.
Bedeutender fällt jedoch die Entwicklung innerhalb des außertropischen Sektors
aus, dank einer kräftigen/wenngleich auch nur transienten Blockierung im Umfeld
des Urals. Eine einhergehende, temporäre Verstärkung der vertikal gerichteten
Eliassen-Palm-Flüsse sorgt in der jüngsten Vorhersage des IFS im Bereich 55 bis
65 Grad Nord für kräftige Konvergenzen und geht mit einer temporären
Abschwächung der Zonalwinde einher. Dies macht sich in 10 hPa (zonal gemittelte
Zonalwinde bei 60 Grad Nord) vorübergehend durch eine Reduktion der
Windgeschwindigkeiten unter den Median bemerkbar. Die Auswirkungen auf den
Stratosphärenwirbel sind als gering zu bezeichnen, dennoch zeigt nun der zweite
Angriff in dieser SPV-Saison, dass die Dynamik (u.a. durch die positive ENSO
befeuert) weiter zunimmt und abzuwarten ist, wann die Resilienz des Wirbels
beginnt (vorerst) zu dominieren. Es darf angedeutet werden, dass es in
Langfristabschätzungen der AO/NAO Hinweise für vergleichsweise deutliche
negative Abweichungen für November/Dezember gibt, die so von der ENSO
Entwicklung bzw. auch in Saisonalvorhersagen nicht erwartet bzw. abgebildet
werden, allerdings auch mit einer hohen Streubreite der Member. Überraschungen
dürften bei dieser außergewöhnlichen Konstellation u.a. mit einer
rekordverdächtigen ENSO und westlicher QBO (mit teils gegensätzlichen
Antriebsvorzeichen für den SPV) zu erwarten sein.
Die gerade beschriebene, vorübergehende Abschwächung innerhalb der Stratosphäre
geht mit einer davon unabhängigen Abschwächung der Zonalwinde im oberen Bereich
der Troposphäre einher, was die Zonalwindgeschwindigkeit des Polarwirbels in der
Troposphäre vorübergehend deutlich vermindert, in den Vorhersagen teils gar
halbiert. Dies hängt besonders mit einer markant über dem Nordatlantik
(antizyklonal) brechenden Rossby-Welle im Verlauf dieser Mittelfrist zusammen,
die stromab eine intensive Blockierung über Nordwesteuropa induziert. Diese
brechende Welle ist Teil eines agilen Rossbywellenzugs, der u.a. über Asien
ausgelöst wurde (positive Gebirgsimpulseintrag mit vorübergehender Ostausdehnung
des Nordpazifikjets im GEFS/IFS-ENS und verstärktem Brechen der Rossby-Wellen
stromab). Diese zum Ende dieser Mittelfrist über Nordwesteuropa angedeutete
Blockierung erreicht in ersten Modellabschätzungen Rekordwerte beim Geopotenzial
und Bodendruck über Irland/England/Schottland und könnte uns auch nach jüngsten
IFS-ENS Prognosen (Zeit-Längendiagramm beim 500 hPa Geopotenzial) bis weit in
den Oktober (in)direkt beeinflussen. Diese Entwicklung wird in den
Subsaisonalvorhersagen auch mit einem deutlichen (trockenen) Abdruck über gesamt
Westeuropa hervorgehoben. Inwieweit Störungen abgeschwächt an deren Ostrand nach
Deutschland geführt werden bleibt abzuwarten, die Abkopplung vom Atlantik sollte
aber im Oktober nochmal dominieren.
AKTUELLE MITTELFRIST
Doch wie gestaltet sich die Entwicklung während dieser Mittelfrist, die sich vom
Donnerstag, den 15. bis zum Montag den 19. Oktober 2026 erstreckt?
Am Donnerstag sorgen das Zusammenspiel aus einem über Deutschland zur Ostsee
geneigten Höhenkeils und einem allmählich nach Polen wandernden Bodenhoch für
einen insgesamt ruhigen Wettertag – wohl auch den freundlichsten der gesamten
Mittelfrist.
Dichte Bodennebelfelder aus der vorherigen Nacht lösen sich meist bis zur
Mittagszeit auf, besonders im Umfeld der Donau kann sich die Nebelauflösung
regional aber auch bis in den Nachmittag ziehen. Ansonsten scheint häufig die
Sonne neben einigen, ausgedehnten Wolkenfeldern, die aber keinen Niederschlag
bringen. In der anschließenden Nacht zum Freitag breiten sich über die Mitte und
den Süden wieder dichte Nebel- und Hochnebelfelder aus, während die Nacht im
Nordosten meist klar verläuft. Im Nordwesten ziehen von der Nordsee dichte
Wolkenfelder auf, die das Nahen einer Kaltfront ankündigen. Deren
Südostverlagerung ist aber noch unsicher, wobei der Kontrolllauf mittig in einer
zonal recht aufgefächerten Memberschar liegt.
Am Freitag schwächt sich der Keil über Mitteleuropa ab und macht einem Trog
Platz, der sich von Nordwesten unserem Vorhersagegebiet nähert und eine sich
abschwächende Kaltfront sukzessive nach Deutschland drückt.
Somit wiederholt sich das Wetterspiel im Süden und Osten der Republik – nach
teils zäher Nebelauflösung erwartet die Bereiche ein freundlicher Tag, wobei
sich der Nebel im Umfeld der Fränkischen Alb bis zur Donau wenigstens regional
zäh bis in den Nachmittag halten kann.
Im Nordwesten ziehen dichte Wolkenfelder allmählich weiter ins Binnenland und
erreichen zum Abend die Eifel und Bremen. Dabei setzt im Tagesverlauf im Umfeld
der Deutschen Bucht etwas Regen ein, der sich in der Nacht zum Samstag auf den
gesamten Norden und Westen der Republik ausweitet. Im Osten verläuft die Nacht
teils neblig, teils klar und trocken.
Von Samstag zum Sonntag erfolgt über Benelux ein nach Frankreich/zur Biskaya
gerichteter Abtropfprozess, bevor sich zum Sonntag ein umfangreiches Bodenhoch
und ein Keil von Nordwesteuropa nach Mitteleuropa ausweiten. Zudem fällt im Zuge
dieser Entwicklung der Bodendruck südlich der Alpen temporär etwas.
Somit gestaltet sich der kommende Samstag meist trüb und vielerorts auch nass.
Allerdings ergeben sich noch erhebliche Unsicherheiten, wie weit nach Südosten
und Osten die Kaltfront über Deutschland vorankommt, dann vor Ort liegen bleibt
und in der Folge als Reaktion auf die norditalienische Bodentiefentwicklung bzw.
steigenden Bodendruck über Nordwesteuropa als Warmfront wieder westwärts geführt
wird. Während also der Süden und die Mitte bis in den Norden am Samstag meist
wolkenverhangen und zeitweise nass daherkommen, lockert die Bewölkung im
Nordwesten im Tagesverlauf auf und aus heutiger Sicht wird der gesamte Osten gar
nicht von der Front tangiert, sodass auch dort freundliche Verhältnisse
dominieren. Am Sonntag gestaltet sich das Wetter zunächst meist sehr
wolkenverhangen und regional mit etwas Regen, bevor die dichte Bewölkung im
Tagesverlauf von Osten sukzessive auflockert.
Zum Montag baut sich über Nordwesteuropa eine ungewöhnlich kräftige Antizyklone
auf. Vielerorts beginnt der Tag trüb, besonders im Westen und Süden kann die
dichte Wolkendecke im Tagesverlauf stärker auflockern. Niederschlag fällt aber
nur lokal in sehr geringen Mengen. Die Geometrie des Troges entscheidet, welche
Feuchtequalität die niedertroposphärische Luftmasse aufweist, sodass auch ein
zügigeres Aufreißen der Wolkendecke von Osten vorstellbar wäre.
Die Höchstwerte liegen am Donnerstag und Freitag noch bei (sehr) milden 15 bis
20 Grad, am Freitag lokal auch ein oder zwei Grad höher, bevor es in der Folge
auf kühle bis milde 9 bis 17 Grad abkühlt (abhängig von der Niederschlags- und
Wolkenverteilung).
Die Minima liegen je nach Bewölkungsverteilung zwischen 10 und 2 Grad (wobei es
an der See durchweg am mildesten bleibt).
Der Wind dreht von Süd über Nord auf Nordost/Ost und frischt nur im Umfeld der
Küsten zeitweise stark böig auf. Sonst verbleibt dieser im schwachen bis mäßigen
Bereich.
In der erweiterten Mittelfrist würde sich nach dem jüngsten Lauf kein weiterer
Kaltlufttropfen mehr von Osteuropa heranpirschen, sondern es würde die
blockierende Antizyklone dominant unser Wetter mit ruhigen Wetterverhältnissen
beeinflussen. Je nach Platzierung der Antizyklone und grenzschichtnaher
Anströmung können im Norden dichte Hochnebelfelder dominiert und in den Nächten
muss zumindest regional mit teils dichtem Nebel gerechnet werden.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der allgemeine Ablauf der synoptisch-dynamischen Wetterentwicklung wird in den
jüngsten Modellläufen von EZ sehr einheitlich gezeigt. Überschaubare
Diskrepanzen ergeben sich beim Abtropfvorgang am kommenden Wochenende über
Benelux, der nach Frankreich gerichtet von Lauf zu Lauf etwas zügiger
stattfinden soll, sich in den letzten beiden Läufen aber zeitlich angepasst hat.
Dies hätte zum Sonntag eine zügigere Stabilisierung zur Folge.
Während dieser Mittelfrist ergeben sich keine signifikanten Wettergefahren.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bis in die Nacht zum Samstag ergeben sich innerhalb der internationalen
Modellpalette keine nennenswerten Diskrepanzen. Der am kommenden Wochenende über
Mitteleuropa / Benelux erwartete Abtropfprozess wird in der Folge jedoch noch
stark streuend berechnet, was vor allem die Geschwindigkeit des nach Frankreich
gerichteten Abtropfprozesses angeht. Zwischen ICON und GFS ergeben sich am
Samstagabend räumliche Diskrepanzen von über 1000 km. EZ verweilt mittig.
Sollten sich die langsameren Lösungen durchsetzen, könnte sich am Sonntag
besonders im Süden der Republik trübes und wolkenverhangenes Wetter deutlich
länger halten, während EZ (Trend) eine zügigere Stabilisierung favorisiert.
In der Folge platzieren GFS und EZ die Antizyklone über Nordwesteuropa noch mit
einer geringen zonalen Diskrepanz, was sich bei uns durch eine variable
Anströmung mit unterschiedlichem Feuchtegehalt der Luftmassen auswirkt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt die Mittelfrist mit drei Clustern und dem
einheitlichen Regime der positiven NAO. Deutschland liegt aber unter einem
blockierenden Höhenrücken, sodass davon bei uns wenig zu merken ist und ein
ruhiger Mittelfristbeginn zu erwarten ist.
In der Folge schwenken drei Cluster durchweg auf „Blockierung“ um, was im
Zusammenhang mit der intensiven Blockierung über Nordwesteuropa steht. Bevor
sich diese jedoch auch bei uns bemerkbar macht, kann sich noch ein Trog nach
Mitteleuropa mogeln, der in Richtung Frankreich/Biskaya abtropft, was innerhalb
der Cluster mit variabler Geschwindigkeit und Intensität gezeigt wird. Egal wie,
dies dürfte bei uns der wechselhafteste Abschnitt der Mittelfrist werden
(Freitag von Nordwesten beginnend, am Samstag anhaltend und am Sonntag
südwestwärts abklingend).
In der Folge (Beginn der erweiterten Mittelfrist) spannen 6 (dominant
blockierende) Cluster eine umfangreiche Antizyklone über Mitteleuropa auf. Die
Unsicherheiten werden durch zahlreiche Abtropfprozesse im Umfeld dieser
Antizyklone gespeist, die sich z.B. teils zu kräftigen Mittelmeerzyklonen
entwickeln könnten. Diese Entwicklungen sind aber noch sehr unsicher, bergen
aber ein zunehmendes Unwetterpotenzial im Mittelmeerraum und könnten ggf. auch
in Süddeutschland für etwas Nass gut sein. Diese Option wird aber aktuell nur
von einer Minderheit der Lösungen angedeutet. Ansonsten dominiert ruhiges
Hochdruckwetter, bevor zum Beginn der dritten Monatsdekade mit retrograder
Verlagerung der Antizyklone eine umfangreiche Trogkonfiguration über Osteuropa
für einen ersten winterlichen Gruß für Skandinavien/Osteuropa gut wäre. Hier
ergeben sich aber noch erhebliche Unterschiede u.a. auch bei der Ausrichtung des
Keils und Troges, sodass dies nur eine erste grobe Tendenzabschätzung darstellt.
Die Meteogramme ergeben keinen Mehrwehrt und zeigen einen zeitweise leicht
wechselhaften Witterungsabschnitt mit geringer Abkühlungstendenz am Wochenende.
Die (zum Zeitpunkt des Verfassens der Mittelfrist leider noch veralterten)
Rauchfahnen bei der 850 hPa Temperatur und des 500 hPa Geopotenzials zeigen
anfangs jeweils einen gut in die Memberwolke eingebetteten Kontrolllauf, bevor
dieser zum Ende der Mittelfrist eher am oberen Ende der Memberwolke zu finden
ist. Diese Unsicherheiten finden ihren Ursprung in der noch etwas variabel
gezeigten Platzierung der Antizyklone über Nordwesteuropa.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die gesamte Mittelfrist über ergeben sich keine nennenswerten
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen. Das bedeutet aber
nicht, dass der Wind küstennah und auf dem Brocken nicht auch mal stürmisch
auffrischen kann, was aber nur vorübergehend der Fall wäre.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, GEFS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy