S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 29.09.2026 um 10.30 UTC

Insgesamt leicht unbeständig und sehr mild. Am Samstag im Süden einzelne
Gewitter mit lokalem Starkregen.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 06.10.2026

Zum Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Freitag liegen wir auf der
Vorderseite eines Langwellentroges, der sich von Island bis zur Iberischen
Halbinsel erstreckt. Stromab wölbt sich ausgehend vom westlichen Mittelmeerraum
über Mitteleuropa bis nach Spitzbergen ein Rücken auf. Damit ergibt sich für uns
eine schwache südwestliche Höhenströmung, in der in den Frühstunden ein
Kurzwellentrog über Norddeutschland hinwegzieht. Am Boden überwiegt zwar hoher
Luftdruck, der sich genauer gesagt von den Azoren bis nach Osteuropa erstreckt,
allerdings wird dieser durch die okkludierte Front eines Nordmeertiefs gestört.
Letztere zieht bis zum Mittag weitgehend ostwärts ab beziehungsweise löst sich
auf. Bis dahin kann es an der Front aber durchaus kräftig regnen und bei PPWs
von bis zu 40 mm wäre lokal auch Starkregen nicht ausgeschlossen.

Am Samstag tropft der Trog über der Iberischen Halbinsel ab und das Residuum
zieht als kurzwelliger Anteil in einer zunehmend auf West drehenden
Höhenströmung über die Nordsee hinweg. Großartig wetterwirksam zeigt er sich
aber nicht. Im Süden hält sich derweil noch recht feuchte und leicht labil
geschichtete Luft, sodass über den Bergen (vornehmlich über den Alpen) Schauer
und einzelne Gewitter entwickeln können, die bei PPWs zwischen 20 und 30 mm
lokal mit Starkregen einhergehen können.

Am Sonntag schiebt sich eine Tiefdruckrinne, die mit dem Iberischen Höhentief
interagiert, von Südwesteuropa her in den Südwesten Deutschlands. Die daran
gekoppelten mitunter auch kräftigen Regenfälle weiten sich am Montag unter
Abschwächung auf den Süden aus und ziehen sich allmählich an die Alpen zurück.
Dabei kratzt der IFS-Hauptlauf im Südwesten und an den Alpen örtlich sogar an
der Dauerregenschwelle. Auch der Norden kommt zum Wochenstart nicht trocken
davon, sondern wird vom nächsten Frontensystem gestreift.

Am Dienstag überquert uns ein weiterer Rücken bevor – und damit stürzen wir uns
die erweiterte Mittelfrist – ab Mittwoch wieder tiefer Luftdruck das
Wettergeschehen bestimmt. Dazu soll es einen markanten Kaltfrontdurchgang geben,
hinter dem T850 größtenteils auf Werte zwischen 0 und 2 Grad absinkt, wodurch
sich das Temperaturniveau dann allmählich doch auch mal landesweit der
Jahreszeit anpassen würde.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen 00-UTC-Laufs des IFS kann, was die großräumigen
Strömungsmuster angeht, als gut bezeichnet werden, wenngleich es im Detail schon
am Samstag gewisse Unterschiede gibt. Diese beziehen sich hauptsächlich auf die
Front, die sich in den Vorläufen auch am Samstag noch über Deutschland hält und
gebietsweise für (zumeist schwache) Niederschläge sorgt. Ansonsten wird
konsequent an einer sich einstellenden westlichen Höhenströmung festgehalten mit
hohem Luftdruck am Boden. Die Fragen sind letztlich, wann und in welcher
Ausprägung einerseits (vor allem) der Norden von Tiefausläufern beeinflusst wird
und sich andererseits tiefer Luftdruck über dem Mittelmeerraum beziehungsweise
über Südwesteuropa im Süden bemerkbar macht. So hatten die beiden Vorläufe
beispielsweise die Niederschläge am Sonntag und Montag über dem Südwesten und
Süden überhaupt nicht auf dem Schirm.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Der Vergleich mit anderen Globalmodellen (ICON, GFS, UK10) liefert ähnliche
Erkenntnisse wie die IFS-interne Gegenüberstellung. Hinsichtlich der
großräumigen Strömungsmuster im Großen und Ganzen alles sehr ähnlich, im Detail
aber durchaus unterschiedlich. Hauptunsicherheitsfaktoren sind Timing und
Ausprägung durchziehender Kurzwellentröge samt korrespondierender Bodenfronten
(hauptsächlich für den Norden interessant) sowie der Einfluss des tiefen
Luftdrucks/Cut-Offs über Südwesteuropa/dem westlichen Mittelmeerraum. In der
Mitte befindet man sich dagegen modellübergreifend „zwischen den Stühlen“, dort
würde es also überwiegend trocken bleiben.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für verschiedene deutsche Städte bestätigen die im Haupttext
beschrieben Prognose des IFS-Hauptlaufs – und das im Prinzip über die gesamte
Mittelfrist hinweg mit einem relativ engen Spread. Bei der 850er Temperatur gibt
es zwar ab nächster Woche ein paar wenige Ausreißer nach unten, wirklich
auseinander geht der Spread allerdings erst in der erweiterten Mittelfrist. So
ist der beschriebene Kaltluftvorstoß nur eine von vielen verschiedenen Lösungen
und mit die kälteste Variante.
Beim Niederschlag gibt es im Norden zwar durchweg, aber nur geringfügiges
Gezappel, über der Mitte nur wenige Signale und über dem Süden wiederholt und
zum Teil auch mal etwas kräftigere Hinweise mit einem Peak am Sonntag/Montag
(Tiefdruckrinne). Das GFS-Ensemble will davon überhaupt nichts wissen, genauso
wie auch der ICON-Hauptlauf. Das ICON-Ensemble hat dagegen durchaus ein paar
Mitglieder an Bord, die ebenfalls (kräftigere) Regenfälle für den Süden sehen,
UK10 (operationeller Lauf) übrigens auch.

Beim Clustering ergeben sich für den Zeitraum von Sonntag bis Dienstag 0 UTC
vier Gruppierungen, die nahezu allesamt und durchweg dem Blocking-Regime
zuzuordnen sind. Wesentliche neue Erkenntnisse für unser Wetter liefern sie
allerdings nicht.
Auch in der erweiterten Mittelfrist dominieren bei den drei verfügbaren Clustern
blockierende Regime (Blocking/Atlantischer Rücken). Die ersten beiden Cluster
(insgesamt 39 Member, inkl. Hauptlauf) zeigen in etwa die beschriebene
Entwicklung des Hauptlaufs (Cluster 2 mit etwas gemäßigterem
Trog-/Frontdurchgang), während Cluster 3 (12 Member) uns voll unter den Trog
setzt, ihn über dem Alpenraum abtropfen lässt und dazu noch eine meridional über
uns hinweglaufende Tiefdruckzone etabliert, sodass gebietswiese vielleicht auch
mal länger anhaltende/kräftigere Regenfälle auftreten könnten (Stichwort
Gegenstromlage).

FAZIT:
Insgesamt leicht unbeständig und meist sehr mild. So könnte man das Wetter in
der Mittelfrist zusammenfassen. Hauptunsicherheitsfaktoren sind Timing und
Ausprägung durchziehender Kurzwellentröge samt korrespondierender Bodenfronten
(hauptsächlich für den Norden interessant) sowie der Einfluss des tiefen
Luftdrucks über Südwesteuropa/dem westlichen Mittelmeerraum (hauptsächlich für
den Süden interessant). In der Mitte befindet man sich dagegen wohl „zwischen
den Stühlen“, dort würde es also überwiegend trocken bleiben. Ob es am
Sonntag/Montag im Südwesten/Süden tatsächlich auch mal für kräftigere/flächigere
Regenfälle reicht, ist noch recht unsicher.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Abgesehen von einem geringen Gewitterrisiko über dem süddeutschen Bergland (vor
allem über den Alpen) am Samstag, bei dem aufgrund erhöhter PPW-Werte lokaler
Starkregen nicht ausgeschlossen werden kann, sind nach aktuellem Stand keine
markanten Wettererscheinungen zu erwarten.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS(-EPS), ICON(-EPS), GFS(-ENS), UK10, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Tobias Reinartz