SXEU31 DWAV 280800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 28.09.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Sa (Süd antizyklonal)

Spätsommer par excellence – ARNO und BORCHERT mit warmem bis sehr warmem
Septemberausklang.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag… starten wir weiterhin mit einer fetten Blockierung in die neue Woche
und gleichzeitig letzten Septembertage, die noch träger und inspirationsloser
ist als das das pomadige Spiel der Kloppo-Kicker vs. Hellas. Sa (Süd
antizyklonal) als GWL-Muster sagt eigentlich alles. Abgetrocknete Subtropikluft
(xSp/xS) sowie ein antizyklonales Strömungssetup sorgen insbesondere wegen der
hohen Temperaturen für einen durchaus als außergewöhnlich zu bezeichnenden
Spätsommer. 31,6°C wurden gestern in Müllheim am Oberrhein gemessen, an einem
27. September. Zwar kein Allzeitrekord für die letzte Dekade, aber einer von
vielen Stationsdekadenrekorden. Auch die Frühtemperaturen von heute Morgen sind
erwähnenswert. So wurden bei Dienstübergabe in Wernigerode im Ostharz satte
20,2°C gemessen (danach ist die Temperatur bis 6 UTC noch auf 13,1°C abgesackt),
während es gleichzeitig in Teilen Ober- und Niederbayerns nur rund 4°C waren.
Solch großen Spannen kommen meist dann zustande, wenn Föhn- respektive
Überströmungseffekte greifen (in Barsinghausen west-südwestlich von Hannover
beispielsweise war es mit 19,2°C ebenfalls alles andere als kalt – hier war der
berühmte Deisterföhn am Werk, wie er schon in den 1980iger-Jahren vom legendären
Professor Rainer Roth am Meteorologischen Institut der Uni Hannover gelehrt
wurde).

Doch zurück zum Hier und Jetzt und damit zur Großwetterlage, die ganz
vereinfacht gesprochen von zwei Hauptprotagonisten bestimmt wird. Auf der einen,
der Atlantikseite ein zur Zeit noch sehr breitgelatschter Potenzialtrog, der in
den nächsten Tagen seine Wellenlänge aber deutlich verkürzt. Korrespondierend
dazu lässt sich in der Bodendruckverteilung eine mit diversen Kernen gespickte
Tiefdruckzone ausmachen, die vom Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel
über das Nord- bis hoch zum Polarmeer reicht. Aus diesem Konglomerat wird sich
bis Mittwoch ein außergewöhnliches Sturm- bzw. Orkantief entwickeln, das im Kern
der 950-hPa-Marke sehr nahekommt.
Auf der anderen, der kontinentalen Seite notieren wir das krasse Gegenteil: ein
sich von NO-Europa bis zum zentralen Mittelmeer erstreckendes Hoch (ARNO der
Große), das von einem ausladenden Rücken gestützt wird. Unterstützt wird ARNO
von BORCHERT, der sich als „Randhoch“ über UK/Irland und der Nordsee entwickelt,
um von dort in den nächsten Tagen nach Nordeuropa zu wandern und sich dem
Zentrum von ARNO anzuschließen.

Die kleine Schwachstelle in diesem ansonsten hochgradig antizyklonal dominierten
Konstrukt befindet sich über Nordwestdeutschland nebst Anrainern, wo sich am
warmen Rand der Frontalzone (die den vorderen Rand des o.e. Troges markiert)
eine Rinne mit eingelagerter, zur Wellenbildung neigenden Kaltfront eingenistet
hat. Angebunden ist die Front an ein Nordmeertief namens DAPHNE, das heute der
südwestlichen Höhenströmung folgend an Spitzbergen vorbei in die Polgegend
verschwindet. Im Frontalbereich ziehen immer wieder mehrschichtige Wolken über
den Westen und Nordwesten hinweg, aus denen vor allem im Nordseeumfeld, aber
auch ein kleines Stück landeinwärts mitunter ein paar Tropfen fallen. Es gibt
sogar leichte Andeutungen, dass es auch mal rumsen kann. Feucht genug ist die
Luftmasse in den genannten Regionen mit über 30 mm PPW allemal, aber reicht die
Labilität? Die Prognosesoundings von heute Nachmittag weisen zwischen 800 und
750 hPa eine leichte Sperrschicht auf, die angesichts der nur schwach
vorhandenen Hebungsimpulse schwer zu sprengen sein dürfte.

Im größten Teil des Landes scheint heute abgesehen von durchziehenden
Schleierwolken oder wenigen AC-Schollen die Sonne, die die Luft kräftig erwärmt
auf verbreitet 24 bis 30°C, im Südwesten punktuell sogar darüber. Lediglich im
bewölkten Nordwesten sowie im Küstenumfeld wird es nicht ganz so warm, aber
mitnichten kalt (Höchstwerte meist über 20°C). Vom Wind gibt es eigentlich nur
die Vielfalt der Richtungen zu berichten. Mal kommt er aus Osten oder Südosten
(Osten/Süden), mal aus westlichen Richtungen (Nordwesten/Norden), mal ist er
umlaufend, aber nie besonders flott.

In der Nacht zum Dienstag verlagert das Randhoch BORCHERT seinen Schwerpunkt
nach Südskandinavien. Allgemein steigt der Luftdruck bei uns, aber auch in der
Nachbarschaft noch etwas an, was es der wellenden Kaltfront schwermacht, sich
auf den Karten zu behaupten. Gerade in ihrem Südteil dürfte sie kurz vor der
Auflösung stehen, während sie weiter nördlich als Warmfront allmählich Richtung
Deutsche Bucht und Dänemark gesteuert wird.

Wettertechnisch bedeutet das für den Nordwesten und Teile Norddeutschlands einen
stark bewölkten bis bedeckten Nachthimmel. Vom Niederrhein bis hinüber nach SH
regnet es zeitweise (meist unter 5 l/m², nur lokal etwas mehr) und selbst das
Thema „Gewitter“ ist nicht vollkommen vom Tisch. Wenn, dann dürfte es aber nur
zu kurzen Zuckungen reichen. Ansonsten verläuft die Nacht überwiegend gering
bewölkt oder klar. Nebel bleibt weiterhin unterrepräsentiert, weil die Luft
einfach zu trocken ist. Vielleicht reicht es im Übergangsbereich von der
feuchten Luft im Nordwesten zur Mitte hin für ein paar Nebelfelder oder aber –
flach – im Süden und Südosten. Weiterhin heterogen präsentieren sich die
Nachttemperaturen. So kann es im klaren Südosten in entkoppelter Grundschicht
und „günstiger“ Topografie auf unter 5°C abkühlen. Bedingt durch die scharfe und
tiefliegende Inversion können aber wenige Dekameter Höhengewinn schon
ausreichen, um deutlich höhere Temperaturen zu generieren respektive es nicht
soweit abkühlen zu lassen. Mild bleibt die Nacht auf alle Fälle im Westen und
Norden, häufig bedingt durch die Bewölkung. Teils kühlt es nicht unter 16 oder
17°C ab und in einigen Hanglagen sind gar noch höhere Werte nicht
ausgeschlossen.

Dienstag… verkürzt der atlantische Trog spürbar seine Wellenlänge bei
gleichzeitig stark meridionaler Ausrichtung seiner Hauptachse. Auf der
diffluenten Vorderseite wird west-nordwestlich der Grünen Insel die meiste
Höhendivergenz erzeugt, was kräftiges Auspumpen sprich Druckfall zur Folge hat.
Zum Ende des Tages hat sich ein veritables Sturmtief gebildet, das im Kern auf
schlagzeilenträchtige 960 hPa kommt. Derweil orientiert sich Hoch BORCHERT gen
Schweden, wo er seinem „Ziehvater“ ARNO (Grenzbereich Baltikum/Belarus)
allmählich näherkommt. Getrennt werden die beiden durch die o.e. Warmfront, die
sich mit der süd-südwestlichen Höhenströmung langsam über die Nord- und Ostsee
gen Südskandinavien verlagert. Damit geht die ohnehin nicht überbordend
ausgeprägte Regenwahrscheinlichkeit im Norden deutlich zurück und auch
bewölkungstechnisch wird es von Süden her weniger. Zumindest die tiefen Wolken
dürften am Nachmittag weitgehend verschwunden sein, wohingegen das hohe und
mittelhohe Stockwerk noch solide bedient wird.

Ansonsten bietet der vorletzte Septembertag Spätsommer aus dem obersten Regal.
Zwar ist der Himmel mitnichten allerorten blankgeputzt (vor allem hohe,
gebietsweise auch mittelhohe Wolken; am wenigsten Wolken werden im Südosten etwa
von der Lausitz bis hinunter nach Oberbayern erwartet). Dafür gehtŽs thermisch
noch mal in die Vollen, auch wenn die 30°C-Marke in der nun allgemein auf
östliche Richtungen drehenden und bisweilen etwas auflebenden Strömung wohl
nicht mehr überschritten wird. 23 bis knapp 30°C sind aber immer noch aller
Ehren wert, einig ganz im Norden werden etwas kleinere Brötchen gebacken.

In der Nacht zum Mittwoch tut sich weiterhin wenig beim Wetter. Zwischen dem
Orkantief west-nordwestlich von Irland und dem hohen Druck über Skandinavien
bzw. dem nahen Osteuropa verbleiben wir in einer geostrophisch südlichen,
ageostrophisch südöstlichen bis östlichen Strömung. Im Erzgebirge frischt der
Südostwind spürbar, in exponierten Hochlagen wahrscheinlich sogar stürmisch auf
und auch über der freien Nordsee legt der „Ost-Südost“ Žne Schippe drauf mit
einzelnen 7er-Böen am Morgen auf Helgoland.

Ansonsten bleibt lediglich zu konstatieren, dass weiterhin meist hohe Wolken
durchziehen, die Nebelwahrscheinlichkeit gering und die Spanne der
Tiefsttemperatur hoch bleibt. Während es im Westen stellenweise nicht unter
mollige 18/19°C abkühlt, stehen im bzw. am Fuße des Bayerischen Walds z.T. nur
wenige Grad über dem Gefrierpunkt auf der Karte.

Mittwoch… erreicht das Orkantief auf dem Atlantik seinen Höhepunkt mit rund
950 hPa Kerndruck, wobei es einen Nordkurs in Richtung Island einschlägt.
Vorderseitig wird mächtig Warmluft nach Norden gepumpt, was dem über weiten
Teilen Mitteleuropas thronenden Höhenrücken guttut und ihn am Leben hält.
Nichtsdestotrotz, die süd-südwestliche Höhenströmung über dem Vorhersageraum
wird allmählich zyklonaler und auch die Kaltfront des Sturm-/Orkantiefs kommt
dem Westrand des europäischen Kontinents spürbar näher. Das führt dazu, dass die
Bewölkung im Westen im Tagesverlauf zunimmt (WLA oberhalb etwa 600 hPa, erste
flache Randtröge in der diffluenten Höhenströmung) und am Nachmittag im
Grenzbereich zu Benelux erste Tropfen möglich sind.

Ansonsten stehen wir trotz aller Bemühungen auch am letzten Tag dieses
Septembers unter der Knute des umfangreichen Hochs östlich von uns, das einen
neuen Schwerpunkt von 1035+X hPa über dem Bottnischen Meerbusen und Finnland
ausbildet. Viel Sonne, durchziehende Cirrus- oder Altocumuluswolken (je weiter
im Südosten, desto weniger Bewölkung), andauernde Trockenheit und
überdurchschnittliche Temperaturen geben den Ton an. Am wärmsten wird es trotz
Wolken im Westen und Südwesten mit bis zu 28, vereinzelt vielleicht 29°C. Sonst
sind es 23 bis 27°C, an den Küsten sowie im Nordosten und Südosten auch darunter
(aus dem Hoch strömt nicht ganz so warme Luft in den NO und im SO mangelt es an
Durchmischung bei gleichzeitig niedrigen Startwerten). Insbesondere im Norden
und Osten lebt der Südostwind mitunter böig auf, ohne dabei aber aufs
Warntableau zu kommen. Selbst draußen in der Deutschen Bucht nimmt der Wind bis
zum Abend wieder ab. Genau wie die tagesgangbedingte Durchmischung im Erzgebirge
den nächtlichen Low-Level-Effekt frisst, was ebenfalls eine Windabnahme zur
Folge hat.

Kurz noch die Nacht zum Donnerstag (1. Oktober), in der die Kaltfront in den
westlichen Landesteilen ernstmacht. Aus den anfänglichen wenigen Tropfen wird
erst schauerartiger, dann vielleicht (noch divergieren die Modelle) „richtiger“
Regen, der sich in Form eines frontalen Regenbands organisiert. Wie gesagt, noch
liegen von Seiten der Numerik einige Unschärfen vor. Darunter auch die Frage,
wie progressiv der Regen bis zum Morgen ostwärts vorankommt und wie viel bis
dahin runterkommt. Der 00-UTC-Lauf von ICON nimmt dabei die offensivste Rolle
ein (demnach könnten Ostwestfalen und Westhessen auf Regen hoffen), während die
Externen etwas zurückhaltender agieren.

Fakt ist, dass das mittlere und östliche Drittel des Landes (in Längsrichtung,
also nord-süd-orientiert betrachtet) noch nicht von den frontalen Prozessen
traktiert werden (abgesehen von hohen und mittelhohen Wolken). Während die
Temperatur in der Osthälfte nicht selten auf einstellige Werte zurückgeht,
bleibt es nach Westen hin mild bis sehr mild.

Modellvergleich und -einschätzung

Im Großen und Ganzen simulieren die Modelle sehr ähnlich. Gewisse Unschärfen,
darunter z.B. Kaltfront und Regen in der Nacht zum Donnerstag, wurden im Text
angerissen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann