S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 11.09.2026 um 10.30 UTC

Am Dienstag von Nordwest bis auf den Süden Gewitter mit Sturmböen. Nachfolgend
an den Alpen Starkregen. Danach Wetterberuhigung und kühler.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 18.09.2026

Am Montag liegt Deutschland unter einer Hochbrücke, die von einem Hoch nördlich
der Azoren bis ins südöstliche Mitteleuropa reicht. Diese Brücke wird durch
einen Höhenkeil gestützt, der sich von der Iberischen Halbinsel nach
Südskandinavien erstreckt. Geringe Niederschläge kommen noch durch die schwache
Warmfront eines Islandtiefs zustande, danach lässt Absinken die Bewölkung mehr
und mehr auflockern, vor allem nach Südwesten hin kann die 25 Grad-Marke
überschritten werden. Ein nachfolgender, kräftiger Trog greift bereits in der
Nacht zum Dienstag auf die Britischen Inseln über. Mit einer auf Südwest
drehenden Strömung gelangt Subtropikluft nach Deutschland, die sich am Dienstag
auch in den nordöstlichen Landesteilen durchsetzt.
In der wärmsten Luft lässt Druckfall eine flache Tiefdruckrinne entstehen, in
der sich am Dienstag Schauer und kräftige Gewitter entwickeln. Diese greifen im
Tagesverlauf vom Nordwesten Deutschlands bis auf die mittleren Regionen über.
Die Entwicklung konvektiver Umlagerungen wird an der diffluenten Vorderseite des
über Westeuropa liegenden Troges begünstigt. Auch wenn die Labilität nicht sehr
ausgeprägt ist, so erreicht jedoch die Scherung sowohl niedertroposphärisch als
auch hochreichend signifikante Werte, was als Indiz für organisiertere
Konvektion zu sehen ist. Dabei besteht Gefahr von (schweren) Sturmböen; aufgrund
des hohen Flüssigwassergehalts von 30 bis über 40 mm ist auch Starkregen nicht
auszuschließen. Zuvor zeichnet sich noch ein weiterer Temperaturanstieg ab, im
Südwesten sind Temperaturmaxima bis nahe 30 Grad möglich.
In der Nacht zum Mittwoch verlagern sich mit dem auf den Nordwesten Deutschlands
übergreifenden Trog die schauerartigen und von Gewittern durchsetzten
Niederschläge in den Süden und Südosten Deutschlands, wobei weiterhin mit
Starkregen gerechnet werden muss. Die Kaltfront, die dem Trog vorgelagert ist,
kommt von der Nordseeküste bis etwa zu einer Linie Lausitz – Schwarzwald voran.

Am Mittwoch stellt sich im Bereich des Troges, der allmählich Deutschland
überquert, kühles Schauerwetter ein. Im Norden und vor allem an der Küste sind
kurze Gewitter mit stürmischen Böen nicht ganz auszuschließen. Bedingt über
durch ein leichtes Schleifen der Kaltfront sind vor allem in den östlichen
Mittelgebirgen und in Richtung Alpen weitere kräftige Niederschläge zu erwarten,
die staubedingt auch länger andauern können. In exponierten Lagen können
Warnschwellen für Dauerregen überschritten werden.
In der Nacht zum Donnerstag setzt sich mit einem von Frankreich über die Alpen
hinweg ostwärts ausweitenden Hochkeil Wetterberuhigung ein, so dass die
Niederschläge, abgesehen vom Küstenbereich, alsbald nachlassen.
Am Donnerstag zeichnet sich Zwischenhocheinfluss ab, im Tagesverlauf kommen von
der Nordsee her mit einem bis dahin okkludierten Frontensystem erneut
Niederschläge auf. Zudem legt an der Südflanke eines Tiefs, das sich nördlich
von Schottland ostwärts verlagert, der Gradient an, so dass es an der Nordsee
dann für Wind- und einzelne stürmische Böen reichen kann. In der Nacht zum
Freitag gelangt dann Deutschland in den Einflussbereich eines breiten Troges,
der von dem Tief nordöstlich von Schottland ausgeht. Mit dem schleifend weiter
südostwärts vordringenden Frontensystem setzen dann auch im Mittelgebirgsraum
Niederschläge ein, im Süden bleibt es wahrscheinlich noch trocken.
Am Freitag setzt sich auch in den südlichen Landesteilen der Einfluss des
breiten Troges mit einzelnen Schauern durch. An der Küste fällt dann
schauerartig verstärkter Regen, begleitet von stürmischen Böen. Im Norden und
zum Teil auch in der Mitte wird dann die 20 Grad-Marke nicht mehr erreicht.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum bleibt die Troglage bestehen.
Während am Samstag im Süden noch größere Auflockerungen ohne nennenswerte
Niederschläge zu erwarten sind, setzt sich unmittelbar auf der Rückseite des
Troges am Sonntag auch dort kühles Schauerwetter durch. Abgesehen vom Westen und
Südwesten Deutschlands frischt der Wind merklich auf, zumindest an der Küste und
im Bergland erreicht der Wind dann in Böen Sturmstärke. Im Bereich eines sich
von Frankreich nach Süddeutschland ausweitenden Hochkeils bleibt am Montag eine
Wetterberuhigung wahrscheinlich auf den Westen und Südwesten Deutschlands
beschränkt. Gegenüber den Vortagen erfolgt ein weiterer Temperaturrückgang. Die
20 Grad-Marke wird ab Sonntag wahrscheinlich auch in den südlichen Landesteilen
nicht mehr erreicht.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Unterschiede ergeben sich bereits ab Mittwoch im Hinblick auf den auf
Mitteleuropa übergreifenden Trog. Dieser wurde vom gestrigen 12 UTC-Lauf noch
über Ostfrankreich erwartet, die nachfolgende Modellrechnung zeigte diesen Trog
ca. 800 km weiter östlich und somit über Westpolen, die aktuellste Simulation
liegt dazwischen. Danach gleichen sich die Modellläufe weitgehend an, bevor im
erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum die Konsistenz erneut geringer
wird. Übereinstimmend lässt sich ein breiter Trog herausarbeiten, der von einem
Tief über dem Nordmeer ausgeht. Dessen Achse liegt nach dem gestrigen 12
UTC-Lauf über Westeuropa, nach den anderen beiden Modellrechnungen weiter
östlich. Der kräftigste Gradient wird jedoch von der aktuellsten Simulation
gezeigt.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bereits ab Mittwoch zeigen sich Unterschiede zwischen den verfügbaren Modellen.
So lässt GFS den Trog in seinem südlichen Teil über Frankreich zurückhängen,
wobei die anderen Modelle dann die Achse dieses Troges bereits nach Westpolen
verlagert haben. Dies erklärt auch die kräftigeren Niederschläge, die GFS im
Südosten Deutschlands simuliert und ähnelt der Version des Modells des
kanadischen Wetterdienstes. Die amerikanischen Modelle lassen dann diesen Trog
auch zum westlichen Mittelmeer hin austropfen, wogegen ansonsten ein Cut-Off in
Richtung Balkan gezeigt wird. Die Troglage am Freitag ist nach ICON am
schwächsten ausgeprägt; stürmische Böen wären demnach an der Küste nicht zu
erwarten.
Ein gegensätzliches Verhalten ergibt sich im erweiterten mittelfristigen
Vorhersagezeitraum. Dort, wo EZMW einen kräftigen Trog zu bieten hat, kommt nach
GFS eine ausgewachsene Blockierung zustande, die auch weiter zurückliegende
Läufe des GFS nicht so im Angebot hatten. Dieses Szenario ist daher als weniger
wahrscheinlich anzusehen.
Antizyklonaler Einfluss kommt auch nach dem kanadischen Modell zustande, der
sich jedoch von einem Hoch westlich der Biskaya nach Mitteleuropa ausweitet. Der
Norden und Nordosten Deutschlands verbleibt demnach noch am Rande der
Frontalzone.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bis einschließlich Samstag folgt das EPS des GFS bei relativ geringem Spread der
oben beschriebenen Entwicklung. Danach divergieren die Einzellösungen stärker,
wobei hinsichtlich des Geopotentials 500 hPa wie auch der Temperaturen im 850
hPa-Niveau der deterministische wie auch der Kontrolllauf am oberen Rand (und
zum Teil darüber)! der Einzellösungen liegt. Bei weiter zurückliegenden
Modellläufen war dies noch nicht der Fall. Dies zeigt sich auch beim EPS-Mittel,
das das Maximum des Geopotentials 500 hPa eher westlich der Biskaya sieht.
Das EPS des EZMW stützt die Ergebnisse des deterministischen Laufs, zeigt aber
zum Ende des erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraumes hin ähnlich wie
beim EPS des GFS antizyklonalen Einfluss, der sich von der Biskaya ausgehend
kräftigt. Demnach würde der Norden und Nordosten Deutschlands im Einflussbereich
der Frontalzone verbleiben. In diese Richtung tendiert auch das EPS des AIFS,
wobei hier der antizyklonale Einfluss etwas rascher einsetzen könnte.
Auch beim Clustering nach EZMW-Web ergeben sich keine Hinweise, die die
deterministische Version des GFS stützen könnten. Bei den Clustern, die auf den
Großwetterlagen basieren, halten sich zyklonale und antizyklonale Member etwa
die Waage. Etwa 90 Prozent der Lösungen setzen jedoch auf die Andauer der
Westlage.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Montag hält sich Zwischenhocheinfluss, sehr wahrscheinlich sind keine markant
zu bewarnenden Wetterereignisse zu erwarten.
Am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch greifen an der Vorderseite einer
Kaltfront von Nordwest nach Südost Gewitter über, dabei sind Sturmböen
wahrscheinlich, auch Starkregen ist nicht auszuschließen.
Am Mittwoch besteht an den Alpen zunächst noch die Gefahr von Starkregen, im
Nordwesten und in Ostseenähe entwickeln sich im Randbereich eines Troges kurze
Gewitter mit geringer Wahrscheinlichkeit für stürmische Böen.
Am Donnerstag erfolgt mit einem sich allmählich südwärts ausweitendem Trog im
Norden und in der Mitte ein Übergang zu kühlem Schauerwetter mit einzelnen
stürmischen Böen an der See und im westlichen Bergland, die in der Nacht zum
Freitag vermehrt dann auch in den Hochlagen der nördlichen Mittelgebirge
einsetzen.
Am Freitag bleibt die Troglage bestehen, im Norden und zum Teil auch in der
Mitte entwickeln sich wiederholt Schauer und kurze Gewitter, die im Norden und
im Bergland mit stürmischen Böen, an der Nordsee auch mit Böen bis Sturmstärke
einhergehen können.

Basis für Mittelfristvorhersage
EPS, anfangs MOS, zum dritten Septemberwochenende vorsichtige Korrektur der
Temperaturen etwas hin zu tieferen Werten

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann