#SXEU31 #DWAV070800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Montag den 07.09.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 070800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 07.09.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Wz zu SWz
Erst überwiegend sommerlich warm bis heiß, heute im Nordosten, morgen im
Nordwesten mäßig warm. Einzelne, teils kräftige Gewitter im Süden und Nordosten.
Zum Mittwoch deutlich wechselhafter und mäßig warm.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag… und Dienstag lässt der Sommer erneut seine Muskeln spielen, bevor es
zum Ende dieser Kurzfrist von Westen abkühlt.
Geschuldet ist diese Entwicklung einem umfangreichen Langwellentrog, der heute
mit seiner Achse noch vor Irland liegt, morgen bereits den Ärmelkanal erreicht
und am Mittwoch auch uns mit einer Trogpassage beglückt. Dabei ist sich die
Numerik recht sicher, dass es im Verlauf des Mittwochs über Westeuropa zu einem
Abtropfprozess in Richtung westliches Mittelmeer kommt und uns das kurzwelligere
Residuum des Troges dann ostwärts passieren soll. Letzteres geht aber noch mit
größeren Unsicherheiten innerhalb der Numerik einher. Somit verbleiben wir noch
den Großteil dieser Kurzfrist auf der Trogvorderseite im Zustrom sehr warmer,
teils auch heißer Luftmassen.
Am heutigen Montag liegt Deutschland zwar unter einem breiten Höhenkeil,
allerdings wird dieser bereits aus der Nacht heraus von einem kräftigen
Kurzwellentrog unterlaufen, der von Frankreich kommend bis zur Mittagszeit über
Süddeutschland ostwärts zieht und zum Nachmittag/Abend Tschechien erfasst.
Gleichzeitig nähert sich eine weitere Kurzwelle auf etwas südlicherer Bahn, die
Süddeutschland zum späten Nachmittag/Abend erreicht.
Somit besteht heute trotz des recht hohen Geopotenzial besonders über der Mitte
und dem Süden aus der Nacht heraus ein Schauer- und lokales Gewitterpotenzial,
über der östlichen Mitte kann es auch für mehrere Stunden ohne Warnrelevanz
regnen. Insgesamt nimmt aber die konvektive Aktivität der Welle im Tagesverlauf
auf dem Weg in den Osten der Republik sukzessive ab, da dort trockenere
Luftmassen für ungünstigere Rahmenbedingungen sorgen.
Allerdings ebnet die erste Welle den Weg für verstärkte konvektive Umlagerung
mit Annäherung der zweiten Welle zum späten Nachmittag im Südwesten. Mit Passage
der ersten Welle dreht die Strömung im Süden niedertroposphärisch auf breiter
Front auf West bis Südwest, wobei eine feuchtere Luftmasse aus Frankreich
herangeführt wird. Die großen Feuchtewerte sind es nicht dank fehlender
Feuchtezufuhr durch das Rhonetal bzw. keiner kompletten „moisture recovery“ im
westlichen Mittelmeer. Werte von 10 bis 12 g/kg spezifischer Feuchte
(Grenzschicht) und mäßige lapse rates in der Höhe sind ausreichend für eine
Labilisierung im gesamten Südwesten auf inhomogen verteilte 700 bis knapp 2000
J/kg MLCAPE.
Bei einer hochreichenden Scherung bis 15 m/s ist nun die Frage, wie abgehoben
die Konvektion ausfallen wird und wie effektiv die Scherung letztendlich ist. Im
ID2 EPS finden sich einzelne stärkere UH tracks wieder, was innerhalb der Member
auch einige „near surface based“ Entwicklungen andeuten. Ein ähnliches Bild
ergibt sich bei den numerischen Windböen.
Aus aktueller Sicht sollten sich im Nachmittagsverlauf vorzugsweise entlang der
Schwäbischen Alb und des Schwarzwalds, teils aber auch abseits davon einige,
teils kräftige Gewitter entwickeln. Jedes Gewitter, das maximale Labilität zur
Verfügung hat kann mit (punktuell auch schweren) Sturmböen (Bft 9 bis 10)
einhergehen (mehr in Richtung „wet downburst“ gehend bei TPWs um 30 mm und recht
guten lapse rates in den untersten 3km AGL), aber auch mit markanten bis lokal
unwetterartigen Regenmengen um 25 l/qm/h (besonders bei Zellverschmelzung bzw.
bei der Entwicklung entlang der Orografie). Auch Hagel von lokal 2 bis 3 cm kann
bei den kräftigsten Zellen nicht ausgeschlossen werden, zumal jede rechts
ausscherende Zelle (dank leichter Hodographenkrümmung) in bessere 0-3km Scherung
entlang der Alpen zieht (Multizellen und einzelne Superzellen sind die Folge).
Zum Abend schwächt sich die Aktivität insgesamt ab, allerdings können einzelne
organisierte Zellen bis weit in den Abend bis ins Chiemgau noch durchhalten.
Abseits dieser konvektiven Baustelle verläuft der Tag im Nordwesten und
äußersten Norden teils freundlich, teils stärker bewölkt und meist trocken.
Die Maxima liegen heute zwischen 28 und 33 Grad, mit den höchsten Werten entlang
des Oberrheins, während es im Osten mit 18 bis 24 Grad mäßig warm durch den Tag
geht.
Der Wind weht mäßig aus Südost bis Südwest.
In der Nacht zum Dienstag zieht die zweite Welle über den Alpenraum in Richtung
Italien, während sich sonst wieder höheres Geopotenzial durchsetzt.
Das bedeutet insgesamt eine ruhige Nacht mit letzten Schauern und Gewitter im
Südosten und sonst meist trockenen und besonders nach Süden zu auch überwiegend
klaren Bedingungen. Im Verlauf der 2. Nachthälfte verdichtet sich die Bewölkung
im Nordwesten peripher des von Westen nahenden Troges inklusive Kaltfront und
nachfolgend sind hier einige Schauer nicht ausgeschlossen.
Die Minima liegen zwischen 18 und 12 Grad und das bei schwachem Südwestwind, der
nur im exponierten Bergland stärker auffrischt.
Dienstag… liegt Deutschland stromab der Trogachse in einer zunehmend
südwestlichen Höhenströmung, die in weiten Landesteilen noch antizyklonal
konturiert daherkommt.
Von daher steht dem Süden und der Mitte, aber auch dem Osten ein überwiegend
sonniger Tag bevor und es bleibt trocken bei erneut hochsommerlichen Maxima von
28 bis 34 Grad, dank Temperaturwerte im Süden in 850 hPa um 20 Grad.
Markante Störungen, die den breiten/offenen Warmsektor durchqueren sind keine
auszumachen. Allerdings passiert den Nordosten zur Mittagszeit ein schwaches IPV
Filament und hier springt u.a. das ID2-EPS mit breit gestreuten, aber insgesamt
überschaubaren LPI Signalen an. Die Umgebungsparameter deuten auf
vergleichsweise reichlich 0-3 km Labilität hin bei in diesen Bereichen
hervorragender Scherung (15-20 m/s Geschwindigkeitsscherung bzw. um 200 m2/s2
SRH3), sodass hier organisierte „low topped“ Mesozyklonen nicht ausgeschlossen
sind. Signale dahingehend fallen im UH track verständlicher Weise eher schwach
aus, innerhalb der Vorticityspuren werden aber teils beachtliche Intensitäten
gezeigt. Das LCL ist mit rund 1000 m recht hoch, doch muss bis morgen die
Feuchteentwicklung innerhalb der Grenzschicht verfolgt werden hinsichtlich eines
lokalen Tornadopotenzials. Ansonsten bringen diese Zellen meist nur einen kurzen
Platzregen, kleinkörnigen Hagel und stürmische Böen (Bft 8) aus Südwest.
Im Südwesten der Republik muss man schauen, ob bis zum Abend erste Gewitter aus
der Schweiz/aus Frankreich nach Baden-Württemberg ziehen. Aus heutiger Sicht
sollte es jedoch auch dort bis zum Abend trocken bleiben.
Anders sieht es im Nordwesten aus, wo nahe der Frontalzone dichte Bewölkung
vorherrscht – besonders vom Niederrhein bis nach Schleswig-Holstein fällt
zeitweise Regen mit geringen Mengen. Hier verbleiben die Maxima zwischen 18 und
24 Grad.
Der mäßige bis frische Wind weht abseits der Konvektion unterhalb jeglicher
Warnschwelle, kann jedoch im exponierten Bergland stark böig bis stürmisch (Bft
7-8) aus Südwest auffrischen und das gilt auch zunehmend für die Deutsche Bucht.
In der Nacht zum Mittwoch kommt die Kaltfront bis in den Südwesten und die Mitte
der Republik voran, bei GFS dank einer Randtiefentwicklung bis in den Süden und
Osten. Die von GFS gezeigte Lösung zeigt sich auch im IFS-ENS in Form einer
Bifurkation der Frontenlage, wobei jedoch die westlichere Variante die Oberhand
hat.
Je nach Aktivierung der Front (ggf. durch ablaufende Wellen) sind dabei im
Westen und der Mitte 12 std. Niederschlagsmengen von 5 bis 10 l/qm möglich, nach
EZ regional auch bis 20 l/qm, während GFS die Mengen deutlich geringer und
östlicher zeigt. Postfrontal der Front klart es im Nordwesten nach Mitternacht
zunehmend auf.
Ein Fokus liegt noch im Südwesten präfrontal der Front. Hier können sich einige
abgehobene Gewitter aus der Schweiz heraus in den Südwesten verlagern. Die
meisten Modelle deuten dank der späten Aktivität eher abgehobene Konvektion an,
sodass lokal markanter Starkregen nicht ausgeschlossen werden kann. Man muss
schauen, ob die von der ICON Modellkette anvisierte Druckwelle mit markanten
Böen realisiert werden kann. Dieses Szenario wird aber aktuell nur von wenigen
Membern mitgetragen. Auch hier entscheidet das Timing der Konvektion darüber,
wie effektiv Böen in der trockenen Grenzschicht umgesetzt werden können.
Die Minima liegen dabei zwischen 16 und 11 Grad und der Westwind weht schwach
bis mäßig, im Bergland teils böig.
Mittwoch… erfolgt dann die Trogpassage, allerdings noch mit erheblichen
Diskrepanzen innerhalb der Numerik. Diese hat noch größere Probleme beim Umgang
mit dem Abtropfvorgang über Südwesteuropa und wieviel Energie wie schnell
ostwärts über Deutschland geführt wird. Während GFS den Trog zeitnah nach Osten
durchschwenken lässt, zeigen die meisten anderen Modelle eine eher gemäßigte
Ostverlagerung.
Ohne zu sehr ins Detail zu gehen steht aber dem Süden und Osten der Republik ein
eher wechselhafter Tag bevor, teils mit skaligem Regen, teils mit konvektiv
verstärktem bzw. gewittrigem mehrstündigen Starkregen. Grund hierfür ist eine
sehr feuchte und labil geschichtete Luftmasse. Im äußersten Süden kann sich im
Zuge des Abtropfvorgangs eine leichte Gegenstromlage einstellen und in Richtung
Niederbayern kann auch kräftige Konvektion nicht ausgeschlossen werden.
Am einheitlichsten werden üppige Niederschlagsmangen am Alpenrand gezeigt mit
12-std. Werten von 15 bis lokal 35 l/qm (durch konvektive Verstärkung), während
sonst noch eine immense Streuung der Schwerpunkte zu verzeichnen ist. Da diese
aber meist nicht warnrelevant ausfallen (überregional), werden noch die nächsten
Modellläufe abgewartet, um eine detaillierte Aussage zu treffen.
Im Norden und Nordwesten sorgt die Trogpassage mit Abkühlung in der Höhe für
reges Schauerwetter inklusive einiger Gewitter. Dazwischen bleibt es aber auch
trocken. Meist trocken bleibt es in Richtung Eifel-Pfalz.
Die Maxima liegen je nach Niederschlag zwischen 18 und 26 Grad, wobei es nur
noch in Richtung Lausitz und Niederbayern für sommerliche Werte reicht. Der
Westwind weht frisch, im Bergland stark böig bis stürmisch und auch im
Nordwesten muss mit Konvektionsböen gerechnet werden.
In der Nacht zum Donnerstag im Süden und Osten abklingende Niederschläge, im
Norden weitere Schauer und Richtung Südwesten teils klar und trocken.
Minima 11 bis 5 Grad und schwacher Wind aus Südwest bis West, küstennah und im
Bergland böig auffrischend.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Numerik beginnt recht einheitlich mit der Handhabe der Kurzfrist. Allerdings
nehmen die Unsicherheiten ungewöhnlich früh und rasch zu, was im Zusammenhang
mit der Trogpassage und dem Abtropfvorgang über Südwesteuropa steht. Dies wurde
im Text behandelt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy