S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 03.09.2026 um 10.30 UTC

Unbeständiger, im Norden teils windiger Witterungsabschnitt, regional mit
Stark-/Dauerregen, örtlich Gewitter, im Südwesten vorübergehend heiß.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 10.09.2026

Der mittelfristige Zeitraum wird beim IFS davon geprägt, wie ein Rücken mit
seiner Achse über Deutschland ostwärts hinweg wandert, ein Kurzwellentrog
mitmischt und schließlich eine Troglage übernimmt. Dieser Ablauf ist auch im
IFS-EPS zu erkennen, wo am Sonntag und Montag mit den Wetterlagen SWa bzw. NWa
oder Wa ausschließlich antizyklonale Bedingungen dominieren. Ab Dienstag wäre
dann die Wetterlage West zyklonal Trumpf, mit zunehmenden Anteilen von Trog
Mitteleuropa. Ebenfalls Aktien im Wetterpuzzle haben Hoch Britische Inseln,
Nordwest zyklonal und Hoch Nordmeer antizyklonal. Dafür verschwinden recht rasch
die Lagen SWa und Wa.

Dies bedeutet im Detail, dass zum Start in den mittelfristigen Zeitraum ein
Rücken wetterbestimmend ist, der bodennah ein Hoch über Deutschland induziert
und demnach allenfalls im Nordosten mit einer Nordwestströmung von der Ostsee
her mit Einfluss des Troges über Osteuropa noch einzelne Schauer zulässt. Der
Wind spielt keine Rolle, und weht allenfalls im Nordosten noch stark böig. Die
Temperaturen weisen ein starkes Nordost nach Südwest Gefälle auf und liegen in
850 hPa zwischen 3 und 15 Grad.

Zum Wochenstart wandert die Achse des Rückens schon ostwärts ab, sodass
Deutschland zunehmend auf die Vorderseite eines zunächst noch wenig
amplifizierten Troges über Nordwesteuropa gelangt.
Am Montag ist jedoch der Blick auf einen Kurzwellentrog gerichtet, der von
Benelux und Ostfrankreich über die Mitte und den Süden des Landes hinwegziehen
soll, bodennah mit einem Bodentrog samt schwachen Randtief einhergeht und
schließlich schauerartige Regefälle induziert, vereinzelt sind auch kurze
Gewitter möglich. Der Wind nimmt zwar vor allem im Küstenumfeld und Nordwesten
zu, sollte aber noch keine wanrwürdigen Schwellen reißen. Mit WLA auf der
Vorderseite des Troges steigt die Temperatur in 850 hPa auf 12 bis 20 Grad an.
Bodennah sind im Südwesten nochmals bis 33 Grad möglich.
Am Dienstag liegt das Land dann auf der diffluenten Vorderseite des Troges,
welche bodennah zunehmend Tiefdruckeinfluss generiert. Mit im Spiel sind dann
auch flache Bodentiefs. Zunächst sind vor allem im Süden, Westen und Teilen der
Mitte teils schauerartige Niederschläge zu verzeichnen, mit Übergreifen des
Haupttroges ab Dienstagabend verstärkten sich die Regenfälle in der gesamten
Nordwesthälfte. Mit Übergreifen des Troges verlagert sich auch ein Bodentief von
England über die Nordsee nach Dänemark, welches auf dessen Südflanke eine
Kaltfront im Schlepptau hat. Insgesamt können als PVA und frontogenetische
Hebung gut harmonieren. Je nach Stärke der Hebungsimpulse sind vor allem im
Nordseeumfeld einzelne Gewitter nicht auszuschließen. Südlich der Donau und dort
vor allem an den Alpen setzen länger anhaltende Regenfälle ein. Mit dem
Bodentief kommt es auch zu einer Gradienverschärfung, sodass der Wind spürbar
auffrischt und im Nordseeumfeld Sturmböen, an der Ostsee und in Hochlagen
stürmische Böen sowie allgemein im Norden sowie im Bergland steife Böen bringt.
Zudem strömt zunehmend etwas kühlere Atlantikluft ein, sodass die Temperaturen
in 850 hPa nur noch zwischen 7 und 19 Grad liegen. Im Südosten könnte
einhergehend nochmals an der 30 Grad Marke gekratzt werden.

Am Mittwoch wirbelt das Höhentief über Südnorwegen den Trog über Deutschland
hinweg nach Osten. Insgesamt bleibt aber eine zyklonal geprägte Westströmung
bestehen, die vor allem im Norden für schauerartige, an den Alpen teils noch zu
länger anhaltenden Niederschlägen führt. Ansonsten kann sich über der Mitte und
dem Südwesten Zwischenhocheinfluss durchsetzen, der mit einem doch sehr
schwachen Rücken über Westeuropa zusammenhängt. Im Norden bleibt auch der Wind
ein Thema. An der See und in einzelnen Gipfellagen sind demnach stürmische Böen,
exponiert auch Sturmböen zu erwarten, ansonsten können bevorzugt im Nordwesten
steife Böen auftreten. Mit dem auf Nordwest drehenden Wind wird schließlich
deutlich kühlere Luft advehiert. Resultierend sinken die Temperaturen in 850 hPa
auf 4 bis 11 Grad, was bodennah Höchstwerte von nur noch 17 bis 24 Grad
bedeutet.

Am Donnerstag ist weiter die hochreichende Troglage festzuhalten, die vor allem
das Wetter in der Nordhälfte Deutschlands beeinflusst. Demnach sind weitere
schauerartig verstärkte Regenfälle zu erwarten, die im Küstenumfeld auch
kräftiger ausfallen können. Nach Süden zu nimmt die Niederschlagsneigung
deutlich ab. Der Wind weht im Norden weiter stark böig und erreicht im
Küstenumfeld stürmische Böen oder Sturmböen. Bei den Temperaturen bleib das
niedrige Niveau vom Vortag bestehen. Die Temperaturen in 850 hPa von 4 bis 10
Grad korrelieren am Boden mit Höchstwerten von 16 bis 23 Grad.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckmuster werden von den vergangenen
Läufen überwiegend vergleichbar wiedergegeben.

Am Montag gibt es geringe Abweichungen bezüglich eines Kurzwellentroges, der
über die Mitte und den Süden Deutschlands hinwegschwenkt und mit konvektiven
Niederschlägen einhergehen kann. Allerdings ist die räumliche Einordnung dieser
durch eine abweichende Amplitude sowie einer leichten Phasenverschiebung etwas
unterschiedlich.

Am Dienstag und Mittwoch gelangt Deutschland auf die Vorderseite eines Troges
über Westeuropa. Der neuste Lauf weist dabei eine vergleichbare Amplitude wie
der gestrige 00-UTC-Lauf auf, ist von der Verlagerungsgeschwindigkeit aber
zwischen den gestrigen Läufen angesiedelt, sodass dessen Achse ab etwa
Mittwochmittag auf Deutschland übergreift. Der gestrige 00 UTC-Lauf hatte zudem
zwei markante kurzwellige Anteil im Programm, die nun nicht mehr geführt werden.
Der gestrige 12 UTC-Lauf verfügte über eine größere Amplitude und ließ die Achse
schon am Mittwoch rasch über Deutschland hinweg ostwärts wandern.
Zusammenfassend führen die geringen wenngleich signifikanten Unterschiede für
eine abweichende Verlagerungsgeschwindigkeit der Niederschlagsfelder.

Ab Donnerstag gehen die letzten beiden Berechnungen ähnliche Wege und zeigen
eine kräftige westliche bis nordwestliche und leicht zyklonal geprägte
Grundströmung. Der gestrige 00 UTC-Lauf hatte noch eine starke Amplifizierung
nach Süden auf der Agenda und wies über Nordostitalien ein eigenständiges
Höhentief auf. Bodennah hätte sich demnach getriggert durch einen schwachen
Rücken hierzulande schon wieder hoher Luftdruck von Westen durchgesetzt, während
die neusten Läufe dies aber komplett verworfen haben.

Insgesamt ist auf der kleineren Skala daher über den mittelfristigen Zeitraum
hinweg eher eine mäßige Konsistenz festzuhalten.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Andere Globalmodelle (ICON, GFS, UK10) stützen überwiegend die Vorgaben des IFS.

Am Montag hat auch das GFS den Kurzwellentrog im Programm, ICON deutet diesen
nur an und UK10 verzichtet auf diesen.

Von Dienstag bis Donnerstag unterscheiden sich die Modellprognosen meist nur
darin, dass die Amplitude des Troges leicht abweichend gesehen wird. Zudem ist
das ICON den anderen Modellen bei einer etwas geringeren Wellenlänge vorlaufend.
Des Weiteren weisen die Modelle kurzwellige Anteile auf, die jedoch in Anzahl
und Phase nicht übereinstimmen.

Insgesamt haben die Unterschiede aber nur geringen Einfluss auf die räumliche
Einordnung der Niederschläge sowie deren Intensität.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland weisen bis einschließlich
Montag bei einem geringen Spread der Temperatur in 850 hPa und des Geopotentials
in 500 hPa sowie einem jeweils stark definierten Bereichs hoher
Auftrittswahrscheinlichkeiten ein hohe Vorhersagegüte auf.
Ab Dienstag wird der EPS-Raum jedoch rasch stark gespreizt. Auch der Bereich
höherer Auftrittswahrscheinlichkeiten ist kaum noch signifikant zu erkennen.
Spreads von 14 bis 16 Grad bzw. 30 bis 40 hPa lassen kaum eine seriöse Prognose
auf Basis des IFS-EPS zu.

Bei der Einordnung des IFS-EPS in Grundmuster werden im Zeitraum von +72 bis
+96h zwar sechs Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten im
Europa-/Atlantikraum zu erklären, alle Cluster werden aber zunächst dem Schema
eines atlantischen Rückens zugeordnet und wechselnd bis auf die letzte Lösung
zum Ende in das Schema einer pos. NAO. Für das Wetter hierzulande sind die
Unterschiede eher gering. Allenfalls die Stärke des Rückens sowie die Amplitude
des nachstoßenden Troges weist zwischen den Lösungen etwas Spielraum auf. Der
Kontrolllauf stützt das erste Cluster.
Im Zeitraum von +120 bis +168h reichen vier Lösungen, um alle Unsicherheiten des
EPS-Raums zu beschreiben. Während die erste und die letzte Lösung im Schema
einer pos. NAO verbleiben, wechselt das Cluster 2 früher und das Cluster 3
später zurück zum Schema eines atlantischen Rückens. Der Kontrolllauf bleibt der
ersten Lösung treu. Insgesamt werden gerade für Mitteleuropa nun größere
Unterschiede gezeigt. Demnach steht der Trog mit seiner Amplitude, Wellenlänge
und Ausprägung im Fokus. Cluster 2 kommt dabei der ICON-Lösung sehr nahe.
Cluster 3 sieht zwar ein schwächeres Höhentief, lässt aber gleichzeitig auch nur
einen schwächeren Rücken über dem Atlantik zu, sodass die Geopotentialgegensätze
im Vergleich schwächer ausfallen. Bei Cluster 4 kommt das Höhentief durchaus
stark daher, ist aber im Vergleich signifikant nordwärts verschoben zu Hause. Je
nach Amplitude und Intensität fallen hierzulande auch die Niederschläge stärker
oder schwächer und vor allem räumlich etwas abweichend aus.
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h werden wieder sechs Cluster
benötigt, um alle Unsicherheiten zu berücksichtigen. Die Cluster 3, 5 und 6
fallen dabei ins Schema Blocking. Die erste Lösung starten noch im Schema eines
atlantischen Rückens was sich mit der Verlagerung des Systems zum Blocking
wandelt. Das vierte Cluster startet mit einer neg. NAO bevor es ebenfalls das
Blocking bevorzugt. Was das Schema betrifft, sind sich demnach die Lösungen
früher oder später einig. Doch wo sich das Blocking befindet zeigen die Cluster
doch sehr unterschiedlich. Die zweite Lösung lässt es weiter über dem Atlantik,
sodass dort das Schema eines atlantischen Rückens durchgehend bestand hat.
Dieses Cluster wird auch vom Kontrolllauf gestützt. Bei diesem Szenario wäre
hierzulande weiter eine unbeständige Troglage zu verzeichnen. Aber auch bei
Cluster 1 mit dem Blocking über dem Nordostatlantik und teilen Westeuropas würde
ein Höhentief bei der Wetterlotterie stark mitmischen. Bei Cluster 3 wäre das
Hauptblocking sogar östlich von Neufundland zu finden. Allerdings kann sich vom
westlichen und zentralen Mittelmeer nach Nordwestrussland ein weiteres,
wenngleich auch schwächeres Blocking aufbauen. Bei dieser Lösung würde die
Nordwesthälfte wohl noch von unbeständigem Wetter heimgesucht, während nach
Südosten zu Wetterberuhigung einsetzen würde. Bei Cluster 5 wäre
Hochdruckeinfluss Trumpf. Cluster 6 scheint die intensivere Variante von der
dritten Lösung zu sein.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI auf Basis des IFS zeigt am Sonntag im Nordosten leicht
überdurchschnittliche Windgeschwindigkeiten, die in der Probabilistik aber nur
von Wahrscheinlichkeiten von rund 20% für markante Böen im Umfeld von Rügen
gestützt werden. Für steife Böen werden im Nordosten je nach Modell wenig
signifikante Werte von 5 bis 50% angeboten.

Am Montag weist der EFI im Westen und Südwesten nur leicht überdurchschnittliche
Temperaturen aus. Erwähnenswerte Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen um 10%
gibt es nur in Nordfriesland. Steife Böen werden dort aber von 40 bis 70%
gestützt. Ansonsten können im Südwesten und Süden vereinzelt starke Gewitter mit
Starkregen, Hagel und stürmische Böen auftreten.

Am Dienstag hat der EFI im Süden weiterhin noch überdurchschnittliche
Temperaturen im Programm. Von der Probabilistik gibt es zudem geringe Hinweise
von 20 bis 60% für stürmische Böe oder Sturmböen im Nordseeumfeld. Zudem gibt es
vom IFS-EPS Wahrscheinlichkeiten bis 15% für Dauerregen an den Alpen.

Am Mittwoch springt auch der EFI beim Wind wieder an und zeigt im Nordwesten und
Westen überdurchschnittliche Windgeschwindigkeiten. Die Probabilistik stützt
stürmische Böen in der Nordwesthälfte des Landes mit 40 bis 60%, an der See bis
80%. Für Dauerregen an den Alpen und deren Vorland sprechen sich rund 10 bis 30%
der EPS-Member aus.

Am Donnerstag weisen im direkten Küstenumfeld weiter 40 bis 60% des IFS-EPS
stürmisch Böen aus.

Basis für Mittelfristvorhersage
Anfangs auch det. ICON/IFS, später nur IFS-EPS und ICON-EPS, für TT MosMix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel