#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Mittwoch, den 02.09.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 02.09.2026 um 10.30 UTC
Wechselhaft, zeit- und gebietsweise Regen, im Norden zeitweise windig. Sonntag
Zwischenhocheinfluss. Montag im Westen lokal Gewitter. Im Süden sommerlich warm
bis heiß, im Norden meist nur mäßig warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 09.09.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag wird Deutschland von einem wenig markanten,
breiten Trog überquert. Die Kaltfront eines Tiefs mit Zentrum über dem
Baltikum/Nordwestrussland verlagert sich von den mittleren Landesteilen
südwärts. Im Tagesverlauf steigt der Luftdruck von Westen an, so dass die
Wetterwirksamkeit der Front zumindest im Westen/Südwesten nachlassen dürfte. Von
der Mitte bis in den Südosten bzw. zum Alpenrand regnet es dagegen zeitweise.
Rückseitig lockert die Bewölkung auf, im Norden bilden sich in Trognähe einige
Schauer, das Gewitterrisiko ist relativ gering. Zudem ist der Gradient vor allem
im Nordosten recht kräftig, der West bis Nordwestwind weht daher ganz im Norden
stark bis stürmisch, vor allem in exponierten Lagen der Ostseeküste teils auch
mit Sturmböen. Die 10-Grad-Isoterme in 850 hPa liegt über dem Süden
Deutschlands, dort sind sommerliche Höchstwerte von 25 bis 27 Grad zu erwartet,
je nach Sonne im Südwesten auf etwas darüber. In der Mitte nur mäßig warm (850
hPa-Temperatur bei 7 Grad), im Norden um 20 Grad (um 5 Grad in 850 hPa). In der
Nacht zum Sonntag klingen mit weiter ansteigendem Druck sowohl die Schauer im
Norden als auch der Regen im Südosten meist ab, die Bewölkung lockert auf,
gebietsweise kann sich Nebel bilden. Der stark böige bis stürmische Wind im
Nordosten lässt nur langsam nach.
Am Sonntag stützt ein sich aufwölbender Höhenkeil das sich etablierende
Bodenhoch über Deutschland, das seinen Schwerpunkt im Tagesverlauf aber bereits
wieder nach Osten verlagert. Die Keilachse liegt noch über Deutschland, die
Strömung dreht aber zunehmend auf Südwest, so dass von Südwesten wieder
zunehmend wärmere Luft angezapft wird. Die 850 hPa-Temperaturen steigen auf etwa
18 Grad im äußersten Südwesten und um 10 Grad auch im Norden. Abgesehen von
lokalen Restschauern ganz im Nordosten zu Tagesbeginn und einem ganz geringen
Schauerrisiko im westlichen Bergland im späteren Tagesverlauf ist es überwiegend
heiter und meist trocken. In der Nacht zum Montag mit langsamer Ostverlagerung
der Trog-Keil-Struktur nach Osten, einem sich andeutenden Kurzwellentrog über
Nordfrankreich und fallendem Bodendruck von Westen eventuell einzelne Schauer
von bzw. im Westen. Bisher ohne Andeutungen von kräftigen Entwicklungen in der
Deterministik (Luftmasse allerdings potenziell recht instabil und feucht,
allerdings wohl noch recht gut gedeckelt).
Am Montag bildet sich über Deutschland eine Bodentrog aus, der angesprochene,
recht kurzwellige Troganteil überquert das Vorhersagegebiet ostwärts. Darin
eingelagert ist das Frontensystem des Tiefkomplexes über dem Nordmeer bzw.
Nordskandinavien. Der breit angelegte Langwellentrog verbleibt mit seiner Achse
noch weit auf dem Atlantik. Die subtropische Luftmasse mit 850 hPa-Temperaturen
um 15 Grad liegt zunächst über fast ganz Deutschland, im Tagesverlauf zunehmend
über der Südosthälfte. Bei wechselnder Bewölkung treten von Westen her
gebietsweise Schauer und Gewitter auf, die lokal auch kräftiger ausfallen
können. Nachts ziehen Schauer und/oder Gewitter ostwärts und klingen häufig ab.
Am Dienstag zwischen dem abziehenden Kurzwellentrog und dem sich zunehmend
amplifizierenden Trog westlich der Britischen Inseln Aufsteilung der Strömung
und leichter Zwischenhocheinfluss. Dabei im Süden nach wie vor sommerlich warm
bis heiß (850 hPa-Temperaturen 15 bis 20 Grad). Gegen Abend bzw. in der Nacht
zum Mittwoch greift der Trog von den Britischen Inseln her auf Deutschland über,
das korrespondierende, relativ markante Bodentief liegt über der Nordsee östlich
von Schottland, sein Frontensystem greift von Nordwesten auf den Nordwesten.
Dabei kommt von Nordwesten Regen auf, der sich nachts bis in die mittleren
Landesteile ausbreitet.
Am Mittwoch zieht das Tief über die südlich Nordsee ostwärts, das Frontensystem
verlagert sich mit zeitweiligem Regen in die Südosthälfte und kommt über dem
Alpenraum/Südostbayern zum Schleifen. Vorderseitig eines markanten
Kurzwellenanteils, der den Haupttrog vom Kanal kommend in Richtung Alpenraum
umläuft, könnte es zum Abend/in der Nacht zum Donnerstag zu verstärkter Hebung
und einer Leezyklogenese südlich der Alpen kommen, was zu einer deutlichen
Intensivierung der Niederschläge im Bereich der Alpen/Alpenvorland führen würde.
Das ist jedoch noch mit größeren Unsicherheiten behaftet. Der Nordwesten gelangt
in den Bereich des Höhentiefs über der Nordsee und auf den Südrand des
Bodentiefs. Dabei treten wiederholt weitere, teils schauerartig verstärkte,
lokal gewittrige Niederschläge auf. Zudem nimmt der Gradient zu, der von Südwest
auf West drehende Wind weht stürmisch, auf offener See und an exponierten
Küstenabschnitten der Nordsee mit Sturmböen. Insgesamt dreht die Strömung
zunehmend auf West bis Nordwest, die wärmste Luft wird ostwärts abgedrängt und
es sickert zunehmend eine deutlich kühlere Luftmasse mit 850 hPa-Temperaturen um
6 Grad ein.
Für die erweiterte Mittelfrist deutet sich eine zyklonal geprägte West- bis
Nordwestströmung und damit eher Herbst als Spätsommer an.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Modellläufe ist im Prinzip zunächst gut, die
großräumigen Strukturen werden recht ähnlich simuliert. Es werden allerdings
bereits zu Beginn der Mittelfrist am Samstag kleinere Differenzen in der
Amplitude der Trog-Keil-Struktur gezeigt, die für unseren Vorhersageraum
potenziell auch etwas Prognoserelevanz haben könnten (Position/Stärke des
schleifenden Frontensystems und Wetterwirksamkeit nach Süden). Diese kleineren
Unsicherheiten/Differenzen zeigten sich bereits in den vergangenen Tagen.
Insgesamt zeigt sich der aktuellste IFS-Lauf etwas markanter mit einer leicht
markanteren Trog-Keil-Struktur und zum Sonntag einem etwas kräftigerem Bodenhoch
über Deutschland. Im Vergleich zu den Vorläufen würde dies auch bedeuten, dass
sich das Übergreifen des nachfolgenden (eher flachen) Troges von Westen samt
korrespondierendem Frontensystem eines Tiefs über Nordeuropa (Position mit
aktuelleren Läufen nördlicher) verzögern würde – nicht mehr Sonntag, sondern
eher Montag. Zu Beginn der kommenden Woche setzen sich diese Differenzen in
Amplitude und Timing fort.
Die Differenzen in Amplitude und Timing nehmen in der erweiterten Mittelfrist
naturgemäß weiter zu, insgesamt deutet sich aber eine zyklonal geprägte West-
bis Nordwestströmung und damit eher Herbst als Spätsommer an.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Zu Beginn der Mittelfrist simulieren andere Globalmodelle wie ICON und GFS sehr
ähnliche Strömungsmuster, auch hier zeigen sich aber recht bald kleinere
Differenzen in Amplitude und Timing. Ab Beginn der kommenden Woche nehmen die
Differenzen weiter zu, insbesondere im Timing, in Richtung Wochenmitte zeigen
sich dann auch zunehmenden Differenzen in der Position und Amplitude der
Drehzentren. Insgesamt herrscht aber Übereinstimmung, dass ab Dienstag/Mittwoch
die Zyklonalität deutlich zunimmt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse des IFS zeigt für den ersten Zeitraum von Samstag 00 UTC bis
Sonntag 00 UTC (+72 bis + 96 h) fünf Cluster, wobei für Mitteleuropa hier keine
prognoserelevanten Differenzen auszumachen sind. Im Folgezeitraum von Montag 00
UTC bis Mittwoch 00 UTC (+120 bis + 168 h) sind es ebenfalls fünf Cluster mit
14, 13, 10, 8 und 6 Membern, Kontrolllauf in Cluster 1. Hier zeigt sich eine
recht unterschiedliche Behandlung des Atlantiktroges, der in Cluster 2 schneller
und z.B. in Cluster 3 und 4 langsamer bzw. deutlich weniger markant auf
Deutschland übergreift. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass ab Beginn der
kommenden Woche die Unsicherheiten hinsichtlich des genauen Ablaufes noch recht
groß sind und auch eine Regenerierung des Hochdruckeinflusses im Südosten/Süden
(Cluster 5) noch nicht gänzlich aus dem Spiel ist. Für die erweiterte
Mittelfrist (+192 bis +240 h) werden sechs Cluster geliefert, die gänzlich
unterschiedliche Regime zeigen. Sie reichen von Blocking knapp westlich von uns
bis zu einer Nordwestlage für Mitteleuropa, wie sie auch der aktuelle IFS-Lauf
favorisiert. Dieser sortiert sich mit dem Kontrolllauf in den recht schwach
besetzten Cluster 5 ein (7 Member).
Die Rauchfahnen zeigen sich bis einschließlich Montag doch recht gut gebündelt
auf relativ hohem Geopotenzial in 500 hPa, nachfolgend nimmt der Spread stark
zu, mit Fokus überwiegend auf zurückgehendem Geopotenzial. Es gibt aber auch
Lösungen mit höherem Geopotenzial und in der erweiterten Mittelfrist deutet sich
von der Mehrzahl der Member ein wieder leicht ansteigendes Geopotenzial an. Ein
ähnliches Bild zeigt sich beim Temperaturverlauf in 850 hPa: im Süden höheres
Niveau als im Norden, aber auch dort ansteigend, Peak allgemein am Montag und im
Süden in Richtung Dienstag noch weiter ansteigend, nachfolgend zunehmender
Spread, aber doch recht wahrscheinlich insgesamt zurückgehendes
Temperaturniveau. Am Samstag einige Niederschlagssignale vor allem nach Südosten
hin, Minimum allgemein am Sonntag, ab Montag wieder allgemein zunehmend, im
Süden Richtung Mittwoch/Donnerstag mit erhöhten Regensignalen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
Am Samstag im Norden/Nordosten stürmische Böen Bft 7 bis 8 um West, exponiert
vor allem an der Ostseeküste teils Sturmböen Bft 9.
Am Mittwoch zunächst im exponierten Bergland (Brocken) Sturmböen Bft 9 aus
Südwest, später West. Im Tagesverlauf auf der Nordsee stark böig auffrischend,
dann vor allem auf See und an der Küste stürmische Böen, teils Sturmböen (Bft 8
bis 9), von Südwest auf West drehend.
GEWITTER:
In der Nacht zum Montag im Westen zunächst geringes Gewitterrisiko. Am Montag
vom Westen bis in die Alpen örtlich Gewitter, lokal kräftige Entwicklungen nicht
ausgeschlossen. Potenziell mit Hagel, Starkregen und Sturmböen, bisher aber
keine direkten Signale in der Deterministik.
DAUERREGEN:
Ab Mittwochabend bzw. der Nacht zum Donnerstag im Zusammenhang mit einer
potenziellen Leezyklogenese südlich der Alpen Niederschlagsintensivierung am
Alpenrand möglich. Dabei auch Mengen jenseits der Dauerregenwarnschwelle
(eventuell sogar Unwetter) nicht ausgeschlossen, aber noch sehr unsicher.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger