S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 29.08.2026 um 10.30 UTC

Leicht wechselhaft, im Norden gelegentlich, in der Mitte vereinzelt Regen, im
Süden weitgehend trocken. Weiterhin meist mäßig warm bis warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 05.09.2026

Deutschland liegt am warmen Rande einer wenig mäandrierenden Frontalzone, die
sich vom mittleren Nordatlantik über das nördliche Mitteleuropa bis nach
Westrussland ersttreckt. Darin eingelagerte kurzwellige Keil-Trog-Strukturen
gestalten den Wettercharakter leicht wechselhaft, im Norden mit gelegentlichen
und in der Mitte mit vereinzeltem Regen oder Schauern sowie einzelnen kurzen
Gewittern. Nach Süden zu ist, abgesehen vielleicht vom unmittelbaren Alpenrand,
die Niederschlagsneigung nur gering.
Einer dieser Kurzwellentröge wird am Dienstag über Norddeutschland hinweg
ostwärts gesteuert, meist sind schauerartige Niederschläge auf die nördlichen
Landesteile beschränkt. Im Süden bleibt es dagegen sommerlich warm, unmittelbar
an den Alpen können sich jedoch einzelne Gewitter entwickeln. Am Dienstag wird
die Strömung antizyklonaler, Niederschläge bleiben auf das Küstenumfeld
beschränkt, an und in den Alpen sind vereinzelte Gewitter nicht auszuschließen.

Am Donnerstag wird ein weiterer Trog über Deutschland hinweg ostwärts gesteuert.
Dieser überläuft das vorgelagerte Frontensystem. Während im Norden durchaus um
oder etwas über 10 mm zusammenkommen können, reicht es in den mittleren Regionen
nur für wenige Millimeter, südlich der Mittelgebirgsschwelle bleibt es
weitgehend trocken. Dabei frischt der Wind merklich auf. Im Norden und in der
Mitte sind Windböen, in freien Lagen stürmische Böen und an der See sowie in
höheren Berglagen Böen bis Sturmstärke zu erwarten. Danach schiebt sich,
gestützt durch einen breiten Rücken, von Frankreich her ein Zwischenhoch nach
Deutschland, das sich am Freitag über dem Alpenraum festsetzt. Allenfalls im
Küstenbereich zeichnen sich dann noch geringe Niederschläge ab, ansonsten bleibt
es weitgehend trocken. Warmluftadvektion sorgt jedoch im Norden und in der Mitte
für den Durchzug mehrschichtiger Wolkenfelder.
Am Samstag überquert ein weiterer, aber relativ flacher Kurzwellentrog den
Norden Deutschlands. Dieser aktiviert eine dort schleifende Front, die dort
strichweise durchaus 5 bis 10 mm Niederschlag innerhalb von 12 Stunden zustande
bringt. In der Mitte und im Süden bleibt es trocken, wobei sich dort ein
merklicher Temperaturanstieg abzeichnet. In tieferen Lagen Süddeutschlands sind
durchaus Temperaturmaxima um 30 Grad vorstellbar.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum setzt sich die Westlage fort.
Ein weiterer Trog, der die Britischen Inseln überquert, lässt am Sonntag die
Strömung auf Südwest drehen, wodurch im Süden und in Teilen der Mitte die Gefahr
einer Gewitterlage besteht; Unwetter sind dabei nicht auszuschließen.
Nachfolgend stellt sich mit einem Zwischenhoch ein leichter Temperaturrückgang
ein, wobei bereits am Montag auf den Norden Deutschlands erneut Niederschläge
übergreifen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Mittwoch ist der aktuelle Lauf zu den gestrigen Simulationen
konsistent. Donnerstag rechnet der aktuellste Modelllauf deutlich zyklonaler und
hat gegenüber den gestrigen Rechnungen auch einen ausgeprägten Bodentrog im
Angebot. Am Freitag ist die jüngste Modellrechnung dagegen antizyklonaler
geprägt. Für Samstag ergibt sich wieder eine ausgeprägtere Konsistenz, am Montag
ähnelt die neueste Simulation dem gestrigen 00 UTC-Lauf, beide zeigen eine
nordwestliche Strömung. Der 12 UTC-Lauf vom Vortag hatte dagegen eine Hochbrücke
im Angebot.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Donnerstag zeigen die verfügbaren Modelle eine ähnliche
Entwicklung. Prognoserelevante Unterschiede lassen sich bis dahin nicht
ableiten. Auffällig ist, dass GFS und vor allem UK10 den Gradienten und somit
die Windentwicklung am Donnerstag schwächer zeigen als ICON und EZMW.
In der Nacht zum Freitag erfolgt nach UK10, ca. 18 Stunden später, aber umso
ausgeprägter nach GFS die Passage eines Troges, den die anderen Modelle nicht zu
bieten haben. Dieser bringt etwas Unsicherheit in die Vorhersagen.
Abgesehen von GFS behalten die anderen Modelle am Samstag die teils leicht
antizyklonal geprägte Westlage bei. Während am Sonntag EZMW eine über der Mitte
Deutschlands schleifende Front mit Niederschlägen zu bieten hat, ist bei GFS und
auch beim Modell des kanadischen Wetterdienstes über Mitteleuropa ein kräftiges
Zwischenhoch zu finden. Dieses Zwischenhoch kommt nach EZMW ca. 12 Stunden
später, gefolgt von einem Sturmtief, das sich über der nördlichen Nordsee
entwickeln soll. Die ame5rikanischen Modelle zeigen eine vergleichbare
Zyklogenese ca. 1000 km weiter nordwestlich.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das EPS des GFS zeigt über den gesamten Vorhersagezeitraum hinweg eine mehr oder
weniger antizyklonal geprägte Westlage, wobei die Strömung nur wenig mäandriert.
Niederschlagssignale sind zwar zahlreich vorhanden, aber nicht allzu sehr
ausgeprägt und werden nach Süden hin tendenziell schwächer. Signifikante
Unterschiede zwischen den einzelnen Modellläufen lassen sich nicht finden.
Das EZMW des EZMW stützt die oben beschriebene Entwicklung, wobei der Spread bis
über das erste Septemberwochenende hinaus nur sehr gering ist. Hinsichtlich der
Sturmtiefentwicklung über der nördlichen Nordsee in der Nacht zum Dienstag ist
ein Szenario mit einer derartigen Zyklogenese ca. 1000 km weiter nordwestlich
gemäß Cyclone database wahrscheinlicher als dass dies beim deterministischen
Modell gezeigt wird, was folglich der Version der amerikanischen Modelle
entsprechen würde. Nach AIFS wäre ein derartiges Ereignis ca. 24 Stunden vorher,
d.h. bereits in der Nacht zum Montag, aber in deutlich abgeschwächter Form, zu
erwarten. Eine ausgeprägte Meridionalisierung ist auch deutlich über das erste
Septemberwochenende hinaus nicht in Sicht. Zwar dominiert gemäß Clustering nach
Großwetterlagen eine antizyklonal geprägte Westströmung, aber ein Drittel bis
ein Viertel der Member setzen eher auf zyklonale Zirkulationsformen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Dienstag sind in Küstennähe und inneralpin einzelne Gewitter mit stürmischen
Böen möglich; Starkregen ist nur wenig wahrscheinlich.
Auch am Mittwoch muss rund um die Nordsee sowie in den Alpen mit einzelnen
Gewittern gerechnet werden; Starkregen kommt nur mit geringer Wahrscheinlichkeit
zustande.
Am Donnerstag frischt der Wind auf; im Norden und in der Mitte besteht in freien
Lagen Gefahr stürmischer Böen, an der See und auf exponierten Berggipfeln von
Sturmböen Bft 9. Darüber hinaus sind im Norden und Nordosten einzelne kurze
Gewitter mit Sturmböen nicht auszuschließen.
Am Freitag sind an der Ostseeküste sowie auf exponierten Berggipfeln noch
einzelne Sturmböen Bft 8/9 möglich, tendenziell ist der Wind im Tagesverlauf
eher abschwächend.
Am Samstag sind wahrscheinlich keine markant zu bewarnenden Wetterereignisse zu
erwarten, am Sonntag sind in der Mitte und im Süden Deutschlands wieder vermehrt
Gewitter zu erwarten, wobei Unwetter nicht auszuschließen sind. Hierin bestehen
aber noch Unsicherheiten.

Basis für Mittelfristvorhersage
EPS, anfangs MOS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann