S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 23.08.2026 um 10.30 UTC

Von Südwesten zunehmendes Gewitterrisiko, wieder hochsommerlich warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 30.08.2026

Zu Begin der Mittelfrist stellt sich eine Art nördliche Omegalage ein, bei der
das Hoch über Nordeuropa liegt. Im Laufe der kommenden Woche trogt der
atlantische Trog nach Westeuropa aus und greift nach den aktuellen Prognosen ab
Donnerstag langsam auf West-, ab Freitag auch auf Mitteleuropa über und
verdrängt dabei das Hoch weiter nach Nordosten. Über der Nordsee könnte dabei
eine kräftige Zyklogenese (Kerndruck um 985 hPa Samstag 00UTC) einsetzten,
dessen Windfeld auch Nordwestdeutschland erreichen könnte. Die nachfolgende
Vorhersage ist aber sehr unsicher.

Mittwoch… gestaltet sich das Wetter über Deutschland zweigeteilt.
Norddeutschland wird von dem nordeuropäischen Hoch mit freundlichen und
trockenen Verhältnissen beeinflusst. Dort fließen bei einer nordöstlichen
Anströmung eher kühle Luftmassen mit 850 hPa Temperaturen um 8 Grad ein. Im
Südwesten und Süden hält der Anstrom warmer, feuchter und potenziell instabiler
Luftmassen weiter an. Diagonal über Deutschland befindet sich eine
Luftmassengrenze (Warmfront), an dieser gleiten die warmen Luftmassen aus
Südwesten auf die eher Trocknen aus Nordosten auf. Es stellt sich eine
Gegenstromalge ein, bei der es anhaltend konvektiv verstärkt regnet. Die PPWs
liegen zwischen 25 und 40 mm, so dass bei teils langsamer Verlagerung auch
Starkregen, evtl. auch bis in den Wu Bereich Thema sein könnte. Da sich die
Luftmassengrenze aber langsam nach Nordosten bewegt, ist Dauerregen aktuell kein
Thema. Aber auch Südlich davon bilden sich bei erhöhten Capewerten Schauer und
Gewitter mit lokalem WU Risiko.
Es wird wieder sommerlich warm, bei 850 hPa Temperaturen von 8 Grad im Nordosten
bis 18 Grad im Südwesten liegen die 2m Höchstwerte zwischen 24 und 29 Grad.

Donnerstag… ändert sich an der Konstellation gar nicht so viel, der atlantische
Trog kann auf Westeuropa übergreifen, wobei der Hochschwerpunkt weiter nach
Osten gedrängt wird. Die Luftmassengrenze liegt nun diagonal über dem Nordosten
Deutschlands. Von Südwesten gelangt nochmal etwas wärmere Luft in den Süden, so
dass am Alpenrand sogar die +20 Grad in 850 hPa erscheint. Höchstwerte liegen
zwischen 26 und 31 Grad. Auch die Luft wird nochmal etwas feuchter, so dass das
Starkregenrisiko nochmal ansteigt. Randtröge und eingelagerte Hebungsgebiete
sorgen für gewisse dynamische Antriebe, zumal der Jet um den langsam über
Westeuropa abtropfenden Trog herumgeführt wird. Über dem gesamten Südwesten und
Westen haben wir erhöhte CAPE und Scherungswerte. In der Nacht zu Freitag
könnte die zugehörige Kaltfront von Frankreich her auf den äußersten Westen
übergreifen, mit entsprechender Unterstützung aus der Höhe sind schwere Gewitter
auch nachts denkbar.

Freitag… kommt es zum Cutoff Prozess über West/Nordwesteuropa, gleichzeitig
setzt über der warmen Nordsee Zyklogenese ein und das zugehörige Bodentief kann
sich intensivieren. Der zugehörige Randtrog mit Kaltfront verlagern sich
nordostwärts. Dabei kommt es zu teils kräftigen oder auch schweren Gewittern mit
Starkregen, schweren Sturmböen (oder mehr) und größeren Hagel. Nachfolgend
strömen deutlich kühlere und trockenere Luftmassen nach Deutschland. Der
Trog/CuttOff-Tief bleibt west/nordwestlich von Deutschland. Weitere
Kurzwellenanteile oder Randtröge sorgen aber weiterhin für unbeständiges Wetter.
Es stellt sich eine zunehmend westliche Anströmung ein.

Samstag und Sonntag… verlagert sich das CutOff-Tief über die Nordsee in Richtung
Europäisches Nordmeer, dabei füllt es sich wieder auf. Gleichzeitig nähert sich
von Atlantik ein weiterer flacher Trog, der die Anströmung wieder auf Südwest
dreht und wiederrum wärmere Luftmassen nach Deutschland lenkt. Großwetterlage
geht von TB auf Wz.

In der erweiterten Mittelfrist bleibt Wz erhalten.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Donnerstag sind die Vorläufe mit dem aktuellen IFS Lauf recht
kongruent. Erst ab Freitag, wenn der atlantische Langwellentrog von West- auf
Mitteleuropa übergreift, gibt es einige signifikante Unterschiede in der genauen
Trogkonfiguration und dem Timing. Gerade die Entwicklung des Bodentiefs über der
Nordsee kann deutlich in Lage und Stärke variieren. Evtl. könnte auch eine
„kleine“ Sturmlage am Wochenende anstehen. Im aktuellen Lauf ist dies aber nicht
mehr zu erkennen, bzw. ist die Zugbahn etwas weiter nördlicher.
Ab kommenden Dienstag steigt von Südwesten her das Gewitterpotenzial, auch
schwere Entwicklungen sind nicht ausgeschlossen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die anfängliche Omegastruktur und der nach Westeuropa austrogende Trog und die
nachfolgende CutOff-Entwicklung simulieren alle betrachteten Globalmodelle.
Dabei ergeben sich bei der genauen Trogkonfiguration und der zugehörigen
Bodenzyklogenese ab Donnerstag teils erhebliche Unterschiede zwischen den
Modellen. Auch skaliger Wind könnte im Nordwesten Thema werden, je nach dem wo
die stärkste Intensivierung des Bodentiefs auftritt. ICON ist dabei aber noch
etwas verhalten.
Das zunehmende Gewitterrisiko simulieren alle Globalmodelle, aber mit teils
unterschiedlichen Schwerpunkten.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

In den Plumes kann man bis Freitag einen recht engen Spread im Ensemble
erkennen, nachfolgend öffnet er sich vor allem im 500 hPa Geopotfeld. Ein
ähnliches Bild ist auch im Ensemble des GFS zu erkennen.
In der Clusteranalyse des ECMWFs gibt es im Zeitbereich 120 bis 168 Stunden 3
verschiedene Cluster. Alle drei weisen nach dem anfänglichen Blocking eine neg.
NAO auf.

Die Großwetterlage ist bis einschließlich Donnerstag relativ sicher, nachfolgend
ergeben sich größere Unterschiede in der genauen Position und Stärke der Tiefs
und der Randtröge bzw. genauen Trogkonfiguration. Das zunehmende Gewitterrisiko
im Laufe der kommenden Woche ist aber recht sicher.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Wind:
Am kommenden Freitag/Samstag gibt es geringe Signale für starke bis stürmische
Böen im Nordwesten.

Gewitter:
Ab Dienstag breitet sich das Gewitterrisiko von Südwesten nordostwärts aus und
nimmt von Tag zu Tag sowohl hinsichtlich der Intensität als auch der räumlichen
Ausdehnung zu. Dabei sind kräftige Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel
wahrscheinlich. In der Nacht zum Freitag und am Freitag besteht mit der Passage
einer Front auch ein erhöhtes Risiko für schwere Gewitter mit heftigem
Starkregen, schweren Sturmböen bis hin zu Orkanböen und größerem Hagel.

Mehrstündiger Starkregen:
Entlang einer Luftmassengrenze die Mittwoch und Donnerstag diagonal über
Deutschland liegt, kann mehrstündiger Starkregen nicht ausgeschlossen werden.
Bei PPW zwischen 30 und 45 und nur einer langsamen Verlagerung nach Nordosten
können gerade bei Schauern oder Gewittern auch höhere Summen fallen. Dies ist
aktuell aber noch sehr unsicher.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOSMIX, EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher