#SXEU31 #DWAV170800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Mittwoch den 19.08.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 190800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 19.08.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: West zyklonal (Wz)
Wetter: Heute gebietsweise Gewitter und Starkregen. Im Süden nochmal heiß. In
der Mitte am Abend Gefahr schwerer Gewitter (Superzellen) und nachfolgend
Starkregen. In den nächsten Tagen weiterhin unbeständig, wiederholt Schauer,
Gewitter und Starkregen.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Am heutigen Mittwoch… liegt Deutschland im Bereich einer für die Jahreszeit
recht kräftigen westlichen Höhenströmung, wobei derzeit Warmluftadvektion für
einen schwachen Rücken sorgt, der heute über Deutschland hinweg ostwärts zieht.
Von Westen nähert sich in der flotten Strömung ein zunächst flacher Trog, der
sich aber etwas amplifiziert. Die Warmluftadvektion ist an eine flache Welle
namens Olivia gekoppelt, die über die Mitte Deutschlands hinweg zieht. Diese
bewegt sich am Südrand eines Tiefdruckkomplexes (Nora/Margareta) über dem Norden
Europas, während über dem Süden Europas etwas höherer Druck zu finden ist.
Daraus resultiert bei uns ein mäßig starker Gradient und überwiegend mäßiger
Südwestwind, der durch die Welle kaum modifiziert wird. In höheren Lagen des
Berglandes, also vor allem in den exponierten Lagen, kann es einzelne steife
Böen geben, die aber kaum einer Warnung bedürfen. An der Nordsee gibt es in der
ersten Tageshälfte einzelne steife Böen.
Ein Frontensystem liegt über der Mitte unseres Landes und bewegt sich zunächst
kaum, erst gegen Abend kommt es leicht südwärts voran. Es trennt Luftmassen mit
sehr unterschiedlichem Temperaturniveau voneinander. Im Norden liegt eine
maritime Polarluft mit nur 8°C in 850 hPa, im äußersten Süden wird dagegen auf
der warmen Seite der Front heute im Laufe des Tages eine maritime Subtropikluft
mit bis zu 20°C in 850 hPa herangeführt.
An dem genannten Frontensystem kommt es tagsüber vor allem im Norden und in der
nördlichen Mitte, auf der kalten Seite, zu schauerartigen Regenfällen. Dabei
sind vor allem am Südrand des Regengebiets, auf einem Streifen von NRW über
Südniedersachsen bis nach Sachsen-Anhalt auch Schauerbänder eingelagert, die
mitunter länger über die gleiche Region ziehen und an denen durchaus auch 20 bis
30 l/qm Regen in wenigen Stunden fallen können. Vereinzelt kann es auch zu
Unwetter durch noch etwas höhere Regensummen kommen. Zudem ziehen auch kräftige
Schauer entlang der Küste Ostfrieslands ostwärts bis nach Schleswig-Holstein
hinein. Hier kann es bei etwas mehr Labilität auch kurze Gewitter mit
kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen heben. Vor allem besteht aber auch dort
Starkregengefahr wegen Niederschlagssummen von um 20 l/qm in kurzer Zeit oder um
30 l/qm in wenigen Stunden. In der vielfach stark bewölkten Mitte und im Norden
verbleiben die Höchstwerte heute allgemein unter 25°C, ganz im Norden werden es
kaum 20°C.
Von Süden her setzt sich dagegen heute im Tagesverlauf zunehmend die Sonne durch
und erreicht in etwa Main und Nahe. In dieser Region werden vielfach 25 bis 31°C
erreicht, am südlichen Oberrhein und Hochrhein auch bis zu 33°C. In insgesamt
etwas feuchter Luftmasse können dabei auch einige hundert J/kg CAPE aufgebaut
werden.
Dann können, am Südrand der langsam wieder südwärts vorankommenden Front, am
Spätnachmittag und vor allem am Abend einige starke Gewitter entstehen, wobei
die Wahrscheinlichkeit für 1 oder 2 Superzellen recht hoch ist. Dies dürfte am
ehesten in einem Streifen vom Saarland über Rheinhessen und die Pfalz, Südhessen
bis nach Oberfranken und das Vogtland der Fall sein. In dieser Region herrscht
hohe hochreichende Scherung mit über 30 m/s und auch kräftige bodennahe
Scherung, teils auch starke Richtungsscherung mit teils um 15 m/s auf dem
untersten Kilometer. Dies wird durch ein am Südrand der Front ostwärts ziehendes
kleines Tief begünstigt, an dessen Vorderseite der Wind auch mal auf Südost oder
Ost drehen kann. Da auch das HKN einigermaßen niedrig sein könnte, kann auch ein
Tornado nicht ausgeschlossen werden. Vor allem muss aber an den Superzellen mit
größerem Hagel und schweren Sturmböen / orkanartigen Böen gerechnet werden, auch
Starkregen ist natürlich mit von der Partie. ICON-D2 ist allerdings derzeit
bezüglich des Windes sehr zurückhaltend.
Am Abend, auf der Rückseite des eben erwähnten kleinen Tiefs, wird es dann von
Rheinland-Pfalz und dem südlichen NRW her ostwärts interessant. Hier soll an der
wieder südwärts vorankommenden Kaltfront ein Starkregengebiet entstehen, das
sich in der Nacht über Hessen und Thüringen hinweg bis nach Sachsen ostwärts
verlagern soll. Dieses kann auch zeitweise von Gewittern durchsetzt sein. Hier
bestehen recht hohe Wahrscheinlichkeiten, dass es regional zu Starkregen
zwischen 20 und 30 l/qm in wenigen Stunden kommt. Teils sind auch um 25 l/qm in
kurzer Zeit möglich oder bis zu 40 l/qm in wenigen Stunden.
Bis zum Morgen erreicht die Kaltfront das Gebiet zwischen Main und Donau, wobei
die Regenfälle an der Front von West nach Ost nachlassen, aber nicht ganz
aufhören. Auch abgesetzt von der Front kann es in den Nachtstunden über dem
Süden einzelne Gewitter geben, meist aber ohne stärkere Begleiterscheinungen
oder nur mal lokalem Starkregen.
Nördlich der Front verläuft die Nacht meist trocken, aber vielfach bewölkt. In
den Frühstunden kommen allerdings im Nordwesten wieder einige schauerartige
Regenfälle, teils auch gewittrig, auf, die ebenso lokal Starkregen bringen
können.
Die Tiefstwerte liegen in der Nacht zwischen 18°C am südlichen Oberrhein und
11°C im nördlichen Binnenland.
Am Donnerstag… liegen wir weiterhin in einer kräftigen westsüdwestlichen
Höhenströmung, die allmählich auf Südwest dreht. Dabei liegt die Achse des sich
weiter amplifizierenden Langwellentroges von England bis nach Andalusien.
Bodennah dominiert weiterhin der Tiefdruckkomplex über Skandinavien, während im
Süden leichter Hochdruckeinfluss herrscht. Hierzulande weht der Wind weiterhin
mäßig aus Südwest, vereinzelt kann es über dem Bergland oder auch in der
Norddeutschen Tiefebene zu einzelnen steifen Böen kommen, für eine Warnung
reicht es eher nicht.
Die Kaltfront gerät in der leicht aufsteilenden Strömung ins Schleifen und
verbleibt noch nördlich der Donau. Dort soll zum Abend sogar noch einmal eine
flache Welle auftauchen.
Im Umfeld der Kaltfront kommt es weiterhin zu schauerartigen Regenfällen und
einzelnen Gewittern, im Tagesverlauf kann es bei CAPE-Werten von teils über 500
J/kg und weiterhin kräftiger Scherung (um 20 m/s von 0 bis 6 km) wieder einzelne
stärkere Entwicklungen mit Sturmböen und Hagel geben. Ein gewisses
Starkregenrisiko ist sowieso immer dabei. Dieses ist vor allem an den Alpen
erhöht, wo im Tagesverlauf auch wieder Schauer und Gewitter entstehen sollen.
Hier besteht auch eine gewisse Unwettergefahr durch Starkregen um 40 l/qm in
wenigen Stunden.
Auch im Norden des Landes herrscht leichte Labilität und in feuchter Luft kommt
es zu zahlreichen Schauern und Gewittern. Auch dort sorgen wenige hundert J/kg
CAPE für die nötige Energie, die Scherung ist aber schwächer als im Süden. Mit
stürmischen Böen oder einzelnen Sturmböen muss gerechnet werden, ebenso mit
lokalem Starkregen.
Über der Mitte des Landes gibt es einen breiten Streifen von Rheinland-Pfalz bis
nach Brandenburg, in dem die Schichtung etwas stabiler ist und die Bewölkung
geringer. Dort bleibt es überwiegend trocken und es kommen einige Sonnenstunden
zusammen. Im Norden und Süden zeigt sich die Sonne dagegen nicht allzu lang. Die
Höchstwerte der Temperatur liegen in der Südosthälfte meist bei 24 bis 27°C, in
der Nordwesthälfte bei 20 bis 24°C.
In der Nacht zum Freitag kommt der Langwellentrog etwas näher und die Strömung
steilt noch ein bisschen auf. An der Druckverteilung in Bodennähe ändert sich
nicht allzu viel. Allgemein fächert aber der Gradient auf, im Süden stärker als
im Norden. Der Wind dreht dabei teils auf Süd.
An der Dreiteilung des Wetters ändert sich nicht viel. In dem breiten Streifen
in der Mitte bleibt es meist trocken und teils klart es länger auf. Von Süden
kann aber teilweise auch hohe Bewölkung hereinziehen. Dort kommt es weiterhin zu
schauerartigen Regenfällen und Gewittern, zum einen entlang der Kaltfront, die
sich kaum verlagert, zum anderen an den Alpen. Die Starkregengefahr sollte in
den Nachtstunden zwar etwas nachlassen, ist aber weiterhin gegeben. Zu Unwettern
sollte es aber in den Nachtstunden nicht mehr kommen.
Im Norden halten sich Schauer und Gewitter vor allem in der Nähe der Meere, vor
allem im Nordseeumfeld besteht auch weiterhin geringe Starkregengefahr.
Die Temperatur geht auf Werte zwischen 16°C an der Nordsee im Süden und örtlich
10°C in den klaren Gebieten in der nördlichen Mitte zurück.
Am Freitag… liegen wir weiterhin auf der Vorderseite des Langwellentroges,
wobei die Strömung noch etwas aufsteilt und am Nachmittag ein erster
Kurzwellentrog auf den Südwesten Deutschlands übergreift. Bodennah dominiert
weiterhin der Tiefdruckkomplex über Skandinavien, dem ein kräftiges Hoch
westlich der Britischen Insel gegenübersteht. Der Gradient nach Südeuropa hin
ist hingegen schwach, so dass auch hierzulande kein allzu starker Druckgradient
mehr zu finden ist. Meist weht der Wind schwach bis mäßig um Südwest. Im
Tagesverlauf soll sich im Lee der Alpen über Südostbayern ein Tief bilden, was
zum Abend Richtung Salzburg abzieht.
Die Front liegt nach wie vor über dem Südosten Deutschlands, wird aber durch das
Aufsteilen der Strömung noch einmal ein wenig nach Nordwesten verlagert. Zum
Abend zieht die Front dann aber recht rasch nach Südosten ab.
Zuvor kann es aber in einem Streifen, der grob in etwa vom Bodensee bis zum
Bayerischen Wald verlaufen könnte, zu Starkregen kommen, bei dem durchaus 20 bis
40 l/qm in wenigen Stunden zusammenkommen könnten, womit auch ein geringes
Unwetterpotential gegeben wäre. Zudem besteht auf der warmen Seite der Front
über Südostbayern am Nachmittag noch einmal erhöhtes Gewitterpotential, dort
kann es noch einmal heftigen Starkregen geben, sowie vielleicht auch stärkere
Böen, was bei ICON an einer nachfolgenden Druckanstiegswelle simuliert wird.
Auch im Nordwesten gibt es etwas CAPE und es muss mit Schauern und Gewittern
gerechnet werden, dort deuten sich aber keine stärkeren Entwicklungen an und es
reicht allenfalls mal für stürmische Böen oder knapp für Starkregen. Dazwischen
gibt es wiederum die trockene und etwas weniger bewölkte Zone vom Südwesten in
den Nordosten.
Das Temperaturgefälle in 850 hPa reicht von 12°C im Südosten bis 6°C im
Nordwesten. Dort werden es nur noch um 20°C, sonst werden als Höchsttemperatur
meist noch zwischen 22 und 26°C erreicht.
In der Nacht zum Samstag schwenkt der Kurzwellentrog nach Osten durch und wir
gelangen wieder in eine etwas glattere Südwestströmung. Bodennah zieht die
Kaltfront nach Südosten ab und rückseitig baut sich über dem Süden des Landes
ein schwacher Hochkeil auf. Dort schläft der Wind ein, während er sonst auf West
dreht, über der Nordsee auf Nordwest.
Leicht labile und feuchte Luft sorgt in weiten Landesteilen für recht viel
Bewölkung und einzelne Schauer und Gewitter. Dabei dürfte es sich aber
weitgehend um nicht allzu starke Entwicklungen handeln. Im Süden sind die
Chancen für Auflockerungen etwas größer, dort kann es bei schwachem Wind auch
das eine oder andere Nebelfeld geben.
Die Temperaturen gehen allgemein auf 13 bis 8°C zurück, nur an der See ist es
etwas milder.
Modellvergleich und -einschätzung
Die vorliegenden Globalmodelle simulieren die Entwicklung weitgehend
übereinstimmend. Auch die wiederholt auftretenden Starkregenereignisse werden
sowohl bezüglich ihrer Stärke, also auch bezüglich ihrer Lage weitgehend
einheitlich simuliert.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann