#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Sonntag, den 09.08.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 09.08.2026 um 10.30 UTC
Hochsommerliches Wetter mit viel Sonne und allmählich von Südwesten zunehmender
Hitze. Abgesehen vom äußersten Süden trocken, erst ab Samstag allgemein
wechselhafter und verbreiteter Schauer und Gewitter, lokal mit Unwettergefahr.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 16.08.2026
Am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag dominiert im weit überwiegenden Teil
unseres Landes Hochdruckeinfluss. Ein Höhenrücken, dessen Achse über Benelux und
der Nordsee zu finden ist, verlagert sich kaum nach Osten. Er stützt dabei eine
großräumige Hochdruckzone, die von Südskandinavien über das östliche
Mitteleuropa bis nach Südosteuropa verläuft. Damit ist es sehr verbreitet sonnig
oder wolkenlos, über den Norden und Nordosten können ein paar hohe Wolkenfelder
ziehen, die den freundlichen Wettercharakter aber kaum trüben. Allenfalls
unmittelbar an den Alpen (eventuell auch über dem Südschwarzwald) kann in etwas
feuchterer Luft (PPWs bis 25 mm) nennenswert CAPE aufgebaut werden (MU-CAPE
inneralpin lokal bis knapp an die 1000 J/kg), so dass dort mit orografischer
Unterstützung vielleicht mal ein Starkregengewitter möglich sein könnte. Während
es an der Küste mit Höchstwerten um 20°C vergleichsweise kühl bleibt, steigen
die Werte im Südwesten bei 850er Temperaturen von knapp unter 20°C auf bis zu
35°C an mit einer entsprechend hohen Wärmebelastung. Die nächtlichen Minima
bewegen sich zwischen 19 und 9°C mit den höchsten Werten im Südwesten.
Am Donnerstag legt der Höhenrücken zumindest in seinem Nordteil etwas mehr
Dynamik an den Tag, seine Achse überquert Norwegen sowie Schweden und erreicht
ausgangs der Nacht die nördliche Ostsee. In seinem südlichen Teil bleibt die
ostwärtige Verlagerung zögerlich. Das Hochdruckgebiet schwächt sich etwas ab,
die zu Tagesbeginn noch vorhandene 1030er Isobare verschwindet, am Freitagmorgen
kann das Hoch nur noch knapp 1027 hPa in die Waagschale werfen. Die thermische
Schichtung wird von Südwesten her etwas labiler, dabei ist aber keine deutlich
ansteigende Anfeuchtung der Luftmasse zu erkennen. Somit bleibt der
Wettercharakter dem des Vortages sehr ähnlich: sehr viel Sonne, trocken, im
alleräußersten Süden etwas CAPE und leicht erhöhte PPWs und damit eventuell
einzelne kräftige Gewitter, wobei deren Verbreitung und deren Potential im
Vergleich zum Vortag etwas geringer ausfällt. Bleiben die weiterhin sehr hohen
Temperaturen. Die Luftmasse kann sich noch etwas erwärmen, im äußersten
Südwesten steigen die 850er Temperaturen auf bis zu knapp 22°C, an der Neiße bis
auf etwa 12°C, was Höchsttemperaturen von 26 bis 37°C und mithin verbreitet
weiterhin eine hohe Wärmebelastung bedeutet. Etwas kühler ist es nur an den
Ostseeabschnitten, an denen der östliche Wind auflandig auftritt. In der Nacht
kühlt es ab auf 21 bis 11°C.
Am Freitag deutet sich keine durchgreifende Wetteränderung an. Das Hoch verlässt
den Osten Polens und erreicht Belarus sowie die Ukraine. Der Höhenrücken
überquert Deutschland, somit gelangt der Vorhersageraum auf die Vorderseite
eines Langwellentroges über Westeuropa. Im Zuge dieser Entwicklungen schiebt
sich in den Nordwesten und Westen eine flache Tiefdruckrinne. Aus der
Höhenkonfiguration lassen sich auf der Trogvorderseite aber allenfalls schwache
Hebungsimpulse ableiten, die südwestliche Höhenströmung ist recht glatt, im
Süden sogar weiterhin leicht antizyklonal geprägt. Somit traut IFS dem Freitag
weiterhin keinen wesentlichen Niederschlag zu. Lediglich im Südwesten feuchtet
die Luftmasse etwas an, so dass nicht mehr nur in den Alpen und im Schwarzwald,
sondern eventuell auch hoch bis zur Eifel mal ein einzelnes Gewitter möglich
ist. In den übrigen Gebieten wird auch der Freitag wohl trocken, sonnig und
heiß. Die 850er Temperaturen steigen noch etwas weiter an (Spanne 15 bis 23°C),
was dann auf Maxima von 27 bis 38°C hindeutet, etwas kühler auf den Inseln und
an der vorpommerschen Küste. Nachts kühlt es ab (wenn man das denn so nennen
darf) auf 22 bis 12°C.
Am Samstag und Sonntag nähert sich von Westen der Langwellentrog, seine Achse
klopft in der Nacht zum Montag im äußersten Nordwesten an. Auf der Vorderseite
des Troges wird die Tiefdruckrinne von Nordwesten her ost-südostwärts über
Deutschland hinweggeschoben. Auf ihrer Rückseite sickert kühlere Luft ein, die
der Hitzewelle ein Ende bereitet. Der Samstag wird aber nochmal sehr heiß mit 26
bis 37°C, am Sonntag sind es dann nur noch 23 bis 32°C. Der Luftmassenwechsel
ist nach jetzigem Stand (erfreulicherweise) auch mit Niederschlägen verbunden.
Deren Schwerpunkte lassen sich aktuell noch nicht genau spezifizieren. Starke
Gewitter mit Sturmböen, Starkregen und Hagel dürften als gesetzt gelten.
Unwetter, insbesondere im Hinblick auf Starkregen, liegen im Bereich des
Möglichen.
Im weiteren Verlauf wird die heiße Luftmasse mit den Niederschlägen aus der
Südosthälfte abgedrängt, danach deutet sich, zumindest vorübergehend, wieder
Hochdruckeinfluss an.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des aktuellen IFS-Laufs mit den Vorläufen ist bis in den Freitag
hinein gut, diejenige mit dem unmittelbaren Vorlauf von gestern 12 UTC auch bis
ins kommende Wochenende hinein. Zu diesem Zeitpunkt bietet nur der gestrige 00
UTC-Lauf bezüglich des westeuropäischen Langwellentroges eine deutlich andere
Lösung an. Er lässt den Langwellentrog nämlich – im Gegensatz zu den jüngeren
Läufen – abtropfen, was beidseitig des Troges eine stärker antizyklonal
gekrümmte Höhenströmung zur Folge hat, als dies z. B. der aktuelle Lauf
andeutet.
Das könnte bzw. wird dann Auswirkungen auf die Hebungsdynamik innerhalb der
Tiefdruckrinne haben, die uns am Wochenende – von allen Läufen so angedacht –
von Nordwesten her überqueren soll. Damit ist auch schon angedeutet, dass die
Niederschlagsmuster noch variieren. Da werden zukünftige Läufe hoffentlich
Klarheit bringen. Recht klar und ähnlich arbeiten die hier betrachteten
IFS-Läufe aber die Temperaturentwicklung heraus. Im Südwesten in der zweiten
Wochenhälfte und bis in den Samstag hinein in 850 hPa über 20°C, dann allgemein
ein Temperaturrückgang.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die hier betrachteten Globalmodelle (IFS, GFS, ICON, UK10) simulieren die
Abläufe in der kommenden Woche sehr ähnlich. So prognostizieren alle, dass sich
in der zweiten Wochenhälfte in den Südwesten die 20°C-Isotherme in 850 hPa
hereinschieben soll. Das nach Osten abziehende Hoch, das anfangs für unser
Wetter zuständig ist, haben ebenso alle auf dem Schirm wie die Tiefdruckrinne,
die ab der Nacht zum Samstag auf den Nordwesten übergreifen soll und uns dann im
Laufe des Wochenendes nach Osten bzw. Südosten überqueren soll.
Bezüglich der Verlagerung der Tiefdruckrinne ist ICON recht progressiv, GFS und
IFS berechnen die Verlagerung langsamer, dazu ist die Rinne bei IFS auch noch
recht flach, bei den anderen Modellen ist sie etwas schärfer konturiert. Mit der
Rinne kommt die Abkühlung, bei ICON etwas schneller, was ja auch zur schnelleren
Verlagerung der Rinne passt, bei den übrigen Modellen etwas zögerlicher. Wie
genau die Niederschlagsmuster und die -intensitäten in der Rinne verteilt sind
ist noch nicht klar, was auch der unterschiedlichen Sicht auf den
Langwellentrog, dessen Kontur und den individuellen kurzwelligen Anteilen
geschuldet ist.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Für den Zeitraum +72 bis +96 Stunden werden die Ensembles in nur einem Cluster
(Blockierung) zusammengefasst. Gleiches gilt für den Zeitraum +120 bis +168
Stunden.
Erst im Zeitfenster +192 bis +204 Stunden wird das Bild abwechslungsreicher. Der
größte und der kleinste von insgesamt vier Clustern (16 und 7 member) liegen
durchweg in der Blockierung, die anderen beiden (16 und 12 member) wechseln von
der Blockierung in die Kategorie „Atlantischer Rücken“. Im Geopotentialfeld
zeichnen sich die letztgenannten Lösungen durch einen – wenn auch insgesamt
flachen – Höhenrücken über dem Ostatlantik aus.
Die Rauchfahnen für Offenbach deuten eng gebündelt einen Anstieg des
Geopotentials bis zum Donnerstag an, danach sinkt das Geopotential unter Zunahme
der Streuung der Ensemblemember. Die 850er Temperaturen sollen am Freitag und
Samstag 21 Grad erreichen (IFS-Hauptlauf; Streubereich des Ensembles 18 bis 24
Grad), bis zum Dienstag sinken die Werte des Hauptlaufes auf 7 Grad. Ab dem
Samstag zeigen sich erste Niederschlagssignale, die am Sonntag und Montag ihren
Höhepunkt erreichen (Hauptlauf 6 bzw. 5 l/qm)
Die GFS-Ensembles stützen die Ansicht der IFS-Ensembles, sie lassen die 850er
Temperaturen bis zum Samstag auf knapp über 22°C steigen und deuten dann einen
Rückgang von 10°C bis Montag an. Am Wochenende wie auch in den kommenden Montag
hinein sind die Niederschlagssignale aber schwächer als bei IFS.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI zeigt, beginnend am Mittwoch im Südwesten und dann auf praktisch ganz
Deutschland ausweitend, Signale für signifikant oder sogar hoch signifikant über
dem Klimamittel liegende Temperaturen.
Bei ICON wie auch bei IFS in den Ensembles erst am Wochenende geringe Signale
für Starkregen von mehr als 20 l/qm in 6 Stunden.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Martin Jonas