#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 30.07.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 30.07.2026 um 10.30 UTC
Im Norden überwiegend hochsommerlich warm, zeitweise heiß, im Süden durchweg
heiß. Besonders über der Mitte und dem Süden wiederholt teils unwetterartige
Gewitter, jedoch kein flächendeckender Regen.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 06.08.2026
Nach dem jüngsten Schwall heißer Luftmassen aus Südwest stellt sich die Frage,
ob es auch in dieser Mittelfrist mit Hitze und Blockierung weitergeht. Um dies
zu verstehen müssen wir erstmal schauen, auf welchem Weg wir zur aktuellen
Ausgangslage gekommen sind und wohin uns diese Bausteine bis in die erweiterte
Mittelfrist führen können. Wer diesen technischen Part dieser Mittelfrist
überspringen möchte, darf gerne beim Absatz „AKTUELLE MITTELFRIST“ wieder
einsteigen. Eins vorab: Freunde von Blitz und Donner sollten in dieser
Mittelfrist auf ihre Kosten kommen.
Wo kommen wir her?
Schauen wir uns mal die gemittelten Anomalien des 500 hPa Geopotenzials für
diesen Juli an, so erkennt man eine dominante Blockierung westlich vor Irland
mit positiven Abweichungen, die sich über West- bis nach Südwesteuropa ausdehnen
konnten. Oder anders ausgedrückt: eine komplette Blockierung von der Westdrift.
Können wir der Spur folgen, die zu dieser dominanten Blockierung geführt hat?
Bevor wir auf die Spurensuche gehen, soll für die Beantwortung dieser Frage kurz
der Bausteinkasten erklärt werden, der für die Telekonnektion stationärer
Wellenzüge verwendet wird, induziert aus (sub) tropischen Bereichen.
Kurz und knapp wird durch anormal kräftige Erwärmung in einem tropischen Sektor
(z.B. durch zu hohe Wasseroberflächentemperaturwerte – kräftige Konvektion –
Freisetzung latenter Wärme oder durch Oszillationen mit variabler Frequenz wie
MJO/ENSO) fokussiert in der oberen Troposphäre Höhendivergenz erzeugt. Diese ist
der Grundbaustein für die Entwicklung von Rossbywellen im tropischen Sektor, sei
es durch Advektion absoluter Vorticity, oder durch Streckung eben dieser. Somit
ist bereits ein Baustein erklärt, den wir benötigen: das Maß an Höhendivergenz,
ausgedrückt durch das Geschwindigkeitspotenzial (bzw. dem rotationsfreien Wind).
Negative Werte stellen dabei Höhendivergenz dar.
Dann bleibt noch zu beantworten, wie diese erzeugten Wellenflüsse ggf. in
Richtung Außertropen transferiert werden. Auch hier wird stark vereinfacht und
kurz zusammengefasst nur das Notwendigste dargelegt. Der Parameter von Interesse
ist die stationäre Wellenzahl (Verlagerung der Rossbywellen in Abhängigkeit von
der zonalen Windgeschwindigkeit). Hohe Werte heben vereinfacht gesagt das
Potenzial hervor, dass diese Energie innerhalb eines fokussierten Bandes mit
hohen Windgeschwindigkeiten gefangen bleibt und als zonaler Wellenfluss weiter
transferiert wird. Diese Bereiche fallen natürlich mit dem Höhenjet zusammen, an
dessen Ende die Energie dann wieder entweichen kann.
Fertig ist der kleine Bausteinkasten. Höhedivergenz kann im Zusammenspiel mit
dem Jet nicht nur Rossbywellen erzeugen, sondern diese auch gleichzeitig in
außertropische Bereiche weiterleiten. Dafür müssen aber auch beide Bausteine
vorhanden sein und ineinandergreifen.
Gehen wir nun wieder zum Juli 2026 zurück. Der begann im karibischen Sektor
teils mit reger Konvektion, deren Wellenenergie in Form eines beständigen
Wellenzugs die Blockierung bei uns über Nordwesteuropa während der ersten
Monatsdekade aus dem tropischen Sektor stützte (ausgelöst u.a. durch eine
abgeschwächte MJO Passage). In der Folge löste sich dieser Wellenzug mit Abebben
der tropischen Konvektion erwartungsgemäß rasch ab und in der Folge übernahm ein
agiler und über dem Tibetischen Hochplateau initiierter zonal ausgerichteter
Wellenzug das Regime, der von Westen konvergierend in unsere Antizyklone über
Westeuropa mündete und diese retrograd in Richtung Südgrönland/Island
verlagerte. Das brachte uns kurzzeitig in eine kühlere/wechselhafte Nordströmung
mit dem Zustrom (modifizierter) polarer Luftmassen. Aber auch dieser Wellenfluss
ebbte nun vor einigen Tagen etwas ab, was wiederum nun das Ende der Blockierung
über dem Nordostatlantik einläutet. Deren Energie wird nun ostwärts über Europa
nach Asien geführt und induziert hier eine progressivere Phase der
Wellendynamik, teils aber auch nach Süden in die subtropische Antizyklone über
Nordafrika/Südeuropa, die weiterhin sehr kräftig aufgestellt ist. Derweilen
sorgen die westlicher (USA/Kanada) endenden zonalen Wellenflüsse für eine
zunehmende Blockierung im Bereich Grönland (im Zusammenspiel mit der
Stratosphäre, was aber nun zu weit führen würde).
Bis dato dominierten über dem Ostpazifik und Nordatlantik
höhendivergenz-freundliche Bedingungen (negatives Geschwindigkeitsfeld). Diese
günstigen Bedingungen verschieben sich nun im Zuge eines Wechsels der „boreal
summer intraseasonal oscillation“ in Phase 7/8 westwärts zum westlichen
Nordpazifik. Somit fehlt nun im europäischen Sektor aus dynamischer Sicht ein
Baustein für eine nennenswerte Blockierungsentwicklung aus dem tropischen Sektor
(die thermodynamische Komponente wird in der Folge noch betrachtet), was Anfang
Juli noch vorhanden war. Somit können wir unseren Fokus auf der Blockierung bei
Grönland belassen, die ja nicht aus trop. Gefilden gestützt wird.
Ein weiteres Thema, das angesprochen werden sollte ist die seit Mai und Juni
diesen Jahres anhaltende Flaute bei den zonal gemittelten Zonalwinden innerhalb
der Troposphäre auf der Nordhemisphäre (seit dem dynamischen Zusammenbruch des
Polarwirbels in der Stratosphäre) mit Zonalwinden, die teils deutlich unter dem
Interdezilbereich und zeitweise nahe von negativen Rekordwerten lagen.
Auch im Juli änderte sich bis zur Monatsmitte wenig, erst jetzt zum Monatsende
und in den August hinein wird eine allmähliche Zunahme erwartet, wobei der sich
weiter aufbauschende El Nino aktuell weniger den nordhemisphärischen
Subtropenjet, sondern deutlich den auf der Südhemisphäre forciert (und u.a.
Südamerika beeinflusst). Dennoch sind auch auf der Nordhemisphäre nun zunehmend
Impulse in Richtung Subtropenjet auszumachen, die diesen anfachen werden.
Beim Blick auf die globale Impulsbilanz ist aktuell eine Zunahme rund um 40 Grad
Nord auszumachen (wohl ausgelöst durch eine schwache „ändernde Kraft“ aus der
Synoptik heraus entlang des Himalayas, oder kurz gesagt: mountain torque), die
jedoch in dem Breitengrad verweilt und somit südlich von negativen Werten in
höheren Breiten zu finden ist: eine klassische Signatur für weit nördlich
ansetzende Blockierungslagen. Diese wird nun u.a. durch den genannten, über
USA/Kanada endenden zonalen Wellenfluss initiiert.
Mit der nun einsetzenden Blockierungslagen in höheren Breiten (u.a. im IFS-ENS
mit hohen Standardabweichungen beim „Grönlandhoch“ bzw. im nordatlantischen
Sektor mit negative NAO hinterlegt) nimmt nun auch die Anzahl der Wellen auf der
Nordhemisphäre von ehemals 4 deutlich zu, während gleichzeitig deren Amplitude
zurückgeht und diese nun südlicher ziehen. Bei weiterhin überschaubaren zonalen
Wellenflüssen stellt sich nun die Frage: sind dies progressivere Wellen mit
zonaler Translation, oder wird die Energie nur von Trog zu Trog transferiert,
was einen stationären und sich wiederholt regenerierenden Wellenzug zur Folge
hätte, gespeist durch kurzwellige Anteile. Das Zeit-Längendiagramm ist bei der
komplexen Verteilung von (Anti)Zyklonen diffus und hebt erst ab dem 10. August
einen umfassendere stationären Wellenzug hervor, der sich vom nordamerikanischen
in den nordatlantischen Sektor erstreckt. Insgesamt scheint sich aber an dem
stationären Wellenmuster wenig zu ändern, sodass man eher von einem wiederholten
Regenerieren durch kurzwellige Anteile sprechen sollte.
Das Resultat ist nun eine Dynamik über Europa, die weder „Fisch noch Fleisch“
ist, sich durch die nördlichen Blockierungslagen etwas anders ausrichtet, uns
aber vorerst nicht aus der blockierungsfreudigen Lage über Süd-/Osteuropa
herausbringt.
Sich über dem Nordatlantik abschwächende und ostwärts gerichtete Wellenflüssen
bei einer gleichzeitig durch high lat. Blockierung einsetzenden Verkleinerung
der Wellenamplituden spricht für Westeuropa unter dem Strich für ein etwas
progressiveres Wellenmuster innerhalb eines stationären Grundmusters. Die daraus
resultierende, weit südlich verlaufende Frontalzone sorgt für entsprechend weit
südlich ansetzende Tiefdruckgebiete, die dadurch weiterhin in ihren Warmsektor
PV-arme und heiße Luftmassen auf ihrem Weg nach Westeuropa einbinden können.
Diese Energie rennt beständig gegen den Keil über Süd-/Osteuropa, wobei jüngste
IPV Vorhersagen mehr auf einen baroklinen Keil hindeuten, der sich von Südwest-
nach Osteuropa aufspannt und nur im Bereich von Spanien/über dem westlichen
Mittelmeer und natürlich über Algerien/Marokko barotrope Eigenschaften aufweist.
Dort heizt diese quasi-stationäre Welle weiterhin kräftig ein, was keine guten
Nachrichten für Südwesteuropa sind, zumal ein wechselnder Wind (mit Passage der
Kurzwellen) ein großes Thema bei der Waldbrandbekämpfung werden dürfte. Das
Resultat ist also ein gescherter Trog über Nordwesteuropa und Skandinavien,
dessen Energie wiederholt in Impulsen (Randtrögen) an der Westflanke des Keils
über Mitteleuropa nach Nordosten abtransportiert wird.
Diese Unentschlossenheit zwischen etwas mehr Dynamik aus Westen und der
Blockierung im Süden und Osten Europas erkennt man auch bei den
Wetterregimesvorhersagen des IFS-ENS, die bis weit in den August keine wirkliche
Dominanz aufbauen wollen, wenngleich immer die Blockierung mal mehr, mal weniger
die Oberhand behält. Dies deckt sich auch mit der jüngsten C3S Vorhersage, die
im August einen Schwerpunkt der Hitze mehr über dem zentralen südlichen
Mittelmeer bis Osteuropa sieht. Wir wären am Rande gelegen mit einem
Nord-Südgefälle bei der Temperatur (mit noch dem einen oder anderen heißen
Einschub aus der Synoptik heraus) und die konvektiv geprägten Niederschläge
sehen flächendeckend weniger nach Erholung der angespannten Lage aus. Insgesamt
ist die Unsicherheit bei diesem recht chaotischen und schwach forcierten
Hintergrund groß, was auch eine überwiegend negative aber stark streuende NAO
und PNA Vorhersage stützen.
Zusätzlich muss bedacht werden, dass sowohl El Nino (Interaktion mit dem
Subtropenjet) als auch wiederholte, teils heftige ETs (tropische Zyklone, die
mit den Außertropen interagieren) Einfluss nehmen auf den zonalen
Energietransfer, was stromab jeweils Änderungen in der erweiterten Mittelfrist
zur Folge haben kann.
AKTUELLE MITTELFRIST vom Sonntag, den 02. August bis Donnerstag, den 06. August
Hier geht das bekannte Spiel für diesen Sommer in die nächste Runde.
Am Sonntag erreicht ein neuer Trog die Biskaya, sodass Deutschland in eine
antizyklonal geprägte südwestliche Höhenströmung gelangt. In der vorherrschenden
Warmluftadvektion strömt von Südwesten wieder eine wärmere bzw. heiße Luftmasse
nach Deutschland mit 850 hPa (H85) Temperaturwerten von 10 Grad im Norden und 21
Grad im Süden. Dabei verläuft der Tag freundlich oder sonnig und meist trocken.
Allerdings liegt über der Mitte und dem Süden eine labile und gescherte
Luftmasse (MLCAPE 500-1000 J/kg und 10 bis 15 m/s hochreichender Scherung),
sodass trotz steigender Schichtdicke und keiner nennenswerten Kurzwellenpassage
besonders entlang des Berglands mit einigen, teils heftigen Gewittern gerechnet
werden muss (punktuell mit Hagel, Starkregen und Sturmböen).
Zum Montag ändert sich daran wenig. Wir verbleiben unter einem schwachen Keil,
wobei sich aus heutiger Sicht zum Abend eine ausgeprägte Kurzwelle Deutschland
von Südwesten nähert. Gleichzeitig zieht ein Bodentief in Richtung Irland und
spannt über Deutschland einen breiten Warmsektor auf. Die feucht-labile
Luftmasse erfasst ganz Deutschland, wobei die H85 Werte im Südosten auf bis zu
23 Grad steigen. Dabei klettern die MLCAPE Werte auf um 2000 J/kg bei 15 m/s
hochreichender Scherung sowie WLA bedingt erhöhter Helizität. Trotz der
günstigen Rahmenbedingungen bleibt die Auslöse von Gewittern bis zum Nachmittag
bei viel Sonnenschein zumeist nur auf das Bergland beschränkt, bevor die
Unwettergefahr zum Abend mit Annäherung der Kurzwelle deutlich zunimmt (teils
schwere Sturmböen, großer Hagel und Starkregen).
Zum Dienstag zieht das Bodentief zur Deutschen Bucht und Deutschland verweilt
weiterhin in einem umfangreichen Warmsektor mit hochsommerlich warmen bis heißen
Luftmassen, sodass sich am CAPE/Scherungsumfeld kaum etwas zum Vortag ändert.
Sowohl die aus der Nacht zum Dienstag heraus nordostwärts abziehende Kurzwelle,
wie auch die eigentliche, von Westen auf Deutschland im Tagesverlauf
übergreifende Trogachse sorgen für ausreichend Hebung aus der synoptischen
Dynamik heraus, um einen unwetterträchtigen Tag erwarten zu lassen (großer
Hagel, teils schwere Sturmböen und Starkregen).
Am Mittwoch etabliert sich über dem Europäischen Nordmeer ein umfangreicher
Langwellentrog, der mit unserem, von der Deutschen Bucht nach Skandinavien
ziehenden und sich vertiefenden Bodentief interagiert. Dabei wird spätestens in
der Nacht zum Donnerstag eine kräftige Kaltfront ostwärts über den Norden und
die Mitte von Deutschland geführt, bevor sie sich im Süden strömungsparallel an
die Alpen legt und dort auch noch am Donnerstag verweilt.
Präfrontal der Kaltfront werden im Süden und Osten am Mittwoch bei auch
niedertroposphärisch zunehmender Scherung teils unwetterartige Gewitter
erwartet, während von Nordwesten nur noch einzelne Schauer ins Binnenland
driften.
Somit gestaltet sich der Donnerstag zweigeteilt. Im Norden sorgt ein der
Kaltfront nachfolgende Bodenhochdruckkeil in modifizierter Polarluft und bei H85
Werten zwischen 5 und 10 Grad für einen angenehmen Sommertag, während es im
Süden mit H85 von 15 bis 19 Grad weiter schwül-heiß bleibt mit anhaltendem
Unwetterrisiko durch teils heftige Schauer und Gewitter.
Die Maxima liegen südlich der zentralen Mittelgebirge durchweg um oder über 30
Grad, am Montag teils mit Spitzen um 38 Grad, die sich am Dienstag in den Osten
verlagern. Wie intensiv dieser Hitze-Peak ausfällt muss aber noch abgewartet
werden, da ggf. Konvektionsreste und auch die Entwicklung des
Bodentiefs/Kurzwellentroges eine Rolle spielen können. Auch wird der
Staubtransport weiter im Auge behalten, der aktuell aber eher nur am Dienstag im
Süden nennenswerte Werte erreicht.
Im Norden bleibt es mit 25 bis 30 Grad hochsommerlich warm bis heiß, bevor es im
Nordwesten ab der Wochenmitte teils auf mäßig warme Werte abkühlt.
Die Minima liegen meist zwischen 21 und 16 Grad und gehen postfrontal der
Kaltfront ab der Nacht zum Donnerstag im Norden auf 14 bis 10 Grad zurück.
Der von Nordost auf Südwest drehende Wind spielt abseits der Konvektion aus der
Synoptik heraus keine warnrelevante Rolle.
In der erweiterten Mittelfrist geht das Spielchen munter weiter, denn am Freitag
etabliert sich über der Biskaya der nächste Trog, der die schwül-warme Luftmasse
wieder nordwärts drückt und eine neue wechselhafte und gewittrige Phase
einläutet. Ein Auge sollte auf Osteuropa geworfen werden, wo die Bedingungen für
eine Blockierung in Form einer Antizyklone (besonders nach AI) besser werden.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die jüngsten Modellläufe von EZ berechnen die dynamische südwestliche
Höhenströmung sehr einheitlich, was auch durch ein stabil berechnetes
Geopotenzialmuster im nordatlantisch-europäischen Sektor gestützt wird.
Zwar nehmen die Unschärfen der einzelnen Trogpassagen im Verlauf der Mittelfrist
etwas zu, das ändert aber insgesamt wenig an der zu erwartenden hochsommerlich
warmen bis heißen und gewitteranfälligen Mittelfrist. Dabei besteht bei viel
Labilität und ausreichender Windscherung jeweils ein erhöhtes Unwetterpotenzial
durch heftige Gewitter mit Sturmböen, teils großen Hagel und Starkregen, was
besonders die Mitte und den Süden der Republik betrifft. Im Norden nimmt die
Hitze im Wochenverlauf etwas ab und pendelt sich auf einem hochsommerlichen
Niveau ein.
Auch AIFS, das ja dem physik. Modell ernsthaft Konkurrenz macht bzw. dieses
teils überflügelt, sieht die genannte Entwicklung sehr ähnlich.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bei den anderen internationalen Modellen ergibt sich bis einschließlich Dienstag
keine Änderung zu den Ausführungen der jüngsten EZ-Modellläufe.
In der Folge ergeben sich geringe Phasenverschiebungen bei den zonalen Wellen,
sodass GFS z.B. zum Mittwoch/Donnerstag antizyklonaler als EZ und vor allem als
ICON aufgestellt ist. Unter dem Strich fallen die Diskrepanzen für Temperatur
und Niederschlag aber auch für diesen Vorhersagebereich überschaubar aus, sodass
besonders im Süden mit einer Fortdauer der heißen und zu teils heftigen
Gewittern neigenden Witterung zu rechnen ist.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt die Mittelfrist am Sonntag mit einem Cluster der
positiven NAO. Dabei beeinflusst Deutschland eine kräftige Frontalzone zwischen
dem gescherten/positiv geneigten Trog über dem Europäischen Nordmeer und einem
Keil über Osteuropa. Es dominiert die positive Geopotenzialanomalie, die jedoch
von kurzwelligen Anteilen (Südwest-Nordost gerichtet) durchquert wird, die für
etwas Hebung gut sind.
Montag bis Mittwoch ändert sich bei dieser Grundkonstellation und mit nur einem
Cluster wenig (wenngleich das klimat. Regime von „positive NAO“ zu
„Atlantikrücken“ rutscht, was der sich weiter aufwölbenden blockierenden
Antizyklone über Grönland geschuldet ist). Für Mitteleuropa bedeutet das die
Nähe zur Frontalzone mit wiederholten Passagen kurzwelliger Troganteile.
Zum Ende der Mittelfrist und im Bereich der erweiterten Mittelfrist nehmen die
Unsicherheiten rasch auf 6 Cluster zu mit variablen klimat. Regimevorhersagen
(dominant jedoch blockierend mit negativer NAO oder Atlantikrücken). Der
Kontrolllauf liegt dabei im dritten Cluster. Es lohnt sich nicht ins Detail zu
gehen. Das grobe Grundmuster bleibt bestehen, es muss aber geschaut werden,
wieviel Energie von Westen noch zonal ausgerichtet in Europa eintrifft. Den Keil
über Grönland behalten die meisten Cluster bis zum Ende der Mittelfrist und auch
die positive Geopotenzialanomalie über Südeuropa bis nach Asien ist bei den
meisten Lösungen auszumachen. Viel Dynamik ist keine zu erkennen und daran
ändert sich auch beim Blick tiefer in die erweiterte Mittelfrist wenig,
wenngleich das Chaos zunimmt.
Die Meteogramme spiegeln das Gesagte wider mit einer durchweg heißen Witterung
im Süden und einem Wechsel aus hochsommerlich warmen und heißen Abschnitten im
Norden (im Nordwesten zum Ende ggf. mäßig warm). Konvektive Niederschlagssignale
sind nahezu durchweg vorhanden, doch eben keine für einen flächendeckenden
Landregen.
Die Rauchfahnen für die Temperatur in 850 hPa und das 500 hPa Geopotenzial sind
zum Zeitpunkt des Verfassens der Mittelfrist leider veraltert.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Mittelfrist dominieren durchweg die folgenden Themen:
HITZE:
Im Süden durchweg, zeitweise aber bis in den Norden ausdehnend, hebt der EFI 2m
(Max) Temperatur anormal hohe Temperaturwerte hervor mit einem Schwerpunkt am
Montag im Süden der Republik, wo sicherlich wieder hier und da 38 Grad gemessen
werden (etwas abhängig von der Bewölkung alternder Konvektionsreste). Ansonsten
aber lässt sich die Witterung im Süden durchweg als schwül-heiß, im Norden als
hochsommerlich warm und ab der Wochenmitte im Nordwesten eher als mäßig-warm
zusammenfassen.
GEWITTER (UNWETTER):
Die gesamte Mittelfrist über besteht ein latentes Gewitterrisiko mit
unterschiedlichen Schwerpunkten, die von jeweiligen Trogpassagen abhängen.
Während sich am Sonntag ganztags und am Montag tagsüber nur ein vereinzeltes
Gewitterrisiko entlang der Orografie abzeichnet, nimmt in der Folge
deutschlandweit das Gewitterpotenzial zu.
Bei Labilitätswerten von 1000 bis 2000 J/kg und hochreichender Scherung um 15
m/s ist wiederholt mit organisierter Konvektion zu rechnen, die von teils
schweren Sturmböen, großem Hagel und heftigem Starkregen begleitet werden kann,
was auch durch einen überwiegend erhöhten EFI CAPE/shear gestützt wird. Ab der
Wochenmitte verschiebt sich der Gewitterschwerpunkt allmählich in den Süden.
Trockenheit und Waldbrandgefahr werden zwar durch die konvektiven Niederschläge
sehr inhomogen verteilt etwas gehemmt, doch besonders bei der Trockenheit
zeichnet sich dank der konvektiven Natur der Niederschläge keine
nachhaltige/überregionale Entspannung ab.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, AIFS, MOSMIX und ICON
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy