#SXEU31 #DWAV230800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Donnerstag den 23.07.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 230800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 23.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Noch Nz (Nord zyklonal)
NORBERT der Gemütliche – meist ruhiges und warnarmes Wetter auf zunächst
überschaubarem Temperaturniveau. Bis Samstag von Südwesten aber zunehmend sehr
warm bis heiß.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag… bleibt die Großwetterlage in ihren Grundfesten konstant: auf dem
Atlantik das umfangreiche Hoch mit Potenzialunterstützung aus der Höhe, knapp
östlich der ausladende LW-Trog zwischen Nordpolarmeer und SE-Europa. Ergibt bei
uns eine weitgehend glattgestellte, nach Osten hin noch leicht zyklonal
konturierte nördliche, im Süden eher nordwestliche Höhenströmung, in der keine
besonderen dynamischen Impulse zu erwarten sind. Die „Musik“ spielen in der
Regel ja die kurzen Wellen, die Rand- und Sekundärtröge usw., von denen sich
heute aber nicht wirklich einer blicken lässt. Gestern Abend und in der Nacht
ist ein solches Exemplar tatsächlich mal über den Nordosten und Osten
hinweggeschwenkt und hat auch gleich für einige, teile elektrische
Überentwicklungen gesorgt. Inzwischen hat sich die Szenerie nicht zuletzt mit
Hilfe des Tagesgangs aber beruhigt (am frühen Morgen nur noch ganz wenige
Schauer). Nichtsdestotrotz, die Nähe zum nicht weit entfernten Trog gepaart mit
leidlicher Labilität der einfließenden polaren Meeresluft (mP; T850 um 6°C)
sowie steigendem Sonnenstand lassen die Konvektion insbesondere in einem etwa
von Vorpommern bis hinunter nach Ostsachsen verlaufenden Korridor im
Tagesverlauf wieder aufleben. Im genannten Streifen ist auch die Feuchtezufuhr
von der Ostsee am besten ausgeprägt, so dass die erforderliche CAPE erzeugt
werden kann – nicht im Übermaß, aber ausreichend. Kurzum, im Osten darf man
heute neben Schauern auch einzelne Gewitter erwarten, die in der Regel aber in
der untersten, der gelben Liga unterwegs sind. Die Wahrscheinlichkeit für
markante Gewitter (Böen 8 Bft/Starkregen 15 l/m²/h) ist gering. Gering ist auch
die Wahrscheinlichkeit, dass der mitunter böig auflebende Nordwestwind steife
Böen 7 Bft am Fließband produziert, so dass sich eine Warnung nicht wirklich
aufdrängt.
Ansonsten ist festzuhalten, dass das o.e. Hoch seinen Schwerpunkt zwar nach
Westen weit raus auf den Atlantik verschoben hat. Der breite und wuchtige, über
UK/Irland, Benelux und Frankreich bis zum Balkan gerichtete Keil bleibt uns aber
erhalten. Wenn man so will, ist er gerade dabei, sich nach dem gestrigen
Durchgang einer schwachen und nahezu wetterinaktiven Kaltfront zu erholen, was
ihm auch gleich mal einen neuen Namen eingebracht hat: Aus MORITZ (inzwischen
weiter östlich) wurde NORBERT. Gemeinsam mit dem im Grenzbereich
Polen-Belarus-Litauen angelandeten Tief DEBORAH wird von Nordwesten nicht nur in
den Osten, sondern auch in die übrigen Landesteile maritime Polarluft gesteuert,
in der das gemäßigte Temperaturniveau erhalten bleibt. Am meisten kann sich die
Luft im Süden und Südwesten erwärmen, wo mit Hilfe der nur bedingt durch Wolken
gestörten Sonne 23 bis 27°C anvisiert werden. Die meiste Bewölkung im Süden ist
am Alpenrand anzutreffen, wo erstens noch Reste der besagten Kaltfront
rumlungern und zweitens etwas Stau erzeugt wird. Sogar einzelne Schauer können
nicht ausgeschlossen werden.
Von der Mitte aufwärts bis hoch in den Norden startet der Tag vielerorts mit
geschlossener tiefer Bewölkung, die sich unterhalb einer zwischen 900 und 800
hPa positionierten Absinkinversion ausgebreitet hat. Hier besteht aber die nicht
unberechtigte Hoffnung, dass die Wolken mit dem Tagesgang mehr und mehr
„angeknabbert“ werden bzw. Lücken reißen, um der Sonne insbesondere am
Nachmittag und Abend Entfaltungsmöglichkeiten einzuräumen. Im Nordosten klappt
das jetzt schon ganz gut, was dem Einschub trockenerer Luft aus dem Süden
Skandinaviens geschuldet ist. Skandenföhn lautet hier das Stichwort, der durch
Überströmen der norwegischen Gebirge eine Abtrocknung bewirkt, von der bei
nordwestlicher Anströmung auch Teile Nord- respektive Nordostdeutschlands
profitieren. Namentlich sind die Profiteure SH inkl. dem Großraum HH sowie MV,
bedingt auch noch das nördliche BB und das nördliche ST. Thermisch stehen 20 bis
24°C, im nordwestlichen NDS sowie an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind
unter 20°C auf der Karte.
In der Nacht zum Freitag verlagert sich der knapp westlich von uns platzierte
Höhenrücken etwas nach Osten, wodurch Absinken weiter gefördert und der
Bodenhochkeil noch mehr gestützt werden. Für weite Landesteile bedeutet das eine
gering bewölkte oder klare Nacht bzw. weiteren Rückgang der am Abend noch
vorhandenen Tagesbewölkung. Wie so oft im Leben heißt es aber auch hier, keine
Regel ohne Ausnahme. In diesem Fall trifft es den Nordwesten und Teile
Norddeutschlands. Gerade Richtung Deutsche Bucht löst sich die tiefe Bewölkung
vom Tage wahrscheinlich nicht überall auf. Darüber hinaus ist von der Nordsee
und den Niederlanden Nachschub garantiert, so dass vor allem NDS, aber auch
Teile NRWs sowie der anderen norddeutschen Bundesländer mit ST/SC versorgt
werden. Je nach Bewölkung kühlt es ab auf 14 bis 6°C, in einigen Kältelöchern
der Mittelgebirge und des Südens sogar noch etwas darunter. Direkt am Meer liegt
das Minimum dagegen stellenweise bei 15 oder 16°C.
Freitag… verlagert sich der Höhenrücken weiter ostwärts, so dass er am
Tagesende den gesamten Vorhersageraum überdeckt. Da macht es nicht viel aus,
dass der weiterhin präsente Hochkeil NORBERT – im Wesentlichen strahlungsbedingt
- ein paar wenige Hektopascal von den Rippen nimmt. Subsidenz ist nach wie vor
Trumpf, was ein Absinken der Inversion und eine damit einhergehende Stauchung
der Grundschicht sowie weiteres Abtrocknen von oben zur Folge hat. So scheint
morgen im gesamten Süden sowie in der Mitte die Sonne von einem wolkenlosen
(insbesondere im Südwesten) oder nur locker bewölkten Himmel. Die Luft kann sich
diabatisch deutlich erwärmen auf 25 bis 30°C (30°C punktuell am Oberrhein),
wobei die 25°C-Isotherme vorrückt bis etwa einer Linie Wesel-Weißwasser
(Lausitzer Füchse).
In der solaren Hinterhand am Freitag ganz klar die Nord- und Nordwestdeutschen,
die gerade am Morgen und Vormittag das dicke Päckchen nächtlicher Stratus- und
Stratocumulusbewölkung zu tragen haben. Bei insgesamt nur wenig Luftbewegung und
entsprechend fehlender bzw. nur wenig vorhandener Turbulenz muss Klärchen Žne
Menge Kärrnerarbeit leisten, um das zähe Gewölk wegzubruzzeln – ein Unterfangen,
was nach Meinung eigentlich aller gängigen hochauflösenden Modelle nicht
vollständig gelingen wird. Oder um es anders auszudrücken, gerade im Nordwesten
wird sich bis in die Abendstunden gebietsweise starke tiefe Bewölkung halten
oder nur sporadische Lücken reißen. Es ist evident, dass es unter diesen
Bedingungen bei weitem nicht so warm werden kann wie im Süden, was allerdings
auch aus der Luftmasse per se ableitbar ist. So stehen im gesamten Norden
Höchsttemperaturen von 19 bis 24°C auf dem Zettel, die niedrigsten Werte auf den
Inseln.
In der Nacht zum Samstag hält der Rücken die Stellung bei uns, während sich aus
dem Bodenhochkeil eine eigenständige Parzelle löst. Grund ist einsetzender
Druckfall über Frankreich und SW-Europa, wo sich vom westlichen Mittelmeer her
eine Tiefdruckrinne nach Norden vorarbeitet und sich zwischen das Mutterhoch auf
dem Atlantik und die knapp ost-südöstlich von uns abplatzende 1015er-Parzelle
schiebt. Nennenswerte Auswirkungen auf das Geschehen vor Ort hat das zunächst
nicht. So steht eine weitere gering bewölkt bis klare Nacht ins Haus, selbst im
Norden wird weiter am Abbau der zähen Tagesbewölkung gearbeitet. Während im
Südwesten sowie direkt am Meer die Luft z.T. nicht unter 17 bis 15°C abkühlt,
gehtŽs sonst runter auf 14 bis 8°C, im Südosten stellenweise noch etwas tiefer.
Samstag… verlagert sich die Achse des Höhenrückens zwar etwas nach Osten, im
Großen und Ganzen bleibt er aber noch für unser Wetter verantwortlich. Trotzdem
gilt es schon mal ein Auge auf das Höhentief über der Biskaya zu werfen, das
Anschluss an einen Trog über dem Nordmeer findet und in der Folge als südlicher
Randtrog des gesamten Gebildes agiert. Zwar nähern sich beide dem
Vorhersageraum, von einer wirklichen Vorderseite kann man aber eigentlich erst
ab der Folgenacht sprechen. Gleichwohl, der Luftdruck fällt weiter und die Rinne
zieht nach Deutschland rein, wo sie sich zu einem breiten Bodentrog ausweitet,
der als Verbindungsglied zwischen einem Nordmeertief und einem Randtief bei den
Balearen fungiert (12 UTC).
Kurzum, das gesamte Setup nimmt allmählich zyklonalere Formen an und auch bei
der alternden Luftmasse tut sich was. Vor allem im Süden legt T850 teils
absinkbedingt, teils advektiv deutlich zu, südlich der Donau gehtŽs hoch auf bis
zu 21°C. Potenziell instabil ist die Schichtung im Süden ebenfalls und auch die
Anfeuchtung der bis dato sehr trockenen Luft macht Fortschritte. Ob das alles am
Ende tagsüber schon für die ersten Schauer oder gar Gewitter vom Südschwarzwald
bis hinüber ins Allgäu reicht, ist allerdings fraglich. Zaghafte Andeutungen
seitens der Numerik sind vorhanden, die Überzeugung fehlt aber noch.
Überzeugt sind Mensch und Maschine vom deutlichen Temperaturanstieg, der das
Thermometer zwar nicht in schwindelerregende, zumindest in der Südhälfte aber
sommerlich-heiße Sphären bringt: 28 bis 33°C lautet die Spanne, dazu viel Sonne
und meist nur locker Wolken. Ähnliches Wetter auch in der Nordhälfte bei
allerdings „nur“ 25 bis 30°C, an der See je nach Windrichtung (überwiegend
Südwest, aber das Potenzial für Seewind ist da) z.T. etwas weniger. Im
Nordwesten kann es zeit- und gebietsweise auch mal wolkiger sein (z.T. noch
Erbmasse aus der Nacht heraus), ein komplett grauer Tag zeichnet sich aber nicht
ab.
In der Nacht zum Sonntag nimmt die Schauer- und Gewitterneigung mit Annäherung
des Troges im äußersten Süden zu, ohne jetzt schon auf ohnehin noch unsichere
Details einzugehen. Auch im Nordwesten verdichtet sich die Bewölkung wieder,
allerdings ist diese jetzt hochreichender als zuvor und bringt spätestens in der
zweiten Nachthälfte ersten Regen von der Nordsee her. Grund ist die Annäherung
eines okkludierten Frontensystems, das zu dem o.e. Nordmeertief gehört und am
Sonntag einen Großteil des Vorhersageraums beschäftigen wird (Norden, Westen,
Teile der Mitte). Mit 19 bis 13°C Minimum bleibt diese Nacht deutlich milder als
die Nächte zuvor, nur in einigen zentralen Mittelgebirgen oder im Harz wirdŽs
etwas kühler.
Modellvergleich und -einschätzung
Der Kurs steht, kleine Unschärfen wurden im Text erörtert.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann