#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Mittwoch, den 15.07.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 15.07.2026 um 10.30 UTC
Zyklonal, später zunehmend antizyklonal Nord- bis Nordwest; vor allem im
Nordosten unbeständig und teils kühl, im Südwesten mäßig warm bis warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 22.07.2026
Am Wochenende ist es soweit: Nach vor allem im Südwesten wochenlanger
Sommerhitze hat sich die Wetterlage nun komplett umgestellt und wir bekommen es
mit Luftmassen zu tun, deren Ursprungsgebiet sich eher in polaren Regionen
befindet, die sich aber auf ihrem relativ langen Weg zu uns über die
Norwegischen See bzw. die Nordsee hinweg immerhin ein wenig erwärmen können
(klassisch: maritim erwärmte Polarluft).
Diese Umstellung wurde bzw. wird bereits in der Kurzfrist eingeleitet – wie so
oft nicht ohne teilweise unwetterartige konvektive Begleiterscheinungen.
Doch wie kommt es überhaupt zu diesem Wetterumschwung? Dazu ein kurzer Blick auf
die Kurzfrist (eine ausführliche Abhandlung findet man in der syn. Übersicht
Kurzfrist):
Vorweggenommen sei, dass sich an der generellen Blockadesituation erst einmal
nichts ändern wird. Aktuell befindet sich unser Blockadehoch allerdings ziemlich
genau über der Norwegischen See mit Ablegern nach Skandinavien und zur Nordsee.
Es wird am heutigen Mittwoch und auch noch am Donnerstag allerdings quasi
„unterlaufen“ von einem Höhentief, das sich langsam über die Mitte und den
Nordwesten Deutschlands Richtung Nordsee verlagert (mit teils schweren Gewittern
an dessen Südflanke über Süd- und Südwestdeutschland). Im Laufe des Freitags
kommt es derweil über dem Nordmeer und der Norwegischen See zu einem markanten
Trogvorstoß. Der entstehende Langwellentrog amplifiziert rasch Richtung
Mitteleuropa und fängt unser Höhentief über der Nordsee in der Nacht zum Samstag
quasi ein, welches nun als kräftiger Randtrog fungiert, der Samstagfrüh mit
seinem Drehzentrum Südschweden erreicht.
Während das bisher wetterbestimmende Blockadehoch mit dem Trogvorstoß rasch nach
Osteuropa abgedrängt wird, baut sich eine neue kräftige Höhenantizyklone über
dem mittleren Nordatlantik auf, das korrespondierende Bodenhoch befindet sich
mit seinem Schwerpunkt (nahe 1035 hPa) über dem Seegebiet südwestlich von
Island.
Aus dieser Konstellation resultiert eine recht kräftige und zyklonale
nordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet, darin eingebettet,
überquert ein markanter Randtrog am Samstag und Sonntag die Nordsee und das
Vorhersagegebiet südostwärts.
Das dem Trogvorstoß geschuldete Bodentief befindet sich bereits am Samstag über
Südschweden. Mit Annäherung des erwähnten Randtroges kommt es zunächst nur wenig
nach Nordosten voran und entwickelt sich über dem Raum Südostschweden/Gotland
bis Sonntagvormittag zu einem regelrechten Sommersturm (Kerndruck unter 995
hPa), ehe es sich danach beginnt, langsam aufzufüllen. An dessen Ostflanke
flutet am Wochenende von Nordwesten her maritime Polarluft nahezu das gesamte
Vorhersagegebiet. Während ein dorthin reichender Hochkeil die Wetterwirksamkeit
dieser Luftmasse im Südwesten des Landes etwas dämpft und dort nur wenige
Niederschläge zu erwarten sind, gibt es vor allem im Norden und Osten häufig
Schauer und auch einzelne Gewitter, die mangels Energiegehalts der Luftmasse
nicht mehr unwetterartig ausfallen, dennoch von Graupel bzw. kleinkörnigem
Hagel, eventuell noch von Starkregen und einzelnen stürmischen Böen begleitet
werden können.
Apropos stürmisch: Vor allem im Nordseeumfeld reicht der Gradient am Samstag und
in der Nacht zum Sonntag auch außerhalb der Schauer für stürmische Böen aus
Nordwest, eventuell sind auch Sturmböen möglich. Ob das auch am Sonntag bzw. an
der Ostseeküste der Fall sein wird, ist noch unklar.
Die Temperatur in 850 hPa sinkt bis Sonntag auf Werte zwischen 4 Grad im
Nordwesten und 10 Grad am Alpenrand. Somit werden im Nordwesten/Norden/Küsten
keine bzw. kaum mehr 20 Grad erreicht und auch im Südwesten reicht es am Sonntag
höchstens grade so noch für einen Sommertag.
Am Montag tropft der Trog vor der Baltischen Küste ab und zieht dann bis
Mittwoch über dem Baltikum und über dem Finnischen Meerbusen seine Kreise. An
dessen Westflanke überquert am Montag und in der Nacht zum Dienstag ein weiterer
Randtrog Deutschland allmählich südsüdostwärts. Gleichzeitig bleibt das
Höhenhoch westlich der Britischen Inseln nahezu ortsfest, korrespondierend dazu
verstärkt sich das Bodenhoch auf über 1035 hPa. Dabei schwenkt ein breiter, aber
flacher Rücken Richtung Nordmeer, so dass die Höhenströmung nach Passage des
Randtroges am Dienstag etwas mehr auf nördliche Richtungen dreht und insgesamt
antizyklonaler aufgestellt ist.
Auch im Bodenfeld setzt leichter Druckanstieg ein und bis Dienstag schiebt sich
ein Hochkeil nach West- und Süddeutschland.
An dessen Ostflanke gelangt von Nordwesten her nach wie vor relativ kühle bzw.
nur mäßig warme Luft vor allem in den Norden und Osten des Landes. An beiden
Tagen bleibt es dort unbeständig mit einzelnen Schauern, kurze Gewitter nicht
ausgeschlossen; bei T850 hPa zwischen 5 und 9 Grad (am Montag vielleicht noch 1
K weniger) schwanken die Höchstwerte meist um 20 Grad (an den Küsten darunter,
im Binnenland darüber). Im Südwesten und Süden dürfte sich im Einflussbereich
des Hochkeils die Sonne häufiger zeigen. Schauer gibt es dort nur vereinzelt und
bei T850 um 10 Grad reicht es in den Niederungen Südwestdeutschlands wieder
verbreitet für 25 Grad, eventuell auch etwas mehr. Hitze ist aber nicht in Sicht
und auch die Nächte fallen angenehm frisch aus.
Am Mittwoch ändert sich an der Gesamtkonstellation nur wenig, insgesamt bekommt
das Muster aber mit Annäherung eines flachen kurzwelligen Troganteils, der in
der Nacht zum Donnerstag die westliche Ostsee erreicht, einen leicht
zyklonaleren Touch. Dadurch zieht sich der Bodenkeil etwas nach Südwesten zurück
und vor allem in der Nacht zum Donnerstag kommt die etwas kühlere Luft ein wenig
weiter nach Süden voran. Dennoch bleibt der Südwesten gegenüber dem Norden und
Osten bevorzugt; dort gibt es kaum Schauer, es bleibt oft trocken und angenehm
warm, während sich im Norden und Osten nur wenig ändert und die mittleren bzw.
westlichen Landesteile eventuell auch noch in den Genuss einzelner Schauer
kommen.
In der erweiterten Mittelfrist schwenkt dann der flache Trog am Donnerstag mit
einzelnen Schauern durch, gefolgt von einem breiten Rücken, der am Freitag
wieder für Wetterberuhigung sorgt. Dann allerdings deutet sich erneut ein
Trogvorstoß über dem Nordmeer an, der insgesamt weiter westlich als vorher
erfolgt, so dass die Wetterberuhigung eher kurz ausfallen dürfte.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Den letzten IFS-Läufen kann eine gute Konsistenz bescheinigt werden. Den nach
Mitteleuropa gerichteten Trogvorstoß am Wochenende sowie das Cut-Off über dem
Baltikum bzw. dem Finnischen Meerbusen zeigen alle Läufe. Kleinere Unterschiede
ergeben sich lediglich bzgl. der Wetterwirksamkeit der Randtröge, die an der
Westflanke des Troges bzw. Höhentiefs über das Vorhersagegebiet hinwegschwenken.
Dabei war der gestrige 12 UTC-Lauf vor allem am Mittwoch etwas zyklonaler
aufgestellt als die beiden 00 UTC-Läufe.
Grundsätzlich verfolgen aber alle Läufe auch bis in die erweiterte Mittelfrist
ein ähnliches Muster.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Ähnliches gilt auch für die vorliegenden Globalmodelle: Alle zeigen den
Trogvorstoß. Unterschiede ergeben sich dann vor allem ab Montag/Dienstag: So hat
das ICON keinen Cut-Off auf der Agenda, GFS dagegen weiter südlich, über
Ostpolen und Weißrussland. Die an deren Westflanke das Vorhersagegebiet
passierenden Randtröge werden somit bzgl. der zeitlichen Abfolge und deren
Geometrie mit kleineren Differenzen simuliert, was aber am grundsätzlichen
Wettercharakter (Norden/Osten unbeständiger und kühler als Westen/Süden) bis in
die erweiterte Mittelfrist nichts ändert.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum 72 bis 96 Stunden verteilen sich die 51 ENS-Läufe des IFS auf vier
Cluster, die allesamt dem Großwetterlagenregime „Blocking“ bzw. (ab 84 Stunden)
„Atlantic Ridge“ zugeordnet sind und sich für Mitteleuropa nicht nennenswert
unterscheiden.
Diese Modelleinigkeit manifestiert sich dann im nächstfolgenden Zeitraum (T+120
bis 168 Stunden) mit nur einem Cluster, der die vom Hauptlauf apostrophierte
Entwicklung gut widerspiegelt (Großwetterlagenregime „Atlantic Ridge“).
Erst zum Ende der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 Stunden) tauchen dann
vermehrt Alternativlösungen auf (insgesamt 6 Cluster). Generell auffällig ist
aber nach wie vor ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet über dem mittleren
Nordatlantik. Nach Lesart der Cluster 1 (13 Member), 5 (7 Member) und 6 (4
Member) zieht sich das Hoch aber so weit nach Westen zurück, dass hierzulande
zyklonale Lösungen dominieren, nach CL 1 und 5 auch mit eher normal temperierten
bzw. leicht zu kühlen Luftmassen, nach CL 6 dagegen eher Süd zyklonal.
CL 2, 3 und 4 (jeweils 12, 8 und 7 Member) belassen es dagegen eher bei meist
antizyklonalen Nordwestlagen mit einem nach Mitteleuropa gerichteten Hochkeil.
Anhand der Kurvenschar der 850 hPa-Temperaturen der ENS-Member in den
Rauchfahnen einzelner Gitterpunkte im Vorhersagegebiet lässt sich der Vorstoß
maritim erwärmter Polarluft nach Mitteleuropa sehr gut nachvollziehen. Der
Temperaturrückgang und auch die weitere Temperaturentwicklung bis Mitte
kommender Woche erfolgt in einem relativ engen Spread. Niederschlagssignale sind
vor allem im Westen und Süden eher rar gesät und halten sich mengenmäßig auch im
Norden und Osten sehr in Grenzen.
Ab der zweiten Hälfte der kommenden Woche gehen die Einzellösungen dann aber
deutlich auseinander. Member mit T850 hPa nahe 5 Grad tauchen ebenso auf wie
Member mit über 15, im Südwesten bis nahe 20 Grad.
FAZIT:
Die generelle Wetterentwicklung bis Mitte kommender Woche steht: Im Norden und
Osten eher unbeständig und nur mäßig warm, an den Küsten sogar eher kühl (Tmax
18 bis 23 Grad), im Süden und Südwesten dagegen angenehmes Sommerwetter (Tmax
meist 22 bis 26 Grad) mit höchstens vereinzelten Schauern und frischen Nächten.
Hitze ist vorerst weit und breit nicht in Sicht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Signifikante Wettererscheinungen halten sich im gesamten Mittelfristzeitraum in
Grenzen. Die Luftmasse ist gemäßigter Natur, so dass es vor allem von Samstag
bis Montag und bevorzugt in der Nordosthälfte zu einzelnen kurzen Gewittern
kommen kann, deren Begleiterscheinungen fallen aber maximal markant aus
(stürmische Böen, Graupel/kleinkörniger Hagel, eventuell auch Starkregen).
Der Wind spielt warntechnisch vor allem an den Küsten eine Rolle. Am Samstag und
in der Nacht zum Sonntag reicht der Gradient insbesondere im Nordseeumfeld für
stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen aus Nordwest; ob das auch an der Ostsee
der Fall ist (dann auch eher in der Nacht zum und am Sonntag), ist noch unklar.
Ebenso kann es auf exponierten Gipfeln (Brocken, Fichtelberg) einzelne Sturmböen
geben.
Danach fächert der Gradient aber generell weiter auf.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff