S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 14.07.2026 um 10.30 UTC

Übergang zu mäßig warmer bis warmer und wechselhafter Nordwestlage.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 21.07.2026

Wetter und persönliche Präferenzen sind zwei verschiedene Dinge, die eigentlich
nicht zueinander passen. Die einen wollen so, die anderen so, nass, trocken,
kühl, heiß oder am besten irgendwas (ein sehr vielfältiges Irgendwas)
dazwischen. Das kann natürlich nicht funktionieren und so tut man am besten
daran – auch wennŽs manchmal schwer fällt -, das Wetter zu nehmen wie es kommt.
Als Meteorologe, der sich von Berufs wegen nahezu tagtäglich mit Vorhersagen
befasst, hat man sich ohnehin eine Art Kokon zugelegt, um Neutralität zu wahren.
Nun sind Meteorologen – was für eine Überraschung – Menschen wie du und ich, die
freilich auch ihre Neigungen, ihre Favoriten oder ihre Abneigungen beim Wetter
haben. Der Hoffmann beispielsweise ist aufgrund seiner ausgeprägten Affinität zu
Norddeutschland alles andere als ein Freund von Hitze (die gerade hier im
Rhein-Main-Gebiet mitunter alles andere als ein Vergnügen ist) und so ist es
heute eine besondere Freude, genau diese Mittelfristschicht machen zu dürfen.
Womit wir endlich beim eigentlichen Zweck dieses Bulletins wären, der Wetterlage
der nächsten 3 bis 10 Tage. Da tut sich nämlich einiges in der Atmosphäre, aber
eins nach dem anderen.

Einsteigen tun wir am kommenden Freitag, dem offiziellen Beginn der Mittelfrist,
an dem die Weichenstellung für die bevorstehende Umstellung schon weit gediehen
ist. So hat sich u.a. über dem nahen Atlantik ein dickes fettes Hoch
eingenistet, das quasi als unumstößliche Säule der nahenden Abkühlung von
Nord-Nordwest dient. Zweites wichtiges Element ist ein veritabler Potenzialtrog,
der vom Nordpolarmeer beginnt südwärts auszugreifen. Dabei schnappt er
irgendwann im Laufe des Freitags das aus der aktuellen Lage bekannte Höhentief
auf, das bis dahin zur Nordsee geirrlichtert ist In Summe ergibt sich ein
wunderschöner, meridional exponierter Höhentrog, der zum Samstag volle Lotte auf
Mitteleuropa respektive Deutschland übergreift.
Bereits auf der Vorderseite entwickeln sich in der gealterten, potenziell
instabilen und nicht mehr ganz so heißen Luftmasse (30°C sind am Freitag mehr
als fraglich und wohl höchstens noch vereinzelt anzutreffen) zahlreiche
Gewitter, Schauer und/oder schauerartige Regenfälle, wobei Details dazu noch
offenbleiben müssen. Die Signale, dass die Gewitter kräftig ausfallen und auch
(un)gewittriger Starkregen an den Start geht, sind recht deutlich. Es dürften
also sehr arbeitsreiche Schichten für die Diensthabenden werden, auch noch in
der Nacht zum Samstag.

Apropos Samstag, während die Druckverteilung am Freitag noch ziemlich flau
daherkommt, zeichnet sich ein Tag später bzw. schon bereits in der Vornacht über
Südskandinavien die Bildung eines sehr soliden Sommertiefs ab. Es passiert rasch
den Süden Schwedens, um zum Sonntag hin mit einem apostrophierten Kerndruck von
unter 1000 hPa das Baltikum anzusteuern. 1000er-Tief auf der einen,
1030iger-Hoch auf der anderen Seite, da geht was in Sachen Wind. Und tatsächlich
frischt der auf West bis Nordwest drehende Wind schwerpunktmäßig auf und an der
Nordsee spürbar und in Böen stürmisch (8-9 Bft) auf. Inwieweit das Starkwindfeld
auch die Ostsee respektive das Binnenland erfasst, muss noch abgewartet werden.
Fakt ist, dass staffelweise maritime Polarluft (mP) straight foreward über die
Deutsche Bucht ins Land gesteuert wird, was nicht nur T850 auf Abwärtskurs
bringt (Fr 12 UTC noch 10 bis 18°C, So 00 UTC 6 bis 11°C), sondern auch die
2m-Temperatur nach unten korrigiert. So wird es direkt an den Küsten schwer bis
unmöglich, noch auf 20°C zu kommen, während es im Süden und in der Mitte aber in
Teilen noch für einen Sommertag 25+X°C reicht. Zwar ist das letzte Wort in
Sachen Wetter noch nicht gesprochen. Es deutet sich aber an, dass es an den
Alpen durch einsetzenden Stau länger andauernd regnet bzw. wiederholt Schauer
und auch einzelne Gewitter reindrücken. Ansonsten stehen noch einzelne Schauer
oder kurze Gewitter auf der Karte, in weiten Teilen bleibt es aber bei
wechselnder Bewölkung trocken.

Ab Sonntag stellt sich eine vergleichsweise stationäre Strömungskonstellation
ein, bei der sich der o.e. Trog mit seiner Hauptachse über das östliche
Mitteleuropa legt. Als Gegenspieler fungiert ein nicht minder substanzieller
Rücken über dem nahen Atlantik, der nicht nur das knapp west-nordwestlich von
UK/Irland positionierte Hoch auf Position hält. Gleichzeitig induziert er im
Zusammenspiel mit dem Trog eine überwiegend zyklonal konturierte
Nordwestströmung mit Hang zur Flatterhaftigkeit über Deutschland. Darunter
strömt mäßig warme bis warme Luft zu uns (es gab mal Zeiten, da wurden bei
vergleichbaren Wetterlagen mit Nordwest weit kühlere Luftmassen von der Nordsee
advehiert, wo man froh war, am Wangerooger Strand Hoodie, Jogginghose und
Mützchen sein eigen nennen zu dürfen), in der es zu wechselhaften, an der See
gerade am Sonntag noch windigen Wetterabläufen kommt. Dabei soll es auch immer
wieder zu in weiten Teilen des Landes dringend benötigten Regenfällen kommen.
Wohl leider weniger im Südwesten, wo ein Keil der Bodenhochs greift, als
vielmehr in der NO-Hälfte.

In der Folge ab Mittwoch (erweiterte Mittelfrist) zeichnet sich ein nur sehr,
sehr schleppende Progression des großräumigen Strömungsmusters ab. Heißt im
Klartext, Hoch und Rücken nähern sich nur in kaum messbaren Schritten dem
Europäischen Kontinent, was die Fortdauer der Wechselhaftigkeit bei nur
zögerlich steigender Temperatur zur Folge hätte.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz von IFS (ECMF) kann heute als gut bis sehr gut bezeichnet werden.
So wird die gestern bereits angekündigte Änderung der Großwetterlage – ab
Freitag beginnend soll die derzeit sehr warme bis heiße Luft durch gemäßigte
Luftmassen ersetzt werden – vom neuen 00-UTC-Lauf bestätigt. Kleine Unterschiede
in den Basisfeldern der verschiedenen Modellläufe liegen im handelsüblichen
Rahmen mittelfristiger Vorhersagen und haben so gut wie keinen Einfluss auf die
Prognose. Unklar ist derzeit noch, wie schnell das Hoch über dem nahen Atlantik
bzw. UK/Irland im Laufe der nächsten Woche (also bereits in der erweiterten
Mittelfrist) Zugriff auf unser Wettergeschehen bekommt. Im neuesten 00-UTC-Lauf
wurde ein bisschen auf die Bremse getreten, was gut in den Kontext zu den
nordamerikanischen Globalmodellen GFS und GEM passt…

Vergleich mit anderen globalen Modellen

…, womit wir beim Vergleich der relevanten Globalmodelle wären, zu denen neben
den „Nordamerikanern“ auch das deutsche ICON sowie das britische UK10 gehören.
Und was soll man sagen, offensichtlich haben alle mal wieder richtig Bock auf
Hitzepause und einen zünftigen Sommertrog. Dass dabei die Detailabläufe (noch)
nicht ident sind und auch der z.B. die Geometrie des Troges nicht zu 100%
kongruent ist – geschenkt. Interessant an dieser Stelle allerdings das kleine,
aber feine und wirksame Tief am Samstag/Sonntag, das bei ICON und GFS erstens
langsamer und zweitens auch anders zieht. So wird nicht das Baltikum
angesteuert, sondern Westpommern, was bei uns längere Zeit Wind/Sturm zur Folge
hätte, auch an der Ostsee.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Starten wir mit den Clustern von IFS-EPS, die von Freitag bis Samstag (T+72…96h)
mit nur einer einzigen Lösung aufwarten – Übergreifen des Höhentrogs. Von
Sonntag bis Dienstag (T+120…168h) erhöht sich die Anzahl der Cluster auf drei.
Die Unterschiede sind allerdings gering, alle zeigen das o.e. Muster Rücken
knapp westlich, Trog knapp östlich von Deutschland. Mit bloßem Auge lassen sich
keine nennenswerten Unterschiede ausmachen. Ab Mittwoch (T+192…240h) erhöht sich
das Angebot auf fünf Cluster, bei denen von Erhalt der Lage (CL 1 und 5 mit
insgesamt 26 Lösungen inkl. HRES) bis zur unterschiedlichen Progression des
Musters (Rest) alles möglich ist.

Diese Unsicherheit macht sich auch in den verspätet eingetroffenen Rauchfahnen
bemerkbar, die nach hinten raus einen merklich Spread aufweisen. Nach dem gut
belegten Temperaturrückgang zum Wochenende (enge Bündelung) folgt nach einer
Seitwärtsbewegung in der ersten Wochenhälfte mehrheitlich wieder ein Anstieg
(nicht allerdings beim HRES). Vor allem im Westen und Süden nehmen die
RR-Signale im Laufe der nächsten Woche deutlich ab.

FAZIT:
Gute Nachricht für alle, die die Hitze nicht so mögen. Die Abkühlung kommt,
sicher. Ab Freitag gehtŽs mit Übergreifen eines veritablen Höhentrogs thermisch
bergab, ohne dass es aber wirklich kühl wird. Dazu ist die Nordsee zu warm.
Offen ist derzeit noch, wie genau das Niederschlagsgeschehen abläuft. Vor allem
am Freitag dürfte es konvektiv gut zur Sache gehen. Mindestens am Samstag steht
dann an der Nordsee ein stürmischer Tag auf dem Programm. Ob es in Wochenhälfte
zwei wieder wärmer bzw. heißer wird, ist auf EPS-Basis möglich, aber keinesfalls
sicher.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Nachdem in der Kurzfrist bis Donnerstag auf dem Sektor Konvektion die
Möglichkeiten zumindest zeit- und gebietsweise bis fast zum Äußeren ausgereizt
werden könnten, stellt sich mittelfristig diesbezüglich eine Beruhigung ein. Der
Freitag allerdings gehört ausdrücklich nicht dazu, kommt es doch in weiten
Landesteilen zu teils kräftigen Gewittern mit allen möglichen
Begleiterscheinungen. Schließlich muss die energiereiche Luftmasse der Vortage
ausgeräumt werden, was nur in seltenen Fällen ohne Tamtam gelingt. Für Details
ist es freilich noch zu früh. Was man festhalten kann, dass bei den Gewittern
Unwettergefahr besteht und dass der Norden und Nordwesten tendenziell weniger
davon abbekommen.
In der neuen, am Wochenende einfließenden Luftmasse sind Gewitter zwar auch noch
möglich, voraussichtlich aber ein, zwei Regale tiefer als zuvor.

Baustelle #2 betrifft den Wind, der vornehmlich am Samstag, bedingt (mit
Unsicherheiten) auch noch am Sonntag an der Küste im Allgemeinen und an der
Nordsee im Besonderen zuschlägt. Grund ist wie erwähnt der üppige Druckgradient
zwischen dem über Südskandinavien entstehenden Sommersturmtief und dem Hoch über
dem nahen Atlantik. Böen 8 Bft aus Nordwest sind auf und an der Deutschen Bucht
obligatorisch, Böen 9 Bft gerade an der nordfriesischen Küste gut möglich. Je
nach Timing und Zugbahn des Tiefs (siehe oben) ist auch die Ostsee betroffen.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS und Modell-Mix.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann