#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Samstag, den 11.07.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 11.07.2026 um 10.30 UTC
Zunächst anhaltende Hitze mit nur wenigen Gewittern. Ab Freitag zunehmend schwül
mit teils starken Gewittern, nachfolgend Abkühlung möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 18.07.2026
Hitze, Trockenheit, Wald- und Sonnenbrandgefahr, das alles sind negative
Begleiterscheinungen seit Mitte Juni, die scheinbar nicht enden wollen oder
höchstens kurze Pause machen. Besteht denn Hoffnung in der Mittelfrist? Oder
bleibt der Sommer auf Kurs „Mediterran“?
Zum Beginn der Mittelfrist am kommenden Dienstag jedenfalls bleibt alles beim
Alten. Großräumig hohes Geopotenzial mit Blockierung über weiten Teilen Europas
wird unterlaufen von einem etwas umfangreicheren Höhentief nordwestlich der
Iberischen Halbinsel und einem Trog über dem östlichen Skandinavien und dem
westlichen Russland, der sich bis ins östliche Mittelmeer erstreckt. Dazwischen
befindet sich ein Rücken, der mit einem Höhenhoch knapp nördlich der Britischen
Inseln in Verbindung steht. Dieses Höhenhoch wird von einem Bodenhoch an
ähnlicher Stelle begleitet (HNFa). In der südlichen Strömung wird dabei sehr
warme bis heiße Subtropikluft nach Deutschland verfrachtet, sodass die T850 hPa
bei 11 Grad im Norden bis 20 Grad im Süden liegen.
Bis Donnerstag bringen dann zwei weitere Faktoren zumindest etwas Spannung in
die Wetterküche. Da wäre zum einen ein kleines Höhentief, das vom Baltikum über
dem westlichen Polen südwärts läuft und dem Osten ein paar Schauer oder Gewitter
spendieren könnte. Zum anderen nähert sich langsam auch mit dem Höhentief
westlich von uns verbundene Tiefdruckzone Deutschland an und schleust vor allem
im äußersten Süden/Südwesten ein wenig Feuchtigkeit ein. Dort wird allerdings
mangels Hebung häufig die Orografie benötigt, um konvektive Umlagerungen zu
generieren.
Zum Ende der kommenden Woche wird das Höhenhoch zum Baltikum gedrängt, weil sich
von Grönland kommend ein neuer Langwellentrog südostwärts ausweitet. Er fängt
das mittlerweile zur Biskaya gewanderte Höhentief ein und platziert sich
zunächst über den Britischen Inseln, ab Sonntag über der Nordsee (TrW). Damit
greift der Tiefdruckeinfluss mit feuchter Luft und Hebung (diffluente
Trogvorderseite) mehr und mehr auf Deutschland über und facht die Konvektion an.
Folglich sind ab Freitag vermehrt konvektive Umlagerungen zu erwarten. Die T850
hPa ändern sich auf der Trogvorderseite zunächst noch nicht, da kein
Luftmassenwechsel erfolgt. Erst am Montag deutet sich mit weiterer Verlagerung
des Troges nach Skandinavien zumindest für den Nordwesten ein Kaltfrontdurchgang
an. Soviel zyklonales Geschehen gibt es am Mittelmeer in dieser Jahreszeit
übrigens selten.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der drei jüngsten Läufe des EZMW ist einigermaßen hoch, selbst
das kleine über dem westlichen Polen südwärts ziehende Höhentief wird relativ
ähnlich simuliert. Das Übergreifen zyklonalen Geschehens ab Freitag wird
ebenfalls konstant beibehalten, auch wenn es in der Geometrie des Trogs
westlich/nordwestlich von uns Unterschiede in den Läufen gibt. Ein möglicher
Kaltfrontdurchgang zum Anfang übernächster Woche (erweiterte Mittelfrist) war in
den Vorläufen weniger stark ausgeprägt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Nicht unüblich ist, dass kleine Höhentiefs in anderen Modellen etwas anders
vorhergesagt werden. So soll es nach GFS und ICON deutlich östlicher nach Süden
ablaufen, als es das EZMW zeigt. Damit würden Schauer oder Gewitter im Osten
Deutschlands Mangelware bleiben. Bei UK10 hingegen wandert das Höhentief auf
EZMW-Pfaden. Darüber hinaus zeigen alle anderen Modelle unisono die zunehmende
Zyklonalität ab Freitag. Beim GFS ist sogar auch wie beim EZMW der
Kaltfrontdurchgang ab Montag übernächster Woche im Programm.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte verlaufen bis Donnerstag meist eng
gebündelt mit gut im Median eingebetteten Kontrolllauf, der somit den Hauptlauf
bestätigt und weiterhin die Hitzewelle propagiert. Ab Freitag öffnen sich die
Kurven zwar allmählich, Kontrolllauf und Median zeigen aber mit dem Median einen
Abfall. Zyklonaleres Wetter und leicht sinkende Temperaturen haben damit eine
Mehrheit und bestätigen ebenfalls den Hauptlauf. Niederschlagssignale gibt es
insbesondere ab Freitag.
CLUSTER:
Für den zweiten Zeitschritt von Donnerstag 0 bis Samstag 0 UTC werden 5 Cluster
ausgegeben (mehrheitlich mit Blockierung). Während C1 bis C3 ähnliche Muster wie
der Hauptlauf zeigen, erreicht das Höhentief in C4 und C5 bereits in der Nacht
zum Samstag Deutschland. Große Auswirkungen hat das auf unser Wetter allerdings
nicht, nach allen Varianten nimmt die Zyklonalität zu.
Im dritten Zeitschritt von Sonntag 0 UTC bis Dienstag 0 UT (erweiterte
Mittelfrist) sind 3 Cluster (Atlantischer Rücken dominant) vorhanden. C1
entspricht dem Hauptlauf. In C2 schwenkt der Trog langsamer, in C3 schneller
durch, sodass die Frage, wann erneut Hochdruckeinfluss aufkommt, noch nicht
abschließend zu klären ist.
FAZIT:
An der neuerlichen Hitzewelle bestehen keine Zweifel. Mögliche kleine
Störfaktoren in Form von lokalen Schauern und Gewitter bleiben bis Donnerstag
auf den Osten und Süden/Südwesten beschränkt. Ab Freitag nimmt mit schon recht
großer Sicherheit das Gewitterpotenzial von Südwesten her deutlich zu, wobei die
Temperaturen zwar etwas zurückgehen, es aber zunehmend schwül wird.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER:
EFI weist bis Freitag keine Signale für erhöhtes CAPE oder CAPE SHEAR auf.
Dennoch sind bis Donnerstag im äußersten Süden und Südwesten sowie im Osten
einzelne starke Gewitter nicht ausgeschlossen. Insbesondere bei orographischem
Support können angesichts der Luftmasse lokal auch unwetterartigen Entwicklungen
nicht ganz ausgeschlossen werden.
Das gilt erst recht ab Freitag, wenn von Südwesten her die Gewitterneigung
überall deutlich zunimmt.
HITZE:
EFI zeigt für alle Tage Signale für überdurchschnittlich hohe Temperaturen. Vor
allem im Süden und Südwesten ist daher eine starke Wärmebelastung zu erwarten,
zumal auch die Nächte zunehmend mild bleiben. Darüber hinaus nimmt in der
zweiten Wochenhälfte die Schwüle zu.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler