S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 01.07.2026 um 10.30 UTC

Im Norden und Osten zumeist wechselhaft, windig und nur mäßig warm, im Südwesten
meist freundlich und warm bis sehr warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 08.07.2026

Die gute Nachricht vorweg: Eine Hitzewelle, wie sie medial schon wieder von
einigen Seiten ausgerufen wurde, ist zumindest bis Mitte kommender Woche erst
einmal nicht in Sicht. Und überhaupt lässt sich konstatieren, dass über den
gesamten Mittelfristzeitraum hinweg relativ unspektakuläres Wetter ins Haus
steht mit einem zeitweise herbstlichen Touch an den Küsten (Kombi aus
Regenschauern und stürmischen Böen bei kaum 20 Grad) und zumeist angenehm
temperierten Sommerwetter im Südwesten.

Doch nun zur Entwicklung im Detail:
Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am kommenden Samstag, kommt es über dem
Nordmeer bzw. der Norwegischen See, in der Nacht zum Sonntag dann über
Skandinavien von Nordwesten her zu einem recht markanten Trogvorstoß. Damit
einhergehend, entwickelt sich ein kleinräumiges Sturmtief und schlägt in der
Nacht zum Sonntag über dem Seegebiet knapp nordwestlich der Haltenbank auf. Dem
Trog steht ein breiter Höhenrücken über Südwesteuropa und dem nahen Ostatlantik
gegenüber. Daraus resultiert eine nordwestliche Höhenströmung über dem
Vorhersagegebiet, die mit Durchschwenken eines flachen Rückens landesweit
zunächst antizyklonal konturiert ist.
Der Rücken stützt ein kräftiges Hochdruckgebiet südwestlich der Britischen
Inseln, von dem ausgehend ein breiter Keil bis nach Mitteleuropa reicht. Mit
Annäherung des Frontensystems des oben genannten Tiefs über der Norwegischen See
wird dieser von Nordwesten langsam abgebaut und zum Nachmittag/Abend hin streift
die Warmfront des Tiefs den Norden und Nordosten des Landes mit dichteren
Wolkenfeldern, aus denen aber kaum nennenswerter Regen fällt. Die Kaltfront
erreicht ausgangs der Nacht zum Sonntag die Küstenregionen.
Ansonsten steht am Samstag ein freundlicher Tag ins Haus mit viel Sonnenschein
vor allem im Westen und Süden und insbesondere dort auch sommerlichen
Temperaturen zwischen 24 und 29, am Rhein vielleicht 30 Grad, während im Norden
und Osten nur 20 bis 24 Grad erreicht werden.

Am Sonntag und Montag nistet sich das Drehzentrum des Höhentroges (nach IFS als
Dipol) über dem mittleren Skandinavien quasi ein. An dessen Südwestflanke werden
innerhalb der recht kräftigen nordwestlichen Höhenströmung Randtröge bzw.
kurzwellige Troganteile südostwärts geführt, die vor allem auch den Norden und
Osten Deutschlands überqueren. Das gesamte Muster ist nun auch über dem
Vorhersagegebiet deutlich zyklonaler aufgestellt, der Höhenrücken über
Südwesteuropa wird nach Süden abgedrängt, allerdings nachfolgend wieder über dem
Ostatlantik regeneriert, was zu einem leichten Aufsteilen der Strömung über dem
Vorhersagegebiet führt.
Das umfangreiche Bodenhoch bleibt mit seinem Schwerpunkt südwestlich der
Britischen Inseln liegen, der nach Mitteleuropa gerichtete Keil schwächt sich
aber weiter ab und beeinflusst lediglich noch den Südwesten und äußersten Süden
des Vorhersagegebietes. Dort scheint auch am Sonntag und Montag häufig die Sonne
und es bleibt sommerlich warm, ob es in den wärmebegünstigten Regionen im
Oberrheingraben und in Südbaden an beiden Tagen für 30 Grad reicht, ist aber
noch fraglich.
Im Rest des Landes stellt sich dagegen eher wechselhaftes Wetter ein; vor allem
im Norden und Osten bis zu den zentralen bzw. östlichen Mittelgebirgen kann es
mit den durchschwenkenden Randtrögen immer wieder kurze Schauer geben,
vielleicht ist auch mal ein Gewitter dabei, dazu weht lebhafter westlicher bis
nordwestlicher Wind mit steifen bis stürmischen Böen an den Küsten.
Die maritime Polarluft wird allerdings nicht direkt vom Nordmeer zu uns geführt,
sondern in einem recht weiten Bogen über GB und der Nordsee und kommt somit
nicht allzu kalt daher (T850 hPa im Norden und Osten meist 6 bis 10 Grad, im
Süden und Westen 10 bis 14 Grad). Somit reicht es auch in der Nordosthälfte
meist noch für Temperaturen zwischen 20 und 24 Grad, lediglich an den Küsten
bleibt es etwas frischer.

Am Dienstag verlagert sich nach Lesart des IFS ein scharfer Randtrog über
Südskandinavien und die westliche Ostsee hinweg südostwärts nach Polen, während
der Höhenrücken über dem Ostatlantik allmählich Richtung Britische Inseln
vorankommt und sich bis ins Nordmeer aufwölbt. Dadurch stellt sich über
Deutschland eine kräftige und zunächst noch zyklonal konturierte, später glatte
nordnordwestliche Höhenströmung ein.
Im Bodenfeld wird nun auch der nach Südwestdeutschland reichende Hochkeil
abgebaut, während sich das Hochdruckgebiet westlich der Britischen Inseln wieder
verstärkt. Damit wird der Weg frei für eine Kaltfront, die bis zur Nacht zum
Mittwoch das gesamte Vorhersagegebiet südwärts überqueren kann. Der aktuelle
IFS-Lauf simuliert entsprechend verbreitet schauerartige Niederschläge, die sich
ab Dienstagabend vorübergehend an den Alpen stauen und dort eventuell sogar
warnrelevante Mengen bringen könnten. Ansonsten fallen die Mengen – abgesehen
von den Nordrändern einiger Mittelgebirge – nicht sonderlich üppig aus.
Mit an den Küsten teils stürmischem Nordwestwind (Berge: Sturmböen) gelangt die
Polarluft nun auf direkterem Wege vom Nordmeer zu uns, in der Nacht zum Mittwoch
sinken die 850 hPa-Temperaturen auf 3 bis 8 Grad, mit den höheren Werten ganz im
Westen und Südwesten. Tagsüber bleibt es im Südwesten aber noch recht warm,
während im Norden und Osten nach diesem Szenario die 20 Grad nicht mehr drin
sein dürften.

Am Mittwoch und an den Folgetagen schwenkt der breite Höhenrücken langsam
Richtung Mitteleuropa und Südskandinavien, bleibt aber mit seiner Achse erstmal
noch knapp westlich von uns, so dass sich eine schwache, antizyklonale
nordnordwestliche Höhenströmung einstellt.
Das Bodenhoch westlich der Britischen Inseln weitet sich als Hochdruckzone über
Mitteleuropa nach Osten aus und durch Absinken kann sich die Luftmasse auch über
dem Vorhersagegebiet wieder langsam erwärmen.
An der Nordflanke der Hochdruckzone bleibt es im Norden und Osten Deutschlands
noch leicht unbeständig mit Wolkenfeldern, aber kaum nennenswerten
Niederschlägen, während sich sonst ruhiges Hochdruckwetter einstellt mit ab
Donnerstag auch wieder meist sommerlichen Temperaturen. Für 30 Grad und mehr
reicht es dann aber allerhöchstens im Südwesten.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die letzten IFS-Läufe erweisen sich im Großen und Ganzen als konsistent. Alle
zeigen die teils antizyklonale, ab Sonntag vorübergehend eher zyklonal
konturierte Nordwestlage. Lediglich bzgl. der Abfolge kleinerer Randtröge und
vor allem bzgl. deren Geometrie ergeben sich vor allem ab Beginn kommender Woche
Differenzen. Der aktuelle Lauf hat für den Dienstag eine deutlich zyklonalere
Variante auf der Agenda als vor allem der gestrige 00 UTC-Lauf, während der
gestrige 12 UTC-Lauf an dem Tag zwei Trogpassagen etwas weiter östlich
simuliert.
Das hat Einfluss auf die Niederschlags- und Temperaturprognosen, am Dienstag und
Mittwoch noch mehr als an den Vortagen.
In der erweiterten Mittelfrist sind dann alle Läufe wieder antizyklonaler
aufgestellt und zeigen den breiten Höhenrücken, der sich allmählich dem
Vorhersagegebiet annähert.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Was für die einzelnen IFS-Läufe gilt, lässt sich ähnlich auch für die Lösungen
der externen Globalmodelle konstatieren: Das Grundmuster ist sehr ähnlich, alle
tendieren zu einer meist antizyklonal, vorübergehend aber zyklonal konturierten
Nordwestlage. Unterschiede ergeben sich bzgl. der raumzeitlichen Abfolge der oft
kurzwelligen Randtröge und der Ausprägung der Zyklonalität. Diese kommen vor
allem am Dienstag zum Tragen, wobei das GFS eine ähnlich markante Trogpassage
wie das IFS auf der Agenda hat, während ICON und GEM teils deutlich
antizyklonaler aufgestellt sind.

Bei Betrachtung der erweiterten Mittelfrist fällt auf, dass vor allem GFS den
Höhenrücken etwas progressiver simuliert als IFS und GEM. Damit könnte an dessen
Westflanke ab Freitag kommender Woche bzw. zum übernächsten Wochenende wieder
heiße Luft zumindest nach West- und Südwestdeutschland vordringen mit Maxima
über 35 Grad (aber vorerst keiner extremen Hitze). IFS ist diesbezüglich
defensiver aufgestellt mit zwar fast landesweit hochsommerlichen Temperaturen ab
Ende kommender Woche, aber auch im Südwesten werden die 35 Grad nach Lesart des
Modells zunächst noch nicht erreicht.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse zeigt eingangs der Mittelfrist am Wochenende (T+72 bis 96
Stunden) drei Cluster, die allesamt ein hochreichendes Blockadehoch südwestlich
der Britischen Inseln und auch ein ausgeprägtes Bodenhoch samt nach Mitteleuropa
gerichteten Keil auf der Agenda haben (Großwetterlagenregime: „Blocking“ bzw.
besser „Atlantic Ridge“). Die gezeigten Unterschiede betreffen eher die
Trogentwicklung über dem Nordmeer und Skandinavien und sind für uns
prognosetechnisch nicht von Relevanz.

Ähnlich geht es im nächstfolgenden Zeitraum zu Beginn kommender Woche (T+120 bis
168 Stunden) weiter. Alle vier Cluster simulieren den Trogvorstoß nach
Skandinavien und einen kräftigen breiten Rücken über dem nahen Ostatlantik
(Großwetterlagenregime nach wie vor „Atlantic Ridge“). Die Unterschiede
manifestieren sich in der Einflussnahme des Troges auf die Wetterentwicklung in
Mitteleuropa. CL 1 und 2 (jeweils 17 und 15 Member) haben eine zumindest für den
Süden und Westen des Vorhersagegebietes eher antizyklonale Variante auf der
Agenda, während CL 3 und vor allem CL 4 (10 bzw. 9 Member, Kontrolllauf in CL
4), ähnlich wie der Hauptlauf, zyklonaler aufgestellt sind.

In der erweiterten Mittelfrist gehen die ENS-Läufe vor allem Richtung
übernächstes Wochenende offensichtlich deutlich auseinander. Vier Cluster bieten
Lösungen von West antizyklonal bis hin zu Tief Mitteleuropa, wobei das
Blockadehoch über dem Atlantik wohl erhalten bleibt, sich aber vor allem nach CL
1 bis 3 verstärkt wieder ein Blocking über Nordosteuropa aufbaut.
Vor allem CL 3 sticht ins Auge mit eben der Lösung Tief Mitteleuropa, was
ergiebige Niederschläge im Vorhersagegebiet zur Folge haben könnte, während die
anderen Cluster insgesamt eher antizyklonal daherkommen.
CL 2 und 4 könnten auch durchaus wieder temperaturtechnisch „heiße“ Lösungen im
Gepäck haben, wobei der für extreme Hitze klassische Rücken über Südwest- und
Mittteleuropa nicht auftaucht.

Die Kurvenschar der 850 hPa-Temperaturen der ENS-Member in den Rauchfahnen
einzelner im Vorhersagegebiet verteilter Gitterpunkte läuft bis zu Beginn
kommender Woche in einem relativ engen Spread, wobei sich der Median für die
Gitterpunkte in Norddeutschland meist im Bereich zwischen 6 und 9 Grad befindet,
im Süden/Südwesten dagegen auf höherem Temperaturniveau zwischen etwa 12 und 16
Grad mit insgesamt nur wenigen Ausreißern.
Danach, also ab Dienstag, wird der Spread deutlich größer. Die „kalten“ Lösungen
mit einer ausgeprägten Trogpassage sinken im Norden und Osten auf unter 5 Grad,
aber auch im Südwesten gibt es einige Lösungen, die sich um die 5 Grad bündeln.
Danach würde es sogar am Oberrhein nicht einmal mehr für einen Sommertag am
Di/Mi reichen. Allerdings gibt es vor allem dort aber auch warme Lösungen mit
mehr als 15 Grad selbst am Dienstag.
Nach Wochenmitte geht es bei nach wie vor breitem Spread wieder etwas bergauf
mit den Temperaturen, die heißesten Lösungen gehen aber lediglich im äußersten
Westen, im Südwesten und im Alpenvorland auf 20 Grad oder knapp darüber.

Niederschlagssignale sind generell rar gesät, lediglich am Dienstag/Mittwoch
tauchen vermehrt auch stärkere auf, was wohl der vereinzelt angebotenen
Modellösung „Tief Mitteleuropa“ geschuldet ist.

FAZIT:
Nach der Hitze und den teils schweren Gewittern der vergangenen Tage steht zur
Mittelfrist erst einmal ziemlich unspektakuläres Wetter auf der Agenda.
In der Südwesthälfte dominiert zumeist freundliches Sommerwetter ohne starke
oder gar extreme Hitze, im Norden und Osten ist es eher wechselhaft und nur
mäßig warm bis warm, an den Küsten durchaus auch garniert mit einem herbstlichen
Touch.
Die vom IFS-Hauptlauf apostrophierte markante Trogpassage am Dienstag steht noch
auf sehr wackligen Füßen, könnte aber kurzzeitig sogar aus dem Südwesten die
sommerliche Wärme vertreiben.

Die beste Nachricht: Eine Hitzewelle ist vorerst nicht in Sicht.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Signifikante Wettererscheinungen sind über den gesamten Mittelfristzeitraum kaum
zu erwarten.
Am ehesten kommen noch stürmische Böen aus West bis Nordwest in Frage, die es –
je nach Ausprägung und Abfolge der Trogpasssagen – von Sonntag bis Dienstag vor
allem an den Küsten zeitweise geben kann, auf exponierten Gipfeln sind am
Dienstag auch Sturmböen möglich.
Auch kurze Gewitter kann es vor allem im Norden und Osten ab und zu mal geben,
diese genügen aber kaum markanten Warnkriterien.

Die warnrelevanten Dauerniederschläge, die IFS in der Nacht zum Mittwoch für den
Alpenraum simuliert, sind mehr oder weniger eine Ausreißerlösung.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff