#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Sonntag, den 14.06.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 14.06.2026 um 10.30 UTC
Ab Donnerstag Hitzewelle und ab Freitag teils schwere Gewitter
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 21.06.2026
Wir starten in die Mittelfrist mit flacher Druckverteilung über Mitteleuropa,
aber der Tendenz zu höherem Druck. Dabei schiebt sich ein Keil von Südwesten her
über Deutschland, der auch weite Teile des westlichen und zentralen
Mittelmeerraumes überspannt. Über Nordeuropa ist hingegen tiefer Luftdruck
vorherrschend, der ein Zentrum über dem Atlantik südlich von Island und ein
weiteres über Finnland und Russland aufweist. Ausgehend vom Tief vor Island
erstreckt sich eine Frontalzone angereichert mit feuchter Luft, die im
Tagesverlauf den Nordwesten Deutschlands erreicht. Die ppw liegen verbreitet
zwischen 20 und 30 mm. Im Nordwesten und Norden Deutschlands sind es gar knapp
40 mm. Die nächtlichen Schauer und Gewitter versiegen mit Tendenz zu hohem Druck
und unter dem Keil am Morgen zunächst. Im Tagesverlauf ist bevorzugt mit
orografischer Unterstützung ein kurzer Schauer oder ein kurzes Gewitter
wahrscheinlich. Im Süden baut sich mäßig Cape (MU bis 600 J/kg) auf, was
vereinzelt zu kräftigeren Schauern und Gewittern führen kann. Im Nordwesten
sorgt die hereinziehende und anschließend schleifende Frontalzone für etwas
Regen, der auch in der Nacht zum Donnerstag nicht ganz versiegt. Sonst fallen
mit Sonnenuntergang die Schauer aber rasch in sich zusammen. Übrig bleibt
Restfeuchte, die vereinzelt für Nebel sorgen kann. Die bereits am Dienstag
einsetzende deutliche Erwärmung aus Südwesten setzt sich fort. Über der Mitte
und dem Süden werden verbreitet Höchstwerte über 25 Grad erreicht. Im Südwesten
wird es heiß bei über 30 Grad.
Am Donnerstag liegt die Frontalzone weiterhin über dem hohen Norden und bringt
dichte Wolken sowie zeitweise etwas Regen. Im übrigen Bundesgebiet dehnt sich
hoher Luftdruck aus und die Feuchte nimmt ab. Aus dem Tief vor Island bildet
sich derweil ein Ableger vor Irland. Er amplifiziert den Trog nach Süden, der
sich dann allmählich westwärts bewegt. Mit orografischer Hilfe sind einzelne
Schauer oder Gewitter im Westen und Süden nicht ausgeschlossen. Mit zunehmender
Wärme aus Südwesten (rund 19 Grad in 850 hPa) steigen die Höchstwerte tagsüber
in der Südhälfte verbreitet über 30 Grad. Die Wärmebelastung steigt deutlich an.
Auch in der Nordhälfte wird es deutlich wärmer mit Maxima über 25 Grad. Nur an
den Küsten und in Schleswig-Holstein liegen die Höchstwerte unter 25 Grad.
Der Freitag startet mit Hochdruck, allerdings rückt der Trog von Westen näher
und die Keilachse verschiebt sich etwas weiter gen Osten
(Polen/Tschechien/Österreich). Auch die Feuchte nimmt wieder zu. In heißer (in
850 hPa fließen 16 Grad in den Norden und 21 Grad in den Südwesten) und feuchter
Luft sind dank kurzwelliger Ausbrüche zu uns im Westen und Nordwesten teils
kräftige Gewitter wahrscheinlich. Auch Unwetter (ppw meist zwischen 35 und 45
mm, CAPE >2500 J/kg) durch heftigen Starkregen und Hagel sind möglich. Die Böen
liegen voraussichtlich bei 9 bis 10 Bft. Nach Süden und Osten hin sorgen
Hochdruck und Keil für weniger Dampf, aber vor allem über dem südlichen Bergland
können sich teils kräftige Hitzegewitter bilden. Mit Ausnahme der Küsten wird es
warm bis heiß (im Südwesten am Boden über 35 Grad) und die Wärmebelastung ist
hoch bis sehr hoch.
Auch am Samstag sind die Auswirkungen des Höhentroges, der schließlich knapp
westlich an uns vorbei gen Nordosten zieht, spürbar. Es ist schwül-warm bis
heiß. Kurzwellige Anteile in der unteren Troposphäre destabilisieren die Lage.
Vom Westen über den Norden bis in den Nordosten kommt es erneut zu teils
unwetterartigen Gewittern. Der Fokus liegt weiterhin auf Starkregen und Hagel.
Auch schwere Sturmböen (Bft 10) sind möglich. Auch im Süden und Osten sind
Gewitter wahrscheinlich, allerdings weniger heftig. Derweil bildet sich auf dem
Atlantik ein Hoch, das sich am Abend über die Britische Inseln ausdehnt. Auf der
Vorderseite wird kalte (8 Grad in 850 hPa) und trockene Luft aus Nordeuropa in
Richtung Mitteleuropa geführt. Sie erreicht in der Nacht zum Sonntag den Norden
Deutschlands, von wo aus sie sich bis zum Sonntagabend etwa bis zur Mitte des
Landes vorarbeitet. Im Süden bleibt deutlich wärmere Luft (>16 Grad in 850 hPa)
liegen. Die kühlere und trockene Luft samt sich ausdehnendem Hochdruck
stabilisiert das Wetter im Norden. Über der Südhälfte sind in feucht-warmer bis
heißer Luft erneut Gewitter wahrscheinlich. Dabei sind örtlich Unwetter durch
heftigen Starkregen (ppw um 35 mm) nicht ausgeschlossen. Auch kleinkörniger
Hagel und Sturmböen sind möglich.
Der Montag ist im Norden weiterhin hochdruckbestimmt und ruhig mit trockener
aber kühlerer Luft, während im Süden die feucht-warme Luft im Verlauf erneut
Gewitter hervorbringt. Am Dienstag wird die Luft im Süden etwas trockener und
die Gewitterneigung geht zurück.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Im aktuellen IFS-Lauf gibt es zunächst keine großartigen Abweichungen vom
gestrigen 0-UTC-Lauf: Bei flacher Druckverteilung über Mitteleuropa überwiegt
Hochdruckeinfluss bei uns. Ab Freitag lässt der Hochdruck aber nun nach und die
Strömung wird von Westen her zyklonaler. Statt eines Tiefs etabliert sich nun
hoher Druck über Großbritannien, mit Durchzug eines Troges fließt auf der
Hochvorderseite am Sonntag kühlere aber trockenere Luft in den Norden. Zu Beginn
der neuen Woche wird die Strömung wieder antizyklonal.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Vergleich mit anderen Modellen ergibt keine neuen Erkenntnisse. Bezüglich
des von Westen nahenden Troges am Wochenende gibt es noch große Unsicherheiten.
Dabei hat der Trog bei GFS mit Abstand die längste Amplitude. UK10 offeriert
hingegen nur ein „Dellchen“. IFS und ICON schwimmen auf einer ähnlichen Linie.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Aus den Clustern sind keine Erkenntnisse zum Trogein- oder Beitrag am
Freitag/Samstag zu gewinnen. Es herrscht Monotonie, bis zum Sonntag von NOA+ auf
Blocking gewechselt wird. Das Blocking dominiert dann die erweiterte
Mittelfrist.
Die Rauchfahnen sind bis zum Samstag eng, der Kontrolllauf fein mittig und
weisen beim Geopot und T850 nur einen Trend auf: aufwärts. Anschließend geht die
Temperatur im Norden signifikant zurück (nicht überraschend), während der Süden
nur einen seichten Rückgang verzeichnet. Das Geopotential geht überall nur
langsam zurück.
Die Ausschläge der Niederschlagsensembles sind in der kommenden Woche anfangs
verhalten bis unsichtbar, werden ab Freitag aber deutlicher, wobei es nur
einzelne Peaks sind. Das deckt sich mit der Prognose von Schauern und Gewittern,
die naturgemäß nicht langlebig sind.
Beim GFS-Temperaturensemble schießt der operationelle Lauf am kommenden
Wochenende über das Mittel hinaus, fällt dafür aber zu Wochenbeginn unter die
Mehrheit. Es war ja schon bei der Modellbetrachtung aufgefallen, dass GFS
extremer ist als andere Modelle. Vermutlich wird es den Mittelweg noch finden.
Bei ICON fällt auf, dass der Temperaturrückgang im Norden bereits am Samstag
stattfindet, die Ensembles gehen da aber nicht ganz mit, die Mehrheit lässt es
etwas wärmer. Auch die Ensembles des ICON und des GFS ergeben für den
Niederschlag ab Freitag deutliche Signale. Die Schauer und Gewitter sind also
gesichert.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI gibt eindeutige Signale für eine außergewöhnlich hohe Temperatur ab
Donnerstag. Beim Niederschlag und Wind sind keine Signale für ungewöhnliches
Wetter zu finden, dafür ist CAPE ab Freitag im Westen und Norden ungewöhnlich
hoch.
Ab Donnerstag steigt die Wärmebelastung von Südwesten her deutlich an. Es ist
mit einer mehrtägigen Hitzewelle zu rechnen, die im Südwesten Höchstwerte über
35 Grad einschließt.
Von Dienstag bis Donnerstag sind einzelne Gewitter mit örtlichem Starkregen
gering wahrscheinlich. Ab Freitag steigt die Gewittergefahr an. Auch die
Intensität der Begleiterscheinungen (Starkregen, Hagel, Böen) nimmt zu. Vor
allem im Westen und Norden sind Unwetter möglich.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn