#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 07.05.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 07.05.2026 um 10.30 UTC
Vor allem im Süden ab Sonntagabend und am Montag starke Gewitter, in der Mitte
ab der Nacht zum Sonntag bis Montagmittag markanter Dauerregen möglich. Nach
vorübergehender Erwärmung am Sonntag nächste Woche deutlich kühler und weiterhin
sehr unbeständig.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 14.05.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Sonntag erinnert die großräumige
Geopotenzialverteilung an ein Viererdruckfeld mit einem Sattelpunkt über dem
Ärmelkanal. Vorderseitig eines Tiefs westlich von Portugal sowie eines weiteren
über der Biskaya wird von Südwesten weiterhin warme, feuchte und labile Luft in
den Süden und Südwesten Deutschlands geführt. Im Norden dominiert hingegen
Hochdruckeinfluss, die Luftmasse ist dort weiterhin trocken und deutlich kühler.
Zudem erreicht die Kaltfront eines Tiefs über dem Nordmeer, das mit dem
nordeuropäischen Trog verbunden ist, den Norden. Die 850-hPa-Temperatur liegt
dabei zwischen 2 °C in Flensburg und 14 °C am Alpenrand. Im Süden und Südwesten
entwickeln sich im Tagesverlauf bei nur schwachen Druckgegensätzen einzelne
Schauer und Gewitter. Die feuchte Luftmasse und geringe
Verlagerungsgeschwindigkeiten bergen ein erhöhtes Starkregenpotenzial, lokal ist
heftiger Starkregen wahrscheinlich.
In der Nacht zum Montag nähert sich der nordeuropäische Trog und verbindet sich
mit dem Höhentief bei Portugal. Die Kaltfront greift auf die Mitte über und wird
in der zuvor eingeflossenen wärmeren Luft aktiviert. Dabei bildet sich eine
Tiefdruckrinne, die gebietsweise für kräftige Regenfälle sorgt. Vom Saarland
über Rheinland-Pfalz bis nach Hessen sind Mengen zwischen 30 und 50 l/qm in 12
bis 24 Stunden möglich. Südlich des Mains treten in der wärmeren Luft zusätzlich
gewittrig durchsetzte Regenfälle auf, dabei besteht weiterhin Starkregengefahr.
Am Montag schwenkt der Trog aus Skandinavien südwärts und führt dazu, dass die
Rinne als Kaltfront die Alpen erreicht. Im Vorfeld können sich in der
warm-feuchten und labil geschichteten Luft kräftige Gewitter entwickeln. Bei
ausreichender Scherung und moderaten CAPE-Werten ist eine gute Organisation der
Gewitter möglich, sodass Hagel und schwere Sturmböen wahrscheinlich sind.
Abseits der Gewitter frischt der Wind im Süden auf, dabei sind starke bis
stürmische Böen, im Bergland auch Sturmböen möglich. Die anhaltenden Regenfälle
auf der kälteren Seite lassen nach. Der Norden liegt bereits rückseitig der
Kaltfront im Trogbereich, in dem in der höhenkalten Luft ebenfalls Schauer und
kurze Gewitter auftreten können.
In der Nacht zum Dienstag liegt die Kaltfront an den Alpen und sorgt dort noch
für anhaltende Niederschläge. Markante Mengen sind eher unwahrscheinlich.
Ansonsten beruhigt sich das Wetter, da sich bodennah ein Hoch mit Schwerpunkt
über den Benelux-Staaten ausbildet.
Am Dienstag liegt Deutschland unter schwachem Hochdruckeinfluss in einer
nordwestlichen, antizyklonal konturierten Strömung. Abgesehen von flachen
Quellwolken, die sich an der Absinkinversion ausbreiten, bleibt es
deutschlandweit trocken. Lediglich der Norden gerät später unter den Einfluss
der Wolkenfelder einer Warmfront, die zu einem Tief über dem Nordmeer gehört.
Auch der nächste Trog macht sich bereits bemerkbar. Im Vergleich zum Vortag ist
es auch im Süden deutlich kühler.
In der Nacht zum Mittwoch erreichen der Trog und die Ausläufer des Tiefs den
Norden Deutschlands mit zeitweiligen Niederschlägen, die Mengen bleiben jedoch
überschaubar. Im übrigen Land verläuft die Nacht ruhig.
Am Mittwoch liegt der Norden im Einflussbereich des Troges, dessen
okkludierendes Frontensystem bis in die Mitte des Landes vorankommt. Lediglich
der Süden verbleibt unter schwachem Hochdruckeinfluss, der eine Brücke zwischen
einem Azorenkeil und einem Hoch über Osteuropa bildet.
Am Donnerstag liegt die Trogachse westlich von Deutschland und schwenkt nicht
nach Osten, sondern trogt weiter nach Süd bis Südwesten aus. Dadurch stellt sich
die Strömung über Deutschland auf und der Südosten gelangt erneut in wärmere
Luft. Über Oberitalien bildet sich ein Tief, das im Zusammenspiel mit dem Trog
für kräftigere Aufgleitniederschläge in Südostbayern sorgen kann. Ansonsten
treten im Trogbereich schauerartige, meist unorganisierte Niederschläge auf,
vereinzelt sind auch kurze Gewitter dabei.
In der erweiterten Mittelfrist stößt der Trog über den Britischen Inseln weit
nach Süden über Westeuropa vor. Vor allem der Süden und Osten Deutschlands
verbleiben auf der Vorderseite, wo länger anhaltende Niederschläge möglich sind.
Ein markanter Witterungsabschnitt ist durchaus denkbar, für Details ist es
jedoch noch zu früh, da diese stark von der genauen Entwicklung und Position des
Troges abhängen. Der Nordwesten verbleibt hingegen im Trogbereich in einer
kühleren Luftmasse.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der Modelllösungen ist insgesamt gut. Die großräumige
Zirkulationsstruktur wird weitgehend übereinstimmend simuliert. Deutschland
gerät dabei auf die Vorderseite eines Troges über Nordwesteuropa sowie eines
Tiefs westlich von Portugal.
Die genaue Abfolge eingelagerter Randtröge wird jedoch unterschiedlich
berechnet. Ab Mittwoch nehmen die Unsicherheiten deutlich zu. Insbesondere
Zeitpunkt und Art des Übergreifens des Troges über Nordwesteuropa auf
Deutschland variieren zwischen den Lösungen.
Je nach Lage der Austrogung, weiter westlich oder weiter östlich, ergeben sich
unterschiedliche Wetterentwicklungen: Eine westlichere Austrogung begünstigt das
Einfließen wärmerer Luftmassen und damit potenziell höhere Niederschlagssummen.
Eine östlichere Austrogung führt hingegen zu rascherer Abkühlung und tendenziell
geringeren Niederschlägen.
Insgesamt bleibt die Witterung jedoch unbeständig und eher kühl. Abgesehen vom
ersten markanten Ereignis am Sonntag/Montag, bei dem in der Mitte und im Süden
mit kräftigeren Niederschlägen zu rechnen ist, sind detaillierte Aussagen für
den weiteren Wochenverlauf derzeit noch nicht belastbar.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen Globalmodelle stützen im Wesentlichen die Entwicklung des IFS.
Hinsichtlich der Entwicklung am Sonntag/Montag besteht weitgehend Konsens, die
Unterschiede sind gering. Für den weiteren Verlauf ergeben sich jedoch
Unterschiede bezüglich der Position des nächsten Trogvorstoßes ab der Mitte der
kommenden Woche. Diese ist für die weitere Wetterentwicklung entscheidend. Fest
steht, dass es unbeständig und nass bleibt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen verschiedener Städte sind bis Montag eng gebündelt. Auch im
weiteren Verlauf liegt der Hauptlauf nahe am Ensemblemittel, mit nur wenigen
Ausreißern nach oben oder unten. Temperaturseitig zeigt sich nach einem Anstieg
- im Süden ausgeprägter – ein deutlicher Rückgang, besonders im Norden (bis etwa
-6 °C in der Nacht zum Dienstag in 850 hPa), gefolgt von einer nur zögerlichen
Erholung auf niedrigerem Niveau.
Auch das Geopotenzial geht ab Montag zurück und erreicht nach einem kurzen
Zwischenanstieg am Dienstag sein Minimum am Donnerstag/Freitag im Zusammenhang
mit dem Trogeinfluss. Niederschlagssignale sind durchgehend vorhanden, mit
Schwerpunkten in der Mitte am Sonntag/Montag sowie im Südosten gegen
Donnerstag/Freitag.
CLUSTER:
Im Zeitraum t+72 bis t+96 h werden zwei Cluster berechnet (zunächst Blocking,
später NAO-), wobei Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1 liegen. Das Blocking
über dem Nordatlantik begünstigt ein südwärts gerichtetes Vorstoßen des Troges
über dem Nordmeer, der sich mit dem Höhentief bei Portugal verbindet.
Für den Zeitraum t+120 bis t+168 h werden drei Cluster simuliert, der Hauptlauf
gehört zu Cluster 1. Alle Lösungen zeigen einen atlantischen Rücken sowie einen
über Mitteleuropa liegenden Trog, der nach Süden hin negativ geneigt ist und mit
dem Cut-Off über Portugal korrespondiert.
Im Zeitraum t+192 bis t+240 h ergeben sich ebenfalls drei Cluster, wobei Haupt-
und Kontrolllauf in Cluster 2 liegen. Die großräumige Struktur über Mitteleuropa
bleibt weitgehend erhalten, der Trog persistiert. Über dem Atlantik wird der
Rücken jedoch zunehmend abgebaut bzw. flacht ab, sodass sich eine westliche bis
nordwestliche Strömung einstellt.
FAZIT:
Es steht eine sehr unbeständige Mittelfrist bevor. Markante Wetterereignisse
sind vor allem am Sonntag/Montag sowie möglicherweise erneut am
Donnerstag/Freitag zu erwarten. Insgesamt geht die Temperatur deutlich zurück.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
Am Montag zeigt das EFI ein schwaches Signal für ein Windereignis im Süden mit
geringen bis mäßigen Wahrscheinlichkeiten für Böen der Stärke Bft 7 sowie sehr
geringen Wahrscheinlichkeiten für Bft 8.
NIEDERSCHLAG:
Das EFI weist auf ein schwaches Signal für ein Niederschlagsereignis am Montag
im Südwesten sowie in der Nacht zum Dienstag im Alpenraum hin. Das EPS zeigt
insbesondere am Montag geringe Wahrscheinlichkeiten für Mengen über 30 mm in 24
Stunden.
GEWITTER:
Vor allem im Südwesten und Süden treten ab Sonntagabend und am Montag kräftige
Gewitter auf, die örtlich mit Starkregen um 20 l/qm in wenigen Stunden
einhergehen können. Dabei sind am Montag auch schwere Sturmböen bis Bft 10 nicht
ausgeschlossen.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, IFS, IFS-EPS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta