#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Mittwoch, den 06.05.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 06.05.2026 um 10.30 UTC
Im Osten und Süden zeitweise starke Gewitter. Nach vorübergehender Erwärmung
nächste Woche deutlich kühler.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 13.05.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag liegt die Nordhälfte im Einflussbereich
eines großräumigen Hochs mit Schwerpunkt über Finnland. Mit einer schwachen
östlichen Strömung wird trockene und eher kühle Luft herangeführt. Der Süden
Deutschlands gelangt zunehmend auf die Vorderseite eines Tiefs westlich von
Portugal. Es setzt Warmluftadvektion ein. Am Abend liegt die Temperatur in 850
hPa zwischen 2 Grad in Vorpommern und 11 Grad südlich der Donau. In der zudem
auch zunehmend feuchten Luft entwickeln sich vor allem über den Alpen und dem
Schwarzwald Schauer und einzelne kräftige Gewitter, die abends in sich
zusammenfallen.
Am Sonntag erinnert die großräumige Verteilung des Geopotenzials an ein
Viererdruckfeld mit dem Sattelpunkt über dem Ärmelkanal. Von Südwesten wird
vorderseitig des Tiefs westlich von Portugal und einem weiteren über der Biskaya
weiterhin warme, feuchte und labile Luft in den Süden und Südwesten geführt. Im
Norden herrscht Hochdruckeinfluss und die Luftmasse ist weiterhin trocken und
deutlich kühler. Die 850-hPa-Temperatur liegt zwischen 2 Grad in Flensburg und
14 Grad am Alpenrand. Im Süden und Südwesten entstehen im Tagesverlauf bei
schwachen Druckgegensätzen einige Schauer und Gewitter. Feuchte Luft und geringe
Verlagerungstendenzen bergen ein hohes Starkregenpotenzial. Lokal ist heftiger
Starkregen wahrscheinlich.
In der Nacht zum Montag bildet sich eine Tiefdruckrinne über Nordfrankreich und
Norddeutschland aus. In ihrem Bereich kommt es zu teils gewittrigen sowie
kräftigen Niederschlägen.
Am Montag bildet sich aus der Tiefdruckrinne ein eigenständiges Tief heraus, das
bis zum Abend unter Vertiefung auf unter 1000 hPa zum Südteil der Ostsee zieht.
Ein Trog stößt am Abend bis zur Nordsee vor. Eine Kaltfront kommt bis zum Abend
auf eine Linie Vorpommern-Saarland voran. Rückseitig fließt deutlich kühlere
Meeresluft polaren Ursprungs ein, die die feuchtwarme Luftmasse verdrängt.
Während im Nordwesten am Abend die Temperatur in 850 hPa nur noch bei -3 Grad
liegt, liegt sie in Südostbayern bei +12 Grad. Im Süden und Osten kommt es in
einer straffen Südwestströmung (Bft 7 auch ohne Konvektion) zu Schauern und
Gewittern, die teils organisiert auftreten können.
Dienstagfrüh liegt das Tief (995 hPa) an der finnischen Südküste. Die Kaltfront
hat die Alpen erreicht. Der immer schmaler werdende und zum Abtropfen neigende
Trog schwenkt über Deutschland ostwärts. Es stellt sich bei einer frischen
Nordwestströmung allgemein kühles Rückseitenwetter über Deutschland ein. Vor
allem an der Nordsee kommt es zu steifen Windböen. Verbreitet kommt es zu
Schauern, vereinzelt auch zu Gewittern mit Graupel. Die Schneefallgrenze liegt
bei Temperaturen in 850 hPa von -4 bis 0 Grad um 1000 Meter. Mit einem von
Westen nachrückenden Keil eines Atlantikhochs setzt am Abend rasch
Wetterberuhigung ein. In der kalten Luft unter dem Keil ist in der Nacht zum
Mittwoch Frost in Bodennähe vor allem im Süden wahrscheinlich, und lokaler
Luftfrost ist nicht ausgeschlossen.
Am Mittwoch verläuft die Strömung zonal über Mitteleuropa hinweg. Der
angesprochene Trog liegt nun über Polen, ein weiterer erreicht von Nordwesten
die Britischen Inseln. Dazwischen liegt Deutschland unter einem schwachen Keil,
der am Boden den Atlantikhochkeil (Achse über Süddeutschland) stützt. In 850 hPa
liegt die Temperatur um 0 Grad, südlich der Donau wenige Grad darüber. Vor allem
im Norden kommt es im Tagesverlauf zu Schauern. Die Nacht zum Donnerstag
verläuft im Süden erneut frisch mit der Gefahr von Frost in Bodennähe.
In der erweiterten Mittelfrist stößt der Trog über den Britischen Inseln über
Westeuropa weit nach Süden vor. Vor allem der Süden und Osten Deutschlands
kommen auf die Vorderseite. Im Süden und Osten werden deutlich wärmere und auch
wieder feuchtere und labilere Luftmassen advehiert. Der Nordwesten wird von
dieser Luftmasse kaum oder gar nicht erfasst. Randtröge sorgen für zeitweise
unbeständiges Wetter.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz ist nur am Wochenende noch gut, wobei es am Sonntag im Südwesten
bereits erste Abstriche gibt. Zu Wochenbeginn nimmt die Konsistenz deutlich ab.
Mit den beiden neuesten Läufen wird das Übergreifen des Troges deutlich rascher
simuliert, und auch die Kaltluftadvektion ist intensiver.
Angesichts des Viererdruckfeldes sind Prognoseunsicherheiten zu erwarten.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bei ICON ist die Entwicklung insgesamt schneller. Sowohl der Trog zu
Wochenbeginn als auch die erneute Vorderseite in der Folge laufen viel schneller
ab. Bei GFS dagegen verbleibt der Trog westlich und die richtige Kaltluft würde
uns nicht erreichen. Dafür käme es zu einer kräftigen Zyklogenese über
Oberitalien, die im Verlauf auf Vb-ähnlicher Zugbahn nach Polen geführt wird und
zu einem ganz anderen Niederschlagsbild über Deutschland führt. Alles in allem
sind die Unterschiede bereits ab Wochenbeginn groß.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Für die Temperatur in 850 hPa ist die Bündelung in Hamburg nur am Samstag hoch,
schon am Sonntag geht die Spreizung weit auf (+1 bis +10 Grad). Der Hauptlauf
liegt recht mittig. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Hamburg noch auf die warme
Seite kommt. Weiter südlich ist die Bündelung auch am Sonntag noch enger, weil
die kälteren Lösungen fehlen. Zu Wochenbeginn zeigen alle Ensemblemitglieder
sinkende Temperaturen wobei die Spreizung groß ist. Der Hauptlauf nimmt
deutschlandweit eine der kälteren Lösungen ein. In der Folge ist die Erwärmung
im Mittel nicht gut sichtbar. Der Hauptlauf ist dann im Süden am Donnerstag und
Freitag über dem Mittel.
CLUSTER:
Für Samstag und Sonntag gibt es nur einen Cluster (anfangs NAO-, dann Blocking).
Die Strukturen ähneln dem Hauptlauf stark.
Für Montag und Dienstag gibt es drei Cluster, die NAO-, NAO+ und dem Regime
Mittelatlantischer Rücken zugeordnet werden. Der Hauptlauf gehört Cluster 1 an
(25 Mitglieder). Unterschiede ergeben sich vor allem in der Behandlung des
Troges über Nordwest- und später Mitteleuropa und in Bezug auf das Höhentief im
Südwesten Europas. Die anderen beiden Cluster sind langsamer was das Übergreifen
des Troges von Westen betrifft.
Für Donnerstag und Freitag gibt es dann erneut nur einen Cluster und auch nur
ein Regime (Mittelatlantischer Rücken). Das Austrogen über Westeuropa zeigt
dieser Cluster ebenso wie der Hauptlauf.
Fazit Mittelfrist:
Am Wochenende gelangen der Süden und Südwesten zunehmend auf die Vorderseite
eines Tiefs bei Portugal mit ansteigendem Gewitterrisiko. Im Norden ist es
freundlich und nicht ganz so warm.
Zu Wochenbeginn greift von Nordwesten ein Trog über. Die Prognoseunsicherheiten
nehmen deutlich zu (Viererdruckfeld). Im Osten und Süden anfangs weiter
Gewitter, dann mit mehr Dynamik als am Wochenende. Nach Kaltfrontdurchgang
deutlich kühler, je nach Modell lokaler Nachtfrost nicht völlig ausgeschlossen.
Ab Wochenmitte im Süden und Osten wahrscheinlich wieder Erwärmung, aber nicht
stabil.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
Das EFI zeigt ein schwaches Signal für ein Windereignis am Montag im Süden.
Das EPS zeigt von Montag bis Mittwoch tagsüber geringe bis mittlere
Wahrscheinlichkeiten für Bft 7 und sehr geringe Wahrscheinlichkeiten für Bft 8.
Insgesamt ist das Signal sehr verschmiert und wenig aussagekräftig.
NIEDERSCHLAG:
Das EFI zeigt ein schwaches Signal für ein Niederschlagsereignis am Montag im
Südwesten und Dienstag an den Alpen.
Das EPS zeigt vor allem am Montag geringe Wahrscheinlichkeiten für mehr als 30
mm in 24 Stunden. Auch hier gilt, dass das Signal sehr verschmiert und alles
andere als eindeutig ist.
TEMPERATUR:
Es besteht ein Signal für deutlich überdurchschnittliche Temperaturen am Sonntag
im Südosten Deutschlands.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen