S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 16.04.2026 um 10.30 UTC

Wechselhafte Zeiten stehen an: Am Sonntag Umstellung auf etwas kühlere
Witterung, dabei Gewitter. Anschließend blockierende Wetterlage mit ruhigem
Hochdruckwetter im Norden, im Süden Aprilwetter mit Schauern und vielleicht
einzelnen Gewittern. Insgesamt recht wackelige Prognose.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 23.04.2026

Die Mittelfrist beginnt heute mit einer Umstellung der Großwetterlage sowie
einem Luftmassenwechsel im Laufe des kommenden Sonntags.
Dabei zunächst zur Großwetterlage: Über den Britischen Inseln manifestiert sich
ein neues Hochdruckgebiet und wird sich in den Folgetagen noch verstärken. Es
stellt sich also eine erneute Blockinglage ein, die uns von der Zufuhr
atlantischer Luftmassen abschneidet und stattdessen ein meridionales
Zirkulationsmuster etabliert. Solche Lagen begünstigen üblicherweise die Zufuhr
polarer Luftmassen. So geschieht es auch dieses Mal. Mit dem Hoch dreht die
Strömung bereits auf nordwestliche bis nördliche Richtung. Demgegenüber steht
noch ein Tiefdruckgebiet, das sich dann wahrscheinlich etwa über Dänemark
befindet. Dessen Kaltfront überquert uns südwärts; gleichzeitig verlagert sich
dieses Tief unter Abschwächung ebenfalls südwärts Richtung Norddeutschland.
Rückseitig fließt nun die bereits beschriebene Polarluft maritimen Charakters
ein. Während an den Alpen T850 noch bei Werten um 5°C liegt, sinkt sie über dem
Nordwesten Deutschlands bereits auf bis zu -2°C. Der Frontdurchgang verläuft
dabei recht dynamisch. Vorderseitig ist die Luftmasse im Warmsektor noch recht
labil, teils mit durchmischter Grenzschicht. Neben dem dynamischen Forcing an
der Front selbst helfen die Alpen mit der Orografie noch nach – es kommt
voraussichtlich bereits im Laufe des Sonntagvormittags zur Bildung einiger
Gewitter, deren Begleiterscheinungen sich aber bei etwa 20 kt Scherung zunächst
insgesamt in Grenzen halten, am Nachmittag bei zunehmendem Höhenwind aber noch
etwas an Fahrt gewinnen könnten. Dann sind Starkregen und örtlich auch kleiner
Hagel denkbar.
In der rückseitig eingeflossenen Kaltluftmasse bilden sich ebenfalls einzelne
Schauer. Ob es hier ebenfalls zur Gewitterbildung reicht, ist dabei noch unklar;
völlig ausschließen kann man es aber nicht.
Bemerkbar macht sich der Luftmassenwechsel auch bei den Temperaturen. Während
auf der warmen Vorderseite im Süden noch Werte um 20°C erreicht werden, sind im
Norden nur noch Werte von etwa 13 bis 15°C zu erwarten.

Am Montag beschäftigt uns das südwärts ziehende Tiefdruckgebiet weiterhin.
Allerdings muss man hier schon mit enormen Prognoseunterschieden in der Numerik
kämpfen. Dabei stellt sich die ICON-Lösung mit dem Tief über dem Nordwesten
Deutschlands als Ausreißerlösung dar, während alle anderen Modelle den Abzug
über den Nordosten hinweg Richtung Polen/Tschechien simulieren. Geht man von der
Mehrheitslösung aus, so kommt es im Osten zu durchaus ergiebigeren
Niederschlägen von stellenweise bis zu 15 mm binnen sechs Stunden, was
angesichts der zuletzt wieder zunehmenden Trockenheit eher zu begrüßen ist. Im
weiteren Verlauf dreht anschließend der Wind auf nordöstliche bis östliche
Richtung. Mit der herumgeholten Okklusion der Tiefrückseite kommt es
anschließend noch zu weiteren, nun schauerartigen Regenfälle. Die ICON-Lösung
sieht den Niederschlagsschwerpunkt dagegen eher über dem Westen Deutschlands,
hier auch nur in abgeschwächter Form. Mit Nordostwind sind vor allem an den
entsprechend anfälligen Küstenabschnitten entlang der Ostsee einige kräftige bis
stürmische Windböen nicht ausgeschlossen. Am Ende hängt aber alles an der noch
ziemlich unsicheren Tiefdruckentwicklung.

Am Dienstag stellt sich endgültig eine Hochdruckrandlage ein, wobei der
antizyklonale Einfluss aus Richtung Nordsee größtenteils überwiegt. Aber
Hochdruckrandlagen sind anfällig für „Schönheitsfehler“. In diesem Falle wird
über der Südhälfte Konvektion in labiler Kaltluftmasse simuliert, die entweder
aus einem kleinen Höhentief (ECMWF-IFS) oder einem Wellenrandtief (ICON)
herrührt. Dabei käme es dort zu zahlreichen Schauern und möglicherweise auch
kurzen (Graupel-)Gewittern. Im Norden kommt dagegen zunehmend die Sonne zum
Vorschein, höchstens getrübt von etwas Schleierbewölkung (Cirrus). Die
Temperaturen liegen mit Werten von oftmals zwischen 10 und 15°C spürbar unter
dem aktuellen Niveau. Auch nachts wird es spürbar frisch mit Werten bis teils
nahe an die 0°C. Die Frostgefahr ist aber gering und besteht hauptsächlich in
typischen Muldenlagen der Mittelgebirge.

Mittwoch und Donnerstag erwartet uns voraussichtlich viel Sonnenschein bei
weiter anhaltender Hochdruckrandlage. Dabei setzt zunehmend Höhenmilderung an,
auch die bodennahen Temperaturen steigen etwas an. Je nach Lesart nimmt dabei
die Bewölkungsdichte im Norden aufgrund stärkerer WLA deutlich zu. Ansonsten
bleibt es wohl eher bei leichter Quellbewölkung im Tagesgang. Nennenswerter
Niederschlag bleibt aber nach jetzigem Stand wahrscheinlich Fehlanzeige. Nachts
besteht vor allem im Bergland weiterhin lokale Frostgefahr mit Minima knapp
unter dem Gefrierpunkt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die letzten IFS-Läufe spiegeln die Unsicherheiten bereits wider. Während das
Blocking konsistent gerechnet wird, bereiten die Randgebiete, u.a. bedingt durch
Tiefdruckeinfluss Oberitalien der Numerik gehörig Probleme. Das äußert sich
anschließend in deutlich abweichenden Lösungen bezüglich möglicher
Randtiefentwicklungen. Eine wirklich handfeste Prognose bezüglich der
Entwicklung signifikanten Wetters (sprich Niederschlag, Gewitter, …) lässt
sich so nur recht oberflächlich abgeben.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die globalen Modelle zeigen ebenfalls große Unsicherheiten. Besonders auffällig
ist hier ICON, welches bereits zu Beginn der Mittelfrist eigene Wege geht. Die
heutigen 00Z-Läufe zeigen dagegen erhöhte Konsistenz zwischen ECMWF, GFS und
auch UK10. Das bedeutet aber nicht, dass das so bleiben muss. Offenbar ist die
Numerik für eine gezielte Weichenstellung noch nicht bereit, sodass es heißt:
Abwarten, wie sich die Prognosen weiterentwickeln. Der 06Z-Lauf des ICON scheint
sich dabei nun den Mehrheitslösungen von ECMWF und GFS anzuschließen (im
vorstehenden Text Betrachtung des 00Z-Laufs), sodass diesen zusätzliches Gewicht
beikommt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die ECMWF-ENS zeigen zumindest bis kommenden Dienstag ein relativ einheitliches
Bild, driften danach aber zunehmend auseinander. Spätestens in der erweiterten
Mittelfrist zeigen sich anschließend erhebliche Unsicherheiten, wobei der Trend
zu anhaltender Blockierung und Dominanz kühler Luftmassen überwiegt. Einiges
deutet aber darauf hin, dass dann zunehmend zyklonale Lagen das Geschehen
übernehmen und es etwas turbulenter zugehen könnte (Mehrheitlich sinkendes
Geopotential, zudem Ausreißer in den Max-Perzentilen für die Windgeschwindigkeit
sowie zunehmende Niederschlagssignale).

Das GFS-ENS verschwimmt zusehends mit fortschreitendem Prognosezeitraum. Der
Hauptlauf zeigt sich hier als warmer Ausreißer gegenüber den ENS-Membern. Ein
eindeutiger Trend lässt sich hier nicht ausmachen und ermöglich so keine
eindeutige Aussage.

Die ECMWF-Cluster bis +96h zeigen das Atlantikblocking ziemlich einhellig,
allerdings mit zahlreichen nuancierten Unterschieden (insgesamt fünf Cluster).
Das Modell hat signifikante Probleme in der Platzierung des Blockings, was sich
dementsprechend auf die Prognosen auswirkt. Eine Außenseiterlösung (nur vier
Member) zeigt ein Durchbrechen des Blocks und Etablierung eines schmalen
Langwellentrogs zwischen zwei Hochdruckzentren östlich Grönlands und Lappland.
Dieser Trend setzt sich bis +168h fort, wobei die positive Geopotentialanomalie
über dem Nordatlantik erheblich ist. In der erweiterten Mittelfrist scheint sich
dieses blockierende Hoch retrograd zu verlagern und über Nord- und Mitteleuropa
den Weg freizumachen für einen weiteren, nun zyklonal dominierten
Kaltlufteinbruch. Dies wird auch durch den Rauchfahnentrend gestützt (s.o.).

Fazit:
Der Sonntag steht im Zeichen eines Wetterwechsels hin zu etwas kühlerer
Witterung. Vor allem im Süden Deutschlands wird dieser wohl auch durch Blitz und
Donner begleitet. Danach setzt sich erneut Hochdruck unter Zufuhr maritimer
Polarluft durch. Allerdings bleibt es dabei zunächst nicht wirklich ruhig. In
diese Hochdruckrandlage mischen sich wahrscheinlich immer wieder numerisch
schwer zu fassende Störungen in Form kleiner Höhen- oder Wellentiefs, die in der
eingeflossenen potentiell labilen Kaltluft für sprichwörtliches Aprilwetter
sorgen können. In der erweiterten Mittelfrist zeigen die Signale eine Zunahme
von Tiefdruckaktivität in Verbindung mit weiterhin kühlen, polaren Luftmassen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Sonntag vor allem im Süden Gewitter, vereinzelt mit Starkregen und/oder
kleinem Hagel gering wahrscheinlich.
Am Montag vor allem entlang anfälliger Küstenabschnitte entlang der Ostsee
stürmische Böen Bft 8 aus Nordost.
Darüber hinaus keine signifikanten Wettererscheinungen.

Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF-IFS und -ENS, ICON mit Abstrichen, GFS und UK10 für Grundsatzvergleich,
MOS

VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch