SXEU31 DWAV 120800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 12.04.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu Hoch Fennoskandien zyklonal (HFz)
Wechselhaft mit Regenfällen und Saharastaub, morgen im Osten windig und
Gewittergefahr. Zum Dienstag von Westen Wetterberuhigung, aber noch mit
Unsicherheiten.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Am heutigen Sonntag… wandert ein Höhenrücken über dem östlichen Mitteleuropa
nur sehr langsam ostwärts. Dieser hat über den Ostseeraum Verbindung zu einem
Höhenhoch über Finnland und Nordwestrussland. Bodennah zeigt sich ein
umfangreiches Hoch über großen Teilen Nordwestrusslands und Finnlands, das über
eine Brücke über Deutschland hinweg mit dem Azorenhoch verbunden ist. Niedriges
Potential ist im Bereich eines umfangreichen Höhentiefs über Osteuropa zu
finden, ein Langwellentrog liegt zudem über dem Nordostatlantik und Westeuropa.
Das zugehörige Bodentief zieht heute nördlich Schottlands vorbei, ein weiteres
Bodentief vertieft sich im Raum Tunesien, getriggert von einem Höhentief in
dieser Region. Die ganze Konstellation, man ahnt es schon, zeigt sich insgesamt
sehr wenig progressiv.

Dies gilt auch für eine Kaltfront, die in der Nacht größere Teile Deutschlands
überquert hat und heute früh auf einer gebogenen Linie von Lübeck nach Freiburg
liegt, wobei zu erwähnen ist, dass die Front nur im nördlichen Teil innerhalb
einer flachen bodennahen Tiefdruckrinne liegt (die Schwachstelle der
Hochdruckbrücke quasi), während im Süden die Front (Temperaturrückgang und
Regengebiet) weit zurückliegen, oder mit anderen Worten, die Winddrehung auf
West der Front weit vorausgelaufen ist.

Mit weiterem Druckanstieg von Westen her im Bereich der Brücke dreht der Wind in
der gesamten Südosthälfte eher auf Nordwest bis Nord, im Nordwesten auf Südwest,
später Süd. Dieser ist aber schwach und spielt keine größere Rolle mehr. Mit dem
Westwind ist in den Nordwesten eine vergleichsweise kühle (0°C in 850 hPa),
recht trockene und stabil geschichtete Luftmasse eingeflossen, die sich auch im
Westen und Norden durchsetzt. Im Südosten liegt dagegen noch die deutlich
wärmere und etwas labil geschichtete Luftmasse.

Mit dem allmählichen Vorankommen der Front nach Südost wird aber zumindest die
Labilität in die Alpen zurückgedrängt, es bleiben aber Reste der warmen Luft im
Südosten liegen. Die Regenfälle an der Kaltfront schwächen sich im Tagesverlauf
immer mehr ab und erreichen im Norden bis zum Abend wahrscheinlich knapp die
Oder. Im Süden bleibt der Südosten Bayerns noch vom Regen verschont. Meist
fallen weniger als 5 l/m², nur im Südwesten, wo es jetzt in den Frühstunden
recht kräftig regnet, können bis zum Nachmittag noch einmal 5 bis 10 l/m²
zusammenkommen. Mit den heute Nacht gefallenen Regenmengen kratzen wir da an den
Warnschwellen, die Ausgabe einer Warnung hat sich aber nicht aufgedrängt.

Rückseitig der Front gibt es heute die meiste Sonne, insbesondere im Nordwesten
kann sie viele Stunden scheinen. Dort wird es dann teilweise über 15°C mild, im
Südosten in der Warmluft noch einmal 15 bis 19°C. Unter den dichten Wolken vom
Südwesten über die Mitte bis in den Nordosten werden es dagegen vielfach nur 10
bis 14°C.

In der Nacht zum Montag nähert sich der Langwellentrog von Westen noch etwas an
und weitet sich stark nach Süden aus. Seine Achse kommt noch etwa bis zur
Biskayaküste Frankreichs voran. Der Rücken weicht dagegen nicht, so dass sich
die etwas aufsteilende Südströmung etwas verstärkt und an den Alpen leichter
Föhn aufkommt. Dieser unterstützt den Druckfall am Alpenrand, der auch durch die
Nordwärtsverlagerung des Tiefs im Süden Richtung Sardinien induziert wird. Die
Hochdruckbrücke wird damit wieder geschwächt und am Rande des Hochs im Nordosten
dreht dann der Wind meist auf Nordost bis Nord. Er weht aber weiterhin schwach.

Die Front wird immer diffuser, zeichnet sich aber weiter durch dichte Wolken und
leichte Regenfälle ab, die weiterhin quer über dem Land liegen. Dabei kommen im
Südwesten teilweise noch einmal über 5 l/m² zusammen, sonst weniger. Durch das
Aufsteilen der Strömung kommt die Front nicht mehr weiter südostwärts voran,
sondern verlagert sich als Warmfront wieder langsam nordwestwärts. Damit bildet
sich auf der Vorderseite im Nordwesten Deutschlands auch jede Menge hohe und
mittelhohe Bewölkung, so dass dort die Nacht zunehmend bedeckt verläuft. Dies
wird durch einfließenden Saharastaub noch verstärkt. Die meisten
Wolkenauflockerungen gibt es im Südosten in der Warmluft. Dort ist die Luft auch
hinreichend feucht, so dass sich bei schwachen Druckgegensätzen auch einzelne
Nebelfelder bilden können. Die nächtlichen Tiefstwerte liegen in vielen Regionen
bei 7 bis 4°C, etwas kühler kann es im Nordwesten und Südosten werden, dort im
Bergland bis +1°C.

Am Montag… tropft aus dem Langwellentrog westlich unseres Landes ein Höhentief
ab und verlagert sich rasch nach Süden. Es erreicht am Nachmittag schon
Algerien. Im gleichen Zug verlagert sich der dort ursprünglich liegende
Höhentiefkern nach Norden und erreicht Korsika. Damit zieht auch das
Mittelmeertief weiter nordwärts, schwächt sich aber etwas ab. Der Föhn über die
Alpen hinweg hält weiter an und im Tagesverlauf bildet sich ein Leetief im
Bereich Südostbayern/Oberösterreich.

Diese sorgt zusammen mit dem Hoch über dem Nordosten für einen zunehmen starken
Gradienten über dem äußersten Osten Deutschlands, wo der Südostwind deutlich
auffrischt. Damit kann es vor allem vom südöstlichen Bayerischen Wald bis zur
Lausitz einzelne Windböen geben, wobei es noch leichte Modellunterschiede gibt.
Vom Lausitzer Bergland bis ins Osterzgebirge lebt der Böhmische Wind (rein
dynamisch, nicht durch böhmische Kaltluft unterstützt) etwas auf, so dass in den
entsprechend anfälligen Regionen rund um das Elbtal und im Osterzgebirge ebenso
7er Böen geben kann, eine vereinzelte Bft 8 kann je nach genauer Entwicklung
auch nicht ausgeschlossen werden. Auch um Rügen kann es eine Bft 7 aus Ost
geben. Nach Westen zu kommt der Wind aus Ost bis Nord und weht deutlich
schwächer.

Die Front verlagert sich vor allem in ihrem Nordteil noch etwas nach Westen, so
dass sie weiter aufsteilt. Bis zum Abend liegt ihr Regengebiet dann in etwa in
einem Streifen von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg. Insgesamt fallen in
dem Frontstreifen bis zum Abend meist unter 5 l/m².

Im Südosten sorgt der Föhn für eine deutliche Labilisierung der unteren
Troposphäre. Zudem gibt es ganz im Osten auch wieder mehr Einstrahlung. In
Zusammenhang mit teilweise auch in der Grenzschicht simulierten Feuchte ergibt
sich rechnerisch etwas CAPE, was aber wahrscheinlich etwas zu stark gedeckelt
ist, so dass die Auslösung von Gewittern eher unwahrscheinlich ist.
Ausgeschlossen werden kann es aber nicht. Dann wären in der recht trockenen
Luftmasse auch durchaus stürmische Böen drin. Auch weiter nach Westen hin, zur
Front, wo generell etwas mehr Feuchte vorhanden ist, ist ein leichter Überlapp
von Labilität und Feuchte denkbar, so dass auch dort Schauer und einzelne
Gewitter in Betracht gezogen werden müssen.

Sonne gibt es am Montag hauptsächlich im Osten, während es in der Westhälfte
weitgehend trüb bleibt. Dies spiegelt sich auch bei den Temperaturen wider, die
im westlichen Bergland (in der kühlen Luftmasse) bei 10°C hängen bleiben,
während es im Osten in der föhnig erwärmten Luft und bei etwas Sonne von
Südostbayern bis ins sächsische Elbtal auch über 20°C mild werden kann.

In der Nacht zum Dienstag schwenkt das Residuum des abgetropften Troges in die
Nordsee. Gleichzeitig zieht das Leetief über Tschechien hinweg in den Bereich
des Riesengebirges. Damit bekommt der Wind in allen Höhenniveaus wieder eine
Westkomponente. Nur an der Ostsee kommt der Wind immer noch aus Ost, rund im
Rügen teils noch kräftig mit einer Bft 7 in Böen in exponierten Lagen.

Die Front kommt aber mit dieser Entwicklung wieder etwas ostwärts voran,
erreicht die Oder aber noch nicht. Vor allem einem breiten Streifen in der Mitte
von Nord bis Süd kann es regnen, meist unter 5 l/m². Etwas mehr kann es im
Einflussbereich des Troges ganz im Norden sein, ebenso kann es an den Alpen, wo
der Föhn zusammenbricht, teils um 10 l/m² regnen. Auch in der östlichen Mitte
kann es, wo die Front auf eine teilweise labilisierte Luftmasse trifft, einige
schauerartige Verstärkungen und hier und da ein Gewitter geben, so dass dort
punktuell auch mal über 10 l/m² fallen.

Im Westen lockern die Wolken in der zweiten Nachthälfte durch starkes Absinken
auf, dort wirken KLA und negative Vorticityadvektion. Bei längeren
Auflockerungen und recht schwachem Wind kann es dort örtlich auch mal Nebel
geben. Dort kühlt es meist auf 6 bis 2°C ab (mit den niedrigsten Werten in der
Eifel, wo es auch Frost in Bodennähe geben kann). Ansonsten werden meist 9 bis
5°C erreicht.

Ein kleines Wort noch zum Saharastaub. Dieser kann mit der südlichen Strömung
schubweise zu uns gelangen und ist mitverantwortlich für die teils dichten hohen
und mittelhohen Wolken. Insbesondere im Vorfeld der Kaltfront in der Nacht zum
Dienstag wird noch einmal ein Schub Staub erwartet, der durch die Regenfälle
dann aber nachfolgend ausgewaschen werden sollte. Rückseitig der Front sollte
dann die Luft wieder klarer werden.

Am Dienstag… schnürt sich aus dem Trogresiduum ein weiteres Höhentief über
Dänemark ab, so dass dort die Progression immer langsamer wird. Zwischen diesem
und dem Höhentief über Tunesien liegt der Norden Deutschlands noch in einer
zyklonal-westlichen Höhenströmung, der Süden gelangt dagegen in geopotentielles
Niemandsland. Bodennah schiebt sich von Westen wieder der Hochdruckkeil herein
und die Reste des ehemaligen Tiefs verabschieden sich als Rinne nach Osten. Der
meist schwache Wind weht dann aus Nordwest bis Nord.

Auch das Regengebiet der Kaltfront kommt weiter nach Osten voran und zieht
weitgehend ab, lediglich im Südosten hält sich noch etwas Regen bis zum Abend.
Abgesehen vom Westen können wieder wenige Millimeter Regen fallen, an den Alpen
und in Schleswig-Holstein auch 5 bis 10 l/m². Insgesamt darf im Osten und Süden
kaum Sonne erwartet werden. Im Westen kann sich zwar tagsüber mal ziemlich viel
Quellbewölkung bilden, am Vormittag und Abend ist es aber sonnig.

Somit kann sich die Luft in der kühlen Luftmasse im Westen (T850 bei 0 bis 3°C)
vielfach auf 15 bis 18°C erwärmen. Auch ganz im Osten sind solche Werte vor
Ankunft des Regens noch möglich. In der Mitte sind es dagegen oftmals nur so 12
bis 14°C.

In der Nacht zum Mittwoch zieht das Höhentief weiter zur westlichen Ostsee.
Bodennah weitet sich der Hochkeil zu uns aus und bildet sogar einen kleinen
Ableger über Deutschland. Somit herrschen ruhige Windverhältnisse. Die letzten
Frontreste am östlichen Alpenrand lösen sich unter Absinken auf, so dass der
Regen aufhört. Etwas dichtere Bewölkung bleibt noch ganz im Norden und am
Alpenrand zurück.

Über der großen Mitte lockert es dagegen weiter auf und es wird vielfach klar.
Bei dem schwachen Wind kann sich aber hier und da ein flaches Nebelfeld bilden.
In den wolkenarmen Bereichen kann es auf 4 bis 0°C abkühlen, in einzelnen
Tallagen der Mittelgebirge gibt es dann auch leichten Frost. Frost in Bodennähe
kann recht verbreitet auftreten. Milder mit etwa 8 bis 4°C bleibt es ganz im
Norden und im Süden unter Wolken.

Modellvergleich und -einschätzung

Bis morgen Mittag gibt es keine größeren Modellunterschiede. Das entstehende
Leetief wird bezüglich Lage und Stärke noch etwas unterschiedlich simuliert,
beim IFS z.B. etwas weiter westlich. Dies impliziert Unsicherheiten bezüglich
des auffrischen Windes im Osten. Ebenso unsicher ist, ob es in der unten etwas
angefeuchteten Föhnluft im Südosten mal zu einem Gewitter reicht, das dann am
Nachmittag auch Potential für einen stürmische Bö hätte. Etwas wahrscheinlicher
ist sicherlich das Auftreten einzelner Gewitter, wenn am Abend und in der Nacht
die Kaltfront vordringt, diese sollten dann abgehoben sein und meist „gelb“
bleiben.

Im weiteren Verlauf werden die Unsicherheiten größer. Die Entwicklung des
Höhentiefs ist noch vollkommen unsicher und damit auch, wie schnell der Regen
nach Osten abzieht (ICON ist schneller als die Konkurrenz). IFS lässt ein
schwaches Höhentief noch länger über Deutschland ziehen, GFS sogar einen
ziemlich fetten Brummer. Nach GFS würde es auch zu ergiebigen Regenfällen in
Schleswig-Holstein reichen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann