#SXEU31 #DWAV250800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Mittwoch den 25.03.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 250800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 25.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Mischung aus TrM (Trog Mitteleuropa) und NWz (Nordwest zyklonal), Richtung
Wochenende eher BM (Brücke Mitteleuropa)
Heute aktive Kaltfrontpassage mit markantem Luftmassenwechsel, Wind/Sturm und
Temperatursturz. Nachfolgend wechselhafter und im Bergland winterlicher. Am
Freitag Zwischenhocheinfluss (OTTO).
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch… steht ganz im Zeichen einer aktiven Kaltfrontpassage mit
nachfolgendem Luftmassenwechsel, der seinen Namen aber mal so was von verdient
hat: arrivederci Subtropikluft (xSp/cSp), benvenuto Polarluft (mP/mA). Es wird
zweifelsfrei ein spürbarer Temperatursturz werden, der uns heute bevorsteht. Und
so wie es aussieht, ist das Thema Kaltluftzufuhr nicht nur eine Eintagsfliege,
sondern wird uns wohl bis weit in die kommende Woche und vielleicht – wer weiß
das schon – noch darüber hinaus beschäftigen. Doch zurück zum Hier und Jetzt, wo
die Kaltfront (KF) bereits am frühen Morgen den Nordwesten hinter sich gelassen
hat (teils gesplittet, wie man schön an der Radarsignatur erkennen kann) und nun
straight ahead ohne Umwege und über Los zu gehen mit 1-2 schmalen Regenbändern
südostwärts schwenkt. Am Nachmittag erreicht sie Nieder- und Oberbayern, so dass
bis zum Abend das ganze Land mit hochreichender und labil geschichteter, aber
nicht allzu feuchter (von Nordwesten Rückgang PPW auf unter 10 mm) geflutet ist.
Der postfrontal unmittelbar folgende Potenzialtrog korrespondiert mit einem
ausgewachsenen thermischen Trog, in dem T500 in der NW-Hälfte bis zum Abend auf
Werte um -35°C, während auf 850 hPa -3/-4°C auf dem Zettel stehen. Mithin also
steile Lapse Rates, die sich in einer regen, teils staffelartig organisierten
Schauertätigkeit mit eingelagerten Graupelgewittern widerspiegelt – ordentlich
was los uff de Gass, und da haben wir noch kein Wort über den Wind verloren.
Der spielt heute nämlich die erste Geige, wie man in Teilen des Lands heute früh
schon eindrucksvoll spüren konnte. Kein Wunder, sind es doch gleich zwei Tiefs
(LIVIA und MARLIES), die beim heutigen Schauspiel die Regie führen. LIVIA,
sozusagen die „Mutter“ und ihres Zeichens steuerndes 975-hPa-Tief, verbringt den
heutigen Tag quasistationär unweit der Lofoten, während „Tochter“ MARLIES
(entstanden aus einer Welle) am Morgen den Skagerrak gen Südschweden passiert.
MARLIES weist auf der kalten Seite einen gut definierten Bodentrog mit
Kommastruktur im Radar auf, der bis heute Mittag zügig das norddeutsche
Flachland ostwärts überquert. Dabei frischt der von SW auf W bis NW drehende
Wind in sehr gut geschertem Umfeld sowie mit Hilfe eines regen Impulstransports
von oben (Höhenwinde 925 hPa um 40 Kt, 850 hPa bis zu 50 Kt) vorübergehend
stürmisch auf mit Böen 8-9, an den Küsten bis 10, vereinzelt sogar 11 Bft.
Hinter dem Bodentrog nimmt der Wind wieder ab, bleibt aber böig und erreicht in
Schauern noch Spitzen 7-8 Bft.
Das zweite Windmaximum (die Hochlagen des Berglands, die je nach Exposition auf
Böen 8 bis 10, Brocken/Feldberg 11 bis 12 Bft kommen, mal außen vor gelassen)
tritt gegen Mittag für ein relativ kurzes Zeitfenster im Süden, grob südlich der
Donau auf, wo mit Annäherung der KF der berühmte Leitplankeneffekt greift.
Heißt, der westlich Winde frischt dort spürbar auf mit Spitzen 8 Bft, teils
sogar 9 Bft, bevor er am Nachmittag schon wieder nachlässt. Für den großen Rest
der Nation gilt, dass der auf W bis NW drehende Wind immer mal wieder böig
aufbrisen kann mit Böen 7 Bft, vereinzelt 8 Bft. Direkt an der Kaltfront und im
Falle eines soliden Graupelgewitters sind sogar glatte Sturmböen 9 Bft nicht
abwegig. Auf der anderen Seite soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass
der Wind allgemein schon am Nachmittag, vor allem dann aber am Abend merklich
nachlässt.
Zurück noch mal zum Niederschlag, wo das Thema „Schnee“ mal wieder in den Fokus
unseres Interesses rückt. So sinkt die Schneefallgrenze bis zum Abend mit der
Kaltluft von NW her ab auf 800 bis 600 m, im Südosten um 1000 m, ganz im Westen
etwa bis zu 400 m. Heißt, die Schauer gehen im Bergland entsprechend in Schnee
über. Aufgrund der guten Durchmischung sowie der eher warmen Vorgeschichte,
dürfte es erstmal nicht für eine nennenswerte Neuschneeakkumulation reichen.
Sollte sich allerdings ein Schauer irgendwo im West-Nordweststau festtackern und
etwas intensiver Ballast abwerfen, könnte es schon kurzzeitig weiß oder
zumindest matschig/rutschig werden. Gleiches gilt übrigens für den Fall eines
kräftigen Graupelschauers/-gewitters.
Bliebe abschließend noch die Würdigung der Temperatur, die präfrontal im Osten
und Südosten nochmal auf 14 oder 15, in Südostbayern vielleicht bis zu 18°C
steigt, bevor es im Tagesverlauf ordentlich was auf die Glocke gibt und wie
bereits zuvor in den anderen Regionen nur noch 8 bis 12°C (in Schauern sinkt die
Temperatur kurzzeitig noch etwas weiter ab) auf der Karte stehen.
In der Nacht zum Donnerstag weitet sich der Trog über die Alpen hinweg weiter
nach Süden aus, wodurch die bereits tagsüber über dem Golf von Genua begonnene
Zyklogenese weiter forciert wird. Derweil zieht unsere MARLIES über Schweden
dicht an der Bottenbusenküste nach Norden. Zwischen ihr und dem nach Osten
verschobenen Azorenhoch stellt sich eine leidliche, durch die Tageszeit aber
gedämpfte nordwestliche, im Norden westliche Grundströmung ein, die nur an der
See sowie im höheren Bergland noch Böen 7-8, in einigen exponierten Hochlagen 9
Bft zulässt. Ansonsten bleibt die Windgeschwindigkeit unterhalb der unteren
Warnschwelle.
Während sich also der Wind gegenüber seinem Tageswerk ganz klar auf dem
absteigenden Aste befindet, gilt das für den Niederschlag nur bedingt. Okay, im
Osten und Nordosten, in Teilen auch in der Mitte (Leelagen) trocknet es soweit
ab, dass nur noch ganz wenige oder gar keine Schauer mehr auftreten. Ansonsten
aber bleibt die Labilität im bzw. unter dem Potenzial- sowie dem thermischen
Trog erhalten, so dass mit Hilfe der Orografie (Stichwort Stau) vornehmlich im
Bergland, aber auch im west-nordwestdeutschen Tiefland zu weiteren Schauern
kommt. Für den Alpenrand, wo sich eine Nord-Nordweststaulage einstellt, ist der
Begriff „Schauer“ eine gehörige Untertreibung, setzen dort doch länger
andauernde bis in die Täler reichende Schneefälle ein. Bis zum Morgen können
dort oberhalb etwa 800 m 3 bis 10, in Staulagen bis zu 20 cm Neuschnee
zusammenkommen. Addiert man die am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag noch
auftretenden schauerartigen Schneefälle dazu, könnten in den Alpen oberhalb etwa
1000 m am Ende durchaus 15 bis 30, in exponierten Staulagen bis zu 50 cm
(„halber Meter“) im Bilanzheft stehen. In lagen darunter ist es weniger, aber
immer noch genug, um von einem späten, aber keinesfalls unnormalen
Wintereinbruch zu sprechen. Prominentester Vertreter nach den Alpen dürfte der
Schwarzwald sein, wo in höheren Lagen bis zum Morgen 5 bis 15 cm, in einigen
Staulagen durchaus bis zu 25 cm zusammenkommen können. Auch abseits dieser
beiden schillernden Gebirge sind gerade im Süden und Westen, im zentralen
Mittelgebirgsraum bis hinüber zum Erzgebirge Schneeschauer bis weit runter
möglich – für eine Schneefallwarnung häufig zu wenig, für eine Glättewarnung
aber allemal genug, zumal lokal auch noch gefrierende Nässe dazukommen kann. So
droht vor allem im Bergland, bei längerem Aufklaren aber auch in tieferen Lagen
leichter Frost bis zu -4°C.
Donnerstag… setzt der Trog südlich der Alpen über Italien respektive der Adria
zum Cut-Off an, während sich das korrespondierende Bodentief (int. Deborah) via
Adria langsam ostwärts in Richtung Balkan orientiert. Wir verbleiben unter dem
Trogresiduum, das aber sowohl von Westen als auch von Osten potenzialtechnisch
in die Zange genommen wird. Besonders im äußersten Westen ist im Tagesverlauf
eine deutliche Stabilisierung erkennbar (Anstieg T500 auf rund -25°C), während
uns sonst die Höhenkaltluft noch erhalten bleibt (T850 -4 bis -8°C, T500 -23 bis
-36°C). Derweil nimmt das Bodendruckfeld zunehmend antizyklonale Züge an, was
vornehmlich dem KLA-bedingten Druckanstieg zu verdanken ist. So scheibt sich von
Westen her ein Azorenhochkeil zu uns herein, der den Namen OTTO trägt und sich
sogar bis zum östlichen Mitteleuropa vorwagt, um dort quasi das „Adriatief“ von
der Lappland ansteuernden MARLIES trennt.
Wettertechnisch scheint es morgen am besten der Begriff „Aprilwetter“ zu
treffen, stellt sich doch landesweit wechselnde Bewölkung ein, aus der sich
immer wieder Regen-, Schneeregen-, Graupel-, im Bergland durchweg, im Flachland
bei ausreichender Intensität Schneeschauer entwickeln. Kurze Graupelgewitter
sind ebenfalls zu erwarten, auch wenn aufgrund der recht trockenen Polarluft
(PPW nur 5 bis 8 mm) kaum CAPE vorhanden ist. Nach Osten und Nordosten zu ist
die Schaueraktivität u.a. durch Skandenföhn gedämpft, Gleiches gilt für die
Leelagen des Bergland. Dafür kannŽs gerade im Luv durchaus mal etwas kräftiger
zur Sache gehen, auch wenn der Ergiebigkeit durch den geringen Wasserdampfgehalt
der Luftmasse natürlich Grenzen gesetzt sind. Am meisten geht diesbezüglich
weiterhin an den Alpen, wo immer wieder Schauer gegen die Berge gedrückt werden
und in Summe weiter 5 bis 10, in Staulagen bis zu 15, vereinzelt vielleicht 20
cm abladen.
Wind gibtŽs auch wieder, wenn auch längst nicht in dem Maße wie heute. Betroffen
vor allem die höheren Alpengipfel, wo sich die Nähe zum „Adriatief“ bemerkbar
macht. Böen 9 bis 10 Bft sind dort keine Seltenheit. Darüber hinaus sind der
Norden und Nordwesten betroffen, wo der NW-Wind insbesondere, aber nicht
ausschließlich in Schauern spürbar aufmuckt mit Böen 7 bis 8 Bft. Wind hin, Böen
her, mit 6 bis 9°C, im Bergland sowie an den Alpen 1 bis 4°C und in höheren
Lagen sogar leichtem Dauerfrost wird der morgige Donnerstag ein verdammich
kühler Tag, wohl der kühlste der Woche.
In der Nacht zum Freitag steigen Luftdruck und Potenzial weiter an, so dass die
eingeflossene Polarluft nicht nur zur Ruhe kommt, sondern auch weiter
stabilisiert. Schauer werden immer seltener, lediglich an den Alpen bleiben sie
staubedingt als treue Seelen unterwegs, wenn auch mit abnehmender Intensität (5
bis 10, vereinzelt bis 15 cm innert 12 h). Zwar halten sich noch einige
Restwolken, gleichwohl lockert bzw. klart es vielerorts auf, was die Temperatur
verbreitet in den leichten, stellenweise (nicht nur im Bergland) mäßigen
Frostbereich rauschen lässt. Sollten Beläge von den Tagesniederschlägen noch
nicht abgetrocknet sein, besteht lokal die Gefahr gefrierender Nässe. Frostfrei
bleibt es voraussichtlich nur direkt an den Küsten sowie im nördlichsten
norddeutschen Flachland.
Freitag… schlägt der mittlerweile wuchtige Azorenhochkeil eine Brücke zum Hoch
über Russland. Und auch in der Höhe wird das Setup immer antizyklonaler, weil
das Trogresiduum „zugeschüttet“ wird und sich sogar eine zaghafte
Potenzialbrücke aufbaut. Die Mitteltroposphäre wird deutlich wärmer (T500 nur
noch -20 bis -24°C), während es niedertroposphärisch noch ziemlich kalt bleibt
(T850 am Morgen um -7°C, am Abend um -5°C). Etwas milder wird die unterer
Troposphäre im Nordwesten, was der Annäherung einer Warmfront geschuldet ist.
Sie gehört zu einem Sturmtief (NGA) bei Island und nähert sich von der Nordsee
her den Küsten Niedersachsens und Schleswig-Holsteins. Dort zieht im
Tagesverlauf stratiforme und zunehmend dichte Bewölkung auf, wobei der Begriff
„dicht“ doppelte Bedeutung besitzt – es bleibt bis zum Abend trocken.
Diese Aussage trifft auch auf den großen Rest der Republik zu, wenn man mal
letzte Schneeschauer am Vormittag am Alpenrand in den Skat drückt. Sonst bleibt
es im Süden und Südosten noch längere Zeit wolkig, während sonst vielerorts die
Sonne scheint. Tagesgangbedingt bilden sich aus der labilen Grundschicht heraus
(Inversion zwischen 900 und 800 hPa) einige Quellungen, die hier und da auch mal
breitlaufen können. Häufig sprechen wir aber von heiter bis wolkigen Bedingungen
mit Tageshöchstwerten zwischen 5 und 10°C, im Westen stellenweise etwas darüber,
im Bergland sowie im Alpenvorland mit 1 bis 5°C darunter. Der Wind spielt keine
große Rolle, lediglich über der Deutschen Bucht frischt er vor der Warmfront aus
Südwesten kommend böig auf. Ob das schlussendlich in eine kleine Warnung mündet
(Helgoland, Küste SHs), bleibt abzuwarten.
In der Nacht zum Samstag greift das zunehmend okkludierende Frontensystem von
NGA auf den Westen und Norden über. Mit dabei ein stratiformes
Niederschlagsgebiet, das überwiegend Regen, beim Erreichen der Mittelgebirge
aber auch etwas Schnee bringt. Nicht ausgeschlossen, dass am Vorderrand des
Gebietes auch im Tiefland mal ein paar Flocken fallen. Zudem frischt der
Südwestwind nun an der Nordsee tatsächlich soweit auf, dass die ein oder andere
Böe 7 Bft auftritt. Aber nur für kurze Zeit, denn mit Durchgang der Okklusion
und nachfolgender Winddrehung auf Nordwest ist der Spuk auch schon wieder
vorbei.
In der SO-Hälfte verläuft die Nacht gering bewölkt oder klar mit leichtem bis
mäßigem Frost.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren die Lage sehr ähnlich. Kleinere Unterschiede halten sich
im Rahmen handelsüblicher Prognoseunschärfen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann