#SXEU31 #DWAV210800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Samstag den 21.03.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 210800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 21.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: BM (Brücke Mitteleuropa)
Heute Kaltlufttropfen über dem Süden Deutschland. Ab morgen Hochdruckeinfluss.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
Samstag… erstreckt sich eine ausgedehnte Hochdruckzone von Großbritannien über
Nord und Ostsee bis nach Ostrussland und beeinflusst im Bodendruckfeld auch
Mitteleuropa. Die ostwärts Ausdehnung dieses Hochdruckgebietes hat an seiner
Südostseite einen großen Cut-off verursacht. An dessen Nordwestende zieht
derzeit ein Kaltlufttropfen (KLT) an der Südflanke des Bodenhochs durch die
östliche Strömung rasch westwärts. In den nächsten Stunden überquert er
Tschechien und zieht am Nachmittag nach Süddeutschland. Damit verbunden ist
schauerartig verstärkter Niederschlag, der bereits auf den Süden Deutschlands
übergreift. Mit dem Vorankommen des KLT zerfällt dieses Niederschlagsgebiet im
Tagesverlauf in Schauer, die über die Südhälfte und die Mitte ziehen. Sie
treffen auf eine ausgeprägte Inversion in etwa 700 hPa. Dennoch simuliert
ICON-D2 bis zu 100 J/kg MU-CAPE unterhalb der Inversion, was für einzelne Blitze
reichen sollte. Von der guten Deep-Layer-Scherung können potenzielle Gewitter
jedoch nicht profitieren, da der Wind erst oberhalb der Inversion zunimmt.
Aufgrund der langsamen Zuggeschwindigkeit kann die Starkregenschwelle von 15
mm/h punktuell überschritten werden. Zumindest deuten die Lokalmodelle darauf
hin. Dies sollte aber eher die Ausnahme sein.
Bei 850-hPa-Temperaturen liegt die Schneefallgrenze derzeit in den östlichen
Mittelgebirgen bei etwa 800-1000 m, sie steigt jedoch auf etwa 1100 m an.
Der Norden Deutschlands wird antizyklonal beeinflusst. Dort hält sich noch
dichter Hochnebel unterhalb einer Absinkinversion auf 900 hPa. Dieser wird
voraussichtlich erst ab dem späten Vormittag von Osten her aufgelöst und hält
sich damit zäher als von ICON-D2 vorhergesagt.
In der eingeflossenen kontinentalen Subpolarluft steigen die Temperaturen bis
auf 16 Grad im Westen und bis auf 12 Grad im Osten.
In der Nacht zum Sonntag zieht die Achse des KLT mit der höhenkältestenn Luft
(bis -29 °C auf 500 hPa) über den Süden Deutschlands hinweg. Dennoch lassen die
Schauer durch die Stabilisierung der Grenzschicht allmählich nach. Sie
konzentrieren sich auf den Südwesten. Von Osten her lockert es etwas auf. Ganz
so wolkenfrei, wie von ICON-D2 simuliert, wird die Nacht im Süden dann
voraussichtlich nicht verlaufen. ICON-D2 hat die Schwäche, dass tief Wolken nach
Sonnenuntergang zu schnell aufgelöst werden. Im Norden bleibt es unter dem
Einfluss des Höhenkeils und des Bodenhochs klar oder locker bewölkt. Dort bildet
sich wieder gebietsweise Nebel, der aber nicht die Ausmaße der Vornacht annimmt.
Frost bis -4 °C gibt es vor allem in der Osthälfte. An der Ostflanke des KLT
nimmt der bodennahe Gradient zu, sodass sich im Laufe der Nacht ein schwacher
Low-Level-Jet aus Südost bildet. Auf den Berggipfeln des Bayerischen Waldes
werden daher stürmische Böen simuliert.
Sonntag… kommt das ausgedehnte Höhentief zum liegen und erstreckt sich von
Frankreich über Italien bis nach Südosteuropa. Sein Kern liegt dabei über
Oberitalien. Währenddessen hält sich die Hochdruckbrücke über dem Norden
Deutschlands. Der Süden wird in der Höhe noch zyklonal beeinflusst. Dies hat
jedoch kaum Auswirkungen, da hier das Absinken des Bodenhochs greift und zudem
von Osten her trockenere Luft einfließt. Somit ziehen im Süden und im Osten
allenfalls ein paar flache Cumuluswolkenfelder durch, während es im Norden unter
dem Höhenkeil überwiegend sonnig bleibt. Die eingeflossene kühle Kontinentalluft
erwärmt sich weiter, sodass die Höchsttemperaturen auf 12 bis 16 Grad steigen.
Der etwas kräftigere Wind in den ostbayerischen Mittelgebirgen mit stürmischen
Böen auf den Gipfeln hält an.
In der Nacht zum Montag zieht ein Kurzwellentrog von Schottland nach Dänemark
und schwächt damit die Hochdruckbrücke über Norddeutschland. Sie löst sich
allerdings nicht auf. Der Nordwesten Deutschlands wird dabei von den Resten
einer Kaltfront eines Tiefs über der norwegischen See erfasst, die auf die
Hochdruckbrücke trifft, sich weiter abschwächt und nur noch mit überwiegend
hoher Bewölkung in den Nordwesten zieht. Ansonsten wird die Nacht klar und teils
frostig mit örtlichem Nebel.
Montag… zieht der Trog nach Osten ab, von Westen stößt ein neuer Höhenkeil des
Azorenhochs nach Mitteleuropa vor. Seine Achse legt sich erneut über
Norddeutschland. Dadurch wird die Hochdruckbrücke regeneriert. Das ausgedehnte
Höhentief über Südosteuropa beginnt sich langsam aufzufüllen. Sein Schwerpunkt
verlagert sich auf den Balkan, er behält aber in der Höhe noch seinen Einfluss
auf den Südosten Deutschlands. Außer Cumulusbewölkung und eventuell leichter
Schauer im Bayerischen Wald sowie in den Alpen hat dies keine Auswirkungen. Im
Norden bleibt es unter dem Höhenkeil, abgesehen von hohen Wolkenresten, sonnig.
Durch Absinken und Einstrahlung erwärmt sich die Luft weiter, sodass bei
850-hPa-Temperaturen um 1 °C am Nachmittag 13 bis 17 °C erreicht werden.
In der Nacht zum Dienstag kippt die Achse des Höhenkeils weiter nach Süden. Die
korrespondierende Hochdruckbrücke verlagert sich weiter nach Süddeutschland.
Dadurch setzt im Nordwesten stärkere WLA ein. Unter zunehmend leicht zyklonalem
Einfluss ziehen dort mittelhohe Wolkenfelder auf. Ansonsten wird die Nacht
locker bewölkt oder klar. Dabei gibt es vorwiegend in der Südosthälfte wieder
verbreitet leichten Frost.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modellsimulationen sind ähnlich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold