#SXEU31 #DWAV130800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Freitag den 13.03.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 130800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 13.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TrW (Trog Westeuropa, zu Wochenbeginn Übergang zu BM (Brücke Mitteleuropa)
Durchgang einer schleifenden/wellenden Kaltfront mit Niederschlägen, im Bergland
in Schnee übergehend. Zum Sonntag hin leichter Zwischenhocheinfluss.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag… der dreizehnte, was dürfen wir da vom Wetter erwarten? Nun, nach dem
Zwischenhoch vom gestrigen Donnerstag steht heute die nächste Kaltfront auf dem
Programm. Wenn man so will sorgt die Kaltfront heute für eine Zweiteilung des
Wetters hier bei uns in Deutschland: Südosten hui, Nordweset pfui so die
zugegeben etwas flapsig formulierte Kurzformel, denn aufkommender Regen im
Frühjahr ist nicht selten Segen statt „pfui“, aber gut, bleiben wir bei den
Fakten. Und die zeigen uns knapp östlich von Island das hochreichende und
zentralsteuernde Tief FRITAUN, in der Nacht mit stolzer 960-hPa-Kerinisobare
analysiert. Ausgehend vom bis in die obere Troposphäre reichenden Höhentief
erstreckt sich ein breiter Potenzialtrog nach Süden bis etwa zur Biskaya. Im
Tagesverlauf weitet sich der Trog durch rückseitig einlaufende KW-Anteile noch
weiter nach Süden aus, was auf Kosten seiner Wellenlänge geht. Mit der
Progression hatŽs der Trog nicht so, er kommt eher von der gemütlichen Seite, so
dass wir zunächst auf der Vorderseite bleiben bei leicht rückdrehender
südwestlicher Höhenströmung. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass
auch die Kaltfront alles andere als dynamisch daherkommt. Stattdessen ist
Schleifen und Wellen angesagt, wie das auf Vorderseiten träger Tröge so üblich
ist.
Kommen wir also zum Wetter des heutigen Tages, das dem präfrontalen Süden und
Osten – nach Auflösung der obligaten Nebelfelder (vor allem SO-Bayern/Bodensee)
- Žne Menge Sonnenschein beschert, bevor zum Nachmittag und Abend so langsam die
frontale Aufzugsbewölkung (erst hoch, dann mittelhoch) Einzug hält. An den Alpen
wird es leicht föhnig (Anstieg T850 8-9°C), ohne dass der Föhn wirklich
durchbricht. Thermisch gehtŽs hoch auf Höchstwerte zwischen 14 und 18°C. So warm
wird es im Norden und Westen nicht, genau genommen stehen 10 bis 16°C, im Norden
und Westen von SH teils weniger (Wind von der Nordsee) auf der Karte, auch wenn
der eigentlich Luftmassenwechsel auf sich warten lässt. Schon heute Früh ist von
der Nordsee und Benelux mehrschichtige Bewölkung reingezogen, die sich nun ganz
allmählich ost-südostwärts vorarbeitet. Noch im Laufe des Vormittags fängt es
zwischen Nordfriesland und Niederrhein an zu regnen, wobei dem eigentlichen
frontalen Regenband noch eine kleine fragile Schauerlinie vorgelagert ist. Bis
zum Abend kommt der Regen etwa bis zu einer Linie Rügen-Harz-Pfälzer Wald voran,
wobei westlich davon nicht selten 5 bis 10, in Staulagen lokal bis zu 15 l/m²
innert 12 h fallen.
Im Blickpunkt des Warngeschehens steht heute der südliche bis südwestliche,
später mehr auf Südwest bis West drehende Wind. Nicht nur dass der Gradient
vorübergehend anzieht. Zusätzlich notieren wir – klassisch möchte man hinzufügen
- ein präfrontales Starkwindband in der unteren Troposphäre, das je weiter es
landeinwärts geht an Stärke verliert. Anfangs werden aber auf 925 hPa bis zu 50,
auf 850 hPa bis zu 60 Kt angeboten, was natürlich nicht ganz spurlos an der
Windentwicklung in tieferen Luftschichten vorbeigeht. Kurzum, in der Nordhälfte
(östliche Mitte gebietsweise ausgenommen) sowie im südwestlichen Bergland frisch
der Wind soweit auf, dass er in Böen Stärke 7 Bft, in den Mittelgebirgen + deren
Leelagen sowie an der Nordsee bis nach SH rein 8-9 Bft erreicht. Den Vogel
schießt einmal mehr der Brocken ab, wo es für Böen bis Orkanstärke 12 Bft
reicht. Bereits ab Mittag nimmt der Wind von Nordwesten her fortschreitend im
Zuge eines deutlich aufweichenden Gradienten (Frontpassage + Welle) wieder ab.
In der Nacht zum Samstag kommen Front und zugehöriger Niederschlag nur sehr
zögerlich südostwärts voran. Die Höhenströmung steilt noch ein bisschen mehr
auf, zudem ziehen ein oder vielleicht sogar zwei kleine Wellen entlang der Front
nordostwärts. Das alles trägt nicht gerade zur Progression des Ganzen bei und so
bleibt es von Oberschwaben respektive dem Alpenrand bis hoch zum Erzgebirge bzw.
zur Lausitz bis zum Frühstück (vorausgesetzt, man nimmt dieses nicht erst gegen
Mittag ein) noch trocken. Ansonsten fällt in weiten Landesteilen stratiformer
Dauerregen, mitunter auch mal mäßiger Intensität, so dass gerade in den
westlichen und zentralen Mittelgebirgen sowie dem Harz durchaus mal 10 bis 15
l/m² innert 12 h zusammenkommen können. Berücksichtigt man, dass es auch am
morgigen Samstag in einigen Regionen noch weiterregnet, sind punktuell Mengen um
oder etwas über 30 l/m² in 24 bis 30 Stunden denkbar, womit wir uns formal an
der unteren Schwelle für markanten Dauerregen bewegen. Eine Warnung drängt sich
aber nicht auf, weil erstens zu kleinräumig, zweitens eine trockene
Vorgeschichte vorliegt und drittens – aufgepasst – die Schneephase zusehends ins
Spiel kommt. In der postfrontal einströmenden polaren Meeresluft (mP) geht T850
im Westen und Nordwesten auf rund -3°C zurück. Und da die Front aufgrund ihrer
weitgehend höhenströmungsparallelen Exposition Anacharakter aufweist, fällt ein
Teil der Niederschläge in der kalten Luft. Dort sinkt die Schneefallgrenze je
nach Intensität auf 600 bis 400 m, so dass in höheren Lagen bis zum Morgen
zumindest etwas Schneematsch oder Nassschnee die Landschaft und Straßen säumt.
Ansonsten bliebe nur noch zu konstatieren, dass es im Nordwesten abtrocknet, der
Wind nur noch in einigen exponierten Hochlagen spürbar ist, im Südosten Bayerns
nur lokal Nebel auftritt und in Niederbayern sowie am östlichen Alpenrand
nochmal leichter Frost auftreten kann.
Samstag… nähert sich der Trog langsam aber sicher dem Vorhersageraum an, wobei
er seine Schlankheitskur gnadenlos fortsetzt. Bis zum westlichen Mittelmeer
reicht er zur Mittagszeit, wo er spätestens am Sonntagmorgen abtropft. Zuvor
dreht bei uns die Höhenströmung noch etwas zurück auf fast (ein bisschen fehlt
noch) glatt Süd. Über dem Ligurischen Meere wird zuvor eine Zyklogenese
angestoßen, die mithilft, die Front vor allem in ihrem Südteil weiter
zurückzuhalten. Trotzdem schafft sie es, Kilometer für Kilometer nach Osten hin
gutzumachen, auch wenn die Schleifmaschine weiterhin im Einsatz ist. Schaut man
sich T850 am Abend an, so ist nur noch ein schmaler Streifen etwa von
Niederbayern bis hoch zum Oderhaff leicht im Plus. Ansonsten hat sich maritime
Polarluft (mP) mit T850-Werten zwischen -1 und -5°C durchgesetzt, was in Bezug
auf das Niederschlagsgeschehen nicht eines gewissen Charmes entbehrt.
Denn es kommt auch am morgigen Samstag zu weiteren Niederschlägen, teils frontal
und dort überwiegend auf der kalten Seite (Süden bis hoch in den Nordosten),
teils trogvorderseitig, ausgelöst durch ein mehr als solides PVA-Maximum. Die
Schneefallgrenze sinkt in der Meereskaltluft auf 1000 bis 600 m, im Westen je
nach Intensität (sowohl Hebungs- als auch Niederschlagsabkühlung sind nicht ohne
=> Isothermie nahe dem Gefrierpunkt) noch darunter. Es sollte uns also nicht
völlig überraschen, wenn irgendwo in der Eifel oder auch im Südschwarzwald 5 bis
10 cm, in den höchsten Lagen vielleicht noch etwas mehr Neuschnee runterkommen
würden. Ansonsten dürften die Neuschneemengen meist nur wenige Zentimeter
betragen. Auflockerungen oder Aufhellungen, vielleicht etwas Sonne und nur wenig
bis keinen Niederschlag gibt es an den äußeren Rändern, sprich, etwa vom Emsland
über die Nordsee bis hoch in den Norden SHs sowie von Südostbayern über das
Osterzgebirge/Zittauer Gebirge bis hoch zu Lausitz. Dort, also im Südosten, wird
es auch noch mal richtig mild mit bis zu 16, vielleicht 17°C, während sonst nur
noch verbreitet 5 bis 10, im höheren Bergland wenig über 0°C auf dem Zettel
stehen.
In der Nacht zum Sonntag steigt der Luftdruck von Westen her, wodurch die Front
endgültig aus Deutschland rausgedrückt wird. Damit wird auch der letzte Schluck
Warmluft im äußersten Südosten durch maritime Polarluft ersetzt. Vor allem im
Süden und Osten, bedingt auch im Nordwesten fällt noch Niederschlag, oberhalb
400 bis 700 m als Schnee ohne größere Akkumulation. Im Westen sowie in den
Mittelgebirgen gibt es leichten Frost, mögliche Glätte durch gefrierende Nässe
inklusive.
Sonntag… aus innerbetrieblichen Gründen nur in Kürzestform: am Boden
Zwischenhocheinfluss (Azorenhochkeil), in der Höhe Passage des Trogresiduums =>
in der SO-Hälfte wolkig bis stark bewölkt, hier und da noch etwas Niederschlag
(marginal). In der NW-Hälfte heiter bis wolkig, erst in der Nacht die nächste
Front (Okklusion) mit zeitweiliger Windauffrischung und aufkommendem
Niederschlag (im Bergland teils als Schnee).
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren die Entwicklung ähnlich, was die üblichen Unschärfen
(Intensität, Raum und Phase des Niederschlags, Schneefallgrenze) freilich nicht
auflöst.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann