SXEU31 DWAV 090800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 09.03.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWa (Südwest antizyklonal)

Allmählicher Potenzial- und Druckverlust, vom Atlantik zusehends zyklonaler.
Dabei heute und morgen erste zaghafte Töne auf der konvektiven Klaviatur.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag… zeigt Deutschland auf den ersten Blick unter dem westlichen Drittel
eines breiten Höhenrückens, der weite Teile Mitteleuropas umspannt und im Osten
bis Westrussland, der Ukraine und dem Schwarzen Meer reicht. Erst beim zweiten
Blick, quasi unter Zuhilfenahme eines Elektronenmikroskops sowie deutlich
höherer Auflösung der Isohypsenabstände, fällt auf, dass der Rücken durch eine
von Polen bis zum Balkan verlaufende Potenzialrinne in zwei Teile geteilt ist.
Das ist zwar nicht von ganz großer Bedeutung, da das gesamte Strömungs- bzw.
Windregime derart schwach aufgestellt sind, dass kaum Bewegung und somit auch
kaum Advektion oder irgendwelche dynamischen Aktivitäten von Belang stattfinden.
Gleichwohl zeigt es uns, dass der uns nun schon seit Tagen begleitende und nach
außen hin so potente Rücken erste kleine Schmerzpunkte bekommt. Und ihr werdet
sehen, die Einschläge nehmen zu und kommen näher, sprich, die Wahrscheinlichkeit
ist hoch, dass es in der unmittelbar bevorstehenden zweiten Märzwoche zu einem
Wetterlagenwechsel kommt. Vor allem über Westeuropa sowie dem nahen Atlantik
wird mächtig „gekratzt und gebissen“, um den Rücken alsbald ins Land der Träume
zu schicken. Aktuell allerdings tropft der knapp westlich von UK/Irland
positionierte Trog erstmal über dem Nordwesten der Iberischen Halbinsel ab, was
durchaus als Zeichen noch vorhandener Blockierungsstärke des Rückens zu werten
ist. Zumal es das nördliche Trogresiduum heute nicht schafft, nennenswert nach
Osten voranzukommen.

Dass wir heute trotzdem schon über andere Dinge reden müssen als nur Sonne,
Cirren, Saharastaub und hohe Tagestemperaturen, hat einen anderen Grund.
Zwischen dem inzwischen weit nach Osten abgewanderten Hoch KONRAD und einer
breiten Rinne über Westeuropa sickert (strömen wäre deutlich übertrieben) etwas
feuchtere Luft vornehmlich in den Westen und Südwesten ein. Die Taupunkte –
bisher meist unter 5°C – gehen hoch auf 6,7, vielleicht 8°C, das PPW nähert sich
oder überschreitet gar knapp die 15mm-Marke. Hinzu kommt eine leichte
Labilisierung der subtropischen Luftmasse (das Label xS würde der Verfasser
trotz der leichten Anfeuchtung noch beibehalten), zum einen durch den Tagesgang
und die damit verbundene diabatische Erwärmung. Zum anderen durch leichte
Abkühlung der mittleren und leichte Erwärmung der unteren Troposphäre, auch
wennŽs nicht viel ist. Kurzum, es verwundert nicht, dass uns die Modelle für
heute Nachmittag im Süden und Westen an der ein oder anderen Stelle etwas CAPE
anbieten, dass mindestens mal für die Auslöse einiger orografisch getriggerter
Schauer reicht. Bei einer bis maximal 600 hPa reichenden Labilitätsfläche
(darüber deutlicher Trockeneinschub) und einer Wolkenoberkantentemperatur um
-12/-13°C kann sogar ein vereinzeltes Gewitter nicht ganz ausgeschlossen werden.
In der Favoritenstellung die alten Haudegen konvektionsfördernder Mittelgebirge,
namentlich der Schwarzwald und die Schwäbische Alb. Aber auch die
rheinland-pfälzischen Erhebungen sind nicht ganz raus aus der Verlosung, auch
wenn Vieles zusammenpassen muss. Da die Gewitter im seltenen Fall der Fälle
aufgrund der luschigen Strömung in die Kategorie „Stehburger“ fallen, kann
selbst Starkregen um 15 l/m² nicht völlig ins Reich der Fabel verbannt werden.

Jetzt reicht es aber mit den Ausnahmen, denn das hauptsächliche Wetter des
heutigen Montags dreht sich nicht um Schauer und potenzielle Gewitter, sondern
wird – nach Auflösung der obligatorischen Nebelfelder (Bayern) – von viel
Sonnenschein sowie einigen Cirren oder auch Quellungen geprägt. Dabei bleibt es
bezogen auf die große Fläche fast überall trocken. In Ostsachsen, genauer im und
am Osterzgebirge sowie dem Zittauer Gebirge muckt der Süd-Südostwind trotz
geringer Druck- und Temperaturgegensätze zwischen dem Böhmischen Becken und dem
deutschen Erzgebirgsvorland mit stark böig auf, um spätestens im Laufe des
Nachmittags aber schon wieder die weiße Fahne zu hissen. Dazu verbreitet 13 bis
20°C mit den höchsten Werten im Westen und etwas niedrigeren Werten (um 10°C) an
Küstenabschnitten mit auflandigem Wind.

In der Nacht zum Dienstag ändert sich nicht allzu viel an der großräumigen
Konstellation. Die Szenerie bleibt gradientschwach, außerdem dreht die Sonne den
Energiehahn ab. Bedeutet für mögliche Abendkonvektion, dass diese relativ bald
zusammenfällt. Somit wird die Nacht zum wiederholten Male von einem gering
bewölkten oder klaren Himmel geprägt, abzüglich freilich der obligaten
Nebelfelder in den Tälern, Senken und Flussniederungen der Mitte und des Südens.
Ach ja, nicht zu vergessen, auch der Nordwesten zeigt sich wie bereits schon in
der Vornacht nebelanfällig. Mit leichtem West- bis Nordwestwind wird entweder
Seenebel von der Nordsee landeinwärts gesteuert oder es bildet sich
Strahlungsnebel. Nicht zuletzt wegen der wenn auch nur schleichend
vorankommenden Anfeuchtung der Luft nimmt die Frostwahrscheinlichkeit gegenüber
den Vornächten ab. Gleichwohl blinkt auch morgen früh im Süden und Osten sowie
in der Mitte das Minuszeichen auf, wenn auch meist nur in den sogenannten
Kältelöchern und ungünstigen Lagen.

Dienstag… wird der westliche, bei uns platzierte Teil des Rückens mächtig in
die Zange genommen. Über Polen will die o.e. Potenzialrinne nicht so richtig
weichen und von Westen nähert sich nun doch das Residuum des abgetropften
Troges. Angeführt wird dieses Residuum von einer schwachen, aus thermischer
Sicht kaum als solche zu bezeichnenden Kaltfront eines Tiefdrucksystems hoch
oben zwischen Barentssee und Jan Mayen. Im Grunde markiert die „Front“ eine auch
nicht gerade üppig prosperierende dry-line, die in Verbindung mit dem auf
Südwest drehenden und geringfügig auflebenden Wind feuchtere und potenziell
instabile Subtropikluft in den Westen und Norden steuert (mSp). PPW geht hoch
auf 15 bis 20 mm, was mit Hilfe des Tagesgangs der CAPE-Produktion zugutekommt.
Je nach dem steht zum Nachmittag hin etwa 50 bis 300 J/kg konvektionstaugliche
Energie zur Verfügung, die mit Hilfe des Residuums und der Pseudofront, besser
deren Hebungsinput, in zahlreiche Schauer und einzelne Gewitter umgewandelt
wird. Dabei sind aber noch ein paar Fragen offen. Reicht es angesichts des
vergleichsweise hohen PPWs, aber auch vorhandener Strömung und damit Zug der
Zellen für lokalen Starkregen? Möglich, lautet die Antwort. Zweite Frage, wie
weit greifen die Schauer und Gewitter nach Osten aus? Sind bis zum Abend z.B.
auch Thüringen und Sachsen-Anhalt betroffen (u.a. ICON-D2) oder läuft das Ganze
eher defensiver ab? Auch die Frage, was über dem süddeutschen Bergland so geht
(Schwarzwald, Alb, aber auch Bayerischer Wald), lässt sich noch nicht
abschließend belastbar beantworten.

Was man sagen kann, dass die Sonnenanteile weniger und die Wolkenanteile mehr
werden gegenüber den Vortagen. Das heißt aber nicht, dass nicht auch morgen
ausreichend die Sonne zum Zuge kommt, vor allem im Süden. Nur besitzt sie kein
Alleinstellungsmerkmal mehr und im Norden muss der südwestliche Wind erstmal die
üppigen Nebel- und Hochnebelreste aus der Nacht auflösen respektive auf das Meer
sowie nach Südskandinavien abschieben, was dauern kann. Das macht sich dann auch
bei der Temperatur bemerkbar, die hoch im Norden keine 15°C und direkt an der
See lokal nicht mal 10°C erreicht. Ansonsten stehen aber einmal mehr 14 bis 20°C
auf der Karte.

In der Nacht zum Mittwoch kommt der kleine KW-Trog bis in die Osthälfte des
Vorhersageraums voran. Die vorgeschaltete Pseudo-Kaltfront löst sich zuvor
zumindest in ihrem Südteil auf. Trotzdem arbeiten sich noch einige Schauer bis
in den Osten und Nordosten voran, während es im Südosten voraussichtlich trocken
bleibt. Tagesgangbedingt nimmt die Gewitterwahrscheinlichkeit ab. Was sonst noch
bleibt ist ein unterschiedlich bewölkter Himmel mit einigen größeren Lücken.
Nebel bildet sich am ehesten im Südosten (Bayern), wo es vorzugsweise zwischen
dem Bayerischen Wald und dem östlichen Alpenrand lokal auch noch mal leichten
Frost geben kann. Derweil stehen im Westen und Nordwesten stellenweise
Tiefstwerte nahe der 10°C.Marke auf dem Zettel.

Mittwoch… kommt kurzfristig zwar noch mal ein Mini-Höhenkeil oder gerne auch
Schmalspurrücken zu uns rein, bevor die nächste Trogattacke erfolgt. Diese wird
angeführt von einer „richtigen“ Front, einer Okklusion mit Kaltfrontcharakter,
die zu einem zwischen Island und Schottland zur Norwegischen See ziehenden
Sturmtief (FRITAUN) gehört. Zwar wird der Trog von mitteltroposphärischer KLA
überlaufen, er ist aber so scharf geschnitten und verfügt über eine stark
diffluente Vorderseite, dass die KLA von PVA überkompensiert und dynamische
Hebung generiert wird. Hinzu kommen noch frontale Hebungsimpulse sowie eine
Rechtsdrehung des Windes in der unteren Troposphäre, was dort den Tatbestand der
WLA erfüllt. Am Ende greift seit langer Zeit mal wieder ein flächiges
Regengebiet auf die gesamte Nordwesthälfte über, das im Westen gebietsweise 5
bis 10, in Staulagen lokal vielleicht etwas mehr innert 12 Stunden in die Töpfe
und auf die Flächen spült. Im Süden und Osten bleibt es bis zum Abend abgesehen
von einzelnen orografisch getriggerten Schauern (Gewitter???) trocken und
vielfach heiter. Dabei steigt die Temperatur nochmal auf 14 bis 19°C, während
man sich sonst mit 10 bis 15°C, in höheren Lagen nur einstellig begnügen muss.

Etwas stärker in den Fokus rückt der Wind, der aus Südwesten kommend vornehmlich
präfrontal zeit- und gebietsweise (diese Formulierung gilt als die Königin
meteorologischer Allgemeinphrasen) ruppig auffrischt mit steifen Böen 7 Bft,
exponiert 8 Bft. Das Wann und Wo genau ist tatsächlich noch nicht belastbar
einzugrenzen. Wir können aber davon ausgehen, dass die Nordseeküste ebenso am
Start ist wie die meisten Mittelgebirge inkl. deren Leelagen. Ob es auch ein
paar Niederungen und Tiefen des Nordens und der Mitte auf die Warnkarte
schaffen, bleibt abzuwarten. Auf alle Fälle ist die Wahrscheinlichkeit hoch,
dass es der Brocken auf Sturmstärke bis zu 9 Bft bringt – man kenntŽs.

In der Nacht zum Donnerstag kommt die Front südostwärts voran und bringt den
Regen damit auch in den Osten und Südosten der Republik. Noch nicht ganz sicher
ist, ob sie dabei im Süden, wo der zeitgleich vorrückende Trog in die Länge
gezogen wird, eine kleine Welle schlägt, was die Niederschlagsintensität erhöhen
würde. Aber auch ohne Welle reicht es südlich der Mainlinie gebietsweise für 5
bis 10, in Staulagen vereinzelt bis zu 15 l/m² bis Donnerstagfrüh. In den Alpen
sinkt die Schneefallgrenze von West nach Ost auf unter 1500, aber nicht unter
1000 m ab.

In der postfrontal einfließenden subpolaren Meeresluft (mPs; Rückgang T850 bis
zu -2°C) lockert die Wolkendecke zwar auf, trotzdem bleibt es weitgehend
frostfrei. Auch spielt der Wind abgesehen von einigen wenigen exponierten
Hochlagen (z.B. Brocken) keine Rolle mehr.

Modellvergleich und -einschätzung

Abseits der üblichen Prognoseunschärfen simulieren die Modelle den Abbau des
Hochdruckeinfluss und die Übergriffigkeit atlantischer Systeme sehr ähnlich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann