#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Montag, den 16.02.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 16.02.2026 um 10.30 UTC
Zunächst noch oft winterlich, zum Wochenwechsel aber auch im Norden und Osten
deutliche Milderung.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 23.02.2026
Am Donnerstag setzt sich die hochspannende Lage aus der Kurzfrist mit einer
scharfen Luftmassengrenze über Deutschland fort. Dabei wird relativ kalte
Festlandsluft, die am Südrand des Hochs über Skandinavien weiterhin über der
Nordosthälfte Deutschlands liegt, von milderer Luft im Südwesten getrennt. Ein
Tief im Raum Paris sorgt dabei mit einer südlichen Höhenströmung für
Aufgleitprozesse, die zu skaligen Niederschlägen im Süden und Südwesten
Deutschlands führen. Wieweit diese bis zur Mitte ausgreifen, ist noch mit
größeren Unsicherheiten behaftet. An der Nordflanke fällt Schnee, sonst Regen.
Aufgrund der Stationarität der Niederschläge sind kleinräumig mindestens einmal
markante Schneefälle mit 5 bis 10 cm binnen weniger Stunden wahrscheinlich,
Unwetter mit mehr als 10 cm nicht ausgeschlossen. Nach aktuellem Stand kann es
diesbezüglich vor allem im Hunsrück, Taunus, Pfälzerwald und Odenwald brisant
werden. Im Norden und Osten scheint in der deutlich trockeneren Luftmasse
dagegen zeitweise die Sonne und es bleibt weitgehend trocken bei oft leichtem
Dauerfrost. Im Südwesten werden dagegen 5 bis 8 Grad erreicht.
Warum die Lage noch so unsicher und diffizil ist, liegt zum großen Teil auch
daran, dass der beteiligte Höhentrog über Frankreich in seinem Südteil erneut
sehr weit südlich bis ins Mittelmeer ausgreift und nachfolgend über Oberitalien
eine neue Zyklogenese entfacht. Durch deren gemeinsame Interaktion kann das
Aufgleiten bei uns rasch an Effektivität verlieren, wenn die Höhenwinde
plötzlich nicht mehr so eindeutig aus Süd mit milderer Luft kommen, die sich
über die bodennahe Kaltluft aus nordöstlichen Richtungen schiebt.
Übereinstimmend sollten sich die Niederschläge aber infolge der neuen
Entwicklung in der Nacht zum Freitag immer mehr zu den Alpen zurückziehen und
von Norden bis in tiefe Lagen in Schnee übergehen – meist nur noch mit wenigen
Zentimetern Neuschnee (an den Alpen aber teils markant mit 10 bis 20, in
Staulagen bis 30 cm binnen 12h).
Am Freitag rutscht das Frankreichtief unter Abschwächung südostwärts nach
Korsika durch. Die Neuentwicklung bezieht Warmluft vom Schwarzen Meer mit ein
und erreicht den östlichen Balkan. Im Bereich der gut definierten und im
Vergleich zu den bisherigen Februartagen deutlich weiter nördlich ansetzenden
Frontalzone entlang etwa 50N wölbt sich im Vorfeld einer die Britischen Inseln
erreichenden Okklusion ein flacher Rücken über Westeuropa auf. Dadurch wird am
Boden ein klassisches Zwischenhoch gestützt, dass sich sogar als eigenständige
Parzelle mit über 1025 hPa über Deutschland etablieren kann. Es nimmt sogar
zaghaft Kontakt zum weit ostwärts verschobenen Azorenhoch dicht vor der
portugiesischen Küste auf und bildet eine Brücke aus. Hierzulande zieht das
einen vielfach freundlichen Tag mit großen Tagesgängen mit sich. Die Höchstwerte
ändern sich dabei kaum, nachts gibt es vielfach mäßigen, bei Aufklaren über
Schnee auch strengen Frost.
Am Wochenende wird eine nachhaltige Umstellung der Großwetterlage eingeleitet.
Die Blockade löst sich weitgehend auf, die Strömung zonalisiert nachhaltig und
hochwinterliche Luftmassen werden weit nach Russland und Nordskandinavien
abgedrängt. Wir liegen fortan auf der milden Seite der Frontalzone mit einer
Tiefzugbahn Richtung Dänemark und Südschweden, was zu wiederholten Regenfällen
und milden Verhältnissen bei uns führt. Im Übergangsbereich kann es vor allem in
der ersten Tageshälfte des Samstag in der Osthälfte des Landes nochmal kritisch
bezüglich Glatteisbildung durch gefrierenden Regen werden. Speziell im zuvor
dauerfrostigen Nordosten könnte das eine zähe Geschichte werden mit lokaler
Unwettergefahr. Dazu wird es sehr windig, mindestens mal an der See und auf den
Bergen auch stürmisch. Tagsüber gelangen ab Sonntag auch der bis dato
unterkühlte Norden und Osten zunehmend in den Bereich der 10 Grad Marke, die
Nächte bleiben frostfrei.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der jüngsten IFS-Läufe ist gut, so lange man sich mit der
generellen Tendenz bei der Entwicklung der Großwetterlage begnügt. Zonalisierung
und Milderung sind unstrittig, Phasenverschiebungen bezüglich der
Frontenpassagen mit eventuellen kurzen postfrontalen Episoden für
Winterrückfälle in den Kammlagen der Mittelgebirge vollkommen normal.
Ins Detail sollte man dabei aber lieber nicht gehen, wie die jüngsten Sprünge in
der Lage und Aktivität der Luftmassengrenze am Donnerstag verraten. Was gestern
noch auf den Alpenrand beschränkt war, greift nun bis nach Thüringen aus. Die
Wahrheit liegt vermutlich letztlich irgendwo dazwischen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Eigentlich genügt es an dieser Stelle auf den Konsistenzabschnitt zu verweisen:
Weitere Entwicklung unstrittig. Am Donnerstag vertritt IFS in den letzten 12/00z
Läufen modellübergreifend die nördlichste Variante der Niederschläge.
GFS setzt beim Übergang in die erweiterte Mittelfrist beim 00 und 06z Lauf im
Osten teilweise rasch wieder auf eine antizyklonale Südostlage, was aber derzeit
nur Außenseiterchancen hat.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Bis auf wenige Ausreißer tendiert auch das Gros der Ensembles zur milden,
niederschlagsreichen zyklonalen Westlage ab dem Wochenende.
CLUSTER:
Ab Samstag überwiegen eindeutig die zyklonalen Westwetterlagen, teilweise mit
nordwestlichem Einschlag, was aber auch nur dem höheren Bergland winterlicher
Optionen liefern würde.
FAZIT:
Winterfans konnten sich dieses Jahr nun wirklich nicht beklagen (im Norden und
Osten mal so gar nicht, im Südwesten mit Abstrichen). Doch nun heißt es wohl
erstmal: Abschied nehmen! Nach Zwischenhoch und nächtlicher Frostverschärfung am
Freitag wird im Laufe des Wochenendes der Westdurchbruch mit Milderung auch im
Norden und Osten eingeleitet.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
SCHNEE:
ICON-EU und IFS-EPS zeigen am Donnerstag Signale für einen 12h Schneeanteil von
10 bis 20 l/qm vom westlichen bis in den zentralen Mittelgebirgsraum. Im Maximum
findet man beim IFS-EPS sogar Signale bis Berlin und Hamburg, wobei das
„Verschmieren“ bis dorthin als übertrieben zu bewerten ist.
In der Nacht zum Freitag ziehen sich die Schneefälle zu den Alpen zurück. Dort
sind im Maximum in Staulagen 30 bis 40 cm simuliert, 10 bis 20 cm quasi
„sicher“.
FROST:
In der Nacht zum Freitag ist bei Aufklaren über Schnee (vor allem Teile
Norddeutschlands und im Bergland) örtlich strenger Frost unter 10 Grad
wahrscheinlich.
Auch in der Nacht zum Samstag kommt es vor allem in Tälern von Erzgebirge und
Bayerischer Wald örtlich zu strengem Frost.
GLATTEIS:
Mit einsetzender Milderung zum Wochenende ist vor allem in der ersten
Tageshälfte des Samstags in der Osthälfte kurzzeitige Glatteisbildung durch
gefrierenden Regen möglich. Insbesondere im zuvor dauerfrostigen Nordosten sind
unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen.
STURM:
Zunächst nichts Dramatisches, aber stürmische Böen (Bft 8) aus Südwest sind ab
dem Wochenende an der See und auf den Bergen schon wahrscheinlich. Das Potential
für eine überregionale Sturmlage ist in der Folge vorhanden. Die Probabilistik
ist diesbezüglich (noch?) zurückhaltend.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen