#SXEU31 #DWAV060800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Freitag den 06.02.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 060800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 06.02.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SEz
Im Nordosten bis Samstag markante Glätte durch gefrierenden Niederschlag.
Unwetter regional nicht ausgeschlossen. In der Folge weiterhin Glätte durch
gefrierenden Niederschlag oder etwas Schnee. In der Nacht zum Samstag im
Nordwesten und über der Mitte regional markante Glätte. Zunehmende und
überregionale Nebelneigung. Im Nordosten oft leichter Dauerfrost. Nächte nur im
Westen regional frostfrei.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag… dominiert weiterhin eine gestörte Zirkulation auf der Nordhemisphäre
das Wettergeschehen mit negativer NAO und AO. Die Wellenzüge sind ohne Unterlass
in Richtung Mittelmeer gerichtete, wobei über Mitteleuropa/Skandinavien ein
blockierender Keil das Wettergeschehen über Mitteleuropa und somit auch bei uns
beruhigt. Wir verbleiben in einem gradientarmen (Druck)Bereich zwischen tiefem
Druck über dem Nordostatlantik (u.a. STEPHIE I, die international auf den Namen
LEONARDO hört) sowie hohem Druck über Nordosteuropa/Westrussland (DANIEL I und
II). Fronten kommen bei uns in abgeschwächter Form an und der Kampf der
Luftmassen dauert weiter an (sehr mild im Südwesten, frostig im Nordosten).
Heute Vormittag beschäftigen uns im Nordosten noch die Reste der nordwärts
abziehenden Höhenwarmfront in Form beständigen, jedoch immer schwächer werden
Aufgleitens über die weiterhin vorherrschende östliche niedertroposphärische
Strömung. Die gefrierenden Niederschläge klingen zum späten Vormittag sukzessive
ab, Glätte bleibt aber selbstredend weiterhin ein Thema, zumal nachfolgend
dichte Bewölkung vorherrscht und die östliche Bodenwindkomponente jegliche
Erwärmungsversuche unterdrückt. Dies dürfte den Eispanzer gut konservieren. Die
Numerik zeigt neuen gefrierenden Sprühregen erst für die kommende Nacht, doch
heben die Vorhersagesoundings bereits am Nachmittag das Potenzial hervor, dass
regional etwas gefrierender Sprühregen auftreten kann (markante Glätte). Von
daher wurden die markanten Warnungen umfangreicht verlängert.
Ansonsten richtet sich der Blick zeitnah in den Südwesten der Republik, wo sich
eine Okklusion nähert, die aus der Nacht heraus dem Westen/Südwesten den ersten
Niederschlag bringt, der durchweg als Regen fällt. Glätte sollte in der Fläche
gesehen kein Problem sein, wenngleich örtlich in geschützten Lagen kurzzeitig
Glätte nicht ausgeschlossen werden kann. Aber auch diesem Potenzial wirkt die
Gegenstrahlung durch den Wolkenaufzug entgegen, sodass wir tagsüber hier und da
mit geringer Glätte durch den Tag kommen. Dabei breitet sich der Niederschlag
auf den gesamten Westen und auf die Regionen südlich der Donau aus. Zum Abend
erreicht der Niederschlag dann auch das Bergland der westlichen zentralen
Mittelgebirge, wo im Bereich Westerwald/Rothaargebirge/Siegerland wieder
zunehmend mit Glätte zu rechnen ist (geschützte Lagen, günstiger Tagesgang),
allerdings auch hier eher auf lokaler Ebene.
Nebel bleibt besonders zwischen Harz und Thüringer Wald bei abtauendem Schnee
und fehlender Durchmischung wohl ganztags ein Thema (ggf. hier und da auch
warnrelevant). Zum Abend muss dann hier verbreitet mit Sichteintrübung gerechnet
werden und die Nebelgefahr weitet sich auch auf den gesamten Nordosten sowie die
Mitte aus (inklusive Rheinland-Pfalz und Saarland).
Die Höchstwerte liegen im gesamten Norden (Schleswig-Holstein,
Mecklenburg-Vorpommern und der Norden Brandenburgs) um den Gefrierpunkt, wobei
wir hier nicht nur MOSMIX unterschreiten, sondern auch den mittlerweile dicken
und kaum abtauenden Eispanzer berücksichtigen. Je weiter man nach Süden und
Westen kommt, desto milder wird es (+1 bis +6 Grad), wobei es im Westen und
Süden mit 6 bis 12 Grad (höchste Maxima am Oberrhein) gar sehr mild wird.
Bei dem aufgeweichten Druckgradienten spielt der Wind keine warnrelevante Rolle,
der nur schwach aus Ost, über der Mitte aus Südost kommt. Im Südwesten/Westen
weht er mäßig aus südwestlicher Richtung und frischt auf Rügen zeitweise böig
aus Ost auf.
Die Nacht zum Samstag verspricht dann erneut spannend zu werden mit Blick auf
gefrierenden Niederschlag. Im Nordosten wird in einer südöstlichen
niedertroposphärischen Strömung eine zunehmend hochreichend gesättigte Luftmasse
herangeführt, die zusätzlich peripher der von Südwesten nahenden Okklusion
gehoben/vertikal gestreckt wird. Das Resultat ist Sprühregen, der die Nacht
hinweg auftritt und teils in Bandstrukturen nordwestwärts zieht. Nach
Mitternacht sind auch regionale Schauerstraßen nicht ausgeschlossen bei einer
vertikal weiter anwachsenden Sättigung und vertikalen Schichtung förderlich für
etwas MUCAPE-Freisetzung. Faktisch kommen wir dabei zunehmend in einen Bereich
jenseits der -10 Grad-Isotherme (Kristalleintrag), sodass hier und da die
Mischphase (gefrierender Regen/Schnee) nicht ausgeschlossen werden kann, was
wohl auf konvektive Schauerstraßen bzw. auf das Umfeld von Rügen am Ehesten
zutrifft. Dieses Geschehen zieht (wie bereits erwähnt) eine umfangreiche
markante Glättewarnung nach sich mit der Option, dass im Verlauf der Nacht
entlang von Schauerbändern auch mal auf Unwetter hochgestuft werden muss
(Stundenraten dann punktuell über 1 l/qm).
Derweilen arbeitet sich die Okklusion mit immer größerer Mühe ost-/nordostwärts
voran, erreicht gegen Mitternacht die Linie Ostfriesland-Thüringer
Becken-Bayerischer Wald und liegt ausgangs der Nacht im Bereich Bremen –
Leipzig. Die flüssige Phase dominiert bei ausreichender Milderung in der Höhe,
sodass die Frage sein wird, wo der Niederschlag gefrieren wird. Tendenziell
ergibt sich entlang der zentralen Mittelgebirge (NRW Bergland bis nach
Thüringen) ein inhomogenes Bild, wobei Glätte regional in geschützten Lagen
sicherlich ein Thema sein wird. Aus aktueller Sicht wird dies aber in einer
umfangreichen gelben Glättewarnung / lokal markant abgedeckt werden können.
In Richtung Niedersachsen wird es dann kniffliger bezüglich der Warnstrategie.
Zwar liegen die Lufttemperaturwerte meist im zarten Plus, doch steckt grob
östlich der Weser noch der Frost im Boden. Gefrierender Niederschlag sollte
somit westlich der Weser (Ostfriesland bis ins nördliche Oldenburger
Münsterland) eher auf exponierten Gegenständen ein Thema sein. Je östlicher der
Niederschlag zieht, desto wahrscheinlicher sind dann auch die Straßen betroffen,
was die Lüneburger Heide in den Fokus rückt. Wahrscheinlich macht auch hier eine
umfangreiche markante Glättewarnung am meisten Sinn, was besonders die Bereiche
zwischen Bremen und Hamburg bis ins östliche Niedersachsen betrifft.
Postfrontal der Okklusion sorgt seichte WLA bei geringer Durchmischung für eine
meist trübe Nacht mit zahlreichen Schauern und ausgedehnten Nebelfeldern
(Saarland bis zur Oder).
Die Minima liegen im Norden und Osten um den Gefrierpunkt, während sie im Westen
und Süden knapp darüber liegen (in Richtung Niederrhein +6 Grad). Beim Wind
tritt keine Änderung ein.
Samstag… ändert sich an der Gesamtkonstellation sehr wenig. Die Okklusion
bleibt nun mehr oder weniger den Tag über vor Ort liegen (Hamburg-Dresden) und
bildet eine üppige Feuchtequelle, sodass wir im gesamten Norden und Osten einen
sehr trüben Tag zu erwarten haben. Die dichten und ausgedehnten Nebelfelder aus
der Nacht heraus bleiben somit bestehen und dürften von Niedersachsen bis nach
Hessen/Franken, ins östliche Bayern und nordostwärts bis ins südliche
Brandenburg überregional für schlechte Sichten sorgen (und gebietsweise auch
ganztags für Nebelwarnungen).
Ansonsten klingt am Ostrand des Niederschlags die Glättegefahr im
Vormittagsverlauf allmählich ab, doch kann man sich vorstellen, dass bei weiter
vorherrschender östlicher Bodenwindkomponente und Frost im Boden die Numerik das
Ausmaß der Glätte ggf. etwas unterschätzt (wenngleich wir dann aber über gelbe
Glättewarnungen sprechen).
Anders sieht es östlich der Okklusion im gesamten Nordosten aus, wo weiterhin
gefrierender Sprühregen ein Thema bleibt. Besonders aus der Nacht heraus bis in
den Vormittag heben die Vorhersagesoundings weiterhin ein geringes Potenzial für
etwas MUCAPE hervor, sodass in den Nieselregen eingebettete konvektive Segmente
(mit erhöhten Stundenwerten) nordwestwärts ziehen und einen Fokus darstellen,
dass regional unwetterartiges Glatteis auftreten kann.
Im Süden und Westen sorgt geringer Geopotenzialanstieg und ein sehr
gradientarmes Umfeld für eine fortschreitende Abtrocknung von Südwest nach
Nordost und besonders zwischen Niederrhein und Oberschwaben verläuft der
Nachmittag freundlich und trocken. Bereits zum Abend bilden sich aber auch hier
regional dichte Nebelfelder.
Die Maxima liegen im Nordosten weiterhin um den Gefrierpunkt und steigen nach
Westen auf 10 bis 13 Grad an.
Schwacher Wind aus unterschiedlicher, im Norden dominant östlicher Richtung.
Rügen zeitweise böig auffrischend.
In der Nacht zum Sonntag bleibt die Okklusion vor Ort liegen und bringt weiteren
Regen. Allerdings nimmt der Phasenwechsel hin zu gefrierend und Schnee von
Norden/Osten wieder zu, sodass allgemein mit Glätte durch gefrierenden
Niederschlag und etwas Schnee zu rechnen ist (nordöstliche Niedersachsen bis
Anhalt). Die Unsicherheiten bezüglich der regionalen Ausdehnung sind allerdings
noch sehr groß.
Östlich der Okklusion (den Nordosten der Republik betreffend) dauert die
Mischphase aus gefrierendem Sprühregen und etwas Schneegriesel ganztags an,
wenngleich der feste Anteil von Nordosten immer mehr zunehmen sollte. Auch hier
wird es im Nowcast sicherlich noch die eine oder andere Überraschung geben.
Verbreitet warnrelevanter und dichter Nebel muss vom westlichen Niedersachsen
bis nach Süddeutschland eingeplant werden, während zwischen Niederrhein und
Oberrhein nur örtlich Nebel auftritt (dort teils länger klar).
Die Minima liegen deutschlandweit um den Gefrierpunkt, nur in Richtung
Niederrhein bei +4 oder +5 Grad.
Sonntag… verläuft unter schwachem Hochdruckeinfluss trüb mit zähem Nebel, der
sich vom Nordwesten über die Mitte bis in den Süden bis weit in den Tag hält
(vielerorts auch ganztags und das besonders im Bergland). Im äußersten Westen
verläuft der Tag freundlich und trocken, im Nordosten weiterhin mit einem wilden
Potpourri aus verschiedenen Niederschlagsphasen und anhaltender
Glätteproblematik.
Schwacher Wind aus Ost bis Nordost, küstennah böig auffrischend.
Die Höchstwerte liegen im Nordosten um 0 Grad und nach Westen zu bei +10 Grad.
In der Nacht zum Montag keine Änderung. Vielerorts neblig-trüb, im Norden und
Osten Glätte durch gefrierenden Sprühregen oder etwas Schnee und das bei Minima
von West nach Ost zwischen +3 und -5 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Numerik hat die grobe Entwicklung auf synoptischer-Skala sehr gut im Griff.
Erhebliche Diskrepanzen ergeben sich bei der Niederschlagsphase, die teils auch
von der modellinternen Physik angetrieben werden. Dies wurde im Text
angesprochen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy