SXEU31 DWAV 270800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 27.01.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Mittelding zwischen SEa (Südost antizyklonal; eher NO-Hälfte) und SEz
(Südost zyklonal; eher SW-Hälfte)

Erst von Westen (NORMA I), dann auch von Süden (NORMA II) zyklonale Attacken mit
Niederschlägen, teils Regen mit Glatteis, teils Schnee.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC

Dienstag… schreiben wir Tag 1 nach LEONIE, ihres Zeichens Schnee- und
Glatteistief von Format, die uns 2 Wintertage (+ Nächte) wie schon lange nicht
mehr beschert hat. Dass das in der Öffentlichkeit diametral entgegengesetzte
Wahrnehmungen zur Folge hatte, ist evident. Während dich, liebe LEONIE, alle
Winterfreaks und -fans, aber sicherlich auch viele Kinder in die Hall of Fame
aufnehmen (im Eishockey würde man dein Trikot für ewig unters Hallendach
ziehen), dürftest du von Leidgeprüften und Winterhassern zur persona non grata
de luxe abgestempelt worden sein. Nun gut, so ist das im Leben, man kann es nie
allen recht machen. Aber irgendwie doch schön – trotzt aller Komplikationen
insbesondere in der Verkehrsinfrastruktur (wir sind hier einfach nichts mehr
gewohnt) -, dass es doch noch so etwas wie „Winter“ gibt.

Doch nun weg von der Vergangenheit und rein in die Gegenwart und die nahe
Zukunft. Inzwischen hat LEONIE zumindest ihr atmosphärisches Wirken weitgehend
eingestellt. Das Höhentief ist auf die nordwestpolnische Seite rübergewechselt,
vom Bodentief ist nur noch eine rudimentäre Rinne übrig. Ein paar letzte Flocken
in Sachsen, hier und da noch etwas Griesel oder Niesel (+ Glätte). Keine Frage,
LEONIE hat den anaeroben Bereich erreicht und dankt nun endgültig ab. Ihren
Platz hat ein schwaches, im Druckfeld als solches kaum erkennbares Zwischenhoch
eingenommen, dessen Lebensdauer zumindest in Teilen des Landes nur von kurzer
Dauer sein wird. Da nützt es auch nicht allzu viel, dass sich von Westen her ein
kurzwelliger Rücken zu uns reingeschoben hat, der im Tagesverlauf in die
Osthälfte wandert, wo er vom quasistationären Höhentief über Polen ausgebremst
wird. Immerhin, leichtes Absinken führt dazu, dass die eingeflossene polare
Meeresluft (mPs) von oben her abtrocknet. Im Süden hat das sogar bis weit runter
gereicht, so dass es verbreitet aufgeklart ist (inkl. Frost und lokale
Nebelfelder). Ansonsten aber hat sich eine mal mehr (Osten), mal weniger
(Westen) mächtige feuchte Grundschicht gehalten, aus der es hier und da etwas
nieselt und grieselt. Dabei ist die Temperatur nicht überall in den Frostbereich
abgesackt, vor allem nicht im Westen. Insgesamt präsentieren sich die
Frühtemperaturen relativ inhomogen, was das Vorzeichen angeht.

In den nächsten Stunden nun passiert das, was bei ähnlichen Lagen öfters
passiert. Der Rücken wird von WLA überlaufen. Bereits jetzt lassen sich westlich
von uns kompakte hohe und mittelhohe Bewölkung ausmachen, die eindeutig Kurs auf
den Vorhersageraum nehmen. Absender ist das kleine Sturmtief NORMA I dicht bei
Irland, das mit einem recht breit aufgestellten, mit mehreren Drehzentren
ausgestatteten Potenzialtrog korrespondiert. Zudem ist NORMA I mit einem
kompletten Frontensatz ausgestattet, von dem uns als erstes die Warmfront
beehren wird. Kurz und gut, während im Süden, vornehmlich südlich der Donau,
anfangs aber auch noch von Südbaden bis RP, heute die Sonne scheint, fängt es in
den Mittagsstunden, spätestens am frühen Nachmittag im Grenzbereich zu
Frankreich und BeLux an zu regnen – flüssig und unkritisch im Hinblick auf
mögliche Glätte, weil die Temperaturen jenseits von Böse sind und auch kein
Frost im Boden steckt. Ändern könnte sich das in dem Moment, in dem der
Niederschlag die westlichen und südwestlichen Mittelgebirge erreicht, also etwa
im Laufe des Spätnachmittags bzw. Abends. Je nach Höhenlage und topografischer
Exposition (Stichwort Senken, Mulden usw.) ist es entweder noch leicht
luft-frostig oder boden-frostig oder sogar beides. Zwar leistet der Tagesgang
der Temperatur heute schon bemerkenswerte Kärrnerarbeit und kurbelt damit
Tauwetter an. Gerade in stark gegliederten Gelände gibt es aber immer Ecken und
Stellen, wo es mit dem Ausräumen von Kaltluftaltlasten nicht so funktioniert,
insbesondere wenn der Wind fehlt. Kurzum, in den genannten Mittelgebirgen
besteht örtlich die Gefahr von gefrierendem Regen mit Glatteis.

Im großen Rest der Nation tut sich niederschlagstechnisch bis zum Abend wenig
bis nichts, auch wenn die gesamte Nordhälfte wohl unter einer weitgehend
geschlossenen Wolkendecke (Stratus/Hochnebel) verbleibt. Die Temperatur erreicht
im Norden und Osten Höchstwerte von -1 bis +3°C, sonst abgesehen von den bereits
angesprochenen Kältelöchern in den Mittelgebirgen +1 bis +5°C, am Oberrhein bis
zu +7°C, am leicht föhnigen ((schwere) Sturmböen in Gipfellagen) und sonnigen
Alpenrand gar bis zu +9°C. Bedingt durch kontinuierlichen Druckfall zieht der
Gradient vor allem über der Nordsee soweit an, dass der Ost-Südostwind immer
weiter auffrischt und am Nachmittag auf Helgoland und den Ostfriesischen Inseln
Böen 7 Bft, vereinzelt 8 Bft erreicht.

In der Nacht zum Mittwoch weiten sich die stratiformen Niederschläge des sich
weiter nähernden und zunehmend okkludierenden Frontensystems langsam
ost-nordostwärts aus. Am Morgen verläuft die Vorderkante etwa von Ostfriesland
bis hinunter ins sächsische Vogtland, während im Süden BaWü und weniger Bayern
im Fokus steht. Akkumuliert über 12 Stunden können im Westen und Südwesten
gebietsweise durchaus 5 bis 10, lokal (z.B. durch Stau) vielleicht bis zu 15
l/m² zusammenkommen. Die große Frage, die sich stellt, lautet: In welcher Form
fällt der Niederschlag. Die Antwort fällt umso schwerer aus, je detaillierter
man sie geben möchte. Man kann es sich natürlich einfach machen und die
klassische „Teils-teils-Aussage“ bemühen, wobei es hier sogar
„teils-teils-teils“ heißen müsste. Es gibt Regen, es gibt gefrierenden Regen, es
gibt Schnee. Dabei gilt die Faustregel, je weiter der Niederschlag in die
Kaltluft im Norden und Osten vorankommt (die sich auch niedertroposphärisch
durch 0°C oder etwas darunter abbildet), desto wahrscheinlicher die Schneephase.
Heißt, etwa vom west-südwestlichen NDS über Ostwestfalen, Nord- und Mittelhessen
und Thüringen bis nach Nordbayern können durchaus 1 bis 5, lokal bis zu 10 cm
Neuschnee fallen. Mag sein, dass kurz auch mal die Regenphase, teils mit
Glatteis, am Start ist, was letztendlich wohl aber nur in situ geklärt werden
kann. Numerisch deutet sich an, dass durch Hebungs- und Niederschlagsabkühlung
relativ rasch eine Isothermie bei oder etwas unter 0°C im unteren
Troposphärenbereich erzeugt wird, was dann eindeutig für Schnee spricht.

Je weiter wir von der Mitte nach Süden schauen, desto milder die untere
Troposphäre und desto größer die Wahrscheinlichkeit für die berühmt-berüchtigte
„warme Nase“. Heißt aber nicht, dass nun überall, wo Niederschlag runterkommt,
dieser sofort für Glatteis sorgt. Zum einen muss vor allem im Süden erstmal die
z.T. deutlich abgetrocknete untere Schicht durchgefeuchtet werden, damit
überhaupt was unten ankommt. Außerdem geht es nicht überall mit Frost in die
Nacht, sowohl Luft als auch Boden. Vielerorts liegt auch noch Schnee, was
ebenfalls dämpfend wirkt. Mit anderen Worten, stellenweise gefrierender Regen
mit Glatteis ja (südliche Mitte, vielleicht Oberschwaben), verbreitete
„Schweinereien“ eher nein. Im Südschwarzwald könnt der Regen in der zweiten
Nachthälfte bereits wieder in Schnee übergehen, weil die höhenmilde Luft mehr
und mehr getilgt wird.

Noch ein Satz zum Norden und Osten, wo der frontale Niederschlag nicht ankommt.
Dafür wird dort der Stratus etwas gehoben, was stellenweise etwas Schneegriesel
oder Nieselregen auslösen kann, (markante) Glätte inklusive. Die Temperatur geht
landesweit auf +2 bis -4°C zurück (einige Mittelgebirge und Alpentäler
darunter), wobei gerade im Westen und Südwesten sowie in Küstennähe vielfach
frostfrei bleibt. An und auf der Nordsee bläst weiterhin ein flotter und böiger
„Ost-Südost“ mit Spitzen 7, exponiert 8 Bft.

Mittwoch… bzw. schon in der Nacht zuvor weitet sich der Potenzialtrog über dem
nahen Atlantik bis zum westlichen Mittelmeer aus, wo über dem Löwengolf eine
überaus solide Zyklogenese angestoßen wird. Und weil die Frontalzone schön über
den mediterranen Raum umgelenkt wird, zieht das Tief mit Namen NORMA II ziemlich
rasch ostwärts und erreicht am Mittag bereits Oberitalien (etwas unter 990 hPa).
Hat für den Vorhersageraum zunächst noch keine Auswirkungen, wird sich aber noch
ändern. Hier bei uns beißt sich das mittlerweile vollständig okkludiere
Frontensystem die Zähne am blockierenden fennoskandischen Hoch (DANIEL) aus, es
droht der vollständige Exodus, spätestens in der Nacht zum Donnerstag.
Nichtsdestotrotz kommt es in einem Streifen vom westlichen NDS bis in die
östliche Mitte (Vogtland) zu Niederschlägen, die bis zum Abend tendenziell
nachlassen und meist als Schnee fallen. Apostrophierte Neuschneemenge 1 bis 5,
lokal um 7 cm.

Länger andauernde Niederschläge werden trogvorderseitig auch im Westen und
Südwesten gemeldet, wobei die Wahrscheinlichkeit für gefrierenden Regen immer
weiter abnimmt. Permanentes Heben plus Niederschlagsabkühlung zeigen Wirkung und
sorgen für einen stetigen Abbau der höhenmilden Luft, die ja insbesondere im
Süden – teils föhnbedingt – mit bis zu +6°C auf 850 hPa recht prominent
aufgestellt ist. Die Schneefallgrenze sinkt auf etwa 700 bis 500 m, in der Nacht
zum Donnerstag noch weiter nach unten. Heißt im Umkehrschluss, dass es im west-
und südwestdeutschen Bergland (+ evtl. Allgäu) Žne Hucke Neuschnee von 5 bis 10,
lokal vielleicht um 15 cm Neuschnee bis Donnerstag geben kann. Es sei allerdings
der Hinweis erlaubt, dass ICON und UK10 den Niederschlag sehr progressiv
formulieren, während IFS und GFS zurückhaltender agieren. Fakt ist, dass sich
der Schneefall am Abend und in der Nacht zum Donnerstag im Süden mehr und mehr
bis nach Bayern ausbreitet, weil die Hebungsprozesse des Oberitalientiefs (das
sich übrigens bis zum Balkan ausdehnt) allmählich über die Alpen übergreifen.

Weitgehend ausgespart bleiben nach wie vor der Norden und Osten, wenn man mal
von den üblichen „Schmierniederschlägen“ aus dem Stratus/Hochnebel respektive
Schneeschauern von der Ostsee (T850 um -7°C) absieht, die glättetechnisch aber
durchaus einen Impakt haben können. Übrigens nicht nur in der Nacht, sondern
auch am Tag, weil die Temperatur im Zuge permanenter KLA durch den Ostwind
gebietsweise bei 0°C oder etwas darunter verharrt. Apropos Ostwind, der bleibt
vor allem im Küstenraum flott unterwegs mit Böen 7, exponiert 8 Bft.

Donnerstag… setzt ausgehend vom fennoskandischen Hoch leichter Druckanstieg
ein, der sich Form eines über die Schweiz bis nach Südfrankreich reichenden
Bodenkeils abbildet. Auch das Geopotenzial steigt etwas an, was den über die
Alpen nach Südosten verlaufenden Randtrog aber nicht gänzlich zu tilgen vermag.
Kurzum, es kommt vom Westen und der Mitte bis in den Süden zu weiteren
Schneefällen, die im Tagesverlauf aber immer schwächer respektive weniger
werden. Regen oder Schneeregen ist wohl nur noch in den tiefen Lagen tief im
Westen und Südwesten am Start. Aufsummiert bis Freitagfrüh sind nochmal 1 bis 5
cm, im Süden gebietsweise auch etwas mehr Neuschnee drin, wobei die Modelle mit
der Schwerpunktsetzung noch so ihre Probleme haben. Trotz Hochkeils hat es nicht
den Anschein, dass die Wolkendecke irgendwo im Lande nennenswerte Lücken reißt.
In der Südhälfte sowie im Westen durch die Niederschläge schon mal gar nicht.
Aber auch im Osten und Norden bleiben die Schotten unterhalb der bei rund 850
hPa positionierten Inversion dicht. Lokal ist mit leichtem Schneegriesel,
vereinzelt auch Nieselregen zu rechnen (Wolkenoberkante bei rund -8°C). Nix
Neues vom Ostwind, der an der See weiterhin recht zügig unterwegs ist und dabei
Böen der Stärke 7, vereinzelt 8 Bft generiert.

Tageshöchstwerte -2 bis +5°C, am kältesten weiterhin der Norden und Osten, die
„+5“ an Saar und Oberrhein. Nächtliche Tiefstwerte 0 bis -7°C, bei möglichem
Aufklaren am Alpenrand auch etwas darunter.

Modellvergleich und -einschätzung

Was die grundlegenden Abläufe angeht – erst Tiefdruckeinfluss von Westen, dann
auch von Süden -, halten sich die Diskrepanzen innerhalb der multiplen
Modellwelt in Grenzen. Die Schwierigkeit liegt im Detail, namentlich in der
Bewertung der Niederschläge. Gerade die Phasenbestimmung, die Übergänge im
Kontext zu Luft-, Belags- und Bodentemperatur stellen ein kompliziertes
Gleichungssystem dar, dass analytisch nicht zu lösen ist. Tatsache ist aber,
dass alle Modelle hinsichtlich des Parameters „gefrierender Regen/Glatteis“
gegenüber gestern merklich zurückgerudert sind. Eine Vorabinformation Unwetter
ist somit vom Tisch. Trotzdem gilt es freilich, in Hab-Acht-Stellung zu bleiben,
was auch für die schwachen Niederschläge aus Hochnebel respektive Stratus gilt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann