S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 26.01.2026 um 10.30 UTC

In der Nordosthälfte kalt, in der Südwesthälfte zunehmend milder. Dabei
zeitweise Niederschläge, teils als Schnee, teils als Regen. Im Übergangsbereich
auch gefrierender Regen.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 02.02.2026

Im mittelfristigen Vorhersagezeitraum von Donnerstag bis kommenden Montag ist
keine grundlegende Änderung der Großwetterlage zu erwarten. So reicht eine
umfangreiche Tiefdruckzone vom nahen Nordostatlantik über West- und
Südwesteuropa hinweg bis in den Mittelmeerraum. Demgegenüber steht ein ebenso
umfangreiches Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über Nord- und Nordosteuropa.
Deutschland liegt dabei im Übergangsbereich dieser beiden Druckgebilde. Dabei
ist in der Nordosthälfte am Rande des Hochs bei einer östlichen bis südöstlichen
Windkomponente kalte Kontinentalluft vorherrschend und es bleibt dort auch
tagsüber gebietsweise frostig. In die Südwesthälfte hingegen gelangt mit einer
eher südlichen Strömung mildere Meeresluft und die Temperatur erreicht zum
Wochenende hin im Westen und Südwesten teils Höchstwerte bis +8 Grad. In den
Nächten muss aber mit nur wenigen Ausnahmen im äußersten Westen und Südwesten
verbreitet mit leichtem bis mäßigem Frost gerechnet werden.

Ausgehend von dem sich immer wieder regenerierenden steuernden Tief mit
Schwerpunkt westlich der Britischen Inseln greifen wiederholt Tiefausläufer von
Westen über. Am Donnerstag könnten dann die Niederschläge in Teilen Deutschlands
etwas kräftiger ausfallen, wenn sich ein Tiefausläufer zonal über die Mitte
Deutschlands legt. Während diese im Westen und Süden in tiefen Lagen als Regen
fallen, tritt im Bergland sowie Richtung Osten und Norden Schneefall auf. Dabei
können gebietsweise auch 5 bis 10 cm in 12 Stunden fallen, lokal auch etwas
darüber.
Weitere Tiefausläufer erreichen uns aber aufgrund des blockierenden und sich
weiter stärkenden Hochs meist nur in abgeschwächter Form, sodass die
Niederschlagsmengen als Regen oder Schnee unkritisch bleiben. Allerdings besteht
generell im Übergangsbereich zwischen Schnee und Regen die Gefahr von
gefrierendem Regen mit Glatteisbildung. Da aber das Übergreifen der
Niederschlagsgebiete von IFS zeitlich gesehen noch nicht konsistent vorhergesagt
wird und es diesbezüglich auch noch Unterschiede zu anderen Globalmodellen gibt,
ist der genaue Übergangsbereich noch schwer vorherzusagen.

Ab Sonntag weitet sich auf Basis des IFS der Einfluss des Hochs noch etwas
weiter Richtung Mitteleuropa respektive Deutschland aus, sodass die
Niederschlagsneigung abnimmt. Am Montag und auch zu Beginn der erweiterten
Mittelfrist bleibt es dann trocken. Allerdings dreht dann die Strömung insgesamt
auf Süd, sodass die mildere Luft auch in Richtung Osten und Norden vorankommt.
Erst zur Wochenmitte sollen von Westen wieder neue Tiefausläufer übergreifen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großräumige Entwicklung der Wetterlage wird relativ konsistent von IFS
simuliert. Unsicherheiten gibt es noch bezüglich des zeitlichen Ablaufs und der
Ausprägung der Tiefausläufer, die wiederholt auf uns übergreifen.
Der gestrige 12 UTC Lauf zeigte die Ausprägung des Hochs ab Sonntag deutlich
schwächer (ähnlich zu GFS und ICON), der heutige 00 UTC Lauf folgt aber wieder
dem gestrigen 00 UTC Lauf mit dem stärkeren Hoch.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Erste Modellunterschiede zeigen sich am Donnerstag. Dabei zeigt ICON als
einziges Modell eine deutliche Abschwächung der Niederschläge über Deutschland,
während beispielsweise IFS wie oben beschrieben deutlich höhere Mengen liefert.

Nachfolgend fällt auf, dass der Einfluss des Hochs bei GFS und ICON nicht so
weit Richtung Mitteleuropa und somit Deutschland reicht wie bei IFS.
Entsprechend greifen bereits am Sonntag von Westen weitere Tiefausläufer über,
während es nach IFS trocken bleiben soll.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für die Temperatur in 850 hPa für ausgewählte Stationen in
Deutschland zeigen über den gesamten Vorhersagzeitraum einen engen Verlauf.
Somit kann die Temperaturentwicklung als sicher bezeichnet werden. Auch in die
erweiterte Mittelfrist hinein bleibt der Spread relativ gering, dabei deutet
sich in der neuen Woche eine Milderung an, die dann etwas verzögert auch im
Osten und Nordosten durchgreifen soll.
Ein etwas anderes Bild zeigt sich beim Niederschlag. Versetze Maxima des HRES
und der Member deuten auf die noch vorhandenen zeitlichen Unschärfen bzgl. der
Tiefausläufer hin. Darüber hinaus deuten die Member im Gegensatz zum Hauptlauf
auch am Sonntag und kommende Woche auf weitere Niederschläge hin, kombiniert mit
einem zunehmendem Spread beim Geopotential. Somit sind auch ICON und GFS noch im
Spiel, die zwar auch mit der auf Süd drehenden Strömung die Milderung zeigen,
aber doch den Tiefdruckeinfluss dominieren lassen.

Die Clusterung des EZMW zeigt für den Zeitraum +72-96 h sechs Cluster, wobei
sich für Deutschland keine nennenswerten Unterschiede ergeben.
Im Zeitraum +120-168 h gibt es noch fünf Cluster. In Cluster 1 (14 Member) und
Cluster 2 (13 Member) befinden sich die meisten Ensemblemitglieder. Allerdings
folgt Cluster 1 eher der Version des IFS Hauptlaufs und Cluster 2 folgt eher GFS
und ICON, also Unentschieden. Nach Cluster 3 bis 5, die etwa gleich viele Member
aufweisen, deutet zwar alles auf die Milderung, aber unter Dominanz des
Tiefdruckeinflusses hin. Somit ist es wahrscheinlicher, dass es in der nächsten
Woche weiter wechselhaft, aber dafür milder weiter geht.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Donnerstag sind in Verbindung mit den Schneefällen vor allem in der
nördlichen Mitte regional markante Neuschneemengen (>10 cm/12 h) gering
wahrscheinlich. Im Westen und Südwesten ist beim Übergang zu Regen örtliche
Glatteisbildung nicht ausgeschlossen.
An den Küsten frischt der Ostwind auf mit stürmischen Böen 8 Bft an exponierten
Abschnitten.

Am Freitag und in der Nacht zum Samstag ist im Westen und Süden teils
gefrierender Regen und Glatteis wahrscheinlich, lokal ist Unwetter nicht
ausgeschlossen. In exponierten Lagen an den Küsten sind weiterhin stürmische
Böen 8 Bft aus Ost wahrscheinlich.

Am Samstag ist im Süden, im zentralen Mittelgebirgsraum sowie im Nordwesten
örtlich gefrierender Regen mit Glatteisbildung nicht ausgeschlossen. In einigen
exponierten Lagen an den Küsten treten weiterhin stürmische Böen 8 Bft aus Ost.

Am Sonntag und Montag sind voraussichtlich keine markanten Wettererscheinungen
zu erwarten.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger