#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Freitag, den 16.01.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 16.01.2026 um 10.30 UTC
Weitgehend ruhig, wieder kälter
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 23.01.2026
Fazit vorweg: Es geht ereignisarm und allmählich wieder kälter weiter:
winterlicher Hochdruck.
Die Mittelfrist ist geprägt von blockierenden Hochdruckgebieten über Osteuropa.
Tiefdruckgebiete und ihre Ausläufer, die beständig Westeuropa heimsuchen und
sich von dort ins westliche Mittelmeer verlagern, haben vorerst keinen Einfluss
auf unser Wetter.
Am Montag liegt ein Hoch mit anfänglichem Kerndruck von über 1040 hPa über
Weißrussland und der Ukraine. Es beginnt sich allmählich meridional auszudehnen,
wobei der Kerndruck abnimmt. In der Nacht zum Dienstag erstreckt sich das Hoch
von Nordskandinavien über das Baltikum und Osteuropa bis an den Bosporus. In der
Höhe erstreckt sich korrespondierend hohes Geopotential. Östlich des Hochs liegt
ein Tiefdruckgebiet über Russland, das feuchte und kalte Luft nach Osteuropa
führt.
Im Laufe des Dienstags zieht sich aus der Hochdruckzone ein Hoch nach
Skandinavien zurück, von Westen her baut sich der hohe Druck am Boden bei uns
etwas ab. Das Tief über Russland stößt am Mittwoch in die Ukraine und zum
Schwarzen Meer vor. Auf dessen Rückseite nähert sich von Osten her langsam kalte
Luft (<0 Grad in 850 hPa) der Bundesrepublik. Sie greift aber voraussichtlich
erst am Freitag über. Am übernächsten Wochenende kämpfen das Hoch über
Skandinavien, das sich langsam wieder bis nach Südosteuropa ausdehnt, und ein
Tief bei den Britischen Inseln um die Wettervorherrschaft bei uns. Die Luft wird
deutlich kühler, und zumindest in der Grundschicht auch wieder feuchter.
Aus Süden fließt von Montag bis Donnerstag recht milde Luft (+3 bis +6 Grad in
850 hPa) zu uns. Die kann sich aufgrund der anhaltenden Inversion jedoch nicht
bis zum Boden durchsetzen. Dort herrschen meist Maxima von 1 bis 5, im Westen
und Süden zu Beginn der Woche noch 6 bis 9 Grad. In den Folgetagen baut sich die
milde Luft im Westen und Süden allmählich ab. Gering bewölkte oder klare Nächte
sorgen für zunehmende Abkühlung. Verbreitet tritt Frost auf, vor allem im Osten
und Süden auch mäßiger Frost unter -5 Grad. In einigen Bergtälern ist vereinzelt
strenger Frost knapp unter -10 Grad möglich. In der zweiten Wochenhälfte kann es
im Osten auch wieder zu Dauerfrost kommen. In der erweiterten Mittelfrist wird
die Luft noch etwas kälter: Ab Samstag strömen in der Nordosthälfte -5 bis -10
Grad in 850 hPa ein. Auch nach Südwesten hin ist es mit 0 bis -3 Grad in 850 hPa
schon kälter.
Da die Luft vor allem in der Osthälfte des Landes trocken ist, lösen sich Nebel
und Hochnebel gut auf und die Sonne setzt sich oft durch. Nur im Süden und
Westen an größeren Flüssen ist es längere Zeit trüb durch anhaltend feuchte Luft
in den untersten Schichten. Dort lässt sich auch etwas Niesel oder Nebelnässe
nicht ausschließen, sonst ist es niederschlagsfrei. Zum Ende der Woche wird die
Luft wieder etwas feuchter, was häufiger zu Nebel und Hochnebel führt.
Der Wind spielt in der Mittelfrist eigentlich keine Rolle. Lediglich lokale
Berg-Talwind-Phänomene können auftreten. In Sachsen kommt es zu Wochenbeginn
noch zu Böhmischem Wind am Erzgebirge und Zittauer Gebirge, der mitunter
stürmische Böen hervorrufen kann, im Verlauf aber nachlässt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des IFS zu seinen Vorgängern ist bis Ende nächster Woche hoch. Ob
sich zum übernächsten Wochenende ein Tiefdruckgebiet von Westen her durchsetzt
(gestriger 12 UTC Lauf) oder diese weiter über Westeuropa südwärts abtropfen (0
UTC Lauf gestern und heute), bleibt abzuwarten.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch andere Modelle simulieren bis weit in die kommende Woche in der Hauptsache
eine blockierende und ereignisarme Wetterlage für Deutschland. Zum Ende der
kommenden Woche driften aber alle Modelle auseinander.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Cluster bieten wenig verwunderlich Blocking als Wetterregime über die ersten
zwei Zeitschritte (Montag bis Freitag). In der erweiterten Mittelfrist (Samstag
bis Montag) werden drei Lösungen angeboten. Dabei spielt neben Blocking nun auch
NAO negativ mit. Haupt- und Kontrolllauf liegen in Cluster eins mit 21
Mitgliedern und durchweg NAO-. Cluster zwei weist unwesentlich weniger
Mitglieder auf (18) und hält das Blocking weiter aufrecht. Cluster drei (12
Mitglieder) sieht anfangs einen leicht zyklonalen Einschlag bei uns, allerdings
mit abtropfendem Tief über Südwesteuropa und sofortiger Rückkehr zur
Hochblockade am Montag.
Die Rauchfahnen sind modellübergreifend bis nächsten Mittwoch eng. Dann wird der
Spread größer. Der Trend ist klar: wieder kälter (unter 0 Grad in 850 ab
spätestens Freitag), abnehmendes Geopotential. Insgesamt ist kein Sturz
erkennbar, sondern ein schrittweiser und stetiger Abbau. Die Rückkehr zum
Winter, nur ohne Niederschlag.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Das signifikante Wetter in der Mittelfrist beschränkt sich auf Böhmischen Wind
in Sachsen zu Wochenbeginn sowie vereinzelt strengen Frost im Bergland bei
längerem Aufklaren.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, IFS-MOS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn