#SXEU31 #DWAV160800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Freitag den 16.01.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 160800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 16.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Sa (Süd antizyklonal)
Bis auf Weiteres Hochrandlage (CHRISTIAN) mit kräftiger Inversion und weitgehend
ohne besondere Vorkommnisse. Absolutes Highlight der aufbrisende, bis in die
Mittelfrist andauernde Böhmische Wind. Ansonsten Grenzschichtmeteorologie mit am
Sonntag von Osten zunehmender Abtrocknung.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag… befindet sich Deutschland auf der Vorderseite eines veritablen
Höhentrogs über dem nahen Atlantik, der gerade seine ganze Energie in die
Ausweitung seiner Amplitude in Richtung Iberische Halbinsel und Marokko steckt.
Gewöhnlich funktioniert das nicht ohne die Wellenlänge zu verkürzen, so auch in
diesem Fall. Ebenso gewöhnlich tritt dieser „Kaugummi-Zieheffekt“ dann auf, wenn
stromab ein dickes, fettes Blockadepaket im Weg ist, welches jedwede Progression
des Troges verhindert. Und tatsächlich lässt sich über dem östlichen
Mitteleuropa ein zunächst noch recht zaghaft daherkommender Rücken finden, der
nun aber Kontakt zur hochreichenden Antizyklone CHRISTIAN über Russland
aufnimmt. Zwar befindet sich der gute CHRISTIAN mit seinem Alabaster-Corpus von
über 1050 hPa derzeit noch knapp östlich vom Ural. Der bis zum Balkan reichende
Keil ist aber derart wuchtig, dass er im Verbund mit dem überlagerten Rücken
keine Mühe hat, jegliche Ambitionen atlantischer Störungen, in Mitteleuropa
einen Fuß in die Tür zu bekommen, bereits im Keim erstickt oder in andere Bahnen
lenkt. So wird z.B. aktuell eine Welle respektive ein kleines Wellentief – die
Rede ist von „3I“-IULIIA (was es alles gibt)) – über die Nordsee hinweg in
Richtung südnorwegische Westküste gesteuert – zonal war gestern, jetzt gilt
meridional.
Kommen wir nun in den Vorhersageraum, der sich den genannten Rahmenbedingungen
entsprechend unter einer kontinuierlich rückdrehenden süd-südwestlichen
Höhenströmung befindet. Die Strömung ist relativ flau, dazu glatt bis leicht
antizyklonal konturiert, kurzum, irgendwelche dynamischen Impulse sind nicht zu
erwarten. Stattdessen groovt sich nun mehr und mehr eine klassisch-winterliche
Inversionslage ein, höhenmild mit darunter abgekoppelter, mehr oder weniger
kalter Grundschicht, die vor allem durch orografische Effekte aber teilweise
aufgebohrt wird. Prognostischer Erwartungshorizont Sankt Nimmerlein (okay,
vielleicht tut sich Ende nächster Woche was, aber nur vielleicht, siehe SynÜb
MiFri ab dem späten Vormittag). In der gestern eingeflossenen modifizierten
Meeresluft subtropischer Herkunft (mSp) haben sich in großen Teilen des Landes
vorfrühlingshafte Temperaturen eingestellt (am Oberrhein bis zu 15°C!), die sich
auch in der vergangen Nacht nicht aus der Ruhe haben bringen lassen. Gerade in
der NW-Hälfte haben Wolken, Luftmasse und etwas Wind für eine fast schon als lau
zu bezeichnende Nacht mit gebietsweise zweistelligen Temperaturen gesorgt.
Anders die Situation im Süden und Osten, wo die Abkopplung der Grundschicht
besser funktioniert hat und vor allem im Süden häufiger Frost aufgetreten ist.
Zum Wetter, das sich heute insbesondere in der SO-Hälfte vielerorts von seiner
hellen Seite präsentiert. Zwar wird die Sonne vielfach von hoher oder auch
mittelhoher Bewölkung begleitet, aber nun. Einschränkungen gibt es auch durch
die wenigen Nebel- und Hochnebelfelder aus der Nacht, die sich z.T. nur
zögerlich auflösen. Darüber hinaus wird die Inversion im Südosten etwas
angehoben, so dass aus dem kalten Böhmischen Becken der berühmte Böhmische Wind
allmählich Fahrt aufnimmt. Das führt einerseits dazu, dass im südlichen Sachsen
der Südostwind allmählich zulegt. Schon heute Morgen werden die ersten steifen
Böen 7 Bft gemessen, später könnten exponiert einzelne stürmische Böen 8 Bft
dazukommen. Auf bayerischer Seite, wo der Wind mehr aus Ost und etwas schwächer
weht, schwappt im Tagesverlauf hochnebelartige Bewölkung über die
Mittelgebirgskämme und breitet sich langsam in Oberfranken, der Oberpfalz sowie
in Nieder- und im östlichen Oberbayern aus. Sehr unschön, weil das natürlich
auch die Temperaturentwicklung hemmt, die bei unter 5°C stehenbleibt und
vereinzelt sogar leichten Dauerfrost bringt.
Ansonsten wird es mit Ausnahme des Nordostens aber noch mal ziemlich mild mit 8
bis 14°C mit den höchsten Werten im Oberrheingraben. Dabei scheint gerade im
Westen und Nordwesten noch nicht mal groß die Sonne. Im Gegenteil, die schwache
und wellende Kaltfront von IULIIA kommt so nahe, dass zwischen Saarland und
Deutscher Bucht aus mehrschichtiger Bewölkung hin und wieder sogar ein paar
Tropfen fallen. Mit Abzug der Welle lässt der südliche Wind zuerst an der
Nordsee und in den westlichen Mittelgebirgen, am Nachmittag dann auf dem Brocken
(dort anfangs Sturm) nach. Was bleibt bzw. erst so richtig kommt, ist der
Böhmische Wind und das bis weit in die Mittelfrist.
In der Nacht zum Samstag arbeitet der Trog über dem nahen Atlantik weiter an
seiner Verschlankung, die – so würde man beim Menschen urteilen – langsam
übertriebene Ausmaße annimmt. Erfahrene Leser dieses einmaligen Bulletins ahnen
schon, in was das Ganze mündet. Richtig, Abtropfung, Cut-Off, wie ihr wollt,
allerdings erst zum Sonntag hin. Ansonsten tut sich herzlich wenig an der
Großwetterlage, sieht man mal davon ab, dass der Böhmische Wind vor allem im
Osterzgebirge und in der Oberlausitz nun richtig angekommen ist mit Böen 7-8
Bft, in freien Kammlagen knapp unter der Inversion vielleicht sogar 9 Bft. Da
nun auch Hochnebel und Nebel das Erzgebirge erfassen, kann es im Verbund mit dem
Wind und Minustempersturen auch in der Folge zu nicht unerheblichen
Rauheisablagerungen an Vegetation und Infrastruktur kommen. Darüber hinaus setzt
der Wind nur spärliche Akzente, sorgt aber mit seiner zunehmend östlichen
Komponente dafür, dass sich Hochnebel und/oder Stratus von Ostbayern her
westwärts ausbreiten. Und auch von Polen her erfasst die graue Soße zunehmend
die östlichen Landesteile. Zuvor geht die Temperatur wie auch in der Mitte und
in weiten Teilen Süddeutschlands in den leichten Frostbereich zurück. Richtung
Alpen sowie im Bayerischen Wald steht örtlich sogar mäßiger Frost auf der Karte.
Hier und da kann es glatt werden durch Reif oder gefrierende Nässe. Weitgehend
frostfrei bleibt es trotz zurückgehender Bewölkung in weiten Teilen West- und
Nordwestdeutschlands sowie gebietsweise auch im hohen Norden.
Samstag… freuen wir uns auf den Start der Rückrunde in der Fußballbundesliga,
die genau genommen natürlich schon heute Abend mit dem Kracher Werder vs.
Eintracht eröffnet wird. Eine wetterbedingte Spielabsage wie letztes Wochenende
und auch unter der englischen Woche droht nicht, auch im Hamburger Volkspark
dürfte die Stadionstatik wieder ausreichend stabil sein, um die Borussen aus
Mönchengladbach zu empfangen. Nun aber weg von der KICKERei und hin zum Wetter,
das mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich weniger abwechslungsreich über die
Bühne geht als die morgigen Spiele. Von Osten her weitet sich der Rücken immer
weiter nach Westen aus, was die weiterhin schwache südliche Höhenströmung noch
antizyklonaler macht. Am Boden hingegen stellen sich ageostrophisch
ost-südöstliche Winde ein, die außer im südlichen Sachsen (Böhmischer Wind mit
Böen 7-8, exponiert 9 Bft) keinerlei Warnrelevanz besitzen.
Einen Impakt haben sie aber sehr wohl, wird doch bodennah peu a peu etwas
kältere Luft advehiert (teils ist es auch nur ein Einsickern). Da nutzt es auch
nur wenig, dass auf 850 hPa stattliche 4 bis 8°C plus auf dem Zettel stehen.
Typische winterliche Inversionslage halt, bei der die Temperatur in weiten
Landesteilen morgen nur noch Höchstwerte zwischen 0 bis 6°C erreicht. Im Süden
und Südosten ist stellenweise sogar leichter Dauerfrost drin. Thermisch in der
Vorhand sind weiterhin die westlichen Landesteile, wo gerade in NRW durch
Überströmungseffekte der vorgelagerten Mittelgebirge und zeitweiligem
Sonnenschein Temperaturen von 10, 11 oder gar 12°C möglich sind. Relativ mild
auch die Lagen in den Alpen, die voll in der Inversion liegen. Neben dem Westen
lässt sich Sonne vor allem in höheren Lagen blicken, allerdings mal mehr, mal
weniger getrübt durch hohe/mittelhohe Wolkenfelder und/oder auch etwas
Saharastaub.
In der Nacht zum Sonntag steigen Luftdruck und Potenzial von Osten her noch
etwas an, ohne dass sich am Grundmuster substanziell etwas ändert. Einzig am
schlanken Trog westlich von uns kann nun Vollzug gemeldet werden, er tropft über
Portugal und Spanien ab. Zum (Kaltluft)Tropfen wird das Höhentief trotz
Abtropfens aber nicht, weil es gemeinsame Sache mit einer mehrkernigen
Bodentiefdruckzone macht, die im westlichen Mittelmeer + Anrainer in den
nächsten Tagen sicherlich für Schlagzeilen sorgt (starke Niederschläge,
Gewitter, Sturm).
Bei uns hingegen bräsige Hochrandlage mit Inversion, heißt des Nachts verbreitet
leichter bis mäßiger Frost (Ausnahme Gebiete im Norden und Westen), dazu viel
Hochnebel und auch einige Nebelfelder. Gering bewölkt oder klar bleibt es in
höheren Lage sowie gebietsweise im Westen und im Lee vom Erzgebirge.
Sonntag… verstärkt sich das Absinken ausgehend von Hoch CHRISTIAN, der mit
seinem Zentrum von etwas über 1045 hPa inzwischen über Belarus angelandet ist
mit nach wie vor kräftigem Keil in Richtung Balkan. Die Inversion wird immer
weiter nach unten gedrückt, was einer Stauchung der Grenzschicht gleichkommt und
die Abtrocknung von oben forciert. Die Ergebnisse sind zumindest auf numerische
Basis ermunternd, nimmt doch der Anteil des lästigen Dauergraus in Form von
Stratus und Hochnebel von Polen, Tschechien und Österreich immer weiter ab und
die Sonnenanteile entsprechend zu. Sonnenschein gibt weiterhin auch ganz
allgemein in höheren Lagen sowie schwerpunktmäßig in NRW (Lee der westlichen
Mittelgebirge), wobei die zuvor noch präsenten hohen und mittelhohen
Wolkenfelder weitgehend verschwunden sein dürften. Dichte Bewölkung bzw.
Hochnebel halten sich vor allem noch im Südwesten (u.a. obere Donau bis
Bodensee, Oberrhein, RP) sowie Richtung Nordsee. Temperaturmäßig geht es nun
auch im Westen spürbar zurück, auch wenn dort mit bis zu 8°C (+ einige Hochlagen
im Süden) weiterhin das deutschlandweite Maximum erwartet wird. Ansonsten stehen
meist -1°C (bei Dauergrau im SW) bis +6°C auf der Karte. Ach ja, nicht
vergessen, der Böhmische Wind legt wahrscheinlich noch eine Schippe drauf, so
dass der Anteil von 8er- oder 9er-Böen zunimmt.
Die Nacht zum Montag bringt keine wesentlichen Neuigkeiten, wenn man mal von der
Richtung Westen fortschreitenden Abtrocknung absieht. Insbesondere im Südwesten
hält sich aber vielerorts noch Nebel oder Hochnebel. Der Böhmische Wind bleibt
prominent unterwegs und auch über der Ostsee zeigt der „Südost“ spürbare
Regungen, ohne dass daraus aber Handlungsbedarf im Warnmanagement erwächst. Was
auf der Warnkarte zu sehen sein wird sind Frostwarnungen, die nun eine größere
Fläche einnehmen als die Nächte zuvor. Nur noch einige Areale im Westen
(Ruhrpott, Rheinland) sowie Richtung Nordsee dürften ohne Minuszeichen vor der
Temperatur davonkommen. Dafür mehrt sich im Südosten der mäßige Frost unter
-5°C.
Modellvergleich und -einschätzung
Die beschrieben Entwicklung als solche ist unstrittig. Es sind die kleinen
Details wie z.B. die Grundschichtphysik (Nebel/Hochnebel, Frost) oder aber auch
beim genauen Verlauf des Böhmischen Windes), die noch etwas unscharf sind. An
der Basisprognose ändert das aber nichts.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann