#SXEU31 #DWAV130800 #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Dienstag den 13.01.2026 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 130800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 13.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWz
Nach sich auch im Osten bis zum Vormittag entspannender Glatteislage eher
ruhiges Wetter, vor allem im Westen und Süden sehr mild.
Kommende Nacht in einigen Teilen der Osthälfte, in der Nacht zum Donnerstag im
Südosten nochmals markante Glätte bzw. Glatteis nicht ausgeschlossen.
In einigen Hochlagen kommende Nacht und am Mittwoch vorübergehend stürmische
Böen, auf dem Brocken (schwere) Sturmböen.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag… neigt sich die Glatteisregen-Unwetterlage auch in der Osthälfte
ihrem Ende entgegen. So ganz aus dem „Schneider“ sind wir aber dennoch nicht, da
sich die aus Südwesten advehierten, teilweise sehr milden Meeresluftmassen
mangels Gradient auch in den kommenden Tagen (und vor allem Nächten)
insbesondere nach Osten und Südosten zu bodennah nicht so wirklich durchsetzen
können. Dazu kommt, dass der Frost in den Regionen noch teilweise tief im Boden
steckt, so dass immer wieder mit Glätte durch Überfrieren bzw. auch mit Glatteis
durch geringe Niederschläge zu rechnen ist, für Unwetter sollte es aber nicht
mehr reichen.
Die Milderung eingeleitet hat das Frontensystem des Nordmeertiefs „GUNDA“. Die
Warmfront hat sich inzwischen Richtung Tschechien und Ostösterreich
verabschiedet, die Kaltfront schleift über der Mitte des Vorhersagegebietes und
wird im Tagesverlauf mit der auflebenden südwestlichen Höhenströmung als
Warmfront wieder nordostwärts geführt.
Die Wetterwirksamkeit der Front hält sich aber sehr in Grenzen. Auf der
Vorderseite eines nur langsam ostwärts vorankommenden, dafür aber quasi bis zu
den Kanaren amplifizierenden Langwellentrog, der vom Raum Island/Südgrönland
über die Britischen Inseln und die westliche Biskaya bis vor die marokkanische
Küste reicht, hat sich aufgrund beständiger, teils kräftiger WLA ein vom
westlichen Mittelmeer bis nach Mitteleuropa reichender Höhenrücken etabliert,
der sehr langsam über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts schwenkt.
Entsprechend halten sich dynamische Hebungsprozesse sehr in Grenzen. Somit ist
es zwar fast landesweit (Ausnahme: Südschwarzwald bis südliches Alpenvorland)
stark bewölkt bis bedeckt, teilweise auch nebligtrüb, Regen fällt aber aktuell
nur noch vereinzelt im Bereich der schleifenden Front von Ostbayern bis nach
Rheinland-Pfalz. Während sich in der niederen Troposphäre inzwischen überall
milde Meeresluft durchgesetzt hat mit 850 hPa-Temperaturen zwischen 0 Grad im
Nordosten und +4 Grad im Südwesten, konnte sich diese bodennah mit etwas
auflebendem Süd- bis Südwestwind bisher nur im Westen des Landes durchsetzen, wo
die Temperaturen inzwischen verbreitet die 5 Gradmarke überschritten haben.
Trotz Frontpassage hält vor allem in der Osthälfte, aber auch in Südostbayern
mit schwachen südöstlichen Bodenwinden noch tapfer die Kaltluft dagegen, an der
Oder liegen die Werte aktuell bei -2 Grad. Entsprechend hat sich dort mit den
Warmfrontniederschlägen eine Unwetter-Glatteislage eingestellt, die sich mit der
langsamen Milderung und den nur noch in homöophatischen Dosen vorhanden
Niederschlägen am Vormittag ihrem Ende entgegen neigen dürfte. Planmäßig können
die Unwetterwarnungen bis 10 Uhr auch im Nordosten auslaufen, mit dem teilweise
tief im Boden steckenden Frost kann aber hier und da noch (markante) Glätte
durch Überfrieren auftreten.
Ansonsten verläuft der Tag aber wettertechnisch ruhig. Der stellenweise
auftretenden leichte Regen bzw. Nieselregen kommt mit der nach Norden
schwenkenden Front allmählich voran, messbare Niederschläge fallen aber kaum. Im
Südwesten und Süden, vor allem im Lee von Schwarzwald und Alb sowie im
Alpenvorland, kann sich länger die Sonne durchsetzen, sonst bleibt es vielerorts
stark bewölkt bis bedeckt, vor allem im Norden und Nordosten – dort hat sich
Mischungsnebel ausgebreitet – auch nebligtrüb. Der anfangs in den ostbayerischen
Mittelgebirgen in Böen stürmische Südwestwind schwächt sich weiter ab, in den
westlichen und zentralen Mittelgebirgen frischt er dagegen rückseitig des
Rückens zum Abend hin etwas auf, ist aber (noch) nicht warnrelevant (Brocken
abends Bft 8). Die Advektion milder Meeresluft dauert weiter an, bis zum Abend
steigt die 850 hPa-Temperatur auf Werte zwischen 7 Grad ganz im Süden und +1
Grad im Nordosten. Dort kann sie sich bodennah nach wie vor nicht so wirklich
durchsetzen. An der Oder werden die 0 Grad grade so erreicht, generell bleibt es
nordöstlich der Elbe sowie in Ostbayern mit Höchstwerten zwischen 1 und 4 Grad
recht frisch. Sonst werden dagegen milde 5 bis 10 Grad erreicht, in den
Lee-Lagen west- und Südwestdeutschlands sogar bis zu 12 Grad.
In der Nacht zum Mittwoch schwenkt ein Teiltrog mit seiner Achse über die
Britischen Inseln hinweg zur Nordsee. Dadurch stellt sich über dem
Vorhersagegebiet nach Durschwenken des Rückens eine zunehmend zyklonal
konturierte südwestliche Höhenströmung ein und vor allem über dem Nordwesten
kann durch PVA dynamische Hebung generiert werden, die allerdings durch
beginnende KLA teilkompensiert wird.
Entlang der Kaltfront des sich langsam nordwärts verlagernden Nordmeertiefs
entwickelt sich über der Norwegischen See ein Teiltief und zieht bis
Mittwochfrüh ins Seegebiet vor Kap Svinöy, wobei sich in etwa über dem Skagerrak
ein weiteres Teiltief etabliert. Entsprechend überquert die Kaltfront die
Nordsee nur langsam südostwärts und schlägt morgens über der Deutschen Bucht
auf. Mit den zunehmenden Hebungsprozessen intensivieren sich die Niederschläge
sowohl im Bereich bzw. präfrontal der langsam über den Nordosten Deutschlands
schwenkenden Warmfront als auch im Vorfeld der Kaltfront über dem Westen und
Nordwesten des Landes ein wenig, die Mengen bleiben aber sehr übersichtlich
(maximal wenige mm im Nordwesten sowie im Stau einiger westlicher
Mittelgebirge). Kritisch kann es noch einmal im Bereich der
Warmfrontniederschläge im Osten und Nordosten des Landes werden. Insbesondere in
Ostvorpommern, aber auch Richtung Erzgebirge und Zittauer Gebirge hält mit
bodennahen schwachen Südostwinden noch die Kaltluft dagegen und es ist
stellenweise gefrierender Regen bzw. Nieselregen nicht ganz ausgeschlossen.
Unwetterartig dürfte der aber nicht mehr ausfallen, dafür sind die Mengen aller
Voraussicht nach zu gering.
Mit Annäherung der Kaltfront verschärft sich vor allem im Westen, Norden und in
den mittleren Landesteilen der Gradient. In den Niederungen dürfte es aber
angesichts der stabilen Schichtung nicht für warnrelevante Böen reichen, auch
nicht über der Nordsee. In den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge dort gibt
es aber zunehmend steife, exponiert auch stürmische Böen (Bft 7 bis 8) aus
Südwest, auf dem Brocken Sturm- bzw. schwere Sturmböen (Bft 9 bis 10).
Über Süddeutschland dominiert dagegen schwacher Hochdruckeinfluss. Vor allem
südlich der Donau sowie in Ostbayern ist es aufgelockert, teils auch gering
bewölkt, allerdings können sich in den Niederungen rasch Nebel- und
Hochnebelfelder ausbreiten. Verbreitet gibt es dort leichten, in einigen
Alpentälern auch mäßigen Frost und stellenweise tritt Glätte durch Überfrieren
auf.
Mittwoch… schwenkt der Teil- bzw. Randtrog über die Nordsee und
Norddeutschland rasch ostwärts Richtung Südschweden und südliche Ostsee. Ein
Troganteil hängt Richtung Ostfrankreich zurück, dazwischen nimmt die
südwestliche Höhenströmung über Süddeutschland eher eine antizyklonale Kontur
an.
Im Bodenfeld zieht das Teiltief vom Skagerrak in den Raum Gotland, während das
Tief über der Norwegischen See ein wenig nach Norden vorankommt. Beide schwächen
sich nach Trogpassage ab. Die Kaltfront greift auf Norddeutschland über, wird
aber mangels Schubkomponente eingebremst und erreicht abends in etwa eine Linie
Westmünsterland-Uckermark. Präfrontal weiten sich die leichten Niederschläge auf
die mittleren und östlichen Landesteile aus, anfangs ist Richtung Oder und
Lausitz, vielleicht auch im Vogtland Glätte bzw. Glatteis nicht ausgeschlossen,
im Tagesverlauf sollte sich aber auch dort die Lage entspannen. Nach wie vor
kommen nicht allzu hohe Mengen zusammen, im Stau einiger westlicher
Mittelgebirge sind es bis zum Abend mehr als 5 l/m², sonst teils deutlich
weniger, im Lee einiger Mittelgebirge bleibt es trocken, ebenso etwa vom
Nordschwarzwald bis zum Oberpfälzer Wald und weiter südöstlich. Im Nordwesten
und Norden klingen die Regenfälle postfrontal rasch ab und die Wolken lockern
auf. Präfrontal scheint vor allem im Alpenvorland länger die Sonne, sonst bleibt
es in den meisten Regionen bedeckt und trüb.
Vor allem in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen, aber auch auf den
Alpengipfeln weht weiterhin lebhafter Südwestwind mit stürmischen Böen in den
Kamm- und Gipfellagen, exponiert auch Sturmböen, auf dem Brocken anfangs mit
schweren Sturmböen. Spätnachmittags und abends fächert der Gradient aber auf und
der Wind schwächt sich langsam ab.
Postfrontal strömt in den Norden erwärmte maritime Polarluft mit -2 Grad in 850
hPa, im Süden sinkt die 850 hPa-Temperatur nur langsam auf etwa 4 Grad. Mit der
Durchmischung klappt es vor allem nach Nordosten und Südosten zu weiterhin nicht
sonderlich gut, dort liegen die Höchstwerte nach wie vor unter 5 Grad. Sonst
werden erneut 5 bis 10 Grad, im Südwesten und im Alpenvorland gebietsweise bis
12 Grad erreicht.
In der Nacht zum Donnerstag wird der flache Höhenkeil über Süddeutschland nach
Osten abgedrängt und der Troganteil über Frankreich kommt nach Süddeutschland
voran. Vorderseitig entwickelt sich an der über der Mitte schleifenden Kaltfront
vorübergehend eine flache Welle, die langsam über die nördliche Mitte hinweg
ostnordostwärts schwenkt. Vor allem an deren Südflanke können sich insbesondere
nach Lesart des ICON-EU aufgrund von recht markanter PVA vorübergehend
intensivieren und kommen auch nach Südosten voran. Insbesondere im
Schwarzwaldstau fallen dabei 10 bis örtlich über 15 l/m² in 12 Stunden.
Ansonsten bleiben die Mengen in der breiten Mitte übersichtlich, im Norden und
auch in Südostbayern bleibt es dagegen trocken. Vor allem im Norden ist der
Himmel teilweise und vorübergehend gering bewölkt (erst in den Frühstunden
werden die Wolken von Süden rasch dichter), so dass es – außer im Nordwesten, wo
sich eher noch dichtere Bewölkung hält – verbreitet leichten Frost und
stellenweise Glätte durch Überfrieren gibt, zudem können sich dichte Nebelfelder
ausbreiten. Ähnlich verhält es sich auch in Südostbayern, insbesondere Richtung
Alpen. Im Übergangsbereich zu den Niederschlägen kann es insbesondere in
Ostbayern nochmals gefrierenden Regen geben, voraussichtlich aber nicht
unwetterartig.
Der Wind flaut auch in den Mittelgebirgen weiter ab und ist irgendwann selbst
auf dem Brocken nicht mehr warnrelevant. Mit Ausnahme des Nordens und Südostens
verläuft die Nacht fast überall frostfrei.
Donnerstag… verlagert sich der flache kurzwellige Randtrog rasch über die
Mitte und den Süden des Landes hinweg ostwärts. Dahinter stellt sich
vorderseitig eines langsam Richtung Britische Inseln schwenkenden breiten
Langwellentroges erneut eine südwestliche Höhenströmung ein, die über dem
Vorhersagegebiet überwiegend antizyklonal konturiert ist.
Im Bodenfeld wird die Front nun wieder nordostwärts geführt und weist dazu
deutliche Auflösungstendenzen auf. Vormittags fällt noch gebietsweise etwas
Regen, der nun auch den Südosten Bayerns erfasst, so dass dort örtlich Glatteis
auftreten kann, nachmittags bleibt es dann aber vielerorts bereits trocken.
Während im Osten und Süden nach Passage der Front leichter Druckanstieg
überwiegt, beginnt der Druck dagegen mit Annäherung des Troges und eines damit
korrespondierenden Bodentiefs, das abends Südengland erreicht, im Westen und
Norden Deutschlands leicht zu fallen. Somit dreht die Strömung
niedertroposphärisch auf südliche Richtungen und der Gradient verschärft sich
gering fügig. Für warnrelevante Böen dürfte es aber nach wie vor nicht reichen.
Allerdings wird es niedertroposphärisch allmählich wieder milder mit 850
hPa-Temperaturen zwischen -1 Grad an der Ostsee und +6 Grad am Alpenrand in den
Abendstunden. Vor allem an den Alpen, im Alpenvorland und im Lee der
südwestdeutschen Mittelgebirge kann sich erneut die Sonne häufig durchsetzen,
während es sonst wolkig bis stark bewölkt, im Norden und Nordosten auch bedeckt
bleibt. Erneut werden im Nordosten und auch in Teilen von Ostbayern, wo sich
stellenweise Nebel/Hochnebel halten, keine 5 Grad erreicht, während sich
ansonsten mit Maxima zwischen 5 und 10 Grad, im Westen/Südwesten bis 12 Grad
temperaturtechnisch wenig ändert.
In der Nacht zum Freitag zieht das Bodentief von Südengland zur westlichen bzw.
nordwestlichen Nordsee. Es kann sich vorderseitig eines kurzwelligen Randtroges
etwas vertiefen, so dass sich der Gradient über der Nordsee verschärft und es
dort einzelne steife Böen aus Südost geben kann. Nach Lesart des UK10 nimmt das
Tief einen östlicheren Kurs, so dass auch im nordwestdeutschen Binnenland der
Wind warnrelevant auffrischen könnte, diese Version stellt aber eine
Einzelfalllösung dar. Maximal treten in den kamm- und Gipfellagen der westlichen
und zentralen Mittelgebirge steife bis stürmische Böen aus Süd bis Südost auf.
Die okkludierte Front des Tiefs streift zwar eventuell noch den äußersten Westen
und Nordwesten Deutschlands, bringt aber maximal ein paar Tropfen, sonst bleibt
es trocken. Im Osten und Süden bleibt es dagegen aufgelockert bis gering
bewölkt. Dort gibt es vielerorts Frost und Glätte durch Überfrieren,
stellenweise auch dichten Nebel. Im Westen und Norden bleibt es dagegen
frostfrei.
Modellvergleich und -einschätzung
Der grobe Fahrplan steht zwar, dennoch gibt es im Detail noch gewisse
Unschärfen, in erster Linie, die wellende Kaltfront in der Nacht zum Donnerstag
betreffend. Die Frontalwelle wird vom ICON-EU wetterwirksamer und entsprechend
niederschlagsintensiver als von den anderen vorliegenden Modellen simuliert.
Warnrelevant sind die Mengen aber nicht, allerdings könnte es in Teilen von
Ostbayern dann nochmal für gefrierenden Regen reichen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff