SXEU31 DWAV 300800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 30.08.2025 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TB
Heute einzelne Gewitter, lokal mit markantem Starkregen.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag… greift ein Höhentrog von Westen auf Deutschland über. Er kommt im
Tagesverlauf nur langsam weiter ostwärts voran, sodass dessen Achse am Abend von
Dänemark und Schleswig-Holstein über die mittleren Landesteile bis in den
Südosten Deutschlands verläuft. Dabei liegt über Deutschland eine leicht labil
geschichtete Luftmasse, in der sich dann bei wechselnder Bewölkung einzelne
Schauer entwickeln. Bei ML-CAPE bis 300 J/kg ist auch ein einzelnes Gewitter
nicht ausgeschlossen. Die PPW Werte liegen meist zwischen 19 und 25 mm, sodass
Starkregen nur gering wahrscheinlich ist. Einzig im äußersten Nordosten liegt
noch eine etwas feuchtere Luftmasse mit PPW Werten bis 30 mm, sodass dort auch
I-D2 EPS an der Grenze zu Polen leicht erhöhte Wahrscheinlichkeiten für
markanten Starkregen zeigt. Ähnliches gilt für das Erzgebirge und die südlichen
Mittelgebirge, wo bei Schauern und Gewittern durch langsame Verlagerung auch
Starkregen auftreten kann. Scherung ist quasi nicht vorhanden und auch der
Höhenwind ist vergleichsweise schwach, sodass maximal Böen Bft 7 in Verbindung
mit Schauern und Gewittern auftreten sollten. Einzig im Südwesten, wo die
Scherung im Tagesverlauf zunimmt, sind eine schwache Bft 8 und kleinkörniger
Hagel nicht ganz ausgeschlossen.
Dem Trog folgt gestützt durch kräftige WLA ein Höhenrücken. Somit schwächt sich
der Einfluss eines flachen Tiefs mit Kern über der Nordsee ab und es schiebt
sich im Tagesverlauf ein Hochkeil von Südwesten nach Deutschland herein. Dies
hat zur Folge, dass die Schichtung von Westen nach Durchgang der Trogachse
leicht stabilisiert und die Schauertätigkeit am späten Nachmittag von Westen
nachlässt.
Zwischen den Schauern zeigt sich auch mal längere Zeit die Sonne. Die Temperatur
steigt meist auf 19 bis 25 Grad an.
Am Rande des Tiefs über der Nordsee weht der Wind aus Südwest anfangs im
Nordwesten noch teils mäßig bis frisch. Mit Auffüllen des Tiefs schwächt sich
der Wind wieder ab.

In der Nacht zum Sonntag zieht der Trog allmählich ostwärts ab und der Rücken
schiebt sich weiter landeinwärts. Dabei verläuft dessen Achse in der Früh
zentral von Süd nach Nord über uns hinweg. Dabei dominiert auch im
Bodendruckfeld schwacher Hochdruckeinfluss. Somit kommen die Schauer im Laufe
der Nacht zum Erliegen und es klart vielfach auf. Mit der fortgeschrittenen
Jahreszeit kann sich dann gebietsweise Nebel bilden, vor allem in den
Flussniederungen Süddeutschlands. Bei längerem Aufklaren sinkt die Temperatur
vor allem im Süden auf einstellige Werte bis 7 Grad ab. Sonst liegen die
Tiefstwerte meist zwischen 14 und 10 Grad. Milder bleibt es im Westen und
Nordwesten bei Tiefstwerten um 15 Grad, denn dort zieht bereits in der ersten
Nachthälfte mehrschichtige Bewölkung auf. Sie steht im Zusammenhang mit dem
Frontensystem des Sturmtiefs ULRICH mit Kern nordwestlich von Irland (Kerndruck
knapp unter 970 hPa). Die teilokkludierte Kaltfront greift noch nicht auf uns
über, ausgangs der Nacht kann aber ganz im Westen und Nordwesten etwas Regen
fallen.

Sonntag… verbleibt das Sturmtief mit seinem Kern nahezu ortsfest westlich von
Schottland und wird dort die Rolle eines steuernden Zentraltiefs einnehmen. In
der Höhe ist es mit einem umfangreichen Trog verbunden, der vom Nordwesten
Europas bis zur Iberischen Halbinsel reicht. Dabei liegt das Bodentief nahezu
achsensenkrecht, sodass es den Höhepunkt seiner Entwicklung bereits
überschritten hat und sich beginnt leicht abzuschwächen.
Die teilokkludierte Kaltfront des Tiefs greift auf Deutschland über. Da sie aber
nahezu höhenströmungsparallel liegt und sich an der Front über Ostspanien ein
Wellentief entwickelt, gerät sie ins Schleifen und kommt nur über dem Westen und
Nordwesten noch etwas weiter ostwärts voran. Dort fällt gebietsweise etwas Regen
mit Mengen auf Basis von ICON meist zwischen 3 und 10 mm in 12 Stunden. Etwas
CAPE ist zwar vorhanden, für konvektive Umlagerungen ist die Schichtung aber zu
stabil. Einzig knapp postfrontal ist ein einzelnes Gewitter nicht
ausgeschlossen, eher aber über Belgien oder den Niederlanden.
Die weiteren Landesteile bleiben noch außen vor. Vor allem in der Südosthälfte
zeigt sich häufig die Sonne und es wird sommerlich warm bei Höchstwerten bis 27
Grad. Im Westen und Nordwesten bleibt es unter dichten Wolken etwas kühler bei
Werten zwischen 20 und 24 Grad.

In der Nacht zum Montag kommt der Höhentrog nur wenig weiter ostwärts voran. Die
Front wird durch das Richtung Balearen vorankommende Wellentief weiter gebremst.
Sie erreicht bis Montagfrüh nach ICON etwa eine Linie
Schleswig-Holstein/Hessen/Schwarzwald. Über Deutschland bleiben die Regenfälle
meist schwach bis mäßig und erreichen 12-stündige Mengen zwischen 1 und 5 mm,
lokal etwas darüber.
Auch in der Osthälfte nimmt die Bewölkung etwas zu, sodass die Nacht bei
Tiefstwerten zwischen 16 und 9 Grad nicht so kühl wird wie die Vornacht.

Montag… schwenkt der Trog noch ein wenig weiter ostwärts, wir verbleiben aber
weiter auf dessen Vorderseite im Bereich einer südwestlichen Strömung. Die Front
erreicht die Osthälfte Deutschlands. Während sich die Niederschläge auf der
Alpensüdseite in Verbindung mit dem Tief intensivieren, schwächen sie sich
hierzulande durch fehlende Hebungsantriebe eher ab, sodass die Regenmengen meist
unter 5 mm in 12 Stunden bleiben. Vor allem über dem Osten und Nordosten bleibt
es gebietsweise auch trocken. Der äußerste Osten und Südosten verbleiben noch
präfrontal ohne Regen, dafür mit sonnigem Wetter und nochmals sommerlichen
Temperaturen bis 28 Grad. Auch postfrontal lockert die Bewölkung stärker auf.
Die etwas kühlere einfließende Luftmasse macht sich aber bemerkbar, sodass dort
wie auch im Frontbereich die Höchstwerte „nur“ zwischen 18 und 23 Grad liegen.

In der Nacht zum Dienstag schwenkt die Trogspitze in Richtung Alpenraum.
Vorderseitig kommt kräftige Hebung auf wodurch sich die Niederschläge im
Alpenraum, aber auch an der nach wie vor über Süddeutschland schleifenden Front
intensivieren können. Dabei gibt es Signale, dass es stellenweise mal für das
Erreichen markanter Starkregen oder Dauerregenkriterien reichen könnte. Auch
über dem Osten und Nordosten fällt an der Front noch etwas Regen. Sonst bleibt
es bei teils aufgelockerter Bewölkung trocken. Die Tiefstwerte liegen allgemein
zwischen 15 und 10 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Passage der Kaltfront bezgl. Geschwindigkeit und Ausprägung werden noch
unterschiedlich prognostiziert. ICON ist deutlich offensiver als die externen
Modelle, die allesamt eine langsamere Verlagerung zeigen und auch die
Niederschlagsschwerpunkte, teilweise auch die Mengen noch unterschiedlich
prognostizieren. Für die Nacht zum Dienstag und der Intensivierung der
Regenfälle über dem Süden zeigen die Modelle wieder eine größere
Übereinstimmung, wenngleich die Schwerpunkte noch etwas unterschiedlich
prognostiziert werden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Johanna Anger