#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 28.08.2025 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 28.08.2025 um 10.30 UTC
Wechselhaft mit Schauern und einzelnen Gewittern. Sonntag/Montag gebietsweise
auch gewittriger Starkregen. Allmählicher Temperaturrückgang, zu Beginn
kommender Woche maximal nur noch mäßig warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 04.09.2025
Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am Sonntag, geraten wir auf die Vorderseite
eines umfangreichen Zentraltiefs bei Schottland. Der zugehörige Langwellentrog
greift unter Amplifizierung auf die Britischen Inseln und die Biskaya über.
Bereits am Vormittag greift die Kaltfront des Zentraltiefs auf den Westen
Deutschlands über und gerät auf dem Weg nach Osten immer mehr ins Schleifen, da
der Trog zurückhängt und noch westlich von uns bleibt. Präfrontal bzw. mit
Frontpassage werden nur zunächst wenige Niederschläge simuliert. Auch, wenn in
den Warmsektor erneut eine warme und sehr feuchte Luftmasse in den Südosten
gesteuert wird, dürfte es kaum für Gewitter reichen. Insgesamt wird nochmals ein
Schub warmer Luft aus dem Raum der Biskaya ins Vorhersagegebiet gesteuert,
sodass es mit Maxima zwischen 22 und 26 Grad, an der Nordsee um 20 Grad nochmals
warm wird. Der Wind nimmt allerdings präfrontal zu. Es reicht nur dann über der
Deutschen Bucht und auf exponierten Gipfeln (Brocken) eventuell für einzelne
stürmische Böen aus Süd.
In der Nacht zum und am Montag tagsüber überquert der Trog die Britischen Inseln
und greift allmählich auf das westliche Mitteleuropa bzw. die Nordsee über, bis
Dienstag dann auch auf das Vorhersagegebiet. Vorderseitig wird die wellende
Kaltfront des Zentraltiefs nördlich von Schottland wieder aktiviert. Dabei
deuten die Modelle die Passage einer Frontalwelle an, wobei es bezüglich der
Zugbahn aber noch Unterschiede gibt. Vor allem an der Nordwestflanke der Welle
kann es kräftiger und konvektiv, also mit Gewittern durchsetzt regnen,
gebietsweise ist auch mehrstündiger Starkregen wahrscheinlich. Dies betrifft die
Regionen von Rheinland-Pfalz über Hessen und das östliche Niedersachsen bis zur
Ostsee und zwischen dem Bodensee und dem westlichen Alpenrand. Bis Montagabend
zieht dann die Frontalwelle nordostwärts ab.
Rückseitig setzt sich am Montag und Dienstag mäßig warme Atlantikluft, innerhalb
derer es zu weiteren Schauern und auch kurzen Gewittern kommt. Die Luftmasse
bleibt feucht, so dass als Begleiterscheinung neben Böen Bft 7 bis 8 kleinräumig
auch mal Starkregen auftreten kann. T850 hPa geht bis Dienstag allmählich auf 6
bis 10 Grad zurück, so dass es nur noch mäßig warm wird mit Maxima zwischen 17
und 22 Grad, am Montag nach Osten zu nochmals bis 24 Grad.
Bis Mittwochvormittag schwenkt der Trog weiter ins östliche Mitteleuropa,
gefolgt von einem schwachen Höhenkeil, der sich durch kräftige WLA vorderseitig
einer erneuten Austrogung über den Britischen Inseln über Mitteleuropa aufwölbt
und bis zum Abend das Vorhersagegebiet bereits passiert hat. Bereits in der
Nacht zum Donnerstag greift dann das Frontensystem des mit dem Trog
korrespondierenden Bodentiefs auf Deutschland über. Somit stellt sich am
Mittwoch lediglich eine vorübergehende Wetterberuhigung ein. Schauer gibt es nur
noch vereinzelt, am ehesten im Nordwesten sowie im Süden. Ansonsten kommt auch
mal länger die Sonne durch und die Temperaturen steigen wieder etwas an. Bereits
am frühen Abend werden die Wolken von Westen wieder dichter, gefolgt von
schauerartigen Niederschlägen, die bis Donnerstagfrüh auch die Osthälfte
erfassen.
Am Donnerstag greift dann dieser Höhentrog allmählich von West- auf Mitteleuropa
über und beschert dem Vorhersagegebiet einen wechselhaften Witterungsabschnitt
mit Schauern und Gewittern bei wieder etwas zurückgehenden Temperaturen, die bis
Ende nächster Woche anhält.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der IFS-Läufe ist bis Mitte nächster Woche gut. Demnach liegt
Deutschland im Einflussbereich eines imposanten Zentraltiefs bei Schottland.
Dabei geraten wir auf die Vorderseite eines Langwellentroges über West- bzw.
Nordwesteuropa. Somit steht ein unbeständiger und mäßig warmer
Witterungsabschnitt ins Haus. Im weiteren Verlauf verbleibt Deutschland
weiterhin unter Tiefdruckeinfluss, jedoch nehmen die Unsicherheiten bzgl. der
Position und Ausprägung des Langwellentroges, der über dem Nordatlantik liegt,
zu. Die kurzwelligen Anteile machen dann den Unterschied. Auf jedem Fall steht
uns eine nasse bis sehr nasse Woche vor allem im Südwesten und Süden bevor
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen Globalmodelle sehen die Wetterentwicklung sehr ähnlich wie das
IFS. Also der grobe Fahrplan steht. Unterschiede ergeben sich allerdings dann
mit der Frontalwelle in der Nacht zum Montag und am Montag tagsüber. Diese haben
zwar alle Modelle mehr oder weniger auf der Agenda, allerdings mit leicht
voneinander abweichenden Zugbahnen, was entsprechende Differenzen bzgl. der
Niederschlagsprognosen zur Folge hat. Auf jedem Fall dürfen gebietsweise nach
allen Modellen mit recht hoher Wahrscheinlichkeit die Warnschwellen für Stark-
und vielleicht sogar Dauerregen überschritten werden. Unwetterartige Mengen
stehen allerdings derzeit nicht zur Debatte.
Auch danach geht es mit Tiefdruckeinfluss unbeständig weiter. Die Lage und
Zugbahn der einzelnen Tröge bzw. Höhentiefs werden aber zu Beginn der
erweiterten Mittelfrist zunehmend unterschiedlich simuliert.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte sind bis Mitte nächster Woche eng
gebündelt. Dabei geht die 850-hPa-Temperatur langsam zurück, von grob 12 auf 6
Grad. Das Geopotential ist relativ niedrig und es gibt reichlich
Niederschlagssignale. Der Tiefdruckeinfluss überwiegt und von einer
Trogvorderseite gerät Deutschland mit der Ostverlagerung des Haupttroges immer
mehr an seine Rückseite, sodass zunehmend kühlere Meeresluft gelangen kann. Ab
Mitte nächster Woche nimmt der Spread zu, wobei die meisten Member eine kühle
und zyklonale Witterung aufweist. Aber es gibt welche, die einen deutlichen
Temperaturanstieg zeigen.
Die Clusteranalyse zeigt für den Zeitraum 72 bis 96 Stunden 3 Cluster mit Haupt-
und Kontrolllauf in Cluster 1. Alle zeigen ein sehr ähnliches Muster: das
kräftige Zentraltief bei Schottland und der langwellentrog über West- bzw.
Nordwesteuropa.
Im Zeitraum 120 bis 168 Stunden gibt es 4 Cluster mit Haupt- und Kontrolllauf in
Cluster 1. Nach Lesart beider Cluster greift der Westeuropatrog langsam auf
Mitteleuropa über, wird aber im Verlauf im Bereich der Britischen Inseln bzw.
knapp westlich regeneriert. Unterschiede ergeben sich in erster Linie bzgl. der
Trog- bzw. Frontenpassagen und der Geometrie der Tröge, was wiederum Einfluss
auf die Niederschlagsprognosen im Detail hat.
Deutlich auseinander gehen die Einzelmember dann im erweiterten
Mittelfristzeitraum ab der zweiten Hälfte der kommenden Woche (192 bis 240
Stunden). 6 Cluster sind dann zur Verfügung, von Trog Mitteleuropa bis Trog
Westeuropa ist alles dabei. Die meisten Lösungen sind kalte Lösungen. Aber es
gibt ein paar warme Lösungen, wenn die neue Austrogung westlich von uns bleibt.
Dann gelangen wir erneut unter einer südwestlichen Strömung.
FAZIT:
Der grobe Fahrplan steht. Es bleibt wechselhaft mit Schauern und Gewittern, aber
durchaus auch freundlichen Abschnitten zwischendurch bei einem gemäßigten
Temperaturniveau.
Die räumliche Verteilung und Intensität der zumeist konvektiven Niederschläge
sind natürlich noch mit Unsicherheiten behaftet, die bzgl. der
Frontalwellenentwicklung entlang der Kaltfront ab der Nacht zum Montag bis
Montag tagsüber durchaus auch Warnrelevanz aufweisen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Als signifikante Wettererscheinungen stehen in erster Linie konvektiv
durchsetzte Niederschläge auf der Agenda ein, als einzelne kräftige Gewitter
oder als mehrstündiger, konvektiv durchsetzter Starkregen.
Von der Nacht zum Montag bis Montag tagsüber besteht mit der Passage einer
Frontallwelle ein erhöhtes Potenzial für kleinräumig auftretenden Starkregen,
eventuell mit Gewittern durchsetzt. Die Schwerpunkte der Niederschläge dürften
von Rehinland-Pfalz bis ins östliche Niedersachsen und zwischen dem Bodensee und
dem westlichen Alpenrand. Unwetterartige Mengen sind nach heutiger Sicht sehr
gering. In den EPS-Verfahren schlägt das allerdings noch nicht zu Buche, dazu
dürften die Ereignisse zu kleinräumig ausfallen.
Auch danach bleibt es im Einflussbereich labil geschichteter, mäßig warmer
Meeresluft unbeständig mit Schauern und auch Gewittern, die angesichts der recht
hohen Feuchte neben Böen Bft 7 bis 8 auch von lokal eng begrenztem Starkregen
begleitet werden können.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta