#SXEU31 #DWAV #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Donnerstag den 28.08.2025 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 280800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 28.08.2025 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL TB
Heute gebietsweise gewittrig durchsetzte Starkniederschläge, örtlich Unwetter.
Im Westen und Nordwesten nachmittags einzelne markante Gewitter. Nachts im Süden
neue, teils gewittrige Starkniederschläge, vormittags abziehend. Anschließend
weiter wechselhaft, aber ohne markante Warnschwellen.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag… befindet sich der Vorhersageraum vorderseitig eines
Langwellentroges, dessen Achse von Westfrankreich kommend langsam ostwärts
wandert. Über Deutschland ergibt sich damit eine recht stramme südwestliche
Höhenströmung. Eine erste wellende Kaltfront erstreckt sich am Morgen vom
Südwesten bis in den Nordosten und kommt aufgrund der strömungsparallelen Lage
nur schleppend ostwärts voran.
An Starkregencluster mit eingelagerten Gewittern hat sich in der Nacht über
Ostfrankreich gebildet und ist vom Südwesten Deutschlands mittlerweile bis in
die mittleren Landesteile vorangekommen. Dort fallen bis zu 25 l/m² in kurzer
Zeit. Örtlich eng begrenzt fallen auch mal über 25 l/m² in 1h bzw. um 35 l/m² in
2 bis 3 h.
Das ICON-RUC hat den Starkregencluster mittlerweile recht gut erfasst und dient
als gute Orientierungshilfe, um die gewittrigen Starkregenwarnungen mit etwas
Vorlauf stromab auszuweiten.
Bis zum Nachmittag erreicht der Cluster schließlich den Osten und Nordosten des
Landes. Die Modelle deuten dabei eine gewisse Abschwächung an, sodass die
Unwettergefahr dann wohl nur noch gering ist. Aufgrund der hohen ppw-Werte und
der Großräumigkeit sind markante Mengen im kurzen Zeitbereich, aber auch
mehrstündig, weiterhin zu erwarten
Nach Süden hängt die Kaltfront etwa zurück. Im Südwesten liegt derzeit ein
Dauerregengebiet mit Stundenmengen von 5 bis 7 l/m². Vorderseitig scheint
derzeit die Sonne. Etwa ab dem Mittag sollen sich aus den Alpen heraus Gewitter
entwickeln, neben kleinkörnigem Hagel und Windböen steht vor allem der
Starkregen im Fokus. Die verschiedenen Modelle bringen punktuell Hinweise für
markanten Starkregen. Das gilt vor allem für die Alpennahen Gebieten. Das
Berchtesgadener Land wird dabei erst ab den Abendstunden erreicht.
Mit einer leichten Druckanstiegswelle ist nachfolgend ersteinmal für mehrere
Stunden Pause.
Eine zweite Region im Fokus sind die westlichen Landesteile. Dort erreicht
gestützt von der Trogachse eine zweite Kaltfront Deutschland am Abend. Im
Vorfeld kann sich mit Unterstützung von sonnigen Abschnitte, die die Maxima
nochmal auf Werte um, oder leicht über 25 Grad treiben, etwas CAPE aufbauen
(wenige hundert J/kg). Etwa ab den Mittagsstunden bilden sich in der
feuchtlabilen Luftmasse, beginnend über der Eifel, erste Gewitter. Nachfolgend
breiten sich Schauer und die einzelnen Gewitter über den gesamten Westen und bis
in den Nordwesten aus. Die Feuchtewerte sind etwas geringer, als in der
subtropisch geprägten Luftmasse im Vorfeld der ersten Front. Dennoch deuten
ppw-Werte weiterhin das Potential für Starkregen im markanten Bereich an.
Unwettermengen sind aber eher nicht zu erwarten. Daneben sind Windböen und Hagel
möglich, einzelne stürmische Böen können in der gut gescherten Umgebung nicht
ausgeschlossen werden.
In der Nacht auf Freitag ist die erste Front bereits ostwärts abgezogen und die
zweite Kaltfront kommt ostwärts voran und liegt zum Morgen über der Mitte des
Landes. Die daran gekoppelten Schauer kommen dann ebenso bis zur Mitte voran,
schwächen sich aber im Nachtverlauf immer weiter ab und Gewitter sind dann
tagesgangbedingt auch nicht mehr zu erwarten.
Anders im Süden. Dort sollen sich aus den Alpen heraus erneut teils gewittrig
durchsetzte Starkniederschläge entwickeln, die sich bis in das Alpenvorland
vorarbeiten. Da sind dann erneut markante Mengen sowohl im kurzzeitigen, als
auch im mehrstündigen Bereich möglich.
Rückseitig einer Druckanstiegswelle soll sich nachfolgend ein Bodenhoch nördlich
der Alpen ostwärts schieben, sodass sich vorübergehend für wenige Stunden eine
Gegenstromlage einstellt, ehe nachfolgend der Druck wieder fällt. Damit sind die
größten Mengen im Bereich der Alpenstaulagen von Allgäu, Werdenfelser Land und
zuletzt Berchtesgadener Land zu erwarten. Überschreitung von Unwetterschwellen
im mehrstündigen Bereich sind durchaus möglich. Allerdings gibt es da noch eine
erhebliche Streubreite in der genauen Lokalisierung zwischen den verschiedenen
hochauflösenden Modellen, sodass soetwas wohl weiterhin nur im Nowcasting zu
entscheiden ist.
Rückseitig der Kaltfront beruhigt sich das Wetter allgemein, gebietsweise kann
die Wolkendecke stärker auflockern. Die Tiefstwerte bleiben zweistelligen
Bereich, wobei es präfrontal mit 17 bis 14 Gad am mildesten bleibt.
Freitag… verbleiben wir weiterhin vorderseitig der Trogachse, die sich bim
Abend nach Ostfrankreich verlagert, in einer südwestlichen Höhenströmung. Die
Bodenkaltfront kommt bis zum Mittag bis in den Osten voran, sodass dann der
gesamte Vorhersageraum postfrontal liegt. Die Niederschläge an den östlichen
Alpen lassen bereits am Vormittag nach, bzw. ziehen ostwärts ab. Am längsten
regnet es schauerartige verstärkt noch im Osten und Nordosten des Landes.
Warnschwellen werden dann aber voraussichtlich nicht mehr überschritten.
Nachfolgend ist es über großen Teilen des Landes trocken und auch die Sonne
lässt sich häufiger blicken. Dies gilt besonders für die Regionen über der
breiten Mitte, zwischen den abziehenden Niederschlägen im Osten und der sich
nähernden Troglinie im Westen.
Den äußersten Westen erreichen die schauerartigen Trogniederschläge am späten
Nachmittag und Abend. Warnungen dürften dafür nicht erforderlich sein. Mit
Sonnenunterstützung werden bis 25 Grad erwartet. Nach Osten und Südosten, sowie
ganz im Westen liegen die Werte nachmittags etwas niedriger.
In der Nacht auf Samstag erreicht die Trogachse den Westen, wird aber in ihrer
Verlagerung immer langsamer, was nicht zuletzt auch auf einem beginnenden
Abtropfprozess in Richtung Golf von Genua zurückzuführen ist. Damit kommen die
schauerartigen Niederschläge auch kaum noch ostwärts voran und schwächen sich in
der zweiten Nachthälfte ab.
Mit Unterstützung der Nordsee kann es eben dort einzelne kurze Gewitter geben.
An den Alpen kann bildet sich mit steigendem Luftdruck ein flaches Bodenhoch
aus, sodass sich vorderseitig des Trogachse wieder eine leichte Gegenstromlage
einstellt. Damit können aus den Alpen heraus Dauerniederschläge einsetzen, die
primär den direkten Alpenraum betreffen und voraussichtlich unterhalb der
Warnschwellen ablaufen. Die Minima liegen abgesehen von höheren Berglagen
zwischen 15 und 10 Grad.
Samstag… zieht das Trogresiduum des in Teilen abgetropften Troges im
Tagesverlauf ostwärts über Deutschland hinweg. Dahinter kann von Westen ein
flacher Rücken übergreifen, der im weiteren Verlauf von WLA überlaufen wird.
Die Dauerniederschläge im Alpenvorland lassen im Laufe des Vormittages nach. Mit
der Trogachse werden von den Modellen kaum Niederschlagssignale simuliert, da es
sowohl in den unteren, als auch in höheren Troposphärenniveaus rasch abtrocknet.
Mit dem Rücken gib es vorübergehend freundliche und zeitweise sonnige Phasen,
ehe mit der WLA im Laufe des Nachmittags im Westen wieder mehrschichtige
Bewölkung aufzieht. Warntätigkeit ist nicht zu erwarten.
In der Nacht auf Sonntag zieht der flache Rücken ostwärts ab. Die mehrschichtige
Bewölkung breitet sich ostwärts über Deutschland aus und erreicht bis zum Morgen
die östlichen Landesteile, wobei im Westen und Nordwesten dann Regen einsetzt.
Das europäische Modell ist bei der Verlagerung deutlich langsamer und lässt die
Bewölkung gerade einmal die Mitte erreichen und den Regen noch nicht auf
Deutschland übergreifen.
Warnungen werden für die Nacht nicht erwartet. Vor allem nach Osten und Südosten
kann es stärker auflockern. Besonders über Bayern und Teilen von
Baden-Württemberg können die Werte in den einstelligen Bereich rutschen. Am
mildesten bleibt es in den bedeckten Gebieten vom Niederrhein bis Emsland bei
Werten um 16 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Die grundlegende Entwicklung im Kurzfristbereich wird recht einheitlich
prognostiziert. Erst zum Ende ergeben sich zeitliche Differenzen beim
Übergreifen des neuen Frontensystems von Westen. ICON ist da progressiver, als
das ECMWF.
Details betreffend gibt es Unsicherheiten bezüglich der genauen Schwerpunkte der
Starkniederschläge in Alpennähe in der Nacht auf Freitag.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer