S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 27.08.2025 um 10.30 UTC

Wechselhaft mit Schauern und einzelnen Gewittern, am Montag gebietsweise auch
Stark- oder Dauerregen; allmählicher Temperaturrückgang, zu Beginn kommender
Woche maximal nur noch mäßig warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 03.09.2025

Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am kommenden Wochenende, geraten wir auf
die Vorderseite eines umfangreichen Zentraltiefs, dessen Entwicklung zu einem
veritablen Sturmtief auch noch den Überresten des Ex-Tropensturms „FERNAND“
geschuldet ist. Den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht dieses Tief in der
Nacht zum Sonntag mit einem Kerndruck von unter 975 hPa irgendwo im Bereich der
Hebriden. Der zugehörige Langwellentrog greift unter Amplifizierung am Sonntag
auf die Britischen Inseln und die Biskaya über.
Derweil wird das Vorhersagegebiet am Samstag noch von einem weiteren Höhentrog
passiert, der durch WLA vorderseitig des Zentraltiefs deutlich an Wellenklänge,
Kontur und somit auch Wetterwirksamkeit verliert. Der folgende Höhenkeil folgt
dann rasch in der Nacht zum Sonntag.
Mit Trogpassage kann es am Samstag noch einzelne, meist wenig ergiebige Schauer
geben, dazwischen lässt sich aber auch mal die Sonne blicken und mit etwa 19 bis
24 Grad wird es nochmals relativ warm.

Bereits Sonntagfrüh greift dann die Kaltfront des oben genannten Zentraltiefs
auf den Westen Deutschlands über, läuft aber in den vorgelagerten Höhenkeil, der
zu Tagesende das Vorhersagegebiet passiert hat und verliert deutlich an
Wetterwirksamkeit. Sie erstreckt sich abends in etwa von Rheinland-Pfalz bis
nach Vorpommern und gerät dort ins Schleifen, wobei sich von Frankreich her eine
Frontalwelle annähert. Präfrontal bzw. mit Frontpassage werden nur noch wenige
Niederschläge simuliert; auch, wenn in den Warmsektor erneut eine warme und sehr
feuchte Luftmasse in den Südosten gesteuert wird, dürfte es nach Lesart der
aktuellen Modelle kaum für Gewitter reichen. Der Wind nimmt allerdings
präfrontal zu; in der Nacht zum Sonntag reicht es über der Deutschen Bucht und
auf exponierten Gipfeln (Brocken) eventuell für einzelne stürmische Böen aus
Süd.
Insgesamt wird nochmals ein Schub warmer Luft aus dem Raum der Biskaya ins
Vorhersagegebiet gesteuert (T850 hPa zwischen 9 Grad im Nordwesten und 14 Grad
im Südosten) , so dass es mit Maxima zwischen 22 und 26 Grad, an der Nordsee um
20 Grad nochmals warm wird.

In der Nacht zum und am Montag tagsüber überquert der zunehmend breite Trog die
Britischen Inseln und greift allmählich auf das westliche Mitteleuropa bzw. die
Nordsee über, bis Dienstag dann auch auf das Vorhersagegebiet. Vorderseitig wird
die wellende Kaltfront des ins Seegebiet zwischen Island und Schottland
ziehenden Zentraltiefs wieder aktiviert. Dabei deuten die Modelle die Passage
einer recht markanten Frontalwelle an, wobei es bezüglich der Zugbahn aber noch
Differenzen gibt. Vor allem an der Nordwestflanke der Welle kann es kräftiger
und konvektiv, also mit Gewittern durchsetzt regnen, gebietsweise ist
mehrstündiger Starkregen wahrscheinlich, nach Lesart des aktuellen IFS-Laufes
vor allem von Nordbaden über Hessen und das östliche Niedersachsen bis zur
Ostsee.
Bis Montagabend zieht die Frontalwelle nordostwärts ab, eventuell folgt noch
eine weitere, die in der Nacht zum Dienstag dem Südosten des Landes dann etwas
kräftigere Niederschläge bescheren könnte.
Postfrontal setzt sich am Montag und Dienstag mäßig warme Atlantikluft (maritim
erwärmte Subpolarluft), innerhalb derer es zu weiteren Schauern und auch kurzen
Gewittern kommt. Die Luftmasse bleibt feucht, so dass als Begleiterscheinung
neben Böen Bft 7 bis 8 kleinräumig auch mal Starkregen auftreten kann. T850 hPa
geht bis Dienstag allmählich auf 6 bis 10 Grad zurück, so dass es nur noch mäßig
warm wird mit Maxima zwischen 17 und 22 Grad, am Montag nach Osten zu nochmals
bis 24 Grad.

Bis Mittwoch schwenkt der Höhentrog unter deutlichem Konturverlust weiter ins
östliche Mitteleuropa, gefolgt von einem Höhenkeil, der sich durch kräftige WLA
vorderseitig einer erneuten Austrogung über den Britischen Inseln über
Mitteleuropa aufwölbt und bis zum Abend das Vorhersagegebiet bereits passiert
hat. Bereits in der Nacht zum Donnerstag greift dann das Frontensystem des mit
dem Trog korrespondierenden Bodentiefs auf Deutschland über.
Somit stellt sich am Mittwoch lediglich eine vorübergehende Wetterberuhigung
ein. Schauer gibt es nur noch vereinzelt, am ehesten im Nordwesten sowie im
Süden. Ansonsten kommt auch mal länger die Sonne durch und zumindest nach IFS
steigen die Temperaturen wieder etwas an. Bereits am Nachmittag/Abend werden die
Wolken von Westen wieder dichter, gefolgt von Niederschlägen – teils skalig,
teils in Schauerform (Gewitter nicht ausgeschlossen), die bis Donnerstagfrüh
auch die Osthälfte erfassen.

In der erweiterten Mittelfrist greift dann dieser Höhentrog allmählich von West-
auf Mitteleuropa über und beschert dem Vorhersagegebiet einen wechselhaften
Witterungsabschnitt mit Schauern und Gewittern bei wieder etwas zurückgehenden
Temperaturen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die letzten drei IFS-Läufe erweisen sich als einigermaßen konsistent. Das
Sturmtief am kommenden Wochenende wird allerdings im gestrigen 00 UTC-Lauf auf
südlicherer Zugbahn (mittlere Nordsee, Dänemark) simuliert, was eine
entsprechend höhere Wahrscheinlichkeit für stürmische Böen im Nordseeumfeld am
Sonntag zur Folge hat.
Der nachfolgende Langwellentrog zu Beginn kommender Woche ist vor allem im
gestrigen 00 UTC-Lauf breiter und nachhaltiger aufgestellt, entsprechend auch
weniger progressiv, so dass er auch am Mittwoch noch nicht das Vorhersagegebiet
passiert hat. Dagegen wird der nachfolgende Höhentrog über Westeuropa in beiden
Vorläufen weniger markant und auf nördlicherer Zugbahn simuliert.
Auf den Wetterablauf im Groben haben diese Differenzen nur wenig Einfluss. Im
Detail ergibt sich natürlich eine vor allem ab Beginn kommender Woche mit
zunehmenden Differenzen behaftete räumliche Verteilung und Intensität der
Niederschläge. Das erhöhte Starkregenpotenzial mit der Frontalwelle in der Nacht
zum und am Montag haben die beiden gestrigen Läufe beispielsweise nicht auf der
Agenda.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Ähnlich wie bei der internen IFS-Konsistenz verhält es sich auch bei Betrachtung
der anderen vorliegenden Globalmodelle: Der grobe Fahrplan steht. Bis zum
Sonntag ähneln sich die Prognosen auch im Detail.
Unterschiede ergeben sich allerdings dann mit der Frontalwelle in der Nacht zum
und am Montag. Diese haben zwar alle Modelle mehr oder weniger auf der Agenda,
allerdings mit leicht voneinander abweichenden Zugbahnen, was entsprechende
Differenzen bzgl. der Niederschlagsprognosen zur Folge hat. ICON und UK10 ähneln
dabei der IFS-Variante, GFS präferiert eine westlichere Zugbahn, während GEM
diese Frontalwelle deutlich schwächer, dafür aber eine weitere am
Montagnachmittag/Nacht zum Dienstag im Südosten und Osten intensiver simuliert.
Wie auch immer – gebietsweise dürften nach Lesart aller Modelle mit recht hoher
Wahrscheinlichkeit die Warnschwellen für Stark- und vielleicht sogar Dauerregen
überschritten werden. Unwetterartige Mengen stehen allerdings derzeit nicht zur
Debatte.
Auch danach geht es nach Lesart aller Modelle mit Trogeinfluss unbeständig
weiter – die Lage und Zugbahn der einzelnen Tröge bzw. Höhentiefs werden aber zu
Beginn der erweiterten Mittelfrist zunehmend unterschiedlich simuliert.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse zeigt für den Zeitraum 72 bis 96 Stunden, also beim Übergang
von der Kurz- zur Mittelfristvorhersage 5 Cluster, was den Unsicherheiten bzgl.
der Entwicklung des Sturmtiefs bei Schottland geschuldet ist. Unklar ist nach
wie vor, inwieweit die Überreste des Ex-Tropensturms Fernand dessen Entwicklung
beeinflussen.
Auf die Wetterentwicklung im Vorhersagegebiet haben diese Differenzen aber
inzwischen nur noch wenig Einfluss.

Im Zeitraum 120 bis 168 Stunden verteilen sich dann die 51 ENS-Member, der
Haupt- und der Kontrolllauf auf nur noch zwei Cluster (jeweils 29 und 22 Member,
Haupt- und Kontrolllauf in CL 1). Nach Lesart beider Cluster greift der
Westeuropatrog langsam auf Mitteleuropa über, wird aber im Verlauf im Bereich
der Britischen Inseln bzw. knapp westlich regeneriert. Unterschiede ergeben sich
in erster Linie bzgl. der Trog- bzw. Frontenpassagen und der Geometrie der
Tröge, was wiederum Einfluss auf die Niederschlagsprognosen im Detail hat.

Deutlich auseinander gehen die Einzelmember dann im erweiterten
Mittelfristzeitraum ab der zweiten Hälfte der kommenden Woche (192 bis 240
Stunden). 6 Cluster bieten dann ein ganzes Potpourri an Lösungen an. Ähnlich
verhält es sich bei der Großwetteranalyse nach Paul James. Von Brücke
Mitteleuropa bis Trog Mitteleuropa ist alles dabei. Weder tauchen richtig kalte
noch richtig warme Lösungen auf, insgesamt nehmen aber die antizyklonalen
Lösungen etwas zu.

Die tendenziell leichte Erwärmung am kommenden Wochenende, gefolgt von ebenso
leichter Abkühlung in der ersten Hälfte der kommenden Woche spiegelt sich auch
in der Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der Einzelmember verschiedener
Gitterpunkte im Vorhersagegebiet wieder, die bis Wochenmitte in einem relativ
engen Spread verläuft. Erst danach wird der Spread größer bei nur wenig
ansteigendem Median, wobei es tendenziell etwas mehr Ausreißerlösungen nach oben
als nach unten gibt. Der Median der 850 hPa-Temperatur bewegt sich ab Beginn
kommender Woche eigentlich fast durchgehend im Bereich zwischen 5 und 10 Grad.
Die Niederschlagssignale nehmen vor allem am Montag und Dienstag vorübergehend
zu, in erster Linie ist diese Zunahme aber lediglich in den süd- und
ostdeutschen Gitterpunkte ersichtlich.

FAZIT:
Der grobe Fahrplan steht. Es bleibt wechselhaft mit Schauern und Gewittern, aber
durchaus auch freundlichen Abschnitten zwischendurch bei einem gemäßigten
Temperaturniveau (am Wochenende gebietsweise nochmal sommerlich warm).
Die räumliche Verteilung und Intensität der zumeist konvektiven Niederschläge
sind natürlich noch mit Unsicherheiten behaftet, die bzgl. der
Frontalwellenentwicklung entlang der Kaltfront ab der Nacht zum Montag bis in
den Dienstag hinein durchaus auch Warnrelevanz aufweisen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Als signifikante Wettererscheinungen stehen in erster Linie konvektiv
durchsetzte Niederschläge auf der Agenda – sei es als einzelne kräftige Gewitter
oder als mehrstündiger, konvektiv durchsetzter Starkregen.

Am Samstag und Sonntag halten sich diese aber noch in Grenzen – nur vereinzelt
gibt es neben Schauern auch Gewitter, am ehesten kann dabei am Sonntag auch mal
lokal eng begrenzt Starkregen bzw. kleinkörniger Hagel auftreten.
Mit der Passage einer bzw. mehrerer Frontalwellen besteht dann ab der Nacht zum
Montag bis zur Folgenacht ein erhöhtes Potenzial für kleinräumig auftretenden
Starkregen, eventuell mit Gewittern durchsetzt. Zunächst wird das nach
Quintessenz aller Modelle am ehesten im Westen bzw. in der Mitte von Süd nach
Nord der Fall sein, in der Nacht zum Dienstag dann eventuell noch im Südosten
und Osten. Unwetterartige Mengen stehen derzeit aber nicht zur Debatte.
In den EPS-Verfahren schlägt das allerdings noch nicht zu Buche, dazu dürften
die Ereignisse zu kleinräumig ausfallen.

Auch danach bleibt es im Einflussbereich labil geschichteter, mäßig warmer
Meeresluft unbeständig mit Schauern und auch Gewittern, die angesichts der recht
hohen Feuchte neben Böen Bft 7 bis 8 auch von lokal eng begrenztem Starkregen
begleitet werden können.

Als Randerscheinung bleibt noch der Wind; die Passage des Sturmtiefs weiter
nördlich in der Nacht zum Sonntag führt zu einer Gradientverschärfung vor allem
im Nordwesten des Landes. Am ehesten treten warnrelevante Böen (Bft 8 aus Süd)
präfrontal über der Deutschen Bucht auf, eventuell reicht es auf dem Brocken für
Sturmböen. Sonntagvormittag nimmt der Wind aber rasch wieder ab.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff