SXEU31 DWAV 260800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 26.08.2025 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWa, Übergang zu SWz
Heute ruhiges Sommerwetter. Kommende Nacht in der Südhälfte neben Schauern
vereinzelte Gewitter nicht ganz ausgeschlossen.
Am Mittwoch vor allem im Süden sowie im Westen/Nordwesten einzelne markante
Gewitter (Unwetter nicht ausgeschlossen), in der Nacht zum und am Donnerstag
neben weiteren Gewittern gebietsweise auch mehrstündiger Starkregen.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC

Dienstag… fallen beim Blick auf die Geopotenzialverteilung in der mittleren
bzw. höheren Troposphäre (500 und 300 hPa) zwei markante Höhentröge ins Auge:
Einem umfangreichen, mit reichlich Höhenkaltluft gefüllten und mit mehreren
Drehzentren ausgestatteten Exemplar über Nordost- bzw. Osteuropa steht ein
inzwischen weite Teile des Nordostatlantik überdeckender Langwellentrog mit
Drehzentrum südwestlich von Island gegenüber, dessen tropische Herkunft sich
beim Blick auf die Temperaturverteilung in 500 hPa (500 hPa-Temperatur um -15
Grad im Kernbereich des Troges gegenüber unter -25 Grad im Trog über
Nordosteuropa) sich nicht verleugnen lässt. Er entstammt nämlich dem ehemaligen
Major-Hurrikan „ERIN“, der sich inzwischen in ein veritables außertropisches
Sturmtief mit einem Kerndruck von zeitweise nahe 960 hPa (aktuell etwa 965 hPa)
südwestlich von Island umgewandelt hat. „Ex-ERIN“ befindet sich inzwischen
nahezu achsensenkrecht unterhalb des Höhentiefs und hat somit seine Entwicklung
abgeschlossen, der Auffüllprozess vollzieht sich aber in den kommenden 24 bis 48
Stunden nur relativ langsam.
Beide Gebilde erweisen sich als nur wenig progressiv und werden durch einen
langgestreckten, aber schmalen Höhenkeil getrennt, dessen Achse vom westlichen
Mit6telmeerraum über die Nordsee bis ins Nordpolarmeer reicht und im
Tagesverlauf auf das Vorhersagegebiet übergreift.
Somit steht nochmals ein wettertechnisch ruhiger Tag ins Haus. Der Keil wird
gestützt durch WLA vorderseitig des Atlantiktroges, und diese macht sich im
Tagesverlauf durch hohe bzw. mittelhohe Bewölkung bemerkbar, die über den Westen
und Norden des Landes hinwegzieht. Es sollte aber auch dort noch trocken
bleiben.
Im Bodenfeld hat aber bereits leichter Druckfall eingesetzt, der sich nach
Durchschwenken der Achse und Drehung der Höhenströmung auf Südwest im Westen des
Landes noch etwas verstärkt. Das bisher wetterbestimmende Hochdruckgebiet
„MAREIKE“ hat sich derweil weite nach Süd- bzw. Südwesteuropa zurückgezogen.
Somit wird von Süden her auch niedertroposphärisch der Weg frei für deutlich
wärmere, zunächst aber noch recht trockene Luft aus Südwesteuropa. In 850 hPa
steigt die Temperatur über dem Vorhersagegebiet bis zum Abend auf Werte zwischen
knapp 8 Grad in Ostvorpommern und nahe 18 Grad in Südbaden. Mit der kräftigen
niedertroposphärischen Erwärmung und der Einstrahlung beginnt die Luftmasse vor
allem im Südwesten zu labilisieren mit zunehmend steilen Lapse Rates. Im
äußersten Süden, vor allem in Südbaden kann auch etwas Cape generiert werden
(etwa 500 J/kg) und die PPWs steigen langsam auf etwa 30 mm. Aber auch mit
Unterstützung der Orographie dürfte es bis zum frühen Abend wohl noch nicht zur
Auslöse reichen. Wenn ja, dann wohl am ehesten im Südschwarzwald.
Im Nordosten und Osten halten sich aktuell unterhalb der Absinkinversion noch
ein paar dichtere Wolkenfelder, die sich aber weitgehend auflösen dürften. Dann
scheint vor allem nach Osten zu die Sonne teilweise ungehindert. Die Luftmasse
kann sich somit nach nochmals kalter Nacht deutlich erwärmen auf Höchstwerte
zwischen 22 Grad im Nordosten und knapp über 30 Grad an Oberrhein, Mosel und
Neckar. Lediglich an den Küsten bleibt es gebietsweise etwas kühler.

In der Nacht zum Mittwoch wird ein recht markanter Randtrog vom nahen
Ostatlantik her Richtung Irland gesteuert. Vorderseitig steilt die südwestliche
Höhenströmung über Westeuropa etwas auf, der vorgelagerte Höhenkeil über dem
Vorhersagegebiet kommt dadurch nur wenig nach Osten voran. Morges befindet sich
dessen Achse grade so über der Osthälfte des Landes. Zumindest nach Lesart des
ICON-EU bzw. I-D2 wird er allerdings von einem kurzwelligen Troganteil
überlaufen, der so in anderen Modellen nicht auftaucht, was Einfluss vor allem
auf die simulierte konvektive Aktivität im Verlauf der Nacht hat.
Die Warmfront von „EX-ERIN“ überquert nämlich im Laufe der Nacht den Süden,
Westen und Teile der Mitte des Vorhersagegebietes. Sie erweist sich als wenig
wetterwirksam und zeichnet sich hauptsächlich durch dichtere Wolkenfelder aus,
meist sollte es trocken bleiben. Allerdings gelangt im Warmsektor nun eine
deutlich feuchtere und potenziell instabile Luftmasse in die Südhälfte
Deutschlands. Die PPWs steigen dort gebietsweise auf über 30 mm und bis zur
südlichen Mitte werden auch mehrere hundert J/kg MU-Cape simuliert. Mit Passage
des kurzwelligen Troganteiles simulieren zwar fast alle vorliegenden Modelle
einzelne schwache Schauer bzw. gebietsweise leichten schauerartigen Regen, der
Teile der Südhälfte von West nach Ost passiert, aber lediglich ICON-D2 und AROME
haben auch Gewitter auf der Agenda. Im Falle deren Auftretens kann lokal eng
begrenzt Starkregen nicht ausgeschlossen werden, die große Nummer ist das aber
nicht. Unklar ist auch noch, wie weit die Schauer nach Norden ausgreifen, ob
neben Bayern und BaWü eventuell auch noch Südhessen, Thüringen und Sachsen
betroffen sind.
Ansonsten verläuft die Nacht zwar bewölkter, aber weitgehend trocken., Das hat
natürlich auch deutlichen Einfluss auf die Minima. Nicht nur, dass die Wolken
Ausstrahlung verhindern, die Luftmasse ist auch wärmer und vor allem feuchter.
Für einstellige Minima reicht es wohl lediglich noch in den östlichen
Mittelgebirgen. Meist liegen die Tiefstwerte zwischen 17 und 12 Grad, im
Südwesten bleibt es gebietsweise auch milder.

Mittwoch… überquert der markante Randtrog die Britischen Inseln rasch
ostnordostwärts. Der vorgelagerte Höhenkeil über dem Osten Deutschlands kommt
bis zum Abend nach Polen voran, so dass das gesamte Vorhersagegebiet unter eine
leicht „flatterhafte“ südwestliche Höhenströmung gerät. Die Warmfront von
„Ex-ERIN“, dessen Kern sich inzwischen über dem Seegebiet nordwestlich von
Irland befindet (Kerndruck abends um 985 hPa), überquert bis zum Abend ohne
nennenswerte Wetterwirksamkeit auch die Osthälfte des Landes, die zunehmend
okkludierende Kaltfront gerät über Nordwestdeutschland ins Schleifen und kommt
kaum mehr bis zur Landesmitte voran. Sie wird thermisch nur wenig gestützt und
zeich.net sich somit zunächst ebenfalls durch nur eine geringe Wetterwirksamkeit
aus.
Im Warmsektor kann sich die feuchte und instabile Luftmasse nun über die
mittleren Landesteile hinweg nordostwärts ausbreiten. Die PPWs steigen
verbreitet auf 30 bis 35 mm, im Bereich einer Feuchteflusskonvergenz knapp
südlich der Front über Südwestdeutschland auch an die 40 mm – der ehemals
tropische Charakter der Luftmasse schlägt sich nach wie vor nieder -, dazu
können, je nach Einstrahlung, gebietsweise 500 bis 1000 J/kg ML-Cape, vielleicht
auch etwas mehr generiert werden.
Die Höhenströmung bleibt allerdings leicht antizyklonal konturiert und insgesamt
halten sich Trigger für dynamische Hebung sehr in Grenzen, was die Vorhersage
bzgl. Konvektion wieder einmal deutlich erschwert. Nach Abzug der nächtlichen
Schauer und vielleicht noch einem nachfolgenden Sonnenfenster über
Süddeutschland dürfte es wohl als erstes im Bereich der Feuchteflusskonvergenz,
also in der Region Baden/Saarland/Pfalz/Südhessen, zünden, später dann auch
weiter östlich knapp südlich der Kaltfront, also über Franken und Thüringen bis
nach Sachsen und Brandenburg. Die Cape/Shear-Überlappung ist in der Region zwar
nicht grade ideal, dennoch kann mit Hilfe der Orographie einiges an
Richtungsscherung generiert werden. Im Fokus der Begleiterscheinungen steht zwar
der Starkregen, kleinkörniger Hagel bzw. größere Hagelansammlungen und
stürmische Böen können nicht ausgeschlossen werden. Das Unwetterpotenzial ist
eher als gering zu beziffern, zumal auch eine gewisse Zuggeschwindigkeit
auszumachen ist, dennoch kann kleinräumig ein unwetterartiges Starkregenereignis
nicht ausgeschlossen werden.
Postfrontal folgt eine nur wenig kühlere Luftmasse (T850 hPa 11 bis 14 Grad,
präfrontal dagegen 14 bis 17 Grad), die weiterhin leidlich labil geschichtet ist
mit PPWs zwischen 25 und 30 mm. Zunächst fehlt aber wohl auch dort ein
dynamischer Trigger für Auslöse, im Verlaufe des Nachmittags und Abends
simulieren jedoch einige Konvektion erlaubende Modelle auch dort einzelne
Gewitter. ICON-D2 vor allem in NRW bzw. im südlichen Niedersachsen, AROME eher
weiter nordöstlich, vom mittleren Niedersachsen bis nach Mecklenburg bzw.
Ostholstein. In diesen Regionen können mit Einstrahlung nahe 500 J/kg Cape
generiert werden, zudem sind dort die Scherungsbedingungen besser (20 bis 25 m/s
DLS). Somit sind vielleicht etwas besser organisierte Gewitter denkbar als
weiter südlich mit vereinzelten Sturmböen (neben kleinem Hagel und Starkregen),
dennoch bleibt das Unwetterpotenzial dort eher noch geringer als weiter südlich.

Die subtropische Luftmasse kann nun auch bis in den Nordosten advehiert werden,
so dass es dort deutlich wärmer wird als am Vortag. Die Höchstwerte dürften sich
je nach Bewölkung zwischen 23 und 29 Grad bewegen, nach Osten zu vielleicht auch
um 30 Grad. Etwas frischer bleibt es lediglich ganz im Norden, an den Küsten und
in Schleswig-Holstein.

In der Nacht zum Donnerstag gerät die Kaltfront mit Passage einer oder mehrerer
flacher Frontalwellen innerhalb der weiter aufsteilenden Höhenströmung und mit
Annäherung der Haupttrogachse, die morgens Westfrankreich erreicht, über dem
Vorhersagegebiet ins Schleifen; morgens erstreckt sie sich grob von
Rheinland-Pfalz bis nach Vorpommern. Vor allem knapp südöstlich der Front
verstärkt sich die Feuchteflusskonvergenz und mit der Passage von ein oder zwei
kurzwelligen Troganteilen kann nun auch dynamische Hebung generiert werden.
Somit dürfte bereits im Laufe des Abends im westlichen Baden-Württemberg
schauerartiger Regen einsetzen, der sich nachts allmählich ost- bzw.
nordostwärts ausweitet und zumindest den Westen und Norden Bayerns, aber
wahrscheinlich auch noch die mittleren Landesteile erfasst. Darin sind
sicherlich auch einzelne Gewitter eingebettet, auch ein MCS (SuperHD, AROME) ist
denkbar. Die Warnkriterien für mehrstündigen markanten Starkregen dürften somit
am ehesten im Südwesten und in der Mitte (vor allem im Falle einhes MCS)
überschritten werden; Signale für Unwetter sind dagegen kaum vorhanden.
Wie weit sich die schauerartigen, teils gewittrigen Niederschläge noch nach
Nordosten ausweiten, ist nach wie vor unklar; im Nordwesten und ganz im Norden
Deutschlands sowie im Südosten Bayerns dürfte es jedoch weitgehend trocken
bleiben.
Mit Tiefstwerten zwischen 18 und 13 Grad verläuft die Nacht erneut mild; in
einigen Ballungszentren Süd- und Ostdeutschlands werden die 20 Grad auch kaum
unterschritten.

Donnerstag… kommt die Hauptachse des Langwellentroges über Westeuropa nur
langsam ostwärts voran und erreicht gegen Abend erst Zentral- bzw.
Südfrankreich. Die Höhenströmung steilt somit weiter auf und somit kommt auch
die nach wie vor wellende Kaltfront nur sehr langsam nach Osten voran. Sie ist
im thermischen Feld nun allerdings kaum mehr auszumachen, dafür umso mehr in
Form einer markanten Feuchteflusskonvergenz, die sich etwa vom südlichen bzw.
östlichen BaWü bis nach Vorpommern erstreckt. Die PPWs bewegen sich in diesem
Bereich nach wie vor zwischen 35 und 40 mm, bei meist dichter Bewölkung kann
aber nur noch wenig Cape generiert werden. Allerdings dürfte noch einiges an
MU-Cape zur Verfügung stehen, so dass die schauerartigen Regenfälle im Bereich
dieser Konvergenz mit einzelnen Gewittern durchsetzt sind. Somit steht nach wie
vor der Starkregen, gebietsweise auch mehrstündig, auf der Agenda. Die
EPS-Verfahren simulieren die höchsten Wahrscheinlichkeiten dafür im Bereich
Oberschwaben/Allgäu.
Während einige Vorläufe noch präfrontal an der Grenze zu Polen und im äußersten
Südosten Bayerns ein „Sonnenfenster“ und entsprechend einiges an Cape auf der
Agenda hatten und somit auch kräftigere konvektive Einzelentwicklungen zuließen,
ist diese Variante nun komplett vom Tisch.
Postfrontal bleibt die Luftmasse auch im Westen und Norden noch leidlich labil
geschichtet, zumal mit Annäherung der Trogachse die Luftmasse in der mittleren
Troposphäre etwas abkühlt (T500 hPa abends -14 bis -16 Grad), während es in 850
hPa mit etwa 10 Grad recht warm bleibt. Die PPWs liegen nach wie vor zwischen 25
und 30 mm, steigen mit Annäherung des Troges bzw. im Vorfeld einer weiteren
Kaltfront sogar noch etwas an. Mit etwas Einstrahlung können dort mehrere 100
J/kg, gebietsweise auch über 500 J/kg Cape generiert werden. Zudem verbessern
sich die Scherungsbedingungen; hochreichend werden 20 bis über 25 m/s simuliert
bei 5 bis knapp über 10 m/s bodennaher (Richtungs)Scherung. Linienförmig
organisierte Konvektion, eventuell auch in mehreren Staffeln, die sich von
Westen her in die mittleren Landesteile verlagert, ist somit vor allem am
Nachmittag und Abend denkbar. Die Begleiterscheinungen dürften aber maximal
markanten Kriterien genügen.
Insgesamt bleibt es recht warm mit Höchstwerten zwischen 20 Grad bei längerem
Regen in Oberschwaben/Allgäu und bis 26 Grad mit mehr Sonne im Westen,
vielleicht auch noch in der Lausitz.

In der Nacht zum Freitag greift der Trog unter deutlichem Konturverlust auf das
Vorhersagegebiet über, ebenso die nächste Kaltfront. Die schauerartigen
Regenfälle im äußersten Osten und Südosten ziehen rasch ostwärts ab, während
trogvorderseitig bzw. präfrontal die Schauer und Gewitter vom Westen bzw. der
Mitte eventuell auch in Form mehrerer Staffeln rasch nach Osten vorankommen. Vor
allem Starkregen kann nach wie vor als markante Begleiterscheinung auftreten.
Rückseitig der Kaltfront, die von Druckanstieg überlaufen wird und deutliche
Auflösungstendenzen zeigt, folgt eine etwas kühlere (T850 hPa um 8 Grad), aber
deutlich stabilere Luftmasse, so dass die Wolken in der Westhälfte nach Abzug
der Schauer als bald auflockern und es trocken bleibt.
Dort und in der Mitte kühlt es auch wieder auf frischere 15 bis 9 Grad ab,
während es in der Osthälfte mit 17 bis 13 Grad noch milder bleibt.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Konvektion in der kommenden Nacht wird auch von den Konvektion erlaubenden
Modellen noch unterschiedlich simuliert. Vor allem ICON-D2 ist im Vergleich zu
den anderen Modellen bzgl. Gewitter sehr offensiv aufgestellt.
Auch bzgl. der wellenden Front und der damit verbundenen Starkregenfälle sind
noch Modelldifferenzen auszumachen. Insgesamt wurden die Mengen gegenüber den
Vortagen aber zurückgerechnet und die Regionen mit mehrstündigem Starkregen
dürften sich in Grenzen halten. Unsicherheiten gibt es auch noch bzgl. eines
eventuellen MCS in der Nacht zum Donnerstag, der sich von Südwesten über die
mittleren Landesteile in die Osthälfte verlagern könnte.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff