#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Samstag, den 23.08.2025 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 23.08.2025 um 10.30 UTC
Erst hochsommerlich warm, ab Mittwoch von Westen wechselhaft mit teils kräftigen
Schauern und Gewittern. Lokal Unwetter durch Starkregen. Von Westen zögernde
Abkühlung.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 30.08.2025
Während sich der Polarwirbel in der Stratosphäre im Verlauf dieser Mittelfrist
allmählich entfalten sollte, geben für die Außertropen zwischen Nordamerika und
Europa vorerst weiterhin die Tropen den Takt an – im Fall der heute zu
beschreibenden Mittelfrist in Form des ehemaligen Hurrikans Ex-ERIN. Dieser
liegt zum Beginn der Mittelfrist mit einer engen Memberbündelung beim IFS-ENS
(965-970 hPa) südlich von Island und driftet in der Folge allmählich nach
Südosten. Ein durch die Zyklone von Russland nach Grönland aufgespannter Keil
und wiederholtes Regenerieren des tiefen Geopotenzials über
Nordwesteuropa/Nordatlantik leiten ab der Wochenmitte einen länger anhaltenden
wechselhaften Witterungsabschnitt ein.
Die aktuelle Mittelfrist (Dienstag, den 26. August bis Samstag, den 30. August
2025) beginnt zunächst noch wetterberuhigt unter einem Keil und mit Advektion
subtropischer Luftmassen in weiten Bereichen Deutschlands hochsommerlich warm
sowie meist trocken. Einzig der Nordosten liegt noch auf der kalten Seite der
Keilachse bei Temperaturwerten in 850 hPa von unter 10 Grad, während sich am
Oberrhein die 17 Grad ausbreitet. Somit verläuft der Tag meist freundlich oder
sonnig und trocken, während im Nordosten dichte Bewölkung dominiert und einige
Schauer durchziehen. Bereits in den Nachtstunden zum Mittwoch beginnt der Keil
abzuflachen und die Strömung in der unteren Troposphäre gestaltet sich zunehmend
zyklonal. Eingebettete kurzwellige Störungen bringen somit von Südwesten die
ersten Schauer und Gewitter, die je nach Passage der Wellen deutschlandweit
auftreten können. Am stabilsten verläuft die Nacht noch im Nordosten.
Von Mittwoch bis zum Ende der Mittelfrist am Samstag etabliert sich eine sehr
wechselhafte Südwestströmung, in der warme, zum Ende von Westen mäßig warme und
feuchte Luftmassen nach Deutschland geführt werden.
Sowohl NCEP, als auch IFS-ENS heben beide für Mittwoch und Donnerstag die
Passage eines integrated water vapor transport (IVT) Maximums hervor. Diese
feuchte Luftmasse wird stromab des von Nordwesten fallenden Geopotenzials/Drucks
von einem umfangreichen warmen Förderband (WCB) vom Mittelmeer nach Mitteleuropa
geführt. Diese Luftmasse weist anormal hohe Feuchtewerte auf, die regional bei
bis zu 40 mm niederschlagbarem Wasser liegen können. Die Frage ist nun,
inwieweit in der südwestlichen Strömung im Lee der Alpen Störungen induziert
werden, die zeitweise für verstärkte Konvergenz und länger anhaltende Regenfälle
gut sind. Aus heutiger Sicht besteht dahingehend noch kein gröbere
Entwicklungstendenz, sodass für beide Tage gilt, dass deutschlandweit „nur“ ein
erhöhtes Potenzial für kräftige Schauer und Gewitter vorherrscht. Die Konvektion
geht besonders mit Starkregen, teils bis in den Unwetterbereich einher. Mit
Kurzwellenpassagen oszilliert auch die hochreichende Scherung, sodass teils auch
organisierte Konvektionsereignisse nicht ausgeschlossen werden können. Der
Ausprägungsgrad hängt aber u.a. vom timing der jeweiligen Kurzwellen- bzw.
Bodentiefpassagen ab. Bezüglich regionaler Starkregefälle muss dieser
Zeitabschnitt aber weiterhin im Auge behalten werden, besonders wenn sich in der
Tat Leetiefs ausbilden können.
Am Freitag und Samstag etabliert sich über dem Nordostatlantik ein weiterer IVT
peak, der sukzessive nach Westeuropa geführt wird und Mitteleuropa in
abgeschwächter Form erreicht. In einer anhaltend zyklonal geprägten
südwestlichen Höhenströmung treten somit tagtäglich weitere, teils kräftige
Schauer und Gewitter auf, wobei noch unsicher ist, wieviel Feuchte nach
Deutschland advehiert wird. Über dem Westen von Frankreich liegen auf jeden Fall
wieder PW-Werte um 40 mm bereit.
Die Mittelfrist startet am Dienstag/Mittwoch abgesehen vom Norden/Nordosten
meist hochsommerlich warm mit 25 bis 29 Grad, bevor es in der Folge von Westen
sukzessive auf 20 bis 24 Grad abkühlt, während es im Umfeld der Oder mit 25 oder
26 Grad noch sommerlich warm bleibt.
Die Minima liegen anfangs zwischen 17 und 13 Grad und gehen zum Ende Woche auf
14 bis 10 Grad zurück (Umfeld Oder und Küsten weiterhin milder mit rund 16
Grad).
Der durchweg aus Südwest wehende Wind frischt im exponierten Bergland zeitweise
stark böig, vorübergehend auch mal stürmisch auf, was jedoch von der genauen
Passage optionaler Kurzwellen abhängt. Ansonsten wird ein schwacher bis mäßiger
Südwestwind erwartet.
In der erweiterten Mittelfrist dauert die wechselhafte und dann nur mäßig warme
Witterung weiter an. Inwieweit wir von einer ausgeprägten positiven
Feuchteanomalie über Frankreich/Alpen „profitieren“ ist ebenso noch unsicher,
wie auch das Potenzial für kräftige Randtiefentwicklungen, die in einer
dynamischen Umgebung vom Nordostatlantik ostwärts ziehen können.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die jüngsten Modellläufe des europäischen Wettermodells stimmen im Ablauf recht
gut überein. Sie heben die Annäherung eines umfangreichen und sich nur
allmählich auffüllenden Sturmtiefs vor Nordwesteuropa hervor (Ex-ERIN), der
einen wechselhaften und anfangs warmen bis sehr warmen, in der Folge eher mäßig
warmen bis warmen Witterungsabschnitt einläutet. Im Verlauf ergeben sich
zunehmend Diskrepanzen bei der Geometrie des Troges, was jedoch nur zeitliche
Unsicherheiten bezüglich anstehender Niederschlagsereignisse zur Folge hat. Auch
ist noch etwas unsicher, inwieweit die Alpen bezüglich Leetiefentwicklung(en)
mit eingebunden werden.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Ähnliches ist bei dem Modellvergleich auf internationaler Ebene festzustellen.
Zum Ende der Woche heben ICON und EZ einen etwas kräftigeren Langwellentrog mit
Achse über Nordwesteuropa/Biskaya hervor, während GFS diesen östlicher, dafür
aber schwächer ansetzt (Benelux/westliches Mittelmeer). Diese Diskrepanzen
erhöhen aber nur die zeitlichen Unsicherheiten der jeweiligen
Niederschlagsereignisse. Alle Modelle zeigen aber unter dem Strich ab der
Wochenmitte einen zunehmend wechselhaften Witterungsabschnitt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Bei der Clusteranalyse steigen wir mit drei Clustern in das klimat. Regime „NAO
negativ“ ein, wobei das steuernde Zentraltief südlich von Island liegt und wir
am Dienstag somit noch von einem flachen Keil profitieren.
In der Folge (Mittwoch bis Freitag) ergeben sich weiterhin drei Cluster mit
einem deutlichen Überhang der negativen NAO, wobei diese allerdings immer mehr
in Richtung „neutral“ rutscht, sodass am Freitag auch ein Cluster mit positiver
NAO auftaucht. In allen drei Clustern weitet sich das umfangreiche Tief in Form
eines kräftigen Troges sukzessive nach West- und Mitteleuropa aus, sodass
Deutschland durchweg in einer südwestlichen, teils auch südlichen Höhenströmung
verweilt. Gleichzeitig etabliert sich über Russland bis Grönland ein
blockierender Keil, womit das sich entwickelnde Wellenmuster als zunehmend
stationär angesehen werden kann. Das erkennt man auch schön im
Zeit-Längendiagramm des IFS-ENS, wo Ex-ERIN für eine Zonalverschiebng der Phasen
um rund 50 Grad (Länge) sorgt.
Daher ändert sich auch von Samstag bis Montag wenig (Überhang negative NAO mit
einzelnen positiven Lösungen). Tiefes Geopotenzial über dem westlichen
Mitteleuropa/Westeuropa steht einem blockierenden Keil über der Barents-/Karasee
gegenüber. Deutschland gelangt immer weiter in den direkten Einflussbereich des
Troges, sodass wir Stück für Stück aus der sehr feuchten südwestlichen Strömung
rutschen und eher unter dem Höhentrog liegen.
In der erweiterten Mittelfrist streuen die Lösungen zu stark, als das von einem
richtigen Trend gesprochen werden kann. Die meisten Optionen heben aber
weiterhin einen eher wechselhaften Witterungscharakter hervor.
Die Meteogramme über Deutschland sprechen ebenfalls eine einheitliche Sprache.
Dabei sorgt das erste IVT Maximum für eine größere Niederschlagsspitze am
Mittwoch/Donnerstag, bevor es in der Folge wechselhaft weitergeht, dann aber mit
gestutzten Niederschlagsspitzen dank eines zurückgehenden niederschlagbaren
Wassergehalts. Die Temperaturen gehen nach hochsommerlichen Werten zum
Dienstag/Mittwoch von West nach Ost auf mäßig warme Spitzenwerte zurück.
Die Rauchfahnen der 850 hPa Temperatur und des 500 hPa Geopotenzials verlaufen
eng gebündelt bis zum Ende der Mittelfrist, sodass vom genannten Ablauf wenig
Variabilität zu erwarten ist.
GEFS sieht die Entwicklung ähnlich, wenngleich die Platzierung und Intensität
des Langwellentroges und der begleitenden kurzwelligen Anteile im Verlauf der
Mittelfrist zunehmend streuen, was Auswirkungen auf optionale
Niederschlagsschwerpunkte hat. Auch hier dominiert aber eine wechselhafte
Witterung.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER und STARKREGEN:
Im Hauptfokus der Warntätigkeit stehen ab der Nacht zum Mittwoch teils kräftige
Schauer und Gewitter, die besonders am Mittwoch und Donnerstag mit Starkregen
einhergehen, punktuell bis in den Unwetterbereich. Inwieweit regional auch
mehrstündiger Starkregen auftritt hängt von Kurzwellenpassagen ab, die innerhalb
der Numerik aber noch stark streuen. Optionale Leetiefentwicklungen, die sich
von den Alpen ablösen und nordostwärts driften wären ebenfalls ein Blickfang für
regionale Starkregenfälle.
Neben dem Parameter „Starkregen“, können zeitweise auch organisierte
Konvektionspassagen nicht ausgeschlossen werden, die mit Sturmböen und Hagel
einhergehen.
Zum Freitag/Samstag dauert das Potenzial für einige Gewitter weiter an,
wenngleich das Starkregenpotenzial dank abnehmendem Feuchtegehalts der Luftmasse
etwas zurückgehen könnte. Jede Welle kann jedoch je nach Ausprägung/Amplitude
rasch PW-Werte bis 30 mm von einer umfangreichen positiven EFI
Feuchteflussanomalie einbeziehen, die sich von Frankreich bis zu den Alpen
erstreckt (nach IFS-ENS).
BÖEN:
Der Südwestwind frischt im exponierten Bergland stark böig auf, was jedoch von
der Passage der Kurzwellen/Bodentiefs abhängt. Je nach Intensität sind auch
einzelne markante Böen nicht ausgeschlossen, was IFS-ENS aus heutiger Sicht
besonders für den Samstag andeutet.
Ein bisschen sollte grundsätzlich das kommende Wochenende bezüglich „Wind“ im
Auge behalten werden, da die Ausganslage eines 150 kt Höhenjets mit Anschluss an
subtropische Luftmassen über dem Nordostatlantik bezüglich kräftiger
Tiefdruckentwicklungen für West-/Nordwest- und ggf. Mitteleuropa keine
unbekannte ist.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-ENS, IFS, GEFS und MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy