S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 30.03.2025 um 10.30 UTC

Anfangs im südwestdeutschen Bergland stürmisch (Bise). Sonst meist stabiles und
trockenes Hochdruckwetter. Zunächst sehr mild, am Wochenende Vorstoß polarer
Kaltluft.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 06.04.2025

Zum Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Mittwoch liegen wir am Südrand eines
Höhenhochs über der nördlichen Nordsee. An dessen Südflanke wird ein weitgehend
wetterinaktiver Kaltlufttropfen (KLT) über den Süden unseres Landes westwärts
gelenkt. Am Abend liegt er bereits über der Bretagne und wird in die Zirkulation
eines abgetropften Höhentiefs westlich der Iberischen Halbinsel aufgenommen.
Zwischen dem korrespondierenden Bodentief und dem für unser Wetter zuständigen
Hoch mit Zentrum irgendwo rund um den Skagerrak stellt sich ein kräftiger
Ostwind ein, der im Süden und Südwesten Deutschlands für steife und im Bergland
zwischen Eifel und Schwäbischer Alb für stürmische Böen sorgt (Bise). In den
Hochlagen des Schwarzwalds sind Sturmböen zu erwarten. Ansonsten steht ein –
nach Auflösung nächtlicher Nebelfelder und Abzug der KLT-Bewölkung – sonniger
Tag ins Haus bei (sehr) milden 13 bis 19 Grad.

Am Donnerstag kommt es über dem fernen Nordatlantik zu einer markanten
Austrogung. Vorderseitige, kräftige Warmluftadvektion lässt das Geopotenzial
über dem Europäischen Nordmeer ordentlich ansteigen, wodurch „unser“ eher zonal
orientiertes Höhenhoch zunehmend in eine Nordwest-Südost-Ausrichtung kippt.
Damit bekommt die östliche Höhenströmung über uns allmählich eine leichte
Südkomponente. Gepaart mit kräftigem Absinken und viel Sonnenunterstützung geht
es mit der Temperatur weiter nach oben. Häufig dürften die Höchstwerte dann
schon um 20 Grad liegen. Zudem weicht der Gradient etwas auf, sodass es zwar
weiterhin windig bleibt, warnwürdige Böen sollten aber kaum noch bzw. nicht mehr
auftreten.

Am Freitag nimmt der Nordatlantiktrog Kontakt zum Höhentief westlich der
Iberischen Halbinsel auf. Das Höhenhoch kippt noch etwas und bekommt eine immer
meriodionaler ausgerichtete Achse. Im Zusammenspiel mit einem ausgeprägten
Trogvorstoß über Nordosteuropa erinnert die sich einstellende
Potenzialverteilung nun doch sehr an ein Omega. Der Schwerpunkt des Bodenhochs
liegt mittlerweile südöstlich von Island, von wo aus sich ein Keil bis weit in
den zentralen Mittelmeerraum erstreckt. Während im Südwesten bei Sonne pur und
T850er-Werten von bis zu 9 Grad, lokal schon die 25-Grad-Marke ins Visier
genommen werden könnte, macht sich im Nordosten bereits der bevorstehende
Vorstoß polarer Luftmassen zwischen Höhenhoch und Nordosteuropatrog bemerkbar.
Während T850 auf Rügen anfangs noch bei 8 Grad liegt, sinkt sie bis zum Abend
auf 0 Grad! Niederschläge sind aber weiterhin nicht zu erwarten.

Am Wochenende weitet sich der Trog bis nach Südosteuropa aus und wird dabei
immer wieder durch an seiner Westflanke ablaufende Kurzwellentröge gestärkt. Die
mit der kräftigen nördlichen Höhenströmung einfließende polare Kaltluft streift
uns zwar nur (der Hauptteil fließt über Polen hinweg südwärts), trotzdem sinkt
T850 hPa auf Werte um -8 Grad in den östlichen Landesteilen und rund 0 Grad im
äußersten Südwesten. Die Omegalage und damit auch der Hochdruckeinfluss bleiben
uns weiter erhalten. Inwieweit die angesprochenen kurzwelligen Anteile des
Osteuropatrogs auch für uns in Sachen Niederschlag interessant werden, ist noch
unsicher. Aktuell soll dieser weitestgehend östlich von uns bleiben, wodurch es
bundesweit über die gesamte Mittelfrist hinweg trocken bleiben könnte – keine
guten Nachrichten für die Natur…

Bleibt noch zu erwähnen, dass durch den Kaltluftvorstoß am Wochenende natürlich
nicht nur das Temperaturniveau tagsüber einen herben Dämpfer bekommt, sondern
auch in den Nächten die Frostgefahr wieder zunimmt.

Auch in der erweiterten Mittelfrist scheint sich die Omegalage fortzusetzen.
Unter anhaltendem Hochdruckeinfluss sind voraussichtlich keine (nennenswerten)
Niederschläge zu erwarten. Durch die „festgefahrene“ nördliche Höhenströmung
bleibt das Temperaturniveau zudem weiterhin auf gedämpftem Niveau mit
Nachtfrostgefahr.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des 00-UTC-Laufs des IFS vom heutigen Sonntag kann als sehr gut
bezeichnet werden, verglichen mit seinen beiden Vorgängern. Demnach herrscht
zunächst einmal sonniges, trockenes und sehr mildes Hochdruckwetter. Der Vorstoß
polarer Kaltluft am Wochenende über dem östlichen Mitteleuropa, der uns streifen
soll, wurde vom gestrigen 00-UTC-Lauf bereits für Freitag, also rund 24 Stunden
früher prognostiziert. Einig sind sich die Läufe aber, dass die damit
verbundenen Niederschläge weitestgehend östlich von uns auftreten. Im Detail
gibt es dabei aber natürlich noch Unterschiede.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Im Vergleich mit anderen Globalmodellen (ICON, GFS, UK10) fällt auf, dass den
Kaltlufttropfen, der an der Südflanke des Höhenhochs westwärts zieht, nur IFS im
Programm hat. Aufgrund seiner weitgehenden Wetterinaktivität ist das aber eher
eine Randnotiz. GFS hat stattdessen ein ähnliches Szenario für Donnerstag und
Freitag auf der Agenda, das im äußersten Südosten/östlicher Alpenrand neben
dichten Wolken auch geringe Niederschläge zur Folge hat. Auch das ist aber als
Außenseiterlösung zu sehen. Ansonsten zeigen alle Modelle mehr oder weniger die
sich einstellende Omegalage mit markantem Kaltluftvorstoß am Wochenende. Wie und
wo genau Letzterer stattfinden soll, ist aber noch unsicher. UK10 vertritt die
westlichste Variante, sodass am Samstag in der Osthälfte Deutschlands Regen- und
(zumindest) im Bergland Schneefälle zu erwarten wären. ICON lässt ebenfalls
einen Randtrog übergreifen, der im Südosten schauerartige/gewittrige Regenfälle
zur Folge hätte.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für verschiedene deutsche Städte zeigen – ähnlich wie die
deutschen Fußballer letztens gegen Italien – zwei Gesichter. Zunächst
ansteigendes Temperaturniveau bei engem Spread, am Freitag/Samstag dann von
Nordost nach Südwest einsetzender und übereinstimmender Temperatursturz,
allerdings mit gewissen Timing-Unterschieden und damit etwas auseinandergehenden
Lösungen. Die grobe Wetterentwicklung ist bis dahin aber noch klar. Nach Ankunft
im Temperaturkeller geht der Spread ab Sonntag auf wie ein Hefezopf. So wird zum
Beispiel für Offenbach bereits ab Sonntag ein Bereich von +7 bis -9 Grad in 850
hPa aufgespannt. Ähnliches sieht es auch in den anderen betrachteten Städten
aus. Die Fragen, wann der Kaltlufteinbruch genau kommt, wie intensiv er ausfällt
und wie lange er anhält bzw. wie schnell sich wieder mildere Luft durchsetzt,
sind also alles andere als geklärt.
Nennenswerte Niederschläge sind wohl auch am Wochenende nicht zu erwarten – am
ehesten noch im Osten und Südosten, also in Nähe des Troges.

Das Clustering von Freitag bis Sonntag beinhaltet vier Gruppierungen, die
allesamt den Regimen Blocking oder Atlantic Ridge zuzuordnen sind. Alle zeigen
die angesprochene Omegalage, wobei es hinsichtlich der genauen Positionierung
(v.a. zwischen Höhenhoch und östlichem Trog) im Detail naturgemäß Unterschiede
gibt. Für den Zeitraum von Montag bis Mittwoch ergeben sich drei Cluster, die
ebenfalls größtenteils an Regimen blockierender Natur festhalten. Die
Szenarienvielfalt nimmt nun etwas zu. Während Cluster 1 (22 Member inkl. Haupt-
und Kontrolllauf) uns wieder mehr in den Bereich des Höhenhochs schiebt, belässt
uns Cluster 2 im Einfluss des Troges. Cluster 3 bietet eine Art Zwischenlösung
an.

FAZIT: Auf das zunehmend milde Hochdruckwetter mit Höchstwerten von zum Teil
über 20 Grad folgt zum Wochenende hin ein regelrechter Temperatursturz. Wie
stark dieser genau ausfällt und wie lange er anhält, ist zwar noch unsicher, die
Nachtfrostgefahr nimmt aber wieder deutlich zu. Nennenswerte Niederschläge sind
in weiten Teilen des Landes nicht zu erwarten – zum Leidwesen der Natur.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Liste markanter Warnparameter ist ziemlich übersichtlich und enthält nur den
Wind. Am Mittwoch frischt dieser im Süden und Südwesten deutlich auf (Bise). Im
südwestdeutschen Bergland sind dann stürmische Böen (Bft 8), in den Hochlagen
des Schwarzwalds auch Sturmböen (Bft 9) aus Ost zu erwarten. Zudem zeigt das
IFS-Ensemble (wie auch ICON und UK10) an der vorpommerschen Ostseeküste am
Samstag geringe Hinweise für stürmische Böen (Bft 8) aus Nordost.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS(-EPS), ICON(-EPS), GFS(-EPS), UK10, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Tobias Reinartz