#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Samstag, den 29.03.2025 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 29.03.2025 um 10.30 UTC
Zunächst Hochdruckeinfluss bei milden Temperaturen und nur wenigen Störfaktoren.
Ab Freitag bei zunehmend unsicherer Vorhersage Streifschuss eines Troges östlich
von uns.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 05.04.2025
Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, ist das SSW vom Ende Februar/Anfang
März tatsächlich auch schon das Final Warming, da der zonale Wind in 10 hPa bei
60 N bis Anfang Mai nicht mehr aus seiner negativen Phase in die positive
zurückwechselt. Tendenziell steht ein frühes Final Warming im Zusammenhang mit
einer negativen AO/NAO, womit die Westwinddrift gestört ist und vermehrt
Blockierungen vorkommen. Das wiederum könnte späte Kaltlufteinbrüche befeuern,
aber auch längere Hochdruckphasen begünstigen.
Letzteres gab es im Februar und März bereits mehrfach, möglicherweise schon als
Reaktion auf das SSW/Final Warming. Für die nächsten Wochen wäre eine
wiederholte Rückkehr zu längeren Hochdruckphasen also keine Überraschung und
Ähnliches deutet sich auch für den aktuellen, ab Dienstag beginnenden
Mittelfristzeitraum an.
So zeigt sich am Dienstag ein breit angelegter Rücken, der sich vom
nordwestlichen Afrika über die Iberische Halbinsel bis zu den Britischen Inseln
und bis in die Nordsee aufgewölbt hat. Flankiert wird er im Nordwesten von einem
von Grönland sich weit südlich in den Nordostatlantik erstreckenden
Langwellentrog. Auch östlich des Rückens liegt ein Trog, der von Skandinavien
über das Baltikum und die östliche Ostsee bis zum östlichen Mitteleuropa und bis
in den zentralen Mittelmeerraum reicht. Diese zunächst als Omega zu
identifizierende Großwetterlage wandelt sich im Laufe der Woche vorübergehend zu
einem „High-over-Low“ um, da der Rücken in seinem südlichen Teil abgeschürt
wird, was Folge von Höhentiefvorstöße über dem zentralen Mittelmeer nach Westen
hin ist. Zum Ende der Woche nimmt das Höhenhoch wieder Kontakt auf zu einem
Rücken, der sich von Nordwestafrika Richtung Frankreich aufwölbt. Als Konsequenz
daraus ist die gesamte Höhenströmung über Europa wenig progressiv, was
Deutschland meist hohes Geopotenzial und längeren Hochdruckeinfluss beschert.
Störfaktoren des vorherrschenden Hochdruckeinflusses (Großwetterlagen NEa und
HNa dominieren) gibt es mehrere. So beispielsweise am Dienstag durch ein kleines
Höhentief, das von der Adria ins südliche Frankreich wandert und den Süden
Deutschlands tangiert. Ein weiterer Störfaktor kommt am Freitag ins Spiel, wenn
eine Austrogung über dem östlichen Mitteleuropa den Osten Deutschlands streift.
Am Samstag soll in diesem Langwellentrog ein Randtrog nach Süden laufen, der
erneut vor allem den Osten touchieren würde (vorübergehend NEz-Dominanz
möglich).
Darüber hinaus verändert sich die Lage des Hochs insbesondere zum nächsten
Wochenende so, dass Deutschland mehr und mehr in eine nördliche bis nordöstliche
Strömung gerät, in der die T850 hPa auf 1 bis -6, Anfang übernächster Woche im
Osten zum Teil sogar auf unter -10 Grad sinken sollen.
In der erweiterten Mittelfrist ab Montag übernächster Woche resultiert aus dem
Langwellentrog über Osteuropa bzw. dem östlichen Mitteleuropa ein
Höhentiefkomplex, der langsam retrograd Richtung Mitteleuropa wandert und die
nordöstliche Strömung über Deutschland aufrechterhalt. Ob er uns tatsächlich
erreicht, was auf einen eingangs erwähnten späten Kaltlufteinbruch hinauslaufen
würde, ist aber noch nicht geklärt (Ende des 10-tägigen Vorhersagehorizontes des
EZMW-Laufs).
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistent ist insgesamt als hoch anzusehen, da die Grundmuster in allen 3
Läufen von gestern und heute beibehalten werden. In den Details finden sich
allerdings kleinere Unterschiede, beispielsweise beim kleinen Höhentief am
Dienstag, das in den Vorläufen nur als Randtrog von der Adria nach Südfrankreich
zog und außerdem Begleitung durch ein weiteres, von Polen Richtung Alpen
ziehendes Höhentief erhielt. Letzteres ist im neuesten Lauf kaum noch
wiederzufinden. Ab Freitag/Samstag gibt es auch Differenzen beim Trogvorstoß
über dem östlichen Mitteleuropa bzw. Osteuropa. Die Frage wird sein, wie weit
sein Einfluss nach Westen reicht, was mitunter durch wenige Kilometern Differenz
in der Lage größere Auswirkungen auf unser Wetter haben könnte. Im neuesten Lauf
liegt er ein wenig dichter an Deutschland, womit es bei uns etwas zyklonaler und
vor allem kühler wird. In der erweiterten Mittelfrist ab übernächste Woche rückt
dieser Langwellentrog als Höhentiefkomplex immer näher an Mitteleuropa heran,
ein durchaus mögliches Übergreifen würde sogar einen späten Kaltlufteinbruch mit
winterlichen Erscheinungen zum Teil bis in tiefe Lagen bringen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Grundsätzlich neue Ideen haben weder GFS noch ICON. Während beim ICON sogar die
Lage des Langwellentrogs am kommenden Wochenende vergleichbar ist (aber
langsamere Austrogung), simuliert GFS diesen Trog viel weiter östlich und den
Höhenrücken vom zentralen Mittelmeer über Mitteleuropa und Deutschland hinweg
bis ins südwestliche Skandinavien. Vielmehr würde in der Folge von Westen sogar
Tiefdruckeinfluss aufkommen, da der Rücken nach Osten abgedrängt werden soll.
Das Temperaturniveau wäre damit viel höher, die Differenz beträgt mitunter mehr
als 10 Kelvin.
Graph Cast ML (Google KI-Modell) setzt den Langwellentrog am Wochenende zunächst
in ähnlicher Position an, lässt ihn anschließend allerdings progressiv
abwandern, sodass wir in den Einflussbereich des Rückens gelangen würden
(antizyklonal und mild).
AIFS (EZMW-KI-Modell) berechnet das zunächst ebenso, in der erweiterten
Mittelfrist aber mit dem Abbau des Höhenrückens über Mitteleuropa (erst mild und
antizyklonal, im weiteren Verlauf zyklonal und kühler).
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Bis zum Donnerstag weisen die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles enge Verläufe auf.
Danach öffnen sich die Rauchfahnen deutlich, wobei der Hauptlauf und der Median
bei T850 hPa der kalten Spur folgen. Beim Geopot 500 hPa verweilen Hauptlauf und
Median ab Freitag eher auf hohem Niveau, es gibt aber einige deutliche Ausreißer
nach unten. Das könnte ein Hinweis auf einen größeren Einfluss des Troges
östlich von uns sein. Durch den großen Spread (über 10 Kelvin, über 30 gpdam)
wird die Vorhersage ab Freitag/Samstag ziemlich unsicher, was auch die
Vorhersage für die erweiterte Mittelfrist erschwert.
CLUSTER:
Von Donnerstag 0 UTC bis Samstag 0 UTC werden 5 Cluster benötigt, um die
Unsicherheiten im Ensembleraum zu beschreiben (Blockierung oder atlantischer
Rücken). C1 bis C3 mit insgesamt 40 Mitgliedern stützen den Hauptlauf, da die
Lage des Langwellentrogs östlich von uns ähnlich prognostiziert wird. In C4 (6
Mitglieder) ist der Langwellentrog zum Ende hin schon ausgetropft und liegt dann
über dem südlichen Mitteleuropa und dem zentralen Mittelmeer mit Hoch Britischen
Inseln. C5 (5 Mitglieder) zeigt einen breiten Langwellentrog von der Nordsee bis
ins nordwestliche Russland sowie einen bis nach Grönland aufragenden Rücken über
dem Nordostatlantik. Deutschland befände sich dabei an der Südostflanke eines
Hochs bei Island.
Für Sonntag 0 UTC bis Dienstag 0 UTC existieren 4 Cluster (weiterhin Blockierung
oder atlantischer Rücken). Die Geometrie des Langwellentrogs östlich von uns ist
dabei sehr unterschiedlich. C1 mit 16 Mitgliedern ist dem Hauptlauf am nächsten,
C4 mit 7 Mitgliedern und einem vollständigen Übergreifen des Trogs auf
Mitteleuropa am weitesten entfernt vom Hauptlauf. C2 und C3 stellen
Mittellösungen dar.
FAZIT:
Der bis Freitag anhaltende Hochdruckeinfluss mit milden Temperaturen und einem
kleinen Störfaktor durch ein kleines Höhentief am Dienstag ist sicher. Ab
Freitag und am Wochenende ist die Austrogung östlich von uns der entscheidende
Faktor. Nach aktueller Berechnung touchiert er den Osten mit Randtrögen und
bringt dort zeitweise leicht zyklonaleres Wetter, wobei auch die Temperaturen
sinken. Im Westen überwiegt aber vermutlich weiterhin der Hochdruckeinfluss ohne
nennenswerte Niederschläge. In der erweiterten Mittelfrist ab übernächster Woche
Montag ist unklar, wohin die Reise geht. Von frühlingshaft-mild bis zu einem
späten Kaltlufteinbruch ist alles möglich, momentan geht die Tendenz eher zu den
kälteren Varianten.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
Am Dienstag und Mittwoch zeigt EFI Werte bis 0.6 im Südwesten Deutschlands für
überdurchschnittlich starken Wind. In den Ensembles werden vorwiegend die
Hochlagen des Schwarzwaldes mit stürmischen Böen Bft 8 herausgearbeitet, während
in tieferen Lagen vom Saarland bis zum Bodensee und südwestlich davon meist nur
erhöhte Wahrscheinlichkeiten für steife Böen Bft 7 vorliegen.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler