S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 27.03.2025 um 10.30 UTC

Zunächst unbeständig und kühl, zu Mitte der Woche warmer Hochdruck, in der
erweiterten Mittelfrist erneutes Blocking.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 03.04.2025

Zu Beginn des Mittelfristzeitraums am Sonntag liegt ein Höhenkeil über
Westeuropa, dessen Achse sich von Irland bis zur Nordsee erstreckt. Mittel- und
Osteuropa werden von einem ausgeprägten Langwellentrog beeinflusst, der einen
Cut-Off über dem östlichen Mittelmeer bildet. Dabei schwenkt ein Teiltrog über
Ostdeutschland hinweg. Damit verbunden ist ein Tiefdruckgebiet, das von Dänemark
in die Ostsee zieht. Deutschland befindet sich somit in einer nördlichen bis
nordwestlichen Strömung mit Zufuhr erwärmter subpolarer Luft (Temperatur 850 hPa
~ 0°C). In der sehr kalten Luft (500-hPa-Temperatur ~ -30°C) bilden sich vor
allem über Ostdeutschland Schauer, teils mit Graupel.

Am Montag kommt der Höhenkeil ostwärts voran und weitet seinen Einfluss bis nach
Westdeutschland aus. Damit verbunden ist ein ausgeprägtes Bodenhoch über
Frankreich. Der Randtrog flacht weiter ab und geht im Langwellentrog über
Osteuropa auf. Während sich im Westen die Luft beim Absinken erwärmt, kommt es
im Osten bei anhaltend nördlicher Strömung unter Trogeinfluss in der subpolaren
Luft zu weiteren Schauern, die in den Gipfellagen als Schnee fallen.

Am Dienstag verstärkt sich der Keil über Westeuropa und kommt ostwärts voran.
Gleichzeitig entsteht über dem östlichen Mittelmeer ein neuer Cut-Off, während
ein Teil des Höhenkeils über Norddeutschland ostwärts vorankommt. Dabei
verlagert sich das Bodenhoch nach Norddeutschland. Der Südosten wird noch von
einem Teiltrog des Cut-Off beeinflusst, sodass dort leichter Regen, oberhalb
etwa 900 m auch Schnee fällt. Der Rest von Deutschland gelangt unter Absinken.
Bei nächtlichem Aufklaren besteht Frostgefahr.

Am Mittwoch setzt sich der Schwerpunkt des Höhenhochs über Benelux und der
Nordsee fest, sodass ganz Deutschland unter antizyklonalem Einfluss liegt. Dabei
setzt deutlich WLA und Erwärmung durch absinken ein, sodass die
850-hPa-Temperatur im Westen bis 10 °C ansteigt.

Am Mittwoch setzt sich der Schwerpunkt des Höhenhochs über Benelux und der
Nordsee fest, sodass ganz Deutschland unter antizyklonalem Einfluss liegt. Dabei
setzt deutlich WLA und Erwärmung durch Absinken ein, sodass die
850-hPa-Temperatur im Westen bis 10 °C ansteigt.

Im weiteren Verlauf kommt es zu einer retrograden Verlagerung des Keils, der an
der Vorderseite eines westatlantischen Langwellentroges einen Keil in Richtung
Grönland schiebt. Dadurch kommt es stromabwärts zu einer deutlichen Abkühlung
und einem Trogvorstoß über Nordeuropa. Dieser Trog greift im neuen IFS-Lauf am
Freitag mit arktischen Luftmassen auf Mitteleuropa über. Die 850 hPa Temperatur
sinkt auf -7 °C. Kräftige Schnee- und Graupelschauer sowie kurze Gewitter bei
böigem Nordwestwind wären die Folge. Für das Bergland würde dies einen
Wintereinbruch bedeuten.

Unter leicht retrograder Verlagerung bliebe diese Troglage stabil.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis Dienstag gibt es keine wesentliche Änderung zu den Vorläufen. Ab Dienstag
gab es in den Vorläufen immer wieder stärkere Variationen bezüglich der
Ausdehnung und Position des Hochs, sodass in vielen Vorläufen der Osten etwas
länger in der Kaltluft verharrte und der Hauptwarmluftvorstoß etwas westlicher
lag. In der erweiterten Mittelfrist wurde der Trogvorstoß zum ersten
Aprilwochenende zwar angedeutet, aber bisher nicht in dieser Intensität
berechnet.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bereits in der Zugbahn des Tiefs am Sonntag gibt es kleine, aber relevante
Abweichungen. GFS lässt das Tief über Norddeutschland ziehen, mit entsprechend
kräftigeren Schauern und einer etwas niedrigeren Schneefallgrenze von 800 bis
900 m im zentralen Mittelgebirgsraum. ICON bevorzugt eine nördlichere Zugbahn
als IFS, ist also am wärmsten, mit kaum nennenswerten Schauern. Der Keil kommt
hier schneller voran, mit einem schwächeren Cut-Off-Prozess und ohne Randtrog
über Südostdeutschland am Dienstag. Jedoch soll der Keil am Ende der Woche
anstatt über Grönland über Finnland vorstoßen, sodass es zu einer retrograden
Verlagerung des Cut-Off-Tiefs über Osteuropa kommt, das dann ab Donnerstag auf
den Südosten mit hochreichender Kaltluft übergreift.
GFS berechnet in der erweiterten Mittelfrist den Übergang zu einer Omegalage.
Pangu-Weather unterstützt in der erweiterten Mittelfrist ein ähnliches Szenario
wie IFS. Alle anderen KI-Modelle rechnen den Trogvorstoß über Osteuropa und
somit eine Trograndlage für Ostdeutschland.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen zeigen bereits am Sonntag stärkere Schwankungen des
Geopotentials, was darauf hinweist, dass die Zugbahn des Randtroges noch
unsicher ist. Ansonsten wird zu Wochenbeginn ein mehr oder weniger schneller
Anstieg der Temperatur und des Geopotentials berechnet. Die Streuung nimmt dabei
deutlich zu. Die meisten ENS haben sich aber nun mit dem Hauptlauf auch im Osten
auf eine warme Variante zur Wochenmitte geeinigt. Zum Ende der Woche zeigen die
meisten Ensembles einen deutlichen Temperatur- und Geopotentialrückgang,
allerdings mit erheblicher Streuung. Der Haupttrend liegt im unteren Bereich.
Auch die Clusteranalysen zeigen in der erweiterten Mittelfrist eine in den
meisten Clustern nach Grönland gerichtete Blockade, wobei die
Trogvorstoßrichtung irgendwo zwischen Mittel- und Osteuropa stattfindet.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass bereits das Sonntagswetter mit
einigen Unsicherheiten behaftet ist. Unsicher ist auch, wie schnell die
Erwärmung zu Beginn der neuen Woche erfolgen wird. Sicher scheint, dass sich zur
Wochenmitte eine warme Hochdruckwetterlage einstellt.
Auch die Tendenz zu einer erneuten Blockade, die aller Wahrscheinlichkeit nach
in Richtung Grönland gerichtet sein könnte, ist für den erweiterten
Mittelfristzeitraum erkennbar. Ob dies für das Bergland einen erneuten
Wintereinbruch bedeutet, oder ob der Trogvorstoß weiter östlich erfolgt (derzeit
wahrscheinlichere Variante), bleibt abzuwarten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Abgesehen von Nachtfrost zu beginn der neuen Woche bietet die Lage wenig
Potenzial für signifikante Wettererscheinungen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold