#SXEU31 #DWAV #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Freitag den 21.03.2025 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 210800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 21.03.2025 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Anfangs noch SEa (Südost antizyklonal), zum Sonntag hin in TM (Tief
Mitteleuropa) übergehend
Allmählicher Übergang in zyklonale Wetterbedingungen mit gelegentlichem Regen,
vereinzelten Gewittern, Saharastaub und auffrischendem Wind (Küste, höhere
Lagen, am Samstag auch Norddeutsche Tiefebene).
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag… wird von einem großräumigen Trog-Rücken-Muster dominiert, bei dem
sich Deutschland im zunächst noch antizyklonal geprägten Übergangsbereich
befindet: über Westeuropa respektive dem nahen Atlantik ein stark amplifizierter
Trog, von der Großen Syrte bis hoch zur Grönlandsee ein nicht minder ausladender
Rücken. In dieses an sich stabile Wellenmuster kommt nun so langsam ein bisschen
Bewegung rein (leichte Progression), wobei die Betonung auf langsam liegt. Von
Westen her beginnt der Luftdruck zu fallen, was auf das dicke fette Tief VOLKER
(int. Martinho) zurückgeht, welches mit stolzen 990 hPa im Kern (heute 12 UTC)
am Westrand der Biskaya lungert, Tendenz langsam ostwärts ziehend. Zwischen dem
Tief und dem sich über Nordeuropa verstärkenden Bodenhoch (heute Mittag mit
1030-hPa-Zentrum über dem Bottnischen Meerbusen, unverständlicherweise ohne
Namen) verstärken sich bei uns kontinuierlich die Druckgegensätze. Damit rückt
nach längere Abstinenz das Thema „Wind“ mal wieder in den Blickpunkt des
Geschehens, ohne dass nun gleich das ganz große Gewusel losgeht.
Heute tagsüber gestaltet sich der Wetterablauf ohnehin noch sehr beschaulich,
wobei leichte WLA wirksam ist (schöne Rechtsdrehung des Windes mit der Höhe von
Ost-Südost ganz unten über Süd auf westliche Richtungen). Das führt zum einen
dazu, dass die mittlerweile stark in die „Jahre“ gekommene, sprich gealterte,
sehr trockene und vor allem tagsüber stark erwärmte polare Kaltluft (cPs)
allmählich durch feuchtere Subtropikluft (erst xS, später mS) ersetzt wird. Vor
allem im Süden und Westen steigt T850 – teils mit föhniger Unterstützung –
merklich an auf 9 bis 12°C, während das mit der Südkomponente nach Nordosten hin
nicht so gut funktioniert. Dort verharrt T850 bei 2 bis 5°C. Mit der auflandigen
Windkomponente ist in den äußersten Norden und Nordwesten ziemlich flach etwas
feuchtere Luft eingeströmt, die vergangene Nacht die Bildung von Nebel (also die
Entstehung von Nebel, nicht dessen Gelehrtheit) forciert hat. Dieser wird sich
im Laufe des Vormittags auflösen, so dass einmal mehr wie in weiten Teilen des
Landes auch die Sonne von einem wolkenlosen oder nur mit dünnen Cirren
gespickten Himmel scheint.
Nicht ganz so astrein läuft die Sache Richtung Südwesten ab, wo die o.e. WLA am
ausgeprägtesten ist. Dort haben sich bereits heute früh hohe und nicht immer
gänzlich durchlässige Wolken eingefunden, die noch ein wenig gen Mitte
vorankommen. Hinzu kommen ungewollte Importe aus Frankreich und der Schweiz in
Form von Saharastaub (Käse, Bündner Fleisch und Rivella wären dem Hoffmann
lieber), der sich mit der trogvorderseitigen Südströmung bereits in weiten
Teilen Südwesteuropas plus Frankreich eingefunden hat. Man kenntŽs, die Sonne
wirkt durch diesen Schleier mitunter etwas fahl, etwas blass um die Nase, was im
Norden und Osten nicht der Fall ist. Durch die Dämpfung der direkten
Solarstrahlung könnte auch die Temperatur etwas hinter den Erwartungen
zurückbleiben, die 25°C-Marke – bei dieser Schichtung und aufgrund lokal hoher
Startwerte theoretisch durchaus möglich – dürfte sehr wahrscheinlich nicht
erreicht werden. Nun gut, Tageshöchstwerte von verbreitet 17 bis 23°C, im Westen
mit etwas Glück hinterm Herner Grillimbiss 24°C sind aller Ehren wert. Abstiche
gilt es nur ganz oben im Norden und Nordosten zu machen, wo der langsam
zunehmende östliche Wind von der noch unterkühlten Ostsee frische Luft
advehiert, die von der Sonne nicht so einfach kompensiert werden kann.
Apropos Wind, der lebt aus östlichen Richtungen kommend sowohl gradient- als
auch thermisch bedingt (Stichwort Tagesgang) hin und wieder böig auf, bis gegen
Abend an, vor allem aber auf der See die ersten 7er-Böen auftreten.
In der Nacht zum Samstag verlagert sich ein Randtrog von den Pyrenäen in
Richtung Nordfrankreich, was im Westen und Südwesten Potenzialverlust zur Folge
hat. Den gilt es nebenbei auf für die östlichen Landesteile zu konstatieren, wo
sich ein kleines Höhentief über NO-Polen bemerkbar macht. Mit anderen Worten,
der Rücken wird bei uns schwer in die Zange genommen, was schlussendlich zu
einem antizyklonalen Cut-Off mit isolierter Höhenantizyklone über
Südskandinavien führt.
Das Wetter reagiert auf die Zangentechnik sehr unterschiedlich. Während im
Norden und Osten in der weiterhin aus dem Hoch ausfließenden trockenen Luftmasse
keinerlei Impact zu spüren ist, wird das mehrschichtige Gewölk in der SW-Hälfte
immer dichter. Gut möglich, dass es in den frühen Morgenstunden rund um den
Schwarzwald über Saarland und Eifel bis zur Selfkant für die ersten Tropfen
reicht, wenn, ja wenn zuvor die untere Troposphäre ausreichend durchfeuchtet
wurde, was harte Kärrnerarbeit erfordert. Im Gegensatz zur Vornacht bzw. den
Vornächten sind Nebel und Frost kein oder sagen wir so gut wie kein Thema mehr.
Okay, in der Mitte sowie im Osten kühlt es am Boden noch gebietsweise auf etwas
unter 0°C ab, für Luftfrost reicht es aber nur noch ganz vereinzelt. Nach Westen
und Südwesten hin stehen dagegen zweistellige Tiefstwerte auf der Karte, wenn
auch nicht überall.
Thema Wind, der kommt weiterhin aus Osten und legt insbesondere an den Küsten (+
freier See) sowie in exponierten Hochlagen so weit zu, dass dort je nach
Ausrichtung (man beachte, dass der Wind an der Küste z.T. ablandig unterwegs
ist) mit Böen 7-8 Bft gerechnet werden muss. Zwar nimmt der Südüberschuss beim
Luftdruck in und an den Alpen stetig zu (in der Schweiz kommt Lugano-Zürich auf
imposante 13 hPa), trotzdem dürfte der Föhn zunächst ein weitgehend inneralpines
Phänomen auf österreichischer und schweizer Seite bleiben. Was die Täler angeht,
kommt am ehesten der Raum Mittenwald in Frage, wo der Föhn unterhalb der
Inversion mal etwas durchbrechen könnte (Böen 7 Bft). Ansonsten springen wohl
nur die höchsten Gipfel an, auch wenn von der überschaubaren Höhenströmung kein
nennenswerter Support zu erwarten ist.
Samstag… ohne Bundesliga ist eigentlich kein Samstag, aber nun, irgendwann
muss die Nationalmannschaft ja auch mal dürfen. Hat man eben mehr Zeit fürs
Wetter, das weiter daran arbeitet, vom Permanenthochdruckeinfluss wegzukommen –
mit Teilerfolgen. Die Isolierung des Höhenhochs über Nordeuropa wurde bereits
angesprochen. Das korrespondierende Bodenhoch verlagert sein inzwischen auf über
1035 hPa angewachsenes Zentrum nach Karelien, womit es de jure zwar den Abstand
zum Vorhersageraum vergrößert, de facto aber noch immer Einfluss ausübt.
Vereinfacht gesagt ist es die NO-Hälfte unseres Landes, die von der
Blockadewirkung des Hochs profitiert, wobei das mit dem Profitieren so Žne Sache
ist. Sonne und trocken mag zwar Viele, wahrscheinlich sogar die meisten
erfreuen, gleichwohl wäre es nicht schlecht, wenn sich auch mal wieder Regen in
diese Landstriche verirren würde. Tut er nicht, zumindest morgen nicht, so dass
auch die Waldbrandgefahr hoch bleibt. Temperaturmäßig landen wir bei 13 bis
19°C, an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind etwas darunter. Da der
Druckgradient im Norden und Osten noch etwas zunimmt und zudem die
supergeostrophische Komponente (Hochrandlage mit antizyklonal gekrümmter
Isobarenführung) gut ausgeprägt ist, legt auch der östliche Wind noch Žne kleine
Schippe drauf. Genauer gesagt bleibt es im Wesentlichen bei Böen 7-8 Bft, nur
exponiert wird auch mal eine „9“ gemessen. Was sich ändert ist die räumliche
Ausdehnung des Starkwindfeldes, das sich tagsüber vorübergehend auf weite Teile
des Norddeutschen Tieflands ausweitet.
Vom Nordosten in den Südwesten, wo die Ausgangslage eine ganz andere ist. Nicht
nur dass der Langwellentrog mittlerweile dichter an uns herangerückt ist. Auch
Bodentief VOLKER unternimmt große Anstrengungen, onshore zu landen, was
spätestens in der Nacht zum Sonntag final gelingt (Doppeltief Bretagne/Normandie
und Mittelengland). Der o.e. Randtrog zieht Richtung südwestliche Nordsee ab,
aus der Schweiz und den Alpen heraus folgt am Mittag aber schon der nächste. Der
zyklonale Faktor erhöht sich also weiter gepaart mit der Zufuhr feuchter (PPW
über 15 mm) und potenziell instabiler Subtropikluft, in der zwar viele Wolken am
Start sind, es aber auch Lücken bzw. Aufhellungen gibt. Mit der Folge, dass
sogar etwas CAPE aufgebaut werden kann, so dass neben schauerartigem Regen sogar
ein, zwei Gewitter denkbar sind. Was allerdings dagegen spricht, ist die weiter
zunehmende Konzentration an rötlichen mineralischen Wüstenpartikeln, gemeinhin
unter Saharastaub bekannt. Dieser vermindert die Einstrahlung und mithin die
Produktion von CAPE, so dass es am Ende fraglich ist, ob es morgen tatsächlich
irgendwo knallt. Denkbar ist das am ehesten über den südwestdeutschen
Mittelgebirgen sowie vielleicht an den Alpen, wo einmal mehr die Orografie als
entscheidender Trigger herhalten muss, weil der o.e. Sekundärtrog eher von der
schwächeren Sorte ist. Die Föhnkomponente auf deutscher ist wieder auf dem
absteigenden Ast.
In der Nacht zum Sonntag arbeitet sich der Sekundärtrog unter Konturverlust bis
zur Mitte vor. Gleichzeitig verlagert sich von Polen her das kleine Höhentief
nach Norddeutschland, während im Südosten der schwache Keil eines breiten
Rückens über dem zentralen Mittelmeer gesichtet wird. Summa summarum eine etwas
unübersichtliche Gemengelage bei geringen Potenzialgradienten, der man nicht zu
viel Bedeutung zumessen sollte. Wichtiger ist das Übergreifen einer breiten
Tiefdruckrinne von Süden her, die weitere, sehr diffus verteilte und nicht
besonders intensive Regenfälle bringen soll. Derzeit stehen noch einige
Fragezeichen auf der Agenda, wie die Inhomogenität der verschiedenen numerischen
Lösungen eindrucksvoll belegt. Wie weit kommen Rinne und Niederschlag gegen das
Blocking nach Norden voran, wo sind die regionalen Schwerpunkte, um nur einige
Beispiele zu nennen. IFS lässt den Regen bis ins Ems-/Ostfriesland vorankommen
und setzt in den westlichen Mittelgebirgen sogar ein paar Hotspots (10-15 l/m²
innert 12 h), was von ICON nur sehr bedingt unterstützt wird.
Was man sagen kann, dass die ohnehin nicht überbordende
Gewitterwahrscheinlichkeit in der Nacht wieder abnimmt. Zudem bildet sich in der
Mitte und im Süden bei etwas längerem Aufklaren örtlich Nebel, während sich im
Norden der Starkwind unter stetiger Abnahme zunächst an die Küsten und später
sogar auf die freie See zurückzieht. Luftfrost tritt kaum noch auf, leichter
Bodenfrost am ehesten im Südosten Bayerns.
Sonntag… regeneriert sich das Höhentief über der Ostsee, wo es Verbindung zu
dem Trog über West- und Südwesteuropa aufnimmt. Für uns ergibt sich daraus eine
flaue Troglage fast ohne Höhenwind und Dynamik, so dass das Wetter hauptsächlich
„von unten“ gesteuert werden muss. Prädestiniert dafür ist die o.e. Rinne, die
weiteren Boden nach Norden gutmacht. Laut ICON verläuft die Hauptkonvergenzachse
am Mittag vom Niederrhein über das Nordhessische bis hinüber zum Lausitzer
Bergland. Während nördlich davon mit östlichem Wind weiter ziemlich trockene
Luft aus dem nordosteuropäischen Hoch ausfließt (=> Sonne-Wolken-Mix, meist
trocken, Böen 7, exponiert 8 Bft an der Ostsee), strömt weiter südlich mit
westlichem Wind eine weit herumgeholte, deutlich erwärmte polare Meeresluft ein
(mPs; T850 2 bis 5°C). In dieser Luftmasse sowie im Bereich der Windkonvergenz
kommt es zu leichten Hebungsprozessen, die bei wechselnder bis starker Bewölkung
zu schauerartigem Regen und einzelnen Gewittern führen. Wie sich die
Regenschwerpunkte regional verteilen, wird von Modell zu Modell nach wie vor
sehr individuell simuliert. Bei der Temperatur kommen wir auf 12 bis 18°C, an
der See bei auflandigem Wind nur auf etwa 10°C.
Die Nacht zum Montag nur sehr kurz: Troglage, Verbreiterung der Rinne,
gebietsweise Regen (Regionalität und Intensität weiterhin sehr unsicher),
frostfrei.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Änderung der Großwetterlage ist ausgemachte Sache. Auch liegen die
Basisfelder gar nicht so weit auseinander. Trotzdem nehmen die
Prognoseunsicherheiten von Tag zu Tag zu, insbesondere was den die Verteilung
und die Intensität des Niederschlags angeht. Wollen hoffen, dass am Ende
tatsächlich einigermaßen was runterkommt. Die meisten Regionen bei uns könnten
es dringend gebrauchen gegen die vor allem an der Oberfläche auftretende
Trockenheit.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann