#SXEU31 #DWAV #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Sonntag den 16.03.2025 um 08 UTC
SXEU31 DWAV 160800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 16.03.2025 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Überhang HNa, zum Wochenbeginn Übergang zu HM
Schwarzwald, Alpen sowie Erzgebirge etwas Neuschnee. Zum Wochenstart
Hochdruckeinfluss. Nächte meist frostig, im Osten mäßiger bis lokal strenger
Luftfrost, bodennah häufig strenger Frost. Nacht zum Montag im Nordosten
tückische Straßenglätte.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
Sonntag… findet im Zuge einer bei Island andauernden Blockierung stromab über
Skandinavien ein kräftiger Kaltluftvorstoß in Richtung Osteuropa statt, der
Deutschland im Verlauf der Kurzfrist besonders im Osten tangiert. Ausgehend von
dieser kräftigen Antizyklone erstreckt sich ein Keil nach Mitteleuropa, der
zunächst besonders die Mitte Deutschlands beeinflusst. Bodennah wird diese
Antizyklone vom umfangreichen Bodenhoch JUMA begleitet. Im Tagesverlauf nähert
sich von Norden die den osteuropäischen Kaltluftausbruch begleitende Kaltfront,
die in der Folge besonders Ostdeutschland mit einem Schwall modifizierter
Meeresluft arktischen Ursprungs erfasst.
Der Sonntag startet somit im Norden vielerorts mit dichtem Bodennebel, in
Richtung Nordosten zeitweise auch mit größeren Hochnebelfeldern und natürlich
verbreitet mit leichtem, teils sogar mäßigem Frost. Radiosondenaufstiege aus der
vergangenen Nacht zeigten eine vergleichsweise recht feuchte Troposphäre bis
grob 800/750 hPa mit einer umfassenden Abtrocknung darüber, was auch im
Wasserdampfbild durch einen raschen Abfall der Feuchtigkeit zu erkennen ist.
Insofern sorgte das Zusammenspiel aus effektiver Abkühlung mit vorhandener
Feuchte zu diesem insgesamt eher trüben Start in den Tag. Die Feuchte wird nun
im Verlauf des Vormittags durch Einstrahlung etwas vermischt, sodass sich die
Sichten bessern dürften. Gleichzeitig sollte sich peripher einer von Norden
nahenden Kaltfront die Luftmasse stetig heben, sodass es nicht verwundert, wenn
im Tagesverlauf die angesprochene Feuchte in Form einer zerbrochenen
Hochnebelschliere südwärts in Richtung zentrale Mittelgebirge bzw. in die
Divergenzachse des Keils/Bodenhochs gedrückt wird und die Einstrahlung
regional/zeitweise mindert. Abseits dessen scheint aber häufig die Sonne.
Zusätzlich greift die Frontalbewölkung der nahenden Kaltfront auf
Norddeutschland über und sorgt dort nicht nur für einen wolkenverhangenen
Nachmittag, sondern auch für etwas Nass in Form einzelner Schauer. Cross
sections durch die Front zeigen einen insgesamt recht flachen Hebungsverlauf der
Frontfläche auf. Trotz gezeigter vertikaler Zunahme der zyklonalen
Vorticityadvektion überwiegt in Frontnähe zügig kräftige KLA, was auch beim Q
Vektor durch ein rasches Umschlagen der Vergenzen hervorgehoben wird. Großartige
Niederschlagsprozesse sind bei Frontpassage somit zunächst keine zu erwarten.
Die Maxima liegen zwischen 5 und 9 Grad, im Harz/Erzgebirge etwas darunter und
der Wind kommt mäßig bis frisch aus Nordwest, postfrontal im Küstenumfeld zum
Abend aus Nord. Mit Frontpassage sind peripher der Küsten einzelne Böen Bft 7
aus Nord möglich.
Weiter südlich schließt sich ein Streifen mit Absinken peripher des „dark
stripe“ im WV Bild an, sodass hier mit einem insgesamt sonnigen Tag zu rechnen
ist. Dies betrifft vor allem die Region vom NRW Bergland über Hessen bis
Franken. Hier werden Maxima von 8 bis 12 oder 13 Grad erwartet, wobei der
zeitweise stärker auffrischende Nordostwind die gefühlte Temperaturwerte etwas
mindern dürfte.
Bleibt noch der Süden zu erwähnen, der im Einflussbereich einer zonal
orientierten Geopotenzialrinne liegt. Dabei ist das dominante Drehzentrum über
der südlichen Biskaya/Gascogne zu verorten. Die Luftmasse in dieser Rinne weist
PPW Werte von 10 bis 15 mm auf mit einer hochreichenden Sättigung, schwacher KLA
bis 800 hPa (zunehmend neutral) und entkoppelt davon oberhalb von 700 hPa
schwacher WLA inklusive schwacher Hebung aus der Synoptik heraus (dominante
zyklonale Höhenströmung). Innerhalb dieser Rinne treten heute tagsüber
wiederholt Niederschläge auf, die bis zur Alb ausgreifen und je nach
Niederschlagsintensität zeitweise bis in tiefe Lagen eine Mischung aus
Nassschnee oder Schneeregen bringen. Oberhalb von rund 800 bis 1000 m
akkumuliert sich etwas Schnee mit wenigen Zentimetern Neuschnee. Entsprechende
Schneefallwarnungen laufen bereits und sollten das maximal Mögliche abdecken.
Hier bleibt es mit 1 bis 3 Grad nass-kalt bei einem insgesamt eher schwachen bis
mäßigen Wind aus unterschiedlichen Richtungen (je nach Lage und Intensität der
Bodentiefdruckrinne).
In der Nacht zum Montag kommt die Kaltfront über den Norden rasch in die Mitte
Deutschlands voran. Dabei beschränkt sich deren Wetteraktivität auf etwas
Niederschlag und dichte Bewölkung. Die höchsten Niederschlagsmengen werden im
Stau des Erzgebirges bis ins Vogtland erwartet, wo mit Frontpassage einige
Zentimeter Neuschnee fallen. Die Schneefallgrenze geht dabei bis in tiefe Lagen
zurück und es muss mit Straßenglätte gerechnet werden. Glätte ist auch
postfrontal ein großes Thema und betrifft den gesamten Nordosten. Nach Abzug der
Niederschläge reißt die Bewölkung postfrontal rasch auf. Die Temperaturwerte
gehen im vorherrschenden KLA Regime in 850 hPa auf rund -10 Grad zurück, sodass
in 2m mit einem Zeitverstand von 2 bis 3h nach Ende des Niederschlags leichter
Luftfrost bzw. Frost in Bodennähe bis -3 Grad einsetzt. Ausgangs der Nacht tritt
dann bodennah in Richtung Mecklenburg-Vorpommern/nördliches Brandenburg bis
Schleswig-Holstein recht verbreitet mäßiger Frost bis -6 Grad in Bodennähe auf.
Etwas dämpfend wirkt sich der isallobarisch angefachte Nordostwind aus, der noch
etwas abtrocknet, doch unterm Strich sollte man sich auf glatte Straßen mit
entsprechenden Beeinträchtigungen im Straßenverkehr einstellen. Die Ausgabe
einer markanten Glättewarnung ist vor allem in einem Streifen vom Fläming bis in
die Niederlausitz nicht ausgeschlossen, da dort der Wind insgesamt schwächer
ausfällt bei einem gleichbleibenden Zeitversatz Niederschlag-Frost. Ggf. erfolgt
am Nachmittag deren Ausgabe, wobei dafür noch weitere RUC Daten ausgewertet
werden (insbesondere mit Blick auf die Mengen, die jüngst etwas nach unten
korrigiert wurden).
Von NRW bis nach Hessen verläuft die Nacht im Einfluss der Bewölkung und der
geringen Niederschläge leicht wechselhaft, wobei die Schauer zunehmend bis 500 m
in Schnee übergehen. Hier sollte ein effektiver Bodenwärmestrom aber einer
größeren Glätte entgegenwirken, zumal die Minima hier meist im leicht positiven
Bereich verbleiben.
Zwischen Main und Donau verläuft die Nacht meist klar und trocken, während sich
die Niederschläge südlich der Donau unter Abschwächung immer weiter an die Alpen
zurückziehen und dort noch einige wenige Zentimeter Neuschnee bringen. Bei
fortschreitendem Aufklaren von Norden tritt auch hier regional etwas Glätte
durch überfrierende Nässe auf. Leichter, am Alpenrand und im Bergland auch
mäßiger Frost tritt recht verbreitet auf bei einem insgesamt nur schwachen bis
mäßigen Wind aus Nordost.
Montag… wird die Kaltfront zügig südwärts geführt, verliert jedoch im
Tagesverlauf mit jedem Kilometer nach Süd/Südwest an Wetter(attr)aktivität, da
gleichzeitig der Bodendruck steigt. Letzteres liegt an der Annäherung der
Antizyklone bei Island, die im Tagesverlauf in Richtung Nordsee wandert, während
JUMA den Nordosten Deutschlands erreicht.
Das schmale Band mit dichter Bewölkung und etwas Niederschlag über der breiten
Mitte zieht somit zügig nach Süd bis Südwest. Dabei sorgt die vertikale
Verringerung der Frontalzirkulation für ein deutliches Abflachen der von
Nordosten einfließenden Kaltluftmasse. Das Resultat ist, dass sich deren
vertikale Mächtigkeit zum Nachmittag und Abend im Süden/Südwesten auf rund
750-800 hPa beschränkt. Restfeuchte entlang der Inversion sorgt zunächst noch
für eine dichte Stratusbewölkung, die zum Ende des Tages aber immer weiter
aufbricht und teils einen stark gedeckelten/leicht konvektiven Charakter
annimmt. Schwache Niederschläge in Form einzelner Schauer treten am Nachmittag
meist nur noch in Bayern auf, oberhalb von 799-800 m in Form einzelner Flocken
ohne Neuschneezuwachs.
Postfrontal scheint in klarer (abgetrockneter) arktischer Meeresluft und bei
perfekter Fernsicht die Sonne und es bleibt trocken. Die Maxima liegen meist
zwischen 5 und 8 Grad, im östlichen Bergland, im Erzgebirgsvorland sowie in
Richtung Rügen verbleiben diese bei 2 bis 4 Grad und erklimmen in Richtung
Niederrhein die 10 oder 11 Grad.
Die Nacht zum Dienstag verläuft dann unter dem dominanten Einfluss von JUMA klar
und trocken, vielleicht mit einem lokalen Nebelfeld am direkten Alpenrand (dank
geringer Restfeuchte). Erwähnenswert bleiben die Temperaturwerte, denn bei H85
Werten von -8 oder -9 Grad und effektiver Ausstrahlung muss im gesamten Osten
mit mäßigem Frost zwischen -5 und -9 Grad gerechnet werden. Wenngleich in der
Probabilistik nicht explizit hinterlegt, ist sogar lokal strenger Frost in
geschützten Lagen nicht ausgeschlossen. Diesen gibt es recht verbreitet in
Bodennähe, wo Minima von -8 bis -14 Grad zu erwarten sind.
Die tiefsten Minima sollten besonders im Bereich der windschwachen
Divergenzachse über dem Nordosten Deutschlands auftreten, während südlich davon
der Wind aus Ost mäßig bis frisch, exponiert auch stark bis steif (Bft 6 bis 7)
daherkommt und die stabile Grenzschicht regional etwas durchmischt (daher dort
meist -3 bis -6 Grad). Im exponierten Bergland (wie dem Hochschwarzwald) sind
auch markante Böen Bft 8 bis 9 aus Ost bis Südost ein Thema. Auf Rügen kommt der
Wind hingegen eher aus westlicher Richtung und frischt dort ebenfalls etwas auf.
Dienstag… wird unter Hochdruckeinfluss ein deutschlandweit sonniger und
trockener Tag. JUMA wandert dabei zunehmend nach Polen, doch dank einer noch
östlichen Lage zur Höhenkeilachse findet vorerst kein durchgreifender
Luftmassenwechsel statt.
Die einzige Ausnahme vom überbordend sonnigen Wettercharakter könnten die
Bereiche von Schleswig-Holstein bis Mecklenburg-Vorpommern sein, wo etwas
feuchtere Meeresluft einsickert und unter der Inversion in Form dichten
Hochnebels breitläuft. UK10 ist recht forsch mit dessen Advektion nach Süden,
während IFS etwas zurückhaltender/nördlicher agiert. Wahrscheinlich bricht der
Hochnebel an der Südflanke des von UK10 gezeigten Gebiets wiederholt auf,
während dieser im Küstenumfeld dicht bleibt.
Die Maxima liegen unter dem Hochnebel bei 5 oder 6 Grad, sonst zwischen 6 und 8
Grad im Osten sowie 9 und 12 Grad im Westen. Im oberen östlichen Bergland
herrscht leichter Dauerfrost. Der Ostwind frischt im Süden weiterhin teils böig
auf, während dieser im Nordosten schwach aus Südost bis Südwest weht und in
Richtung Rügen erneut stärker aus West auffrischt.
In der Nacht zum Mittwoch keine Änderung. Klar und trocken, im Nordosten etwas
Hochnebel und fast deutschlandweit leichter, im Osten durchweg mäßiger Luftfrost
zwischen -1 und -8 Grad (von West nach Ost), bodennah im gesamten Osten erneut
Minima von unter -10 Grad. Einzig in Richtung Niederrhein könnte es für eine
frostfreie Nacht reichen.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Numerik erfasst die Umstellung zu einer antizyklonal geprägten Witterung
sehr gut. Geringe Diskrepanzen ergeben sich zum Ende der Kurzfrist bei der Frage
der Hochnebelausbreitung im Nordosten. Dies wurde im Text angesprochen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy