S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 01.03.2025 um 10.30 UTC

Im Norden leicht unbeständig, Mittwoch an den Küsten stürmische Böen, sonst bis
zum Wochenende meist ruhiges und frühlingshaft mildes Hochdruckwetter.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 08.03.2025

Der Mittelfristzeitraum beginnt am kommenden Dienstag und Mittwoch mit einer
weit nach Norden verschobenen Frontalzone, die vom mittleren Nordatlantik
kommend über das Seegebiet südlich Islands und die Norwegische See, Süd- bzw.
Mittelskandinavien bis nach Südwestrussland reicht. Die kräftige WLA an deren
Südflanke stützt eine langgestreckte und zonal ausgerichtete, von den Azoren
über den Süden der Britischen Inseln und Frankreich bis nach Mittel- bzw.
Südwesteuropa reichende Hochdruckzone.

In deren Einflussbereich scheint am Dienstag im Süden und in der Mitte des
Vorhersagegebietes nach teils zögernder Nebelauflösung (gebietsweise hält er
sich bis in den Nachmittag hinein, am ehesten wohl Richtung Bodensee und Donau)
allgemein bei nur wenigen Wolken die Sonne. Die Divergenzachse des Hochs
verläuft in etwa über die mittleren Landesteile, so dass über Norddeutschland
nahe der Frontalzone mit westlichem Wind (an den Küsten Böen Bft 6 bis 7)
zeitweise Wolkenfelder hinwegziehen, die an den Küsten und in Schleswig-Holstein
dichter sein können, es bleibt aber auch dort weitestgehend trocken. Die
Luftmasse kann sich niedertroposphärisch durch Absinken, im Norden auch advektiv
erwärmen auf 850 hPa-Temperaturen um 6 Grad (Mittwoch, 00 UTC). Somit liegen die
Höchstwerte am Dienstag meist zwischen 9 und 14 Grad; lediglich ganz im Norden
sowie dort, wo sich der Nebel länger hält, bleibt es kühler.

Am Mittwoch kommt die Frontalzone mit Passage eine Frontensystems über
Südskandinavien und Dänemark etwas nach Süden voran, wodurch die Hochdruckzone
nach Südosten abgedrängt wird, aber für das Vorhersagegebiet noch
wetterbestimmend bleibt.
Die dichten Wolken im Norden kommen etwas nach Süden voran, Regen fällt aber
auch an den Küsten wohl weiterhin kaum. Der Wind frischt vorübergehend auf und
erreicht an den Küsten Bft 8, auf dem Brocken eventuell auch Bft 9. In der Mitte
und im Süden scheint weiterhin nach Nebelauflösung überwiegend die Sonne. Die
Milderung macht Fortschritte, die Höchstwerte liegen meist zwischen 11 und 16
Grad (an den Küsten sowie bei längerem Nebel unter 10 Grad).

Am Donnerstag stößt ein Trog über dem mittleren Nordatlantik nach Süden vor, so
dass die Hochdruckzone über dem Ostatlantik unterbrochen wird. Stattdessen dreht
die Höhenströmung vorderseitig des Troges über Westeuropa auf Südwest, wodurch
sich, ausgehend von einer Höhenantizyklone über Südosteuropa, ein leicht
progressiver Höhenrücken über Mitteleuropa und Südskandinavien bis zur
Norwegischen See aufwölbt, dessen Achse allmählich ostwärts vorankommt.
Der korrespondierende Bodenhochkeil drückt die Frontalzone über dem nördlichen
Mitteleuropa wieder etwas nach Norden, so dass sich nun auch im Norden und
Nordosten Deutschlands zumindest zeitweise die Sonne durchsetzen kann, wobei der
Wind deutlich abnimmt. Ansonsten ändert sich nichts Relevantes. Lediglich die
Milderung macht noch weitere Fortschritte (T850 hPa Mittwochabend zwischen 5
Grad im Nordwesten und 9 Grad im Südosten); die Temperaturen erreichen
Höchstwerte zwischen 13 und 18 Grad (an den Küsten und bei längerem Nebel um 10
Grad).

Am Freitag steuert der Langwellentrog über dem Ostatlantik allmählich auf
Westeuropa zu, wird aber durch den sich immer wieder regenerierenden Höhenrücken
über Kontinentaleuropa blockiert und beginnt in der Nacht zum Samstag westlich
der Iberischen Halbinsel auszutropfen. Die südwestliche Höhenströmung über den
Vorhersagegebiet bleibt weiterhin antizyklonal konturiert und trotz Druckfall im
Bodenfeld (der Schwerpunkt des Bodenhochs hat sich inzwischen Richtung Schwarzes
Meer zurückgezogen) bleibt noch Hochdruckeinfluss wetterbestimmend. Lediglich
über den Westen und Norden des Landes driften zeitweise Wolkenfelder, die der
schwachen WLA geschuldet sind, sonst scheint weiterhin oft die Sonne. An den
Höchstwerten dürfte sich nicht allzu viel ändern.

Am Samstag steuert das Cut-Off-Tief allmählich auf die Iberische Halbinsel zu,
bleibt aber mit seinem Drehzentrum auch bis Sonntagfrüh wohl noch unmittelbar
westlich von Galicien. Vorderseitig kann sich der von der Höhenantizyklone über
dem Schwarzen Meer ausgehende, bis nach Mitteleuropa und zur Nordsee gerichtete
Höhenrücken wieder etwas verstärken, wird aber etwas nach Norden abgedrängt, so
dass die nach wie vor allerdings sehr schwache Höhenströmung in 500 hPa über dem
Vorhersagegebiet allmählich auf südliche Richtungen dreht.
Im Bodenfeld beginnt der Druck über Nordosteuropa zu steigen, in der Nacht zum
Sonntag etabliert sich ein Hochdruckgebiet über dem Westen Russlands, so dass
die Strömung über Mitteleuropa an dessen Südwestflanke auf Südost dreht.
Insgesamt wird die Luftmasse über Deutschland zwar etwas feuchter, das macht
sich aber lediglich durch zeitweise durchziehende hohe und mittehohe
Wolkenfelder, vor allem über den Westen und Norden des Landes, bemerkbar, es
sollte weiterhin aber trocken bleiben. Die Höchsttemperaturen erreichen dabei
wohl nicht mehr ganz die Werte des Vortages.

In der erweiterten Mittelfrist, also am kommenden Sonntag und vor allem zu
Beginn der übernächsten Woche, kommt das zentralsteuernde und hochreichende Tief
vor der Iberischen Halbinsel allmählich nach Norden voran und weitet sich vor
allem ab Montag gleichzeitig nach Osten, Richtung Mitteleuropa, aus. Derweil
wird das Hoch über dem Westen Russlands südostwärts abgedrängt, während im Zuge
eines Kaltluftvorstoßes über dem grönländisch-isländischen Raum der Druck
steigt. Es stellt sich also nach Lesart des IFS-Hauptlaufes eine High-over-Low
Konstellation ein (Großwetterlage HNz).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die gestrigen Läufe des IFS erweisen sich als konsistent zum aktuellen Lauf, bis
einschließlich zum kommenden Sonntag weichen sie sogar kaum voneinander ab. Der
gestrige 00 UTC-Lauf hat am Sonntag eine einen Tick zyklonalere Variante auf der
Agenda, wobei im Westen sogar geringe Niederschläge simuliert werden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch die vorliegenden externen Modelle fahren bis mindestens Freitag einen
einheitlichen Kurs. GFS und ICON lassen die Frontalzone am Mittwoch etwas weiter
nach Norddeutschland vordringen, was sich aber höchstens in den Wolkenprognosen
niederschlägt (die Grenze zu dichter Bewölkung liegt ein wenig weiter
südlicher), Niederschläge werden aber nach Lesart beider Modelle keine bzw. nur
geringfügig (GFS) simuliert.
ICON lässt am kommenden Samstag den Langwellentrog über dem Ostatlantik etwas
näher nach Westeuropa vorankommen, so dass die Höhenströmung über dem
Vorhersagegebiet eher auf Südsüdwest drehen würde und ein wenig zyklonaler
aufgestellt ist als nach GFS und auch nach GEM. Niederschläge werden aber
ebenfalls keine simuliert.
Erst in der erweiterten Mittelfrist werden die Differenzen dann allmählich
größer: GEM ähnelt dabei der IFS-Variante, GFS hingegen ist antizyklonaler
aufgestellt, da sich das Cut-Off-Tief über Südwesteuropa ins Mittelmeer
verlagert und sich knapp nördlich/nordwestlich des Vorhersagegebietes eine
Hochdruckzone etabliert, so dass sich eine relativ trockene nordöstliche
Bodenströmung einstellen würde.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur verschiedener, über das gesamte
Vorhersagegebiet verteilter Rauchfahnen verdeutlichen die Einigkeit der Member
bis zu Beginn der erweiterten Mittelfrist am kommenden Samstag eindrucksvoll:
Der Spread beträgt insgesamt nur wenige Kelvin, der Median ist sehr eng
gebündelt darin eingebettet. Jeweils ein/zwei Member simulieren für die
norddeutschen Gitterpunkte geringe Niederschläge, ansonsten bleibt es bis zum
Samstag trocken.
Bei insgesamt zurückgehendem 500 hPa-Geopotenzial wird der Spread erst ab dem
kommenden Sonntag größer, wobei es sich hauptsächlich um einige „Ausreißer“ nach
unten handelt, das Groß der Member bewegt sich im positiven 850
hPa-Temperaturbereich. Allerdings treten nun etwas häufiger Niederschlagssignale
auf.

Zu Begin der Mittelfrist (72 bis 96 Stunden) verteilen sich die ENS-Member, der
Haupt- und Kontrolllauf auf vier Cluster, die sich allesamt für Mitteleuropa
(langgestreckte, zonal ausgerichtete Hochdruckzone) nicht wesentlich
unterscheiden.
Für den nächstfolgenden Zeitraum (120 bis 168 Stunden) ergeben sich 3 Cluster,
die sich zunächst ebenfalls, Mittel- und Westeuropa betreffend, nicht wesentlich
voneinander unterscheiden. Das blockierende Hoch über Südost- und Osteuropa
haben alle auf der Agenda (Großwetterlagenregime für alle Cluster zum Ende hin
„Blocking), Differenzen ergeben sich, wie schon weiter oben beschrieben, am
ehesten bzgl. der Position des Cut-Off-Prozesses vor Südwesteuropa im Detail.
Erst in der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 Stunden, 3 Cluster) ergeben
sich etwas größere Differenzen. Dabei baut sich nach Lesart des CL1 (20 Member)
und des CL 3 (13 Member) ein neues Blockadehoch über dem Seegebiet zwischen den
Britischen Inseln und Grönland auf, während das Cut-Off-Tief über Südwesteuropa
bleibt. Zwar kann sich auch nach dieser Variante, vor allem nach CL 1, zumindest
im Südwesten und Süden des Landes vorübergehend etwas unbeständigeres Wetter
durchsetzen, dennoch überwiegen die antizyklonalen Lösungen ohne nennenswerte
Niederschläge und mit einer Hochdruckbrücke über bzw. nördlich des
Vorhersagegebietes. Diese Variante entspricht eher der GFS-Lösung.
CL 2 (18 Member, zzgl. Haupt- und Kontrolllauf) lässt dagegen das Cut-Off-Tief
näher an Mitteleuropa heranrücken und ist, ähnlich wie der Hauptlauf des IFS und
auch des GEM, für das Vorhersagegebiet insgesamt zyklonaler aufgestellt.

FAZIT:
Bis einschließlich zum kommenden Samstag dominiert ruhiges und vor allem ab
Mittwoch sehr mildes Hochdruckwetter mit kleinen „Schönheitsfehlern“ in Form von
dichteren Wolken zunächst im Norden und später auch im Westen.
Danach wird’s sicherlich zumindest wolkiger und nicht mehr ganz so mild; ob es
für nennenswerte Niederschläge reicht, bleibt abzuwarten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der dominante Hochdruckeinfluss lässt kaum signifikante Wettererscheinungen zu.
Lediglich am Mittwoch können an den Küsten vorübergehend stürmische Böen (Bft 8)
aus Südwest bis West auftreten, auf dem Brocken reicht es dann im Maximalfall
für Sturmböen (Bft 9).

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff