S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 21.02.2025 um 10.30 UTC

Unbeständig, zunächst milde bis sehr milde Winkelwestlage, zum Ende der Woche
Trogeinfluss mit weitere leichter Abkühlung.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 28.02.2025

Aktuell haben wir einen langgestreckten, aber sehr kompakten stratosphärischen
Polarwirbel, der sich von Sibirien bis nach Ostkanada erstreckt und keine
Anstalten auf eine plötzliche Stratosphärenerwärmung zeigt. Auch ein Ast des
troposphärischen Polarwirbels liegt über Nordostkanada, wobei Kaltluft über den
Nordwestatlantik ausfließt und dort die Tiefdruckbildung anfacht. So liegt am
Montag tiefes Geopotenzial über dem Nordatlantik, wobei sich ein steuerndes
Zentraltief bei Island befindet. Über dem Atlantik herrscht eine zonale Strömung
mit weit südlicher Frontalzone, die über Europa vorderseitig des
Tiefdruckkomplexes steil nach Nordosten abbiegt. Dabei wird milde Atlantik-, im
Süden auch Subtropikluft über Mitteleuropa weit nach Nordosten bis Skandinavien
geführt.
Deutschland befindet sich zwischen einem blockierenden Hoch über Westrussland
und dem angesprochenen Tiefdruckkomplex mit Zentrum über Island und wird
zunehmend zyklonal beeinflusst. Die 850-hPa-Temperatur liegt bei etwa 3 °C. Von
Westen nähert sich eine im ThetaE und Temperaturfeld schwach konturierte
Kaltfront, die durch einen kurzwelligen Randtrog gestützt wird und mit Regen auf
den Nordwesten übergreift. Der Südosten Deutschlands liegt unter dem Einfluss
eines sich vorderseitig aufwölbenden Höhenkeils, dessen Achse sich von
Südostbayern über Polen bis ins Baltikum erstreckt. Im Osten ist es somit meist
nur locker bewölkt. Die Wetterlage lässt sich als eine Winkelförmige Westlage
beschreiben, wobei Mitteleuropa zu einem Frontenfriedhof wird.

Bis Dienstagmittag überqueren die Front und der Randtrog den Norden Deutschlands
ostwärts, bringt aber nur vergleichsweise geringe Niederschläge. Vorderseitig
eines neuen Randtroges über Westeuropa entwickelt sich am Dienstag ein kleines
Wellentief über Zentralfrankreich, das Kurs auf Deutschland nimmt. Seine Zugbahn
wird von den Modellen noch unterschiedlich bewertet. Während es ICON-0z als
etwas kräftigeres Tief in der Nacht zum Mittwoch und am Mittwoch über den
Nordwesten Deutschlands ziehen ließ, gleicht sich ICON-6z dem IFS-0z-Lauf an,
der das Tief als schwache Welle über die Mitte ziehen lässt. In seinem Bereich
fällt am Mittwoch leichter bis mäßiger Regen.

Rückseitig kommt am Mittwoch die Achse des neuen Kurzwellentrogs bis
Ostfrankreich voran und amplifiziert sich. Dabei wird im Golf von Genua eine
Zyklogenese ausgelöst, wodurch der Trog zurückgehalten wird und von einem
nachrückenden Höhenkeil von Westen in die Zange genommen und dadurch immer
schmaler wird. Dabei fließt eine erwärmte polare Luftmasse nach Mitteleuropa mit
850-hPa-Temperaturen zwischen 0 und -4 °C ein. Somit gibt es immer wieder
leichte Niederschläge, die im Mittelgebirge und in den Alpen oberhalb von 800
bis 1000 m als Schnee fallen.

Am Donnerstag tropft ein Teil des Troges ins Mittelemeer ab und löst sich dort
mit samt dem Genuatief allmählich auf. Von Westen nähert sich ein weiterer
Kurzwellentrog, der bis zum Freitag in das alte Trogresiduum zieht, gegen den
Höhenkeil über Osteuropa anläuft und somit nur langsam ostwärts vorankommt.

Mitteleuropa verbleibt bis Samstag unter Trogeinfluss, wobei zunehmend etwas
kühlere Polarluft einfließt, sodass die 850-hPa-Temperatur bis Samstag auf -3 °C
bis -6 °C fällt, sodass die Schneefallgrenze in den Mittelgebirgen bei etwa 600
m liegt. Es wird dort aber nur wenig Schnee erwartet.

Im weiteren Verlauf zeigt das IFS mit stark sinkenden Geopotenzial über dem
Nordmeer und Island und einem kräftiger werdenden Azorenhoch eine weitere
Zonalisierung der Lage, die sich bis nach Europa schiebt. Das blockierende Hoch
wird weiter nach Osten verdrängt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Entwicklung im neuen IFS ähnelt sehr der in den Vorläufen. Die Zugbahn und
Entwicklung des Tiefdruckgebietes am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch wird
von den Modellen noch unterschiedlich behandelt.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Es bestehen noch Unsicherheiten bezüglich der Tiefdruckentwicklung und
Tiefzugbahn am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch. ICON-6z, IFS-0Z und GFS
6z haben sich jedoch nun auf ein schwaches Wellentief mit Zugbahn über die Mitte
Deutschlands geeinigt.
Ansonsten sehen alle deterministischen Modelle auch am nächsten Wochenende recht
ähnlich aus. Hatte GFS0z noch eine Westwetterlage zeigt der neue 6z-Lauf jetzt
eine Austrogung nach Mitteleuropa am kommenden Wochenende, eine winterliche
Option fürs Bergland. ICON 6z geht bereits am nächsten Freitag in diese
Richtung, einer Tendenz zur Wiederherstellung des Blockings. Auch die AI-Modelle
zeigen verschiedene Varianten eines Blockings.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS-Rauchfahnen sind bis Ende der Woche relativ stark gebündelt. Größere
Streuung tritt allerdings bei den Niederschlägen am Dienstag/Mittwoch auf, was,
darauf hindeutet, dass die Zugbahn des Tiefs auch in den ENS nicht sicher ist.
Ab Freitag nimmt der Spread in den 850-hPa-Temperaturen etwas zu, wobei sich der
Hauptlauf zunächst im kälteren Drittel, ab dem Wochenende sogar am unteren Rand
der ENS befindet. Über 0 °C gehen aber die wenigsten Mitglieder. Der
Aufwärtstrend, den die gestrigen ENS zum nächsten Wochenende gezeigt haben, ist
so nicht mehr erkennbar. Die Streuung im Geopotenzial wird aber ab Freitag
erheblich.
Auch die Clusteranalysen zeigen ab dem nächsten Wochenende zu einem Teil eine zu
meist antizyklonal geprägte Westwetterlage oder ein irgendwie geartetes
Blocking, ehe sie in der übernächsten Woche ins totale Chaos gehen.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass uns ein wechselhafter Witterungsabschnitt
mit zeitweiligen, meist leichten Niederschlägen bevorsteht. Die Zugbahn eines
schwachen Wellentiefs am Mittwoch ist noch unsicher, bevorzugt ist aber derzeit
eine Bahn über die Mitte Deutschlands. Auch der Trogeinfluss mit Abkühlung ab
Mittwoch scheint sicher. Die weitere Entwicklung ist deutlich unsicher. Ein
grober Trend geht Richtung eher kühl, mit Schneeoptionen im Bergland ab Freitag.
Ob dann der Atlantik endgültig erwacht, oder ob sich danach ein irgendwie
geartetes Blocking entwickelt, das sich wieder in höhere Breiten ausbreitet, ist
noch sehr unsicher. Letzteres würde zum Zirkulationsmuster des gesamten Winters
passen und entspricht auch meinem Bauchgefühl.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Lage bietet abgesehen von einigen Sturmböen in den Gipfellagen kein
Potenzial für signifikantes Wetter.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS/ICON, MOSMIX, ab Donnerstag ENS-Mittel, im Trend ab dem Wochenende eher
Vorhersagen mit Blockingtendenz

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold